In Kürze:
- Die Demokraten haben bei den Midterms die Kontrolle über Senat und Repräsentantenhaus zurückerobert und in mehreren Bundesstaaten, darunter Texas und Ohio, republikanische Gouverneure abgelöst.
- Donald Trump macht unter anderem die Medienberichterstattung und die fehlende eigene Kandidatur für das schlechte Abschneiden seiner Partei verantwortlich.
- Die Wahlniederlage dürfte Trumps innenpolitischen Handlungsspielraum deutlich einschränken.
Noch sind nicht alle Ergebnisse der Midterm-Wahlen vom Dienstag, 3. November, in den USA ausgezählt. Die bisher vorliegenden Resultate und Trends lassen jedoch erkennen, dass die Republikaner flächendeckend deutliche Verluste zu verzeichnen haben. Den Demokraten gelingt es, eine Vielzahl an bisherigen republikanischen Sitzen in Senat und Repräsentantenhaus zu erobern. Sie werden künftig in beiden Kammern des Kongresses über eine stabile Mehrheit verfügen.
Auch auf Bundesstaatsebene zeichnen sich einige für die Republikaner bittere Ergebnisse ab: So wird der Posten des Gouverneurs von Texas erstmals seit mehr als 30 Jahren wieder an die Demokraten gehen. Gina Hinojosa wird den seit 2015 amtierenden Greg Abbott ablösen. Auch in Iowa, Georgia und Ohio werden künftig demokratische Gouverneure regieren. Vor allem für den im Vorwahlkampf 2024 als Hoffnungsträger gehandelten Unternehmer Vivek Ramaswamy ist das ein Rückschlag: Er kommt in Ohio nur auf knapp über 45 Prozent. Als Gouverneurin wird künftig Amy Acton amtieren.
Ein Trostpflaster für die Republikaner ist der Gewinn des Gouverneursamts in Florida durch Byron Donalds. Die Partei des Präsidenten wird auch künftig den Regierungschef in South Carolina, Tennessee, Idaho, Wyoming, South Dakota, Oklahoma, Arkansas und New Hampshire stellen. Auch in der demokratischen Hochburg Vermont wird mit Phil Scott weiterhin ein Republikaner regieren.
Donald Trump will nach Midterms mit Demokraten im Kongress zusammenarbeiten
Am Mittwochvormittag hat „Fox News“ bisher 53 Sitze im Senat als sicher von den Demokraten gewonnen eingestuft. Das bedeutet, dass es ihnen bis dahin gelungen ist, sieben bisher von den Republikanern gehaltene Sitze zu erobern. In Michigan liegt der Demokrat Abdul El-Sayed bei einem Auszählungsgrad von knapp 80 Prozent mit rund 52 Prozent der Stimmen voran. Im Laufe des Vormittags wurde auch dieser Sitz von den großen Sendern endgültig den Demokraten zugeschrieben.
Auch im Repräsentantenhaus galten zu diesem Zeitpunkt bereits 221 Sitze als sicher in der Hand der Demokraten – ausreichend, um in der 435 Sitze umfassenden Kammer eine Mehrheit zu erlangen. US-Präsident Donald Trump hat bereits erklärt, er sei „absolut gewillt“, die Resultate der Zwischenwahlen zu akzeptieren und über die Parteigrenzen hinweg zusammenzuarbeiten. Gegenüber der „New York Times“ äußerte er:
„Wir werden mit den Demokraten zusammenarbeiten. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit. Wahrscheinlich können wir etwas erreichen.“
Auf Truth Social kündigte der Präsident an, notfalls von seinem Vetorecht Gebrauch zu machen. Er äußerte zudem, er bedauere es nicht, die unterlegenen Senatskandidaten Darline Graham und Ken Paxton unterstützt zu haben. Trump erklärte, das schlechte Ergebnis der Republikaner liege daran, dass nicht er selbst zur Wahl gestanden habe.
Rund 40 Prozent wollten Washington einen Denkzettel verpassen
Darüber hinaus machte er „Fox News“ und dessen Berichterstattung für das Ergebnis verantwortlich. Der Sender habe den Demokraten zu viel Sendezeit eingeräumt. Greg Abbott sei in Texas abgewählt worden, weil er zum „RINO“ („Republican in name only“) geworden sei und wieder seinen Kurs vor der Ära Trump eingeschlagen habe.
Erste Wahlanalysen widersprechen dieser Einschätzung. Diesen zufolge sei es vielfach Unzufriedenheit mit der Politik der Regierung in Washington selbst gewesen, die sich im Wahlverhalten widergespiegelt habe. Einer AP-Wählerbefragung zufolge hätten rund 40 Prozent der befragten Wähler angegeben, mit ihrer Stimmabgabe gegen die Politik Trumps protestieren zu wollen. Es ist ein häufig zu beobachtendes Phänomen, dass eine Partei, die den Präsidenten stellt – insbesondere, wenn sie auch in den Kongresskammern Mehrheiten hat –, bei Midterms Rückschläge einstecken muss.
Die Wählerschaft der Demokraten war – wie es häufig bei Midterms unter republikanischen Regierungen der Fall ist – in höherem Maße motiviert, zur Wahl zu gehen. Einer „Politico“-Analyse zufolge sei die Zahl der abgegebenen Stimmen im Vergleich zu den Midterms 2022 in Landkreisen, in denen Kamala Harris 2024 auf 70 Prozent oder mehr gekommen war, um 15,1 Prozent gestiegen. In den entsprechenden republikanischen Hochburgen habe das Plus nur 7,1 Prozent betragen.
Junge und hispanische Wähler kehrten Republikanern den Rücken
Es hat aber auch in bestimmten Wählergruppen klare Verschiebungen von den Republikanern zu den Demokraten gegeben. Dies war etwa bei hispanischen Wählern der Fall. Bei ihnen hatte unter anderem das harte Vorgehen der Einwanderungs- und Zollbehörde ICE zu einer Abkehr von den Republikanern beigetragen.
Die Einwanderungspolitik der Regierung Trump hatte auch Kritik von Papst Leo XIV. hervorgerufen. Dieser schlossen sich vor allem hispanische Katholiken an. Unter weißen Katholiken hatten die Republikaner ebenfalls Verluste zu verzeichnen – allerdings nicht in der gleichen Größenordnung.
Schon im Herbst 2025 hatten in einer Umfrage des Pew Research Center 70 Prozent der hispanischen Katholiken die Einwanderungspolitik des Weißen Hauses abgelehnt. Unter weißen Katholiken bewerteten sie laut einer Umfrage des Public Religion Research Institute vom März 2026 hingegen 53 Prozent positiv.
Weitere Motive, die viele Wähler zur Abkehr von den Republikanern bewegten, waren die Wirtschaftspolitik und die Lebenshaltungskosten. Laut einer Nachwahlbefragung des Senders NBC bewerteten etwa 75 Prozent der Wähler die wirtschaftliche Lage als schlecht, knapp 80 Prozent erklärten, ihnen und ihren Familien bereite die Inflation starke Schwierigkeiten. Viele von ihnen machten den Irankrieg und die Zollpolitik der Regierung Trump für die steigenden Preise und Kosten mitverantwortlich.
Neue Gesichter nach Midterms: James Talarico, Abdul El-Sayed, Adam Hamilton
Während bei der Präsidentschaftswahl 2024 noch viele junge Wähler, vor allem Männer, Trump ihre Stimme gaben, lagen die Demokraten in diesem Segment bei den Midterms mit 70 Prozent voran. Demokratische Kandidaten wie Abdul El-Sayed machten Lebenshaltungskosten und Wirtschaft insbesondere mit Blick auf junge Wähler zum Thema – und sahen in fehlenden Zukunftsaussichten eine Ursache für den Geburtenrückgang. In mehreren umkämpften Bundesstaaten hatte der frühere Präsident Barack Obama für die demokratischen Kandidaten Wahlkampf gemacht.
Die Unzufriedenheit mit den Republikanern war so groß, dass selbst in Hochburgen der Vorsprung deutlich zusammenschmolz. In Kansas konnte mit dem Pastor Adam Hamilton erstmals seit 94 Jahren ein Demokrat einen Senatssitz erringen. Donald Trump hatte den Bundesstaat 2024 mit mehr als 16 Prozentpunkten Vorsprung gewonnen – seit 1974 hatte es nicht einmal mehr knappe Rennen um den Senatssitz gegeben.
In Texas gewann mit James Talarico – ein angehender Pastor – erstmals seit 1988 wieder ein Demokrat einen Senatssitz. Bei einem Auszählungsstand von 90,5 Prozent lag er bei nicht mehr einholbaren 55 Prozent. In Georgia gelang Amtsinhaber Jon Ossoff mit deutlicher Mehrheit die Verteidigung seines Sitzes gegen den von Trump unterstützten Republikaner Mike Collins.
Früherer Senatssitz von Lindsey Graham geht an die Demokraten
In North Carolina gelang es dem Demokraten Roy Cooper, mit mehr als 58 Prozent den zuvor von den Republikanern gehaltenen Senatssitz zu holen. Darline Graham, die Schwester des im Juli verstorbenen langjährigen Senators Lindsey Graham, hatte in South Carolina mit nur 47 Prozent gegen die demokratische Kandidatin Annie Andrews (51 Prozent) das Nachsehen.
In Iowa setzte sich Josh Turek gegen die Republikanerin Ashley Hinson durch, in Ohio Sherrod Brown gegen Jon Husted. Die als Trump-kritisch geltende Senatorin von Maine, Susan Collins, verlor ihren Sitz mit nur 46 Prozent gegen den Demokraten Troy D. Jackson.
Der demokratische Kongress wird es Präsident Trump künftig erschweren, Gesetzesvorhaben durchzubringen. Auch die Bestätigung von Nominierungen – etwa für Richter am Supreme Court – ist künftig nicht mehr ohne die Demokraten möglich. Schwieriger werden auch Haushaltsverhandlungen. Hingegen hat Trump noch eine Reihe von Optionen mit Blick auf außenpolitische Fragen wie den Irankrieg. Aufgrund noch nicht ausgezählter Briefwahlstimmen wird es noch einige Tage dauern, bis ein endgültiges Ergebnis der Zwischenwahlen feststeht.



