Ungeachtet der anhaltenden Auswirkungen des Krieges in der Golfregion auf die Wirtschaft hat die OECD ihre Wachstumsprognosen für Deutschland und weltweit leicht angehoben.
Für Deutschland rechnet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrer aktuellen Prognose in den kommenden beiden Jahren mit einem Wirtschaftswachstum von jeweils 1,1 Prozent. Für 2026 bedeutet das einen Anstieg um 0,4 Punkte im Vergleich zur vorherigen Prognose vom Juni.
„Das globale Wachstum hat sich besser gehalten als erwartet, doch die Puffer, die den Energieschock abgefedert haben, gehen zur Neige“, sagte OECD-Generalsekretär Mathias Cormann. Das Wachstum sei schwächer als im letzten Jahr, und die Inflation steige wieder an.
„Die Regierungen müssen ihre Unterstützung dort ansetzen, wo sie am dringendsten benötigt wird, und die öffentlichen Ausgaben auf einen nachhaltigen Kurs bringen. Außerdem müssen sie langfristige Wachstumsgrundlagen schaffen.“
EU: Wachstum von 1,0 Prozent erwartet
Für die gesamte Europäische Union geht die OECD für dieses Jahr von einem Wachstum um 1,0 Prozent aus, das sind 0,2 Prozentpunkte mehr als zuvor angenommen. Weltweit hoben die Fachleute ihre Prognose um 0,1 Prozentpunkte auf 2,9 Prozent Wachstum im kommenden Jahr an.
Ein Land, für das die OECD mit einem Schrumpfen der Wirtschaft rechnet, ist Saudi-Arabien: Nach einem Wachstum von 4,6 Prozent im laufenden Jahr rechnen die Experten mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 1,8 Prozent.
In den USA wird ein BIP-Wachstum von 2,2 Prozent im Jahr 2026 erwartet, das sich 2027 auf 2,1 Prozent abschwächen soll. In der Eurozone soll das Wachstum in beiden Jahren bei 1,0 Prozent liegen. Für China wird ein Wachstum von 4,5 Prozent im Jahr 2026 und 4,2 Prozent im Jahr 2027 prognostiziert.
Insgesamt sei die Weltwirtschaft von steigenden Energiepreisen in Folge der Konflikte in der Golfregion, aber auch von extremen Wetterereignissen belastet, erklärte die OECD. „Die globalen Wirtschaftsaussichten hängen weiterhin in hohem Maße davon ab, ob eine dauerhafte Lösung des Konflikts in der Golfregion erreicht wird.“
Der Zugriff auf Ölreserven, Lieferungen aus anderen Ländern und staatliche Unterstützungsmaßnahmen hätten die Auswirkungen bislang abgefedert.
Wetter und Handelspolitik
Ein Risiko bestehe zudem durch „wetterbedingte Angebotsschocks“, etwa einen sehr starken El Niño, der sich negativ auf die landwirtschaftliche Produktion auswirke und zu höheren Lebensmittelpreisen führe.
Auch ständige Änderungen in der Handelspolitik, insbesondere bei Zöllen und Exportbeschränkungen, seien ein Unsicherheitsfaktor, betonte die OECD. Die jüngsten von den USA verhängten bilateralen Zölle hätten den US-Zollsatz insgesamt um rund einen Prozentpunkt erhöht.
KI treibt Wachstum der Weltwirtschaft an
Angetrieben wird das Wachstum der Weltwirtschaft derzeit durch Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI). „KI-Technologien können beträchtliche Produktivitätsgewinne für Volkswirtschaften mit sich bringen, sobald sie effektiv in Produktionsprozesse integriert sind“, heißt es in dem Bericht.
Dabei bestehe aber auch das Risiko, dass die Renditen geringer ausfallen als erwartet oder länger auf sich warten lassen. Verzögerungen könnten sich etwa durch Engpässe bei der Stromversorgung und bei Halbleitern ergeben.
Wegen der höheren Rohstoffpreise rechnet die OECD weltweit mit einem kurzfristigen Anstieg der Inflation, die sich 2027 aber wieder abschwächen dürfte. Für Deutschland erwartet die Organisation 2026 mit einer Inflation von 2,5 Prozent und – gegenläufig zum weltweiten Trend – mit einem Anstieg auf 2,9 Prozent 2027. (afp/dts/red)


