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Wie Sie ein gestresstes Nervensystem beruhigen können


In Kürze:

  • Stress versetzt unseren Körper in einen dauerhaften Kampf-oder-Flucht-Modus.
  • Dieses Nervensystem im Daueralarm wirkt sich negativ auf den ganzen Körper aus – und die Symptome lassen sich nur schwer lindern.
  • Praktiken wie Atemübungen, Meditation und Zeit in der Natur beruhigen und fördern die Balance. 
  • Auch kleine Gewohnheiten im Alltag können helfen und das Nervensystem flexibler machen.

 
Chronischer Stress ist nicht nur ein psychischer, sondern auch ein neurologischer Zustand. Deshalb kommt es oft vor, dass moderne Hilfsmittel wie Schlafüberwachung oder strenge Morgenroutinen unser Gehirn mehr stressen als ihm zu helfen.
„Unser Nervensystem braucht nicht mehr. Es braucht weniger – und es braucht besser“, erklärte Julie Robinson, Organisationspsychologin und auf Neurowissenschaften basierende Trainerin, gegenüber Epoch Times.

Wenn das Nervensystem niemals zur Ruhe kommt

Ist das Nervensystem im Gleichgewicht, geht der Körper in den Ruhe- und Verdauungsmodus über. Jedes System funktioniert so, wie es soll, und man fühlt sich in der Regel am ehesten wie man selbst.
Ist das Nervensystem aktiviert, wechselt der Körper in den Kampf-oder-Flucht-Modus, meinte Jaz Robbins im Gespräch mit Epoch Times. Dieser Wechsel lenke Ressourcen weg von Verdauung, Immunabwehr und Regeneration hin zu unmittelbaren Bedürfnissen, so die approbierte Psychologin an der kalifornischen Pepperdine University.
Das Problem ist laut der integrativen Ärztin Priyal Modi, dass das moderne Leben diesen Schalter oft noch lange nach dem Ende der Bedrohung in dieser Position hält. „Viele Menschen leben in einem chronischen Überlebenszustand, ohne es zu merken“, sagte sie zu Epoch Times.
Die Symptome dieses dysregulierten Zustands können sich auf praktisch jedes System im Körper auswirken:
  • erhöhte Herzfrequenz und erhöhter Blutdruck, 
  • Schlafstörungen, 
  • anhaltende Müdigkeit, 
  • Darmprobleme, 
  • Konzentrationsschwierigkeiten, 
  • erhöhte emotionale Reaktivität, 
  • sozialer Rückzug, manchmal begleitet von Selbstmedikation mit stark verarbeiteten Lebensmitteln, Koffein oder Alkohol.
„Ein einzelnes Symptom langfristig zu lindern, kann eine Herausforderung sein, wenn dieses Symptom möglicherweise auf ein aktiviertes oder überaktiviertes Nervensystem zurückzuführen ist“, sagte die Psychologin Robbins.

Jahrtausendealte Praktiken und ihr Ansatz

Die Neurowissenschaften bestätigen mittlerweile vieles von dem, was alte Traditionen schon seit Jahrtausenden wissen: Der Zustand des Nervensystems präge, wie wir denken, fühlen, heilen, Beziehungen eingehen und funktionieren, so Modi. 
Die jahrtausendealten Praktiken seien als Mittel konzipiert worden, um das Nervensystem zu regulieren und ein Gleichgewicht zu fördern, merkte sie an.
Zu diesen Praktiken gehören unter anderem
„Was die Neurowissenschaften nun liefern, ist die Sprache und die Physiologie hinter diesen Praktiken“, sagte sie.
Ein Beispiel: Personen, die regelmäßig meditieren, weisen höhere Werte an Gamma-Aminobuttersäure auf. Das ist ein Neurotransmitter, der für die Beruhigung des Nervensystems sorgt. Ferner weisen meditierende Personen niedrigere Werte des Stresshormons Cortisol auf und ihr Nervensystem wird im Laufe der Zeit messbar flexibler. 
Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass Achtsamkeit die Produktion des „Glückshormons“ Serotonin fördert und so die Stimmung und die emotionale Widerstandsfähigkeit beeinflusst.
Konsequentes Achtsamkeitstraining hilft zudem dabei, dass das Nervensystem den Sympathikus, der für die Kampf-oder-Flucht-Reaktion zuständig ist, nicht mehr chronisch aktiviert. Das versetzt den Körper in einen ausgeglicheneren und regulierteren Zustand.
„Alte Systeme näherten sich dem durch direkte, körperlich verankerte Erfahrung“, sagte Modi. „Die moderne Wissenschaft nähert sich dem durch Messungen und Forschung.“

Wie Regulierung aussehen kann

Wenn man das Büro der Schulkrankenschwester Kari Asadorian betritt, sieht man vielleicht einen Schüler, der zu überwältigt ist, um zu sprechen, oder zu aufgewühlt, um in den Unterricht zurückzukehren. Asadorian, eine staatlich geprüfte Krankenschwester mit Erfahrung in den Bereichen Neurologie und Psychiatrie, greift nicht zu einer Kontrollliste. Sie bittet den Schüler, eine Hand auf seinen Bauch zu legen und auf seinen Atem zu achten.
„Als Schulkrankenschwester sehe ich Schüler mit Regulationsstörungen. Sie benötigen Instrumente, um sich zu beruhigen, damit sie mit Gleichaltrigen interagieren und im Unterricht in einem optimalen Lernzustand lernen können“, sagte Asadorian gegenüber Epoch Times.
Ihre Hilfsmittel sind altbewährt: geführte Atemübungen, Erdungstechniken, sensorische Wahrnehmung. 
Ein Beispiel ist die 5-4-3-2-1-Methode. Dabei nennt man
  • fünf Dinge, die man sehen kann,
  • vier Dinge, die man berühren kann,
  • drei Dinge, die man hören kann,
  • zwei Dinge, die man riechen kann,
  • ein Ding, das man schmecken kann. 
Das verankert einen rasenden Geist wieder im Hier und Jetzt. Manchmal reichen schon ein Schluck Wasser oder vielleicht ein paar Sekunden Stille.
Weitere leicht anwendbare Methoden sind Dehnen, Tanzen, Spazierengehen und Summen. Laut Asadorian können sie dazu beitragen, den Vagusnerv zu stimulieren und den Übergang in einen parasympathischen Ruhe- und Verdauungszustand zu unterstützen.
„Stress gehört zum Alltag“, so die Schulkrankenschwester. Entscheidend sei, was man in Phasen der Überlastung tut und dass man herausfindet, was für einen funktioniert.

Für ein flexibles Nervensystem

Eine morgendliche Praxis, sei es Meditation, das Aufsagen von Mantras, Atemübungen oder sanfte Bewegung, kann helfen, das System zu stabilisieren. Am Abend können einfache Gewohnheiten zum Abschalten den allmählichen Übergang in die Ruhephase unterstützen. Dazu gehört so etwas wie
  • elektronische Geräte vor dem Schlafengehen weglegen,
  • sich auf den nächsten Tag vorbereiten, 
  • Hautpflegeroutinen,
  • beruhigende Musik,
  • Lesen.
Bei der Pflege des Nervensystems gehe es nicht nur um Ruhe, meinte die integrative Ärztin Modi. Ihr zufolge beeinflussen gesunde Herausforderungen, Sinnhaftigkeit, Spiel, Kreativität, Lachen und emotionale Verbundenheit das menschliche System gleichermaßen regulierend.
„Ein gesundes Nervensystem ist flexibel“, sagte sie. „Es kann, wenn nötig, aktiv werden und danach zur Ruhe zurückkehren. Diese Anpassungsfähigkeit ist es, was Regulierung wirklich bedeutet.“
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Ancient Techniques That Reset Your Nervous System“ (redaktionelle Bearbeitung: as)

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