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Nach Wahlsieg der Opposition in Serbien: TV-Moderator entschuldigt sich in Live-Sendung für Einseitigkeit


In Kürze:

  • Mitarbeiter des serbischen Regionalsenders RTV haben sich für jahrelange einseitige Berichterstattung entschuldigt.
  • Zuvor hatte die oppositionelle Studentenliste die Parlamentswahl mit deutlicher Mehrheit gewonnen.
  • Der kommissarische Chefredakteur des Ersten Programms von RTV, Nenad Ćaćić, ist zurückgetreten.

 
In Serbien hat ein bekannter Nachrichtenmoderator des öffentlich-rechtlichen Rundfunks am Montag, 26. Oktober, im Namen eines Teils der Belegschaft eine Entschuldigung für die Berichterstattung seines Senders verlesen. Anlass war offenbar der bevorstehende Regierungswechsel.
Am Sonntag hatte die oppositionelle Studentenliste mit deutlicher Mehrheit die Parlamentswahl in der früheren jugoslawischen Teilrepublik gewonnen. Damit endete auch die Ära des früheren Präsidenten Aleksandar Vučić, der das Land seit 2014 als Ministerpräsident und ab 2017 als Präsident regiert hatte.

RTV: Öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Serbien hat „seine Funktion nicht erfüllt“

Aus der Opposition waren bereits vor dem Wahlkampf regelmäßige Vorwürfe an die öffentlich-rechtlichen Medien in Serbien laut geworden. Diese hätten einseitig zugunsten von Vučić und dessen Regierungspartei berichtet. Deren Gegner habe man entweder gar nicht zu Wort kommen lassen oder vorwiegend in negativer Weise dargestellt.
Dies räumte nun Nachrichtenmoderator Goran Eror vom Regionalsender RTV (Radio-televizija Vojvodine) ein. Bei diesem handelt es sich um den eigenständigen öffentlich-rechtlichen Sender der Provinz Vojvodina mit Sitz in Novi Sad, der neben dem landesweiten RTS (Radio-televizija Srbije) besteht.
Zu Beginn der Sendung „Dnevnik u 17 časova“ verlas Eror eine Erklärung. In dieser äußerte der Sprecher:
„Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat seine Funktion über viele Jahre hinweg nicht erfüllt. Er hat geschwiegen, weggesehen, einseitig informiert und unkritisch berichtet. Er hat nicht die richtigen Fragen gestellt und einige Fragen überhaupt nicht gestellt. Dafür schulden wir den Zuschauern eine Entschuldigung.“

RTS-Belegschaft protestierte gegen Aussage ihrer Informationschefin

RTV bestätigte in weiterer Folge auch den Rücktritt des kommissarischen Chefredakteurs des Ersten Programms, Nenad Ćaćić. Zu dessen Nachfolger wurde Blažo Popović ernannt. Eine offizielle Entschuldigung des landesweiten öffentlich-rechtlichen Senders RTS gibt es bislang nicht.
Auch hat der RTS noch keine Stellungnahme oder Erklärung zu den Aussagen Erors abgegeben – weder in Form einer Zustimmung noch einer Distanzierung oder eigenen Entschuldigung.
Anfang Oktober hatten jedoch Teile der Belegschaft von RTS eine Stellungnahme unter dem Titel „Naš protest“ („Unser Protest“) veröffentlicht. Diese richtete sich gegen eine Äußerung von RTS-Informationschefin Bojana Mlađenović.
In dieser warf sie Umfrageinstituten, die einen Sieg der Studentenliste voraussagten, vor, bewusst mit falschen Zahlen zu operieren. Diese sollten dann am Wahlabend zur Grundlage für Wahlfälschungsvorwürfe werden.
Tatsächlich zeigten vor der Wahl veröffentlichte Umfragen höchst unterschiedliche Ergebnisse. Den Erfolg der Studentenliste hatte in dieser Höhe keines der größeren Institute prognostiziert.

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