In Frankreich hat sich am Mittwoch eine weitere Bewerberin in die lange Liste der möglichen Nachfolger von Präsident Emmanuel Macron eingereiht: eine ehemalige Journalistin der Zeitschrift „Marianne“. Macron scheidet im Mai nach zwei Amtszeiten aus dem Amt. Den Wahlkampf überschatten seit fast vier Wochen anhaltende Schülerproteste, die sich unter anderem an überfüllten Klassen entzündet hatten. Zugleich wächst die Furcht vor Einmischungen aus dem Ausland.
In einer Umfrage äußerten nur noch 15 Prozent der Befragten eine positive Meinung über Macron – der niedrigste Wert seit seinem Amtsantritt 2017. Die Umfrage fiel in die Zeit der Schülerproteste. Die Sicherheitskräfte waren angewiesen worden, bei Gewalt „keine Zurückhaltung“ zu üben.
Hunderte Verletzte bei Protesten
Bei den Protesten wurden gut 900 Sicherheitskräfte und knapp 250 Schüler verletzt. Einem Schüler wurde die Hand durch eine Polizeigranate abgerissen, ein anderer verlor alle Zähne, als ein Polizist ihm mit einem Granatwerfer ins Gesicht schoss. Die Polizeiaufsicht ermittelt inzwischen in 36 Fällen.
Macron äußerte sich in den vergangenen Wochen weder zum Ausmaß der Gewalt noch zu den Anliegen der Schüler. Premierminister Sébastien Lecornu kritisierte vor allem die Oppositionspartei La France insoumise (LFI) und warf ihr vor, die Proteste zu instrumentalisieren.
LFI-Präsidentschaftskandidat Jean-Luc Mélenchon nahm an der jüngsten Demonstration in Paris teil und schickte Abgeordnete seiner Partei zu den blockierten Schulen, wo sie von den Schülern begrüßt wurden. Bei den 18- bis 25-Jährigen kommt Mélenchon in Umfragen inzwischen auf mehr als 40 Prozent.
Cyberangriff auf Supermärkte
Weniger öffentliche Aufmerksamkeit erhielt ein Cyberangriff auf Supermarktketten: In der Nacht zu Montag manipulierten Unbekannte die Kühl- und Gefrierabteilungen von Hunderten Supermärkten. Die Temperaturen stiegen auf bis zu 50 Grad, teils kam es zu Bränden. Tonnenweise Frischwaren und Tiefkühlprodukte mussten entsorgt werden.
Wer hinter dem Angriff steckt, ist bislang unklar. Kurz zuvor hatte der französische General André Petillot gewarnt: „Cybersicherheit wird bei Unternehmen und Verwaltungen häufig vernachlässigt.“
Seit Beginn des Wahlkampfs verbreiten sich im Netz immer wieder Falschinformationen. Häufig werden dabei Konten bekannter Medien imitiert, um erfundene Inhalte zu verbreiten, etwa über den Gesundheitszustand oder das Privatleben von Präsidentschaftskandidaten.
Die zuständige Behörde Viginum hat im laufenden Wahlkampf bereits etwa 100 solcher Aktionen aufgedeckt. Viele davon lassen sich prorussischen Kampagnen wie Matrjoschka oder Storm-1516 zuschreiben.
Le Pen und Russland
Im vorletzten Präsidentschaftswahlkampf war die Kandidatin des Rassemblement National (RN), Marine Le Pen, vom russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau empfangen worden. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs äußert sich Le Pen russlandkritischer. (afp/red)