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„Einzigartiges Erlebnis“: Live-Übertragung aus dem spanisches Hinterland

Schon als Kind betrachtete Enrique Bordallo voller Staunen den Sternenhimmel über seiner spanischen Heimat. Bis heute begeistert er sich für Gestirne; seine Vorfreude auf die bevorstehende totale Sonnenfinsternis am Mittwoch kommender Woche ist riesig.
„Wir sind völlig aus dem Häuschen!“, sagt Bordallo, der den Astronomieverein in Burgos leitet. In dieser Stadt in Nordspanien wird das astronomische Spektakel besonders gut zu beobachten sein.
„Wir können es kaum erwarten, dass es endlich soweit ist, und hoffen auf gutes Wetter“, sagt Bordallo. Dann erklärt er einer Gruppe, die zur Sternenbeobachtung ins Dorf Belorado gekommen ist, das seltene Himmelsphänomen: Ab etwa 19.30 Uhr am 12. August wird sich der Mond langsam vor die Sonne schieben, bis er sie knapp eine Stunde später für gut eineinhalb Minuten komplett verdeckt und die Beobachter in Dunkelheit hüllt.

Deutschland erlebt nur eine teilweise Sonnenfinsternis

Der Norden Spaniens gehört neben Island und Grönland zu den wenigen Regionen weltweit, in denen die totale Sonnenfinsternis zu beobachten sein wird.
In Deutschland etwa wird nur eine teilweise Sonnenfinsternis zu sehen sein – auch wenn die Sonne hier zu bis etwa 90 Prozent vom Mond verdeckt sein wird. Ihren Höhepunkt wird die „Sofi“ in Deutschland je nach Standort des Beobachters zwischen etwa 20:07 Uhr und 20:18 Uhr erreichen.
In Spanien ist es die erste totale Sonnenfinsternis seit 1905. Das astronomische Ereignis verschafft der Gegend große Aufmerksamkeit: Hunderttausende Touristen werden erwartet, zahlreiche Medien werden berichten.
Die Region Kastilien und León erhofft sich davon langfristig wirtschaftliche Vorteile, denn sie gehört zum sogenannten leeren Spanien – jenen ländlichen Gegenden im Landesinneren, die stark unter Bevölkerungsschwund leiden.
„Kastilien und León macht nicht immer Schlagzeilen, und Ausländer halten sich leider eher an der Küste auf“, sagt die Anthropologin Belén Molinuevo Puras, deren Familie aus Belorado stammt. „Wir freuen uns daher sehr, dass die Sonnenfinsternis hier zu sehen ist.“

10. August 2026: Bei Burgos werden Vorbereitungen für die weltweite Live-Übertragung der totalen Sonnenfinsternis getroffen. Rund 30 Wissenschaftler des Exploratoriums – dem offiziellen Partner der NASA für die Live-Berichterstattung – haben in Villalibado drei leistungsstarke Teleskope aufgestellt. Sie wählten das Dorf aufgrund seines freien Horizonts, der guten Kommunikationsinfrastruktur und seiner Lage innerhalb der Totalitätszone aus.

Foto: Cesar Mamso/AFP via Getty Images

Spanien hat drei Sonnenfinsternisse in drei Jahren

Über mangelnden Tourismus kann sich Spanien allgemein eigenlich nicht beklagen, es ist nach Frankreich das meistbesuchte Land der Welt. Doch die Regierung möchte die Besuchermassen zu neuen Zielen lenken – weg vom Strandurlaub und vom Übertourismus wie in Barcelona.
Drei Sonnenfinsternisse – nach dem 12. August wird es 2027 und 2028 weitere geben –  könnten dazu beitragen. Sie seien „eine beispiellose Gelegenheit, die Touristenströme in Spanien in ein neues Gleichgewicht zu bringen“, heißt es in einem von der Buchungsplattform Airbnb in Auftrag gegebenen Bericht. Besonders ländliche Regionen könnten wirtschaftlich davon profitieren.

Praktisch alle Zimmer zu hohen Preisen ausgebucht

Die Regionalhauptstadt Burgos, die hervorragende Aussichtspunkte für die Sonnenfinsternis bietet, profitiert jetzt schon. Vor allem Touristen aus den USA, Südamerika und Japan werden rund um das Ereignis nach Burgos kommen, sagt die stellvertretende Bürgermeisterin Andrea Ballesteros vor der Kathedrale aus dem 13. Jahrhundert.
Die Stadtverwaltung möchte auch langfristig „Touristen aus dem Ausland anziehen, und zwar nicht nur im Sommer“, sagt die Vize-Bürgermeisterin und erhofft sich „einen Schub für Tourismus und Kultur“ infolge der Sonnenfinsternis.
Wer die totale Sonnenfinsternis in Spanien am kommenden Mittwoch beobachten will, muss unbedingt eine dafür zertifizierte Spezialbrille aufsetzen. Anderenfalls drohen irreparable Augenschäden.

Wer die totale Sonnenfinsternis in Spanien am kommenden Mittwoch beobachten will, muss unbedingt eine dafür zertifizierte Spezialbrille aufsetzen. Anderenfalls drohen irreparable Augenschäden.

Foto: Marijan Murat/dpa

In dem Hotel, in dem Lucía Molina arbeitet, haben die ersten Sonnenfinsternis-Besucher bereits vor eineinhalb Jahren gebucht, die meisten Gäste reisen aus China an. „Praktisch alle Zimmer sind zu sehr hohen Preisen ausgebucht – nicht nur hier, sondern in allen Hotels in Burgos“, berichtet die Rezeptionistin.

Eine halbe Million Touristen erwartet

In Kastilien und León werden eine halbe Million Touristen zur Sonnenfinsternis erwartet, davon 40.000 in der 175.000-Einwohner-Stadt Burgos. Zehntausende Touristen, die in der Sommerhitze anreisen und über die Felder laufen, sind eine Herausforderung in Sachen Logistik, Gesundheit und Sicherheit.
Optikerin Marta Serrano aus Burgos macht sich vor allem Sorgen um die Augen der Besucher. Denn ein Blick ohne Schutzbrille in die sich verfinsternde Sonne kann die Netzhaut dauerhaft schädigen.
Bei Enrique Bordallo hingegen überwiegt die Vorfreude: „Es ist ein einzigartiges Ereignis, etwas Wunderbares, ein für alle zugängliches kostenloses Spektakel“, schwärmt er. „Es wird die Menschen in Staunen versetzen.“ (afp/red)

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