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Trump und MMA: Wie politische Anführer Kämpfe nutzen


In Kürze:

  • US-Präsident Donald Trump veranstaltete im Rahmen der Feierlichkeiten zum 250-jährigen Bestehen der USA Kämpfe auf dem Gelände des Weißen Hauses.
  • Beobachter und Kritiker sahen darin ein weiteres Beispiel für seine Vorliebe für Spektakel.
  • Historisch gesehen reicht die Symbolik tiefer als die Vorliebe eines Präsidenten für Theatralik und Kampfsport.
  • Die Anziehungskraft von Kampfszenen liegt nicht in Gewalt oder Unterhaltung, sondern in Zugehörigkeit.

 
Von den Gladiatorenkämpfen im alten Rom bis hin zu den modernen Mixed Martial Arts, kurz MMA, dienten Kampfsportveranstaltungen nicht nur der Unterhaltung, sondern auch als öffentliche Rituale. Durch sie sollten Menschen das Gefühl erlangen, Teil von etwas zu sein, das größer ist als sie selbst.
Als Präsident Donald Trump vorschlug, im Rahmen der Feierlichkeiten zum 250-jährigen Bestehen der USA Kämpfe auf dem Gelände des Weißen Hauses auszurichten, sahen viele Beobachter darin ein weiteres Beispiel für seine Vorliebe für Spektakel und MMA.
Mixed Martial Arts ist eine Kampfsportart, die Schlag- und Ringkampftechniken aus verschiedenen Kampfkunstdisziplinen kombiniert. Doch die Symbolik reicht tiefer als die Vorliebe eines Präsidenten für Theatralik und Kampfsport.

Mixed Martial Arts ist eine Sportart, die Techniken aus verschiedenen Kampfkunstdisziplinen kombiniert – so auch Ringen.

Ich habe Jahrzehnte erforscht, warum Menschen bereit sind, für bestimmte Anliegen zu kämpfen, Opfer zu bringen und sogar zu sterben. In diesen Spektakeln sehe ich einen wichtigen psychologischen Prozess, der als Identitätsverschmelzung bekannt ist.

Emotionale Bindungen

Menschen gehören Gruppen an: Familien, Nationen, Religionen, Berufsgruppen, politischen Bewegungen, Sportmannschaften. Normalerweise bleiben diese Identitäten vom persönlichen Selbst getrennt.
Identitätsverschmelzung tritt ein, wenn diese Grenze verschwindet. Menschen unterstützen eine Gruppe nicht nur – sie erleben sie als untrennbaren Teil ihrer eigenen Identität. Die Erfolge und Misserfolge der Gruppe werden persönlich. Bedrohungen für die Gruppe werden als Bedrohungen für das eigene Selbst empfunden.
Die wichtige Frage ist nicht nur, was im Käfig geschieht, sondern was solche Spektakel für das Publikum bewirken können. Öffentliche Darbietungen von Mut, Ausdauer und Opferbereitschaft können emotionale Bindungen unter den Zuschauern stärken und die Identifikation mit den Gruppen, Anliegen oder politischen Entscheidungsträgern vertiefen, die sie mit den Kämpfen in Verbindung bringen.
MMA-Kämpfe finden traditionell in einem Ring oder in einem Käfig statt

Mixed-Martial-Arts-Wettkämpfe finden traditionell in einem Ring oder Käfig statt.

Untersuchungen mit Soldaten und Frontkämpfern im Irak und in Afghanistan, mit Unterstützern der Ukraine, mit Palästinensern im Gazastreifen, mit Taiwanern, die eine chinesische Invasion fürchten, sowie mit Teilnehmern extremistischer Bewegungen zeigen, dass Identitätsverschmelzung die Bereitschaft vorhersagt, Entbehrungen zu ertragen, Risiken einzugehen und Opfer für ein gemeinsames Anliegen zu bringen.¹
Dieser Prozess führt nicht zwangsläufig zu Gewalt. Er kann zu ehrenamtlichem Engagement, gegenseitiger Hilfe, Militärdienst und Widerstand gegen Unterdrückung motivieren. Er hilft, zu erklären, wie öffentliche Rituale, die Mut, Opferbereitschaft und kollektive Stärke feiern, das Engagement für Gruppen, Anliegen und Persönlichkeiten unter Bedingungen vertiefen können, die aus rein materieller Sicht irrational erscheinen.

Warum gemeinsame Kämpfe wichtig sind

Einer der stärksten Wege zur Identitätsverschmelzung sind gemeinsame Entbehrungen. Menschen, die gemeinsam Gefahren, Leiden oder intensive Herausforderungen durchstehen, entwickeln oft ungewöhnlich starke Bindungen.
Kampfsportarten spielen in dieser Dynamik eine Rolle. Kämpfer stellen sich öffentlich der Herausforderung von Schmerz, Erschöpfung, Angst und möglicher Niederlage. Zuschauer erleben nicht nur einen sportlichen Wettkampf, sondern symbolische Demonstrationen von Mut und Ausdauer. Der Reiz liegt zum Teil darin, wie sich der Charakter unter Druck offenbart.
Für die alten Römer verkörperten Gladiatoren nachweislich „virtus“, also Mut, Disziplin, Ausdauer und die Bereitschaft, dem Tod ins Auge zu sehen.² Ihre Anziehungskraft beruhte nicht nur auf Gewalt, sondern auf den Werten, für die sie standen.
Moderne MMA-Kämpfer werden oft in ähnlicher Weise gefeiert: als Prüfstein für Härte, Widerstandsfähigkeit und Selbstbeherrschung. In beiden Fällen werden körperliche Wettkämpfe zu moralischen Dramen über Opferbereitschaft und menschliche Grenzen.
Die Wahrheit hinter den römischen Gladiatoren

Das Historiengemälde „Pollice Verso“ (1872) von Jean-Léon Gérôme (1824–1904) hat das heutige Bild von Gladiatoren maßgeblich geprägt.

MMA hat politische Bedeutung erlangt

Die Bedeutung des Kampfsports geht somit über den professionellen Wettkampf hinaus. In ganz Europa und Nordamerika ist MMA zu einem Brennpunkt für Teile der heutigen extremen Rechten geworden.
Organisationen, die als „Active Clubs“ bekannt sind und mittlerweile in Ländern wie den Vereinigten Staaten, Deutschland, Schweden, Frankreich und Großbritannien vertreten sind, verbinden körperliches Training mit ethnonationalistischem Aktivismus, darunter Rekrutierung, ideologische Indoktrination, öffentliche Demonstrationen und transnationale Vernetzung zwischen ethnischen – insbesondere weißen – nationalistischen Gruppen.
Fitnessstudios bieten zwar Orte für Rekrutierung und Vernetzung, doch ihre tiefere Bedeutung ist psychologischer Natur. Das gemeinsame Training, das gemeinsame Durchstehen von Strapazen und das „Sich-selbst-auf-die-Probe-Stellen“ vor Gleichgesinnten schaffen Formen von Vertrauen und Solidarität, die online nur schwer nachzubilden sind. Politisches Engagement wird buchstäblich und verkörpert.
Dies hilft, zu erklären, warum MMA innerhalb transnationaler, ethnonationalistischer Netzwerke eine ungewöhnliche Bedeutung erlangt hat. Aktivisten aus verschiedenen Ländern mögen zwar unterschiedliche nationale Identitäten besitzen, doch sie erkennen sich gegenseitig durch eine gemeinsame Kultur der körperlichen Disziplin, männlicher Kameradschaft und Kampfbereitschaft. Kampfsportarten bieten eine symbolische Sprache, die Grenzen überschreitet und eine umfassendere zivilisatorische Identität stärkt.
In dieser Hinsicht spielt MMA eine ähnliche Rolle wie militärische Ausbildungslager, revolutionäre Jugendbewegungen und Bruderschaften in früheren Epochen. Sie schaffen Bindungen, die zugleich lokal und international sind.

Von Nero bis ins Weiße Haus

Der römische Kaiser Nero war nicht deshalb ungewöhnlich, weil er Gladiatorenspiele förderte – das taten viele Kaiser –, sondern weil er sich, wie der Historiker Thomas Wiedemann feststellte, offen mit der Kultur der Arena identifizierte. Anstatt aristokratische Distanz zu wahren, verband Nero sein öffentliches Ansehen mit den Tugenden und der Popularität des Spektakels.
Der römische Kaiser Nero (37–68 n. Chr.) veranstaltete oft Kämpfe zwischen Gladiatoren

Der römische Kaiser Nero (37–68 n. Chr.) war ein bekennender Fan von Gladiatorenkämpfen.

Etwas Ähnliches geschieht immer dann, wenn sich politische Führungspersonen mit Kampfsportarten identifizieren. Die Bedeutung liegt weniger im Sport selbst als darin, was das Spektakel symbolisiert. Eine Kampfsportveranstaltung, die im Rahmen einer nationalen Feier inszeniert wird, verwandelt den sportlichen Wettkampf in ein Ritual kollektiver Identität und öffentlicher Werte.
Die UFC-Veranstaltung im Weißen Haus war besonders aufschlussreich, da sie ein Kampfsportspektakel mit den Feierlichkeiten zum 250-jährigen Jubiläum der USA und mit Trumps eigenem 80. Geburtstag verband. Symbolisch vereinte sie Nationalbewusstsein, Führungsstärke und kriegerische Tugend in einer einzigen öffentlichen Darbietung.
Diese Symbolik steht auch im Zusammenhang mit den jüngsten Forderungen von Regierungsvertretern, dem US-Militär und dem zivilen Leben wieder ein „Kriegerethos“ zu verleihen. Der Krieger wird nicht bloß zum Soldaten, sondern zum idealen Bürger: diszipliniert, mutig, körperlich beeindruckend und bereit, Opfer zu bringen.

Warum Zuschauer Ehrfurcht empfinden

Massenkundgebungen, Militärparaden, religiöse Pilgerfahrten, revolutionäre Feste und Kampfspektakel können Momente hervorbringen, in denen sich der Einzelne in etwas Größeres als er selbst aufgenommen fühlt.
Solche Erfahrungen führen nicht automatisch zu politischem Extremismus. Bei den meisten ist das nicht der Fall. Aber sie helfen, zu erklären, warum sich Menschen mit Gruppen und Anliegen, die ihnen Sinn, Zugehörigkeit und ein Gefühl des gemeinsamen Schicksals vermitteln, tief verbunden fühlen.
Spektakuläre öffentliche Rituale, insbesondere solche, die mit Gewalt und Schmerz verbunden sind, rufen oft das hervor, was der britische politische Philosoph und Politiker Edmund Burke als „das Erhabene“ bezeichnete: intensive Erfahrungen von Gefahr, Schrecken und Erhabenheit, die Angst angesichts überwältigender Macht in Begeisterung verwandeln.
MMA-Kämpfe im Weißen Haus

FBI-Direktor Kash Patel, Robert F. Kennedy Jr. und Elon Musk verfolgen gemeinsam mit Donald Trump einen MMA-Kampf.

Foto: Joe Raedle/Getty Images

Die Anziehungskraft von Kampfszenen liegt nicht nur in Gewalt oder Unterhaltung. Sie rührt daher, dass sie individuelle Kämpfe in kollektive Geschichten von Mut, Opferbereitschaft, Identität und Sinnhaftigkeit verwandelt. Letztlich offenbaren sie ein grundlegendes menschliches Verlangen nicht nur nach Sicherheit und Geborgenheit, sondern auch nach Kampf, Bedeutung und Zugehörigkeit. Dies stellte auch George Orwell 1940 fest, als er die Faszination von Hitlers Autobiografie „Mein Kampf“ analysierte.
In einer Zeit, in der etablierte politische Institutionen und Bewegungen immer weniger Loyalität genießen, bieten Kampfsportspektakel mehr als nur Spannung. Sie schaffen Gemeinschaften, die durch gemeinsame Gefühle verbunden sind. Und unter den richtigen Bedingungen werden sie zu mächtigen Triebkräften politischen Engagements.
Quellen und Literatur:
[1] Scott Atran (2025); doi.org/10.1111/nyas.70113
[2] Jason Gehrke (2025); doi.org/10.1093/9780197667781.003.0002
Dieser Artikel erschien im Original auf fordschool.umich.edu sowie auf theconversation.com unter dem Titel „How political leaders use combat spectacles to symbolize national power and purpose“. (redaktionelle Bearbeitung: kms)The Conversation
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Kampfsportspektakel an Trumps 80. Geburtstag

Die Feierlichkeiten zum 550. Geburtstag Amerikas begannen am 14. Juni mit dem Freedom 250 Fight der Ultimate Fighting Championship (UFC), bei dem sieben Kämpfe auf dem Südrasen des Weißen Hauses stattfanden.
Der US-Präsident verfolgte an seinem 80. Geburtstag das Kampfsportspektakel direkt vor dem Weißen Haus.
Bei dem Spektakel sollten nach UFC-Angaben insgesamt 14 Mixed-Martial-Arts-Kämpfer gegeneinander antreten.
Zum Auftakt der Veranstaltung schritten Präsident Donald Trump und UFC-Präsident und CEO Dana White über das Gelände des Weißen Hauses, vorbei am neuen Presidential Walk of Fame, dem Arkadengang in dem Porträts etlicher US-Präsidenten angebracht sind. Danach begrüßten sie die Menge vom Truman-Balkon aus.

US-Präsident Donald Trump, First Lady Melania Trump, UFC-CEO Dana White und weitere Gäste am 15. Juni 2026 in Washington, DC, bei der Veranstaltung „UFC Freedom 250“.

Foto: Evan Vucci – Pool/Getty Images

Eine Band sang die Nationalhymne während eine Formation von 12 Flugzeugen der Navy Blue Angels und der Air Force Thunderbirds über sie hinwegflog. „Das wird die größte Show der Welt sein“, sagte Trump im Mai bei einer Vorschau auf die Bühne. „Ich glaube, das wird die größte Veranstaltung sein, die wir je im Weißen Haus hatten.“
Trump hatte für die Käfigkämpfe auf dem Südrasen des Weißen Hauses eine 18 Meter hohe Bühne namens „The Claw“ (Die Klaue) aufbauen lassen. Ihre Überdachung in den Farben der US-Flagge überragte den Präsidentensitz.
Rund 4.000 Gäste waren eingeladen, die Kämpfe auf dem Gelände des Weißen Hauses zu verfolgen. Für weitere 125.000 Zuschauer waren Großleinwände außerhalb des Präsidentensitzes eingerichtet.

Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „White House Hosts UFC Freedom 250 Matches“. (redaktionelle Bearbeitung il)