Gebt mir eine Kristallkugel, und ich werde vorhersagen, welche Entscheidungen die heutigen schwedischen Schüler beim Wechsel in die Oberstufe später im Leben treffen werden. Es geht um ihr Studium, ihre Arbeitsplätze, ihre Rentenentwicklung und nicht zuletzt ihr zukünftiges Wahlverhalten. Natürlich handelt es sich dabei nur um grobe Trends auf Makroebene, und es gibt Einzelpersonen, die aus dem Muster ausbrechen. Das war schon immer so. Doch die Grundzüge scheinen sowohl in Schweden als auch in Finnland, zwei vergleichbaren Ländern mit ähnlichen Schulsystemen, dieselben zu sein. Interessant ist, dass sich diese Trends offenbar im letzten Jahrzehnt, vielleicht sogar noch länger, gehalten haben.
Der erste Trend
Dieser betrifft die Wahl des Gymnasialzweigs. Als besonders anspruchsvoll gelten die Gymnasialzweige Naturwissenschaften und Technik. In Finnland sind es die Fächer „Mathematik für Fortgeschrittene“ und „Physik“, die die höchsten Anforderungen stellen.
Neben den auf ein Hochschulstudium vorbereitenden Zweigen gibt es in Schweden berufsbildende Gymnasien und in Finnland entsprechende Berufsschulen. In Schweden besteht der Ausbildungsgang „Pflege und Betreuung“ zu etwa 14 Prozent aus Männern und zu 86 Prozent aus Frauen. Der Ausbildungsgang „Elektrotechnik und Energie“ weist 96 Prozent Männer und nur 4 Prozent Frauen auf. Die berufliche Bildung der Sekundarstufe II in Finnland weist entsprechende Unterschiede auf: 15–20 Prozent Männer und 80–85 Prozent Frauen im Bereich des Sozial- und Gesundheitswesens. In den technischen Berufsausbildungen sind etwa 75–80 Prozent Männer und 20–25 Prozent Frauen. Auch die Ausbildungen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) werden von Männern dominiert: 75 Prozent.
Nach dem hochschulvorbereitenden Gymnasium nehmen etwa 70–85 Prozent der Schüler in Schweden und 75–85 Prozent in Finnland ein Studium an einer Universität oder Hochschule auf. Die übrigen treten direkt ins Berufsleben ein, wobei etwa drei Viertel im privaten Sektor und ein Viertel im öffentlichen Sektor arbeiten.
Aus internationaler Sicht gehören sowohl Schweden als auch Finnland zu den OECD-Ländern mit der stärksten geschlechtsspezifischen Segregation bei der Berufswahl. Gleichzeitig gehören sie aber auch zu den Ländern mit der größten Gleichstellung beim Bildungsniveau. Das bedeutet, dass die geschlechtsspezifischen Unterschiede in erster Linie damit zusammenhängen, welche Ausbildungsgänge die Menschen wählen – und nicht mit dem Zugang zu Bildung.
In Finnland absolvieren weniger Männer eine Ausbildung im Gesundheitswesen als in Schweden, während in Schweden etwas mehr Frauen eine technische Ausbildung absolvieren als in Finnland. Dennoch ist die Geschlechterverteilung deutlich ungleicher als in vielen südeuropäischen Ländern. Dies wird gemeinhin als das nordische Gleichstellungsparadoxon bezeichnet und stellt ein interessantes Forschungsgebiet dar.

Junge schwedische Absolventen im Sommer 2017.
Foto: HasseChr/iStock
Die Wahl des Arbeitsplatzes
Bei der Berufswahl sowie der Lohn- und Rentenentwicklung zeigen sich ebenfalls Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Nach dem Abschluss einer Ausbildung im Gesundheitswesen arbeitet der Großteil der Absolventen sowohl in Schweden als auch in Finnland im öffentlichen Sektor. In Schweden ist diese Dominanz am größten: Über 80 Prozent sind im öffentlichen Sektor tätig. Ärzte beider Geschlechter arbeiten etwas häufiger im privaten Sektor: 20–30 Prozent in beiden Ländern.
Es ist überraschend, dass das Wahlverhalten so stark von Geschlecht und Tätigkeit im öffentlichen oder privaten Sektor abhängt.
In den Bereichen Technik und Informations- und Kommunikationstechnologie zeigt sich ein gegenteiliges Bild: Diplom-Ingenieure und Technologie-Magister arbeiten sowohl in Schweden als auch in Finnland zu 85–90 Prozent im privaten Sektor, unter anderem in der Industrie, in Technologieunternehmen, in der IT, in Beratungsunternehmen und in der Telekommunikation. Der öffentliche Sektor umfasst das Verteidigungswesen, Universitäten sowie staatliche und kommunale Behörden. Etwa 4–5 Prozent der Absolventen sind Diplom-Ingenieure.
Das Gehaltsniveau liegt im öffentlichen Sektor im Allgemeinen niedriger, während die Privatwirtschaft je nach Branche deutlich höhere Gehälter für Hochqualifizierte sowie größere Möglichkeiten zum Branchen- oder Unternehmenswechsel bietet, wodurch sich andere Aufstiegsmöglichkeiten ergeben. Entsprechend verläuft natürlich auch die Rentenentwicklung anders: Die Männer und die wenigen Frauen, die in der Privatwirtschaft tätig sind, können tendenziell mit höheren Einkommen und damit auch besseren Renten rechnen. Die Frauen und die wenigen Männer, die sich für das Gesundheits- und Pflegewesen – oder den Lehrerberuf, der mit dem Gesundheitswesen vergleichbar ist – entschieden haben, arbeiten dagegen in stark regulierten Vergütungssystemen mit geringeren Aufstiegsmöglichkeiten und vergleichsweise niedrigeren Renten, obwohl die Studiendauer bei akademischen Berufen ähnlich lang sein kann.
Pia Heikkilä vom „Hufvudstadsbladet“, der auflagenstärksten schwedischsprachigen Tageszeitung in Finnland, sieht Gefahren darin, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung bestimmte Bereiche meidet. Denn es geht potenzielles Fachwissen verloren, wenn das Geschlecht die Berufswahl bestimmt. Der dadurch segregierte Arbeitsmarkt ist weniger flexibel und trägt zum Lohngefälle zwischen Frauen und Männern bei. Da weniger Frauen IT und Technik studieren, haben sie weniger Einfluss auf die rasante digitale Entwicklung, auch im Bereich der KI, während gleichzeitig Kindern, Patienten und Senioren männliche Pädagogen und Pflegekräfte fehlen. Ihre Schlussfolgerungen sind zutreffend und verdienen sowohl in Schweden als auch in Finnland Beachtung.
Unterschiede bei den nationalen Wahlen
Betrachten wir die Unterschiede bei den nationalen Wahlen auf allen drei Ebenen: Laut dem schwedischen Statistikamt (SCB) wählt eine deutliche Mehrheit der Beschäftigten im öffentlichen Dienst in Schweden die linken Parteien. Da der öffentliche Sektor stark von Frauen dominiert wird, ist dies ein deutliches Muster.
In Finnland verteilen sich die Stimmen der Beschäftigten im öffentlichen Dienst ziemlich gleichmäßig auf die Sozialdemokratische Partei Finnlands (SDP) und die Nationale Sammlungspartei (KOK), gefolgt von den Grünen, der Linkspartei sowie den kleineren Parteien. Blockübergreifende Regierungen sind eher die Regel als die Ausnahme.
In Schweden tendieren die Beschäftigten im privaten Sektor und Unternehmer größtenteils zu den Moderaten, dicht gefolgt von den Schwedendemokraten und den Sozialdemokraten. Die Zentrumspartei genießt unter Unternehmern nach wie vor eine stärkere Unterstützung als in vielen anderen Gruppen, doch historisch gesehen hat die Partei ihre frühere Sonderstellung eingebüßt. Gleichzeitig gewinnen die Schwedendemokraten bei den Kleinunternehmern an Boden.
Ein Blick in die Zukunft
Was bedeutet dies langfristig für die Entwicklung dieser Länder? Was bedeutet es für den Fachkräftemangel im Vergleich zum Mangel an hochtechnologischen Fachkräften, für die Ambivalenz der freien Wahl und für den Grundsatz, dass jeder Einzelne das Recht auf Wahlfreiheit und Selbstverwirklichung hat?
Schweden und Finnland sind nicht das autokratische China oder kommunistische Diktaturen, in denen die familiäre Herkunft und der Bedarf des Staates an hochtechnologischen Ausbildungen und fachkundigen Fachkräften die Zulassung zu Ausbildungsgängen bestimmen könnten. Doch auch in demokratischen Ländern kann der Staat die Studienplätze in Ausbildungsgängen für Berufe mit hohem Arbeitskräftebedarf erhöhen und ebenso beschließen, die Plätze in gefragten Ausbildungsgängen für Berufe zu reduzieren, bei denen eine verstärkte Ausbildung von der Gesellschaft nicht als Priorität angesehen wird.
Der Staat soll in einer Demokratie die freie Wahl der Schüler oder Studenten nicht lenken, kann aber vielleicht durch Anreize einen größeren Teil von ihnen in Mangelberufe und hochtechnologische Fachrichtungen lenken. Dies erfordert jedoch andere Wahlmöglichkeiten als die derzeitigen Entscheidungen in der Oberstufe. Wir müssen zudem berücksichtigen, wie KI die Spielregeln verändert. Bestimmte Berufe könnten dezimiert oder ersetzt werden, während Handwerksberufe, Pflegeberufe und die Medizin stets handwerkliches Geschick und berufliche Fachkompetenz erfordern werden. Eine solche Steuerung birgt zudem die Gefahr, dass Schüler von den Geisteswissenschaften und den bildenden Künsten abgehalten werden, die seit der Antike als Garanten einer kulturell und gesellschaftlich hochstehenden Gesellschaft gelten.
Tragen die Wahl der Oberstufe und des Berufs sowie künftige Arbeitsplätze im öffentlichen oder privaten Sektor zu einer zunehmenden Polarisierung in Schweden und Finnland bei? Gibt es einen Einfluss auf das Wahlverhalten, der sich von dem in den mittel- oder südeuropäischen Ländern und wahrscheinlich auch von der Entwicklung in Norwegen und Dänemark unterscheidet?
Es ist überraschend, dass das Wahlverhalten so stark nach Geschlecht und Tätigkeit im öffentlichen oder privaten Sektor gespalten ist. Schweden nimmt dabei aufgrund der langen Regierungszeit der Sozialdemokraten eine besondere Stellung ein. Vor der bevorstehenden Wahl hält die SAP zudem eine Einparteienregierung für möglich, die sich im Parlament auf wechselnde Mehrheiten stützen würde. Dass eine solche Regierung vermutlich schwächer ist als eine Mehrheitsregierung, versteht sich von selbst, doch mit Blockaden und roten Linien entstehen Probleme, ebenso wie durch die Polarisierung in der heutigen schwedischen Gesellschaft.
Das Wahlsystem mit den von den Parteihierarchien aufgestellten Listen ist an sich schon ein demokratisches Problem. In einigen vergleichbaren europäischen Ländern ermöglichen stärker personenbezogene Wahlsysteme eine größere persönliche Rechenschaftspflicht der gewählten Abgeordneten. Dort können Wähler stärker über die persönliche Unterstützung einzelner Kandidaten Einfluss auf die Zusammensetzung des Parlaments nehmen, anstatt ausschließlich über von den Parteien vorgegebene Listen.
Der Artikel erschien im Original auf epochtimes.se unter dem Titel „Elevers skolval formar samhället“. Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: (sm)





