In Kürze:
- Die gängige Lehrmeinung besagt, dass Insekten keine tiefen Gewässer besiedeln können, weil ihr luftgefülltes Atmungssystem sonst implodieren würde.
- In Afrika haben Forscher eine Larvenart entdeckt, die täglich Tauchgänge absolvieren, um zu überleben.
- Ein Drucktest im Labor zeigte zudem, dass die Tiere fast die doppelte gewohnte Tiefe aushalten können.
Insekten haben nahezu jeden Lebensraum auf der Erde besiedelt, einschließlich der Pole, großer Höhen und Süßgewässer. In der Tiefsee fehlen sie jedoch auffallend. Eine gängige Erklärung dafür ist, dass das luftgefüllte Atmungssystem der Insekten unter dem Druck der Tiefe zusammenbrechen würde.
Biologen der University of British Columbia, Kanada, haben nun jedoch Larven gefunden, die diese Vorstellung widerlegen. Mit ihren robusten Luftsäcken erreichen die Tiere bislang ungeahnte Tiefen und eröffnen die Frage, ob im Ozean wirklich keine Insekten leben, erneut.
Täglicher Tauchgang, um dem Tod zu entgehen
Im Malawisee in Ostafrika legen Milliarden von Larven der Büschelmücke (Chaoborus edulis) einen ungewöhnlichen Weg zurück. Tagsüber sinken sie mehr als 200 Meter tief in die sauerstoffarme „tote Zone“ des Sees, um sich vor Fressfeinden zu verstecken. Nachts steigen sie auf, um sich in Sicherheit zu ernähren – doch nicht ohne eine Horde lauernder Fische zu passieren.
Eine Forschergruppe um Professor Dr. Philip Matthews wollte diese abenteuerliche Reise genauer untersuchen. Dafür setzten sie ein Sonarsystem am Grund des Sees ein, um die täglichen Tauchgänge zu kartieren.

Der Malawisee in Ostafrika ist die Heimat von tauchenden Insekten.
Foto: CapturedOnce/iStock
Bei der Untersuchung der Larven stellte das Team fest, dass diese einen Teil ihres Atmungssystems in zwei Paare winziger Luftsäcke umgewandelt hatten. Außerdem stellten sie fest, dass die Wand dieser Art Ballasttanks ein Material namens Resilin enthält. Dieses dehnt sich aus oder zieht sich zusammen, wenn die Larven den pH-Wert verändern. Dieser Mechanismus ermöglicht es den Larven, das Volumen ihrer Luftsäcke aktiv zu beeinflussen und ihren Auftrieb zu steuern.
Insekten liefern unter Druck
Doch bis in welche Tiefen kann diese Art von Insekten abtauchen? Um diese Frage zu klären, setzten die Forscher die Larven verschiedenen Drücken aus – ohne ihnen zu schaden. Die Tiere zeigten sich als bemerkenswert widerstandsfähig und hielten dem Druck in einer Tiefe von umgerechnet mehr als 400 Metern stand. Das ist weit mehr als die Larven bei ihren täglichen Tauchgängen erreichen.
Was sagt das nun über andere Insektenarten aus? Und könnten den Meeresbiologen in Zukunft vielleicht unerwartet Seeinsekten ins Netz gehen? Tatsächlich besitzen auch andere Insekten nachweislich das für Tauchgänge relevante Resilin. Dort dient dieses als nahezu perfekter biologischer Kautschuk in verschleißfesten Flügelgelenken und Sehnen.
Die Studie erschien am 23. Juli 2026 im Fachmagazin „Science“.

