Categories
ausland etplus ticker

Krieg gegen Iran geht weiter – Trump dominiert den NATO-Gipfel

Der amerikanische Präsident Donald Trump erklärte den Waffenstillstand mit dem Iran während des NATO-Gipfels in Ankara für beendet. Trump fügte demzufolge hinzu, die Friedensgespräche könnten zwar fortgesetzt werden, seien jedoch „Zeitverschwendung“.

Militärischer Schlagabtausch zwischen den USA und Iran

Vorausgegangen waren gegenseitige militärische Angriffe am 7. und 8. Juli. Der Iran soll Handelsschiffe in der Straße von Hormus attackiert haben, darunter einen Flüssiggas-Tanker aus Katar und einen saudischen Öltanker. Die USA widerriefen daraufhin die vor drei Wochen erteilte Genehmigung für iranische Erdölexporte. Wie die Wirtschaftsplattform „Traiding Economics“ am 8. Juli berichtete, sei der Rohölpreis aufgrund der erneuten Spannungen am Persischen Golf prompt um 6 % auf 74,5 US-Dollar pro Barrel angestiegen.
Gemäß der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur IRNA hätten die“ Islamischen Revolutionsgarden“ (IRGC) bekannt gegeben, dass sie „eine erste Vergeltungsaktion gegen einen US-Angriff gestartet“ hätten, bei der 85 amerikanische Militäreinrichtungen in der Region „ins Visier genommen“ worden seien. In einem weiteren IRNA-Beitrag gibt Teheran den USA die Alleinschuld an dem jüngsten Ausbruch von Feindseligkeiten.

Zank um Grönland

Für die Europäer und Kanadier stellt der erneute Kriegsausbruch am Golf einen herben Rückschlag für ihre Bemühungen dar, mit den USA über die Zukunft der NATO zu verhandeln.
Trump hatte zuvor schon die Hoffnungen auf harmonische Gespräche in Ankara kleiner gemacht, als er anlässlich einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan den Anspruch der USA auf Grönland erneuerte. Die arktische Großinsel „sollte von den Vereinigten Staaten kontrolliert werden, nicht von Dänemark“, wird Trump zitiert.
Grönland ist ein autonomes Gebiet mit eigener Regierung, gehört aber offiziell als Überseegebiet zu Dänemark, ist jedoch nicht Teil der EU. Dänemark ist nicht bereit, über eine Abtretung Grönlands an die USA zu verhandeln. Dazu Trump: „Das hat meinem Verhältnis zur NATO geschadet, denn Grönland hilft Dänemark nicht“, soll Trump bei der Pressekonferenz hinzugefügt haben.
Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen reagierte auf Trumps Aussagen diplomatisch, indem sie darauf verwies, ihr Land sei im Falle eines Angriffs „bereit, jeden Zentimeter der NATO einschließlich unseres eigenen Territoriums zu verteidigen“, und werde darauf vertrauen, dass die NATO-Verbündeten ihrer Verpflichtung zur gegenseitigen Verteidigung nachkämen. Dies berichtete etwa die Nachrichtenagentur Associated Press.
Frederiksen hatte offenbar mit Trumps erneuten Grönland-Vorstoß gerechnet. Denn laut AP hatte sie bereits im Vorfeld des Treffens der NATO-Staats- und Regierungschefs gesagt: „Wir hoffen, dass alle, einschließlich aller Verbündeten, das Selbstbestimmungsrecht des grönländischen Volkes respektieren werden.“ Grönland stehe „nicht zum Verkauf“.

Trump: „Spanien ist ein schrecklicher Partner“

Auch der NATO-Partner Spanien wurde von Trump in Ankara scharf kritisiert. Während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte soll Trump gesagt haben: „Spanien ist ein schrecklicher Partner in der NATO. Sie beteiligen sich nicht. Sie zahlen nicht. Ich will nichts mit Spanien zu tun haben“.
Er habe außerdem dazu aufgefordert, „jeglichen Handel mit Spanien“ einzustellen, „einschließlich Besuchen“. Weiterhin soll Trump gesagt haben: „Es gibt noch ein paar andere, aber insbesondere Spanien.“ Trump bezog sich mit seiner Schelte wohl auf weitere NATO-Mitglieder, die seiner Meinung nach nicht genug für die militärischen Fähigkeiten innerhalb des Bündnisses ausgeben.
Hintergrund seiner Abneigung gegen Spanien dürften zwei Gründe sein: Zum einen hatte Madrid den USA zu Beginn des Iran-Krieges Ende Februar verwehrt, von amerikanischen Militärstützpunkten in Spanien Angriffe auf den Iran zu fliegen. Zum anderen ist Spanien das einzige Mitglied des Militärbündnisses, das sich im vergangenen Jahr nicht dazu verpflichtet hat, 5 % seines BIP bis 2035 für Verteidigung auszugeben.

Trump hofft auf baldiges Ende des Ukraine-Krieges

Auf der NATO-Website gab der Generalsekretär des Bündnisses, Mark Rutte, bekannt: „Die vor uns liegende Aufgabe ist klar: Die Zusagen der Bündnispartner müssen in konkrete Ergebnisse umgesetzt werden.“ Dazu würden „höhere Investitionen“ zählen, sowie „eine gesteigerte Industrieproduktion und anhaltende Unterstützung für die Ukraine“. All dies trage zu einer „stärkeren NATO und mehr Sicherheit“ bei.
Darum geht es den Europäern am meisten: eine geeinte Haltung für die Unterstützung der Ukraine gegen Russland. Denn einer der Punkte der Tagesordnung handelt sich nur davon. Dazu heißt es seitens der NATO weiter: „Unsere Sicherheit ist untrennbar mit der Ukraine verbunden.“ Der Gipfel in Ankara soll auf die bisherige Unterstützung der NATO für die Ukraine aufbauen und „dem Land dabei helfen, seinen dringenden Verteidigungsbedarf zu decken“.
Bereits am 7. Juli, dem ersten Tag des NATO-Treffens, verbreitete Trump Hoffnung auf ein baldiges Ende des Krieges in der Ukraine. „Ich hatte ein sehr gutes Gespräch mit Präsident Putin“, sagte Trump laut Reuters während eines Treffens mit Erdoğan. „Wir hatten ein langes Gespräch“ und danach habe er direkt mit Selenskyj gesprochen. „Ich glaube, beide wollen eine Einigung erzielen.“ Er denke, dass dies „hoffentlich bald“ geklärt werde. Wie die Agentur weiter berichtet, will Selenskyj, der am NATO-Gipfel teilnimmt, mit Trump auch über den Bedarf der Ukraine an Luftabwehrsystemen sprechen.

Gastgeber Türkei hofft auf F-35-Kampfjets

Die Türkei misst dem Gipfeltreffen laut der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu „große Bedeutung“ bei. Erdogan bot sich als unterstützender Vermittler für die Ukraine und den Iran an und spricht mit Trump auch über die Situation im Gaza-Streifen. Vor seinem Treffen mit Trump gab sich Erdoğan gegenüber der Presse zuversichtlich, „die Sicherung des Friedens in der Region“ zu verbessern. „Wir hoffen, dass auf dem Gipfel eine entsprechende Entscheidung getroffen wird, und ich glaube, dass diese Möglichkeit besteht“, wird Erdoğan zitiert.
Erdogan äußerte zudem, bei Trump eine „positive Entscheidung“ über den Kauf von amerikanischen F-35-Kampfjets erreichen zu können. Er wisse, dass die bereits erfolgte Zusage derzeit geprüft werde. Aber er sei überzeugt, dass Trump zu seinem Wort stehe.
Trump hatte in seiner ersten Amtszeit im Jahr 2019 beschlossen, den NATO-Partner Türkei keine F-35 zu liefern. Grund: Erdoğan hatte sich damals entschlossen, das russische Raketenabwehrsystem S-400 für die türkischen Streitkräfte anzuschaffen. Die Amerikaner argumentierten, das russische System gefährde die F-35-Kampfflugzeuge.