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„VisionQuest“: Marvel im Cyberspace

Vision und die Scarlet Witch sind so etwas wie Romeo und Julia im Marvel Cinematic Universe (MCU). In „VisionQuest“ ist Vision ein synthetisches Wesen (Synthezoid oder Androide).
Außerdem sind beide tot, irgendwie. Vision wurde neu gebaut, doch ihm fehlt die emotionale Fähigkeit seines Vorgängers, glaubt er zumindest. Er ist besessen von den Erinnerungen des früheren Vision an die Liebe zu Wanda Maximoff.
Deshalb beschützt er hartnäckig den Mann, der mutmaßlich der Sohn des Superheldenpaars ist, vor einem unbekannten Gegner. Die achtteilige Serie von Schöpfer Terry Matalas verleiht dem Superheldengenre eine einfallsreiche Cyberpunk-Note.

Vision (Paul Bettany), in „VisionQuest“.

Foto: Disney+, © 2026 Marvel. All Rights Reserved.

Leider ist „VisionQuest“ ein Paradebeispiel für die anspruchsvolle Verflechtung des MCU. Wer nicht mindestens ein halbes Dutzend der vorangegangenen Filme und Streamingserien gesehen hat, sollte sich vielleicht zunächst einige der online verfügbaren Zusammenfassungen ansehen, die jeweils etwa 15 Minuten dauern.

Eine verworrene Hintergrundgeschichte

Stark vereinfacht, um die verworrene Vorgeschichte abzukürzen: Vision (Paul Bettany) und die Scarlet Witch, alias Maximoff (Elizabeth Olsen, nur in Rückblenden zu sehen), waren Avengers, die sich ineinander verliebten. Er starb jedoch (zweimal) im Kampf gegen Thanos in „Avengers: Infinity War“.
Die Scarlet Witch kommt in „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ vermutlich ums Leben, aber nicht, ohne zuvor in der Streamingserie „WandaVision“ jede Menge Ärger zu verursachen.
In ihrer Trauer um Vision verwandelte Maximoff eine Kleinstadt in New Jersey in eine surreale Welt, die den Fernseh-Sitcoms nachempfunden war. Dort lebte sie mit magischen Konstrukten des verstorbenen Vision und ihren beiden idealisierten Söhnen Billy und Tommy.
Während Maximoffs geistiger Zustand sich zunehmend verschlechterte, durchsuchte sie das Multiversum nach den perfekten, leibhaftigen Billys und Tommys, um sie in ihr eigenes Universum zu holen. Unterdessen baute eine staatliche Geheimdienstbehörde Vision wieder auf.

Ultron (James Spader, l.) und Vision (Paul Bettany), in „VisionQuest“.

Foto: Disney+, © 2026 Marvel. All Rights Reserved.

Doch der neue Synthezoid zog sich aus der Welt zurück und lebte weitgehend im Inneren seines eigenen Zentralprozessor-Kopfes. Bei ihm waren seine KI-Helfer, darunter sein „Bruder“ J.A.R.V.I.S. (James D’Arcy), auf dessen Code Visions eigener teilweise beruht.

Folge eins

All das und noch einiges mehr geschieht lange vor der ersten Folge. Wenn „VisionQuest“ dann richtig beginnt, erfahren die Zuschauer, dass der alte Vision heimlich die KI namens Ultron (James Spader) aufbewahrt hat, die außer Kontrolle geraten war. Ultron wollte in „Avengers: Age of Ultron“ die gesamte Menschheit auslöschen.
Der neue Vision erklärt, sein Vorgänger habe sich aus einer verqueren Anhänglichkeit geweigert, Ultron zu löschen. Ultron hatte den Synthezoid-Körper des alten Vision ursprünglich gebaut, damit dieser ihm als Arbeitsdrohne diente.
Während der unverbesserliche Ultron ständig versucht, aus seiner digitalen Gefangenschaft zu entkommen, scheint der neue Vision regelrecht Gefallen daran zu finden, sich Wortgefechte mit seinem mürrischen „Vater“ zu liefern.

Ultron (James Spader, l.) and Vision (Paul Bettany).

Foto: Disney+, © 2026 Marvel. All Rights Reserved.

Der Kopfgeldjäger Paladin (Todd Stashwick) hat im Auftrag eines geheimnisvollen Klienten den jetzigen Vision im Visier. Ultron hofft anscheinend, aus dem entstehenden Chaos Kapital zu schlagen. Die Lage wird zusätzlich dadurch verkompliziert, dass Vision auch den unschuldigen Thomas Shepherd (Ruaridh Mollica) beschützen muss, als Paladin versucht, ihn als Druckmittel gegen den Synthezoiden zu nutzen.
Shepherd könnte tatsächlich jener Tommy Maximoff sein, den die Scarlet Witch aus einem Paralleluniversum geholt hat. Vision will ihn zwar unbedingt beschützen, tut sich aber schwer mit den emotionalen Konsequenzen ihrer Beziehung, die einer zwischen Vater und Sohn ähnelt, ohne wirklich eine zu sein.

Eine beeindruckende Produktion

Wer jetzt immer noch keinen Überblick hat: Um für „Vision Quest“ bestens gerüstet zu sein, muss man lediglich vier Filme und zwei Streaming-Serien gesehen haben. Es ist schade, dass die Solo-Serie um Vision so eng mit den bisherigen Werken des MCU verflochten ist, denn sie ist Marvels visuell beeindruckendste Produktion seit Jahren.
Terry Matalas und das Team für das Produktionsdesign erschaffen eine faszinierende digitale Welt. In gewisser Hinsicht gelingt es „Vision Quest“, ein ähnliches Gefühl cyberbasierter Fremdartigkeit zu erzeugen wie seinerzeit der erste „Matrix“-Film, als dieser noch neu und frisch war.
Zudem ist es ausgesprochen bewegend, wie der neue Vision versucht, die Gefühle seines Vorgängers nachzuempfinden. Die Serie zieht immer wieder treffende Parallelen zum Blechmann aus „Der Zauberer von Oz“ und zu „Pinocchio“, wenn es um Visions Bestreben geht, menschlicher zu werden – oder zumindest dem früheren Vision ähnlicher.
Hinzu kommen gewichtige Themen wie Familie, Trauer, Verantwortung und Erlösung, mit denen Matalas und sein Team von Co-Autoren überraschend geschickt umgehen.
Paul Bettany verkörpert Visions inneren Kampf mit seiner eigenen Natur überzeugend. Ebenso kraftvoll bringt T’Nia Miller den tragischen Schmerz zum Ausdruck, der die Wut von Jocasta antreibt, einer gegnerischen Synthezoidin, die möglicherweise eine geheime Verbindung zu Vision und Ultron hat.
Wie immer ist Spader als extravaganter Bösewicht Ultron auf hinterhältige Weise unterhaltsam. In Gestalt seines bärtigen menschlichen Avatars sieht er aus wie eine Mischung aus David Letterman und Tom Bakers „Doctor Who“.
Auch Stashwick setzt mit seiner rauen Darstellung des Antihelden Paladin einen markanten Gegenakzent. Leider driften einige von Visions KI-Dienern immer wieder in bedauerlichen Klamauk ab, vor allem Emily Hampshire als nervenkitzelsüchtige E.D.I.T.H.
„VisionQuest“ bricht beinahe unter der erdrückenden Last des MCU-Erbes zusammen. In vielerlei Hinsicht ist sie die intelligenteste Marvel-Serie seit Jahren, aber sie ist völlig unfähig, auf eigenen Beinen zu stehen.
Auch der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist merkwürdig gewählt. Die Serie startet zwei Monate vor dem Kinostart von „Avengers: Doomsday“, doch das Finale wirkt, als sei es zum krönenden Abschluss der gesamten „Avengers“-Saga konzipiert worden.
Die psychologische Komplexität ist beeindruckend, insbesondere für das Superheldengenre. Empfehlenswert für eingefleischte Marvel-Fans und Cyberpunk-Begeisterte, die bereit sind, sich erst einmal mit der komplizierten MCU-Vorgeschichte der Figuren vertraut zu machen.
„VisionQuest“ ist auf Disney+ im Stream verfügbar.

Foto: Disney+, © 2026 Marvel. All Rights Reserved.

„VisionQuest“
Regie: Christopher J. Byrne, Gandja Monteiro, Vincenzo Natali, Terry Matalas
Darsteller: Paul Bettany, James Spader, T’Nia Miller, Todd Stashwick, James D’Arcy
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: 8 Episoden à etwa 50 Minuten
Erscheinungsdatum: 14. Oktober 2026
Bewertung: 3,5 von 5 Sternen
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „‘VisionQuest’: Another Marvel Cinematic Universe Superhero“. (redaktionelle Bearbeitung: ee)