Wenn Gedächtnisprobleme auftreten, ist eine der schwierigsten Fragen für Patienten und Angehörige, ob diese auf den normalen Alterungsprozess oder auf die frühen Stadien der Alzheimer-Krankheit zurückzuführen sind. Jahrzehntelang war zur Bestätigung einer Alzheimer-Erkrankung eine Lumbalpunktion oder eine teure Gehirnuntersuchung erforderlich.
Nun kann eine einfache Blutentnahme, wie sie bei Routineuntersuchungen durchgeführt wird, die charakteristischen Anzeichen der Krankheit erkennen, und das Jahre bevor überhaupt Gedächtnisverlust auftritt.
Diese Entwicklung gewann durch die kürzlich erfolgte Zulassung für bestimmte Alzheimer-Bluttests durch die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) sowie das erhaltene CE-Zertifikat für den europäischen Markt an Bedeutung.
Allerdings mahnen dieselben Experten, die die Tests begrüßen, zur Vorsicht hinsichtlich der Frage, wer einen solchen Test erhalten sollte und warum.
Was die neuen Bluttests messen
Die Tests suchen nach Biomarkern – Proteinen im Blut, die auf Veränderungen im Gehirn hinweisen, darunter:
- Amyloid-beta: Ein Protein, dessen abnormale Ablagerung im Gehirn sich in messbaren Veränderungen im Blut widerspiegeln kann. Amyloid-Plaques können sich bereits 20 Jahre oder länger vor dem Auftreten von Gedächtnisproblemen im Gehirn ansammeln. Obwohl die Amyloid-beta-Theorie in den letzten Jahren in Frage gestellt wurde, wird sie nach wie vor als wichtiger Biomarker herangezogen.
- Tau: Ein Protein, das zur Stützung der Nervenzellen beiträgt. Bei der Alzheimer-Krankheit können sich abnormale Formen von Tau ansammeln und im Gehirn Verklumpungen bilden.
- Phosphoryliertes Tau (p-Tau): Modifizierte Formen von Tau, die eng mit den durch Alzheimer bedingten Veränderungen im Gehirn verbunden sind. Verschiedene Bluttests messen modifizierte Formen des Tau-Proteins, die oft nach der Stelle der Veränderung benannt werden, wie beispielsweise p-Tau181 oder p-Tau217. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass p-Tau217 einer der genauesten Indikatoren für die Erkrankung sein könnte.
- Gliales fibrilläres saures Protein (GFAP): Ein Marker für die Schädigung von Astrozyten, wichtigen Stützzellen des Gehirns.
- Leichte Kette des Neurofilaments: Ein Protein, das bei einer Schädigung von Nervenzellen freigesetzt wird und auf eine fortschreitende Neurodegeneration hindeuten kann.
Dennoch weisen Forscher darauf hin, dass diese Marker eher Folgeerscheinungen als die eigentlichen Ursachen erfassen.
„Wir wissen noch nicht, was die früheste Veränderung bei der Alzheimer-Krankheit ist“, sagte George Perry, Professor für Neurobiologie an der University of Texas in San Antonio und Mitglied des medizinischen Beirats der Alzheimer’s Foundation of America, gegenüber der Epoch Times.
Tau helfe dabei, Alzheimer-bedingte Veränderungen im Gehirn bei Menschen zu identifizieren, die bereits kognitive Symptome zeigen, so Perry.
Forscher gehen jedoch davon aus, dass die Krankheit mit anderen biologischen Veränderungen beginnt, wie oxidativem Stress und mitochondrialer Dysfunktion, für die bislang noch keine zuverlässigen Biomarker etabliert wurden, fügte er hinzu.
Wie genau sind die Tests?
Durch die Messung subtiler Veränderungen bei Proteinen wie p-Tau217 und Amyloid-beta können neuere Bluttests abschätzen, ob im Gehirn Marker für Alzheimer vorliegen.
Eine Studie aus dem Jahr 2024 mit 1.213 Personen, die wegen kognitiver Probleme untersucht wurden, ergab, dass diese Tests eine diagnostische Genauigkeit von 88 bis 92 Prozent aufwiesen und die alleinigen Beurteilungen durch medizinisches Fachpersonal übertrafen.
Eine andere Studie mit 1.759 Teilnehmern ergab, dass Bluttests die diagnostische Genauigkeit der Rückenmarksflüssigkeitsanalyse erreichen können – bei Menschen mit frühen Symptomen bis zu 95 Prozent.
Diese Zahlen sollten jedoch nicht so interpretiert werden, dass jeder Alzheimer-Bluttest zu 95 Prozent genau ist. Die Leistungsfähigkeit variiert je nachdem, wonach der Test sucht, welcher Schwellenwert zur Bestimmung eines positiven oder negativen Ergebnisses herangezogen wird und um welchen Patienten es sich handelt.
Ein positiver Test sagt nicht alles aus
Trotz der Genauigkeitswerte sind sich Experten einig, dass ein Bluttest allein keine Alzheimer-Diagnose stellen kann.
Die größte Sorge sei eine Fehlinterpretation, erklärte Dr. David Perlmutter, Facharzt für Neurologie und Autor, gegenüber der Epoch Times.
„Ein falsch-positives Ergebnis kann unnötige Ängste auslösen, während ein falsch-negatives Ergebnis falsche Sicherheit vermitteln kann. Diese Tests sollten im Rahmen einer Beratung und im klinischen Kontext eingesetzt werden“, so Perlmutter.
Perry zog einen Vergleich zu einem bekannten und bekanntermaßen unvollkommenen Screening-Verfahren:
„Ich sehe Bluttests auf Alzheimer ähnlich wie den PSA-Test [Prostata-spezifisches Antigen]. Ein positives Ergebnis deutet auf eine Abweichung vom Normalzustand hin, bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass eine Person an der Krankheit leidet.“
Bluttests könnten als nützliche Basisuntersuchung dienen, doch ihre Grenzen müssten besser verstanden werden, sagte er.
Deshalb warnt Perry davor, diese Tests zur Vorsorgeuntersuchung der allgemeinen alternden Bevölkerung einzusetzen. Falsch-positive Ergebnisse könnten kognitiv gesunde Menschen zu unnötigen oder riskanten Behandlungen drängen, um einer Krankheit vorzubeugen, die sie möglicherweise gar nicht haben oder niemals bekommen werden. Ihr größerer kurzfristiger Nutzen liege eher in der Alzheimer-Forschung – bei der Definition von Patientengruppen und der Messung der Wirksamkeit verschiedener Behandlungen, sagte er.
Diese Tests sollten als Teil einer umfassenderen klinischen Beurteilung betrachtet werden, zusammen mit Symptomen, Familienanamnese, kognitiven Tests, Medikamenteneinnahme, Schlaf, Stimmung, vaskulärem Risiko, Markern für den Stoffwechselzustand und möglichen Ursachen für kognitive Probleme, so Perlmutter.
Je nach Bluttest und Symptombewertung können zur Bestätigung weiterhin Untersuchungen des Liquors oder PET-Bildgebungsverfahren angebracht sein.
Aktuelle Leitlinien der Alzheimer’s Association besagen, dass die Tests bei Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen eingesetzt werden sollten, die wegen des Verdachts auf Alzheimer untersucht werden, anstatt sie als eigenständige Screening-Tests in der Allgemeinbevölkerung zu verwenden.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „A Blood Test May Detect Alzheimer’s Years Before Symptoms Appear—Here’s What to Know“. (deutsche Bearbeitung kr)
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „A Blood Test May Detect Alzheimer’s Years Before Symptoms Appear—Here’s What to Know“. (deutsche Bearbeitung kr)
