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Nach Kühlanlagen-Hacks: EU will Solaranlagen vor China-Wechselrichtern schützen


In Kürze:

  • Die Energiewirtschaft sorgt sich um Cyberangriffe auf Solaranlagen über Wechselrichter, die sich über das Internet fernsteuern lassen.
  • Rund 70 Prozent der 2023 in Europa installierten Wechselrichter stammten aus China.
  • Seit dem 1. November sollen Wechselrichter von als risikoreich eingestuften Anbietern schrittweise aus EU-finanzierten Energieprojekten ausgeschlossen werden.

 
Wechselrichter sind für Solaranlagen unverzichtbar und stammen zu einem sehr großen Teil aus China – die Energiewirtschaft ist besorgt. Gleichzeitig will Brüssel bestimmte chinesische Geräte aus den von der EU finanzierten Energieprojekten ausschließen, um Anlagen der erneuerbaren Energien vor Cyberangriffen zu schützen.

Von Lebensmittelregalen bis zu elektrischen Anlagen – ein und dieselbe Warnmeldung

Der Vorfall mit den Kühlanlagen hat einer oft abstrakten Bedrohung konkrete Gestalt verliehen. Hacker haben die Kontrolle über mit dem Internet verbundene Regelungssysteme übernommen.
In den Kühlregalen einiger Geschäfte stiegen die Temperaturen auf 50 °C, sodass die Händler gezwungen waren, Lebensmittel aus dem Verkauf zu nehmen. Mehrere Dutzend europäische Einrichtungen waren betroffen.
Drei Wochen zuvor hatte bereits ein vergleichbarer Angriff den französischen Einzelhandel getroffen. Hunderte Supermärkte waren betroffen. Lebensmittelvorräte im Wert von mehreren Millionen Euro mussten nach dem Anstieg der Temperaturen entsorgt werden.
Die Wiederholung solcher Vorfälle unterstreicht die Anfälligkeit von Anlagen, deren Betrieb von IT-Verbindungen abhängt.
Supermarkt. In einem Intermarché-Supermarkt in Névez im Westen Frankreichs sind am 12. Oktober 2026 alle Kühlregale für Frischwaren leer. Grund war ein Cyberangriff auf die französischen Supermarktketten Intermarché und Coopérative U, wodurch deren Kühlregale abtauten. Etwa 150 bis 200 Intermarché-Filialen waren am 12. Oktober 2026 Ziel des Angriffs, ebenso wie fast 100 Filialen der Coopérative U. Foto: Fred Tanneau/AFP via Getty Images

In einem Intermarché-Supermarkt in Névez im Westen Frankreichs sind am 12. Oktober 2026 alle Kühlregale für Frischwaren leer. Grund war ein Cyberangriff auf die Supermarktketten Intermarché und Coopérative U. Etwa 150 bis 200 Intermarché-Filialen waren Ziel des Angriffs, ebenso wie fast 100 Filialen der Coopérative U.

Foto: Fred Tanneau/AFP via Getty Images

Diese Cyberangriffe in Europa machen eine weitere Schwachstelle deutlich. Im Gegensatz zu Kernkraftwerken, die nur in geringer Zahl vorhanden sind und streng überwacht werden, sind Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien flächendeckend verteilt und basieren überwiegend auf chinesischer Technologie.

Wechselrichter: Ein strategisches Bindeglied mit Fernzugriff

Als Herzstück einer Solaranlage bildet der Wechselrichter die elektrische Schnittstelle der Anlage. Seine Anbindung an Überwachungsdienste ermöglicht zudem Fernzugriffe. Genau diese Zugriffsmöglichkeit bereitet den Behörden Sorgen. Eine böswillige Manipulation könnte die Stromerzeugung stören und, in ausreichendem Umfang, das Stromnetz beeinträchtigen.
Die Frage hat industrielle Dimensionen, da asiatische Anbieter einen erheblichen Marktanteil haben.
„Heute halten asiatische Akteure, vor allem chinesische, zwischen 65 und 70 Prozent des Marktes“, sagte Vincent Mathely, Vertriebsleiter für Frankreich bei SMA Solar, in einem Artikel der Zeitung „Le Figaro“.
Diese Konzentration erschwert die Reaktion der EU. Die Absicherung der Zugänge und die Begrenzung der Abhängigkeit von als risikoreich eingestuften Lieferanten erfordern auch, die verfügbaren Geräte zu berücksichtigen.
Laut „Euronews“ stammten etwa 70 Prozent der 2023 in Europa installierten Wechselrichter aus China: eine ältere, aber aufschlussreiche Größenordnung, die den Einfluss dieser Hersteller zeigt.

Brüssel verschärft die Bedingungen zur Finanzierung – ohne generelles Verbot

Am 23. September berichtete „Euronews“, dass die EU-Kommission an der Frist zum 1. November festhalte, um Wechselrichter, die als risikoreich eingestuft werden, schrittweise aus den von der EU finanzierten Energieprojekten auszuschließen. Besonders betroffen sind die chinesischen Anbieter.
Diese Finanzierungsbeschränkung stellt kein generelles Verbot aller chinesischen Wechselrichter in der EU dar. Sie betrifft die Zugangsbedingungen zu EU-Fördermitteln.
Gleichzeitig haben von der Kommission einberufene Experten empfohlen, die Beschränkungen auf Komponenten und Software von Anbietern mit hohem Risiko in verschiedenen Segmenten der Photovoltaik auszuweiten.
Fachleute aus der Energiebranche und Investoren hatten um mehr Zeit zur Anpassung gebeten, erhielten den Aufschub aber nicht.
Brüssel muss somit zwei miteinander kollidierende Erfordernisse in Einklang bringen: den Schutz des Netzes vor böswilligen Eingriffen bei einer überwiegend aus dem Ausland stammenden, weil kostengünstigen Versorgung und die Fortsetzung der Projekte zum raschen Ausbau der Solarenergie zu geringeren Kosten.
Die Angriffe auf die Kühlanlagen verdeutlichen die Dringlichkeit von Notfallmaßnahmen für europäische Infrastruktur, die aus der Ferne gesteuert werden könnte.
 

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