Der Diebstahl ist unspektakulär: Ein Mann mit einem Kapuzenpullover und einer Zigarette im Mund nähert sich einem Auto. Er öffnet die Tür, steigt ein, dreht den Schlüssel. Fährt weg, runter vom Firmengelände.
Doch das Auto ist ein exklusiver Chiron. Er gehört Mate Rimac, dem Chef von Bugatti – Spitzname „der kroatische Elon Musk“ – und das Auto ist fast 3 Millionen Euro wert. Es ist teuer genug, dass Rimac höchstpersönlich die Verfolgung aufnimmt.
Doch ein Chiron ist ein Supersportwagen, 1.500 PS im Basismodell mit vier Turboladern. Von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde in etwa 2,4 Sekunden. Benannt nach dem monegassischen Rennfahrer Louis Chiron. Eine besonders starke Variante kam sogar auf über 490 Kilometer pro Stunde – das schaffte 2019 ein Vorserienfahrzeug des späteren Chiron Super Sport 300+.
Gebaut werden sie in Molsheim, einer kleinen Stadt im Elsass. Es gibt nur 500 davon, gefertigt weitgehend in Handarbeit bei Bugatti. Und Bugatti gehört zum Gemeinschaftsunternehmen Bugatti Rimac, zu dem sich die Marke 2021 mit dem kroatischen Elektroautohersteller Rimac zusammengeschlossen hat.
Wie verfolgt man einen Supersportwagen?
Am nächsten Tag berichtet der Geschäftsführer auf Instagram, was geschehen ist. Er sei selbst schuld – er lasse regelmäßig die Schlüssel im Auto. Dadurch könnten die Mitarbeiter das Auto bewegen oder für Tests verwenden. „Ich habe das jahrelang gemacht und es ist nie etwas passiert“, sagt er.
Fast eine Stunde vergeht, bevor das Verschwinden auffällt. Der Alarm wird ausgelöst, nachdem jemand einen unbekannten Fahrer am Steuer des Autos gemeldet hat. Teams überprüfen die Situation: Einer dachte, der Andere habe es. Der Andere dachte, der Erste habe es. Mate Rimac informiert die Polizei.
Doch wie verfolgt man diesen Sportwagen? Zumal der Dieb einen Vorsprung hat?
Mate Rimac sagt: „Ich war gerade neben meinem Porsche 911, der vollgetankt war.“ Ein Glücksfall. Der Geschäftsführer macht sich auf den Weg. So ein Porsche 911 kann auch bis zu 300 Kilometer pro Stunde fahren.
Dabei wollte sich der Fahrer nur bewerben
Die Verfolger haben einen Vorteil: Der Chiron überträgt dank seiner Telemetrie seine Position, die Geschwindigkeit und den Kraftstoffstand. Teams des Unternehmens helfen der Polizei, die Daten sind der Leitfaden der Suche, wie „France 24“ berichtete. Der Chiron bewegt sich Richtung Slowenien. Er durchquert Slowenien. Er fährt nach Österreich.
Gestellt wird der Fahrer am Abend an einer Tankstelle bei Graz. Zwanzig österreichische Polizisten nehmen ihn mit einem Großaufgebot fest.
Mate Rimac trifft sich mit dem Fahrer in Österreich – eigentlich habe sich der rund 30-jährige Mann nur bei ihm bewerben wollen, sagt der Festgenommene. Doch schließlich sei er mit dem Auto davongefahren, weil der Schlüssel gesteckt habe.
Und das Auto? Ist heil. Fast. Es hat leichte Kratzer an der Frontlippe der vorderen Stoßstange bekommen. Doch der CEO hat gelernt: Lass den Schlüssel nicht mehr im Auto stecken. Das sei viel besser, rät er allen.
Anzeigen will der Geschäftsführer ihn nicht. Der Fahrer habe wohl genug Probleme im Leben, wenn er ausgerechnet diesen Wagen stehle.
Die österreichischen Behörden haben allerdings dennoch ein Verfahren eingeleitet.
Mit Material von epochtimes.fr