Er brillierte in Shakespeare-Dramen und gelangte mit den Serien „Star Trek“ und „X-Men“ zu Weltruhm – nun ist der Schauspieler Patrick Stewart im Alter von 86 Jahren in seinem Haus in Los Angeles gestorben.
Er erlag einer „kurzen und heftigen“ Alzheimer-Erkrankung und der Lewy-Body-Demenz, wie es in einer am Donnerstag auf seinen Online-Accounts verbreiteten Erklärung hieß.
Ein Lehrer weckte die Liebe zum Theater
Einem Lehrer ist es zu verdanken, dass Patrick Stewart als Shakespeare-Darsteller Theaterruhm erntete und schließlich als Captain Picard in der „Star Trek“-Serie „Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert“ weltberühmt wurde: Ohne diesen Englischlehrer, der seine Liebe zum Theater und zu den Dramen von William Shakespeare weckte, hätte es nie eine Schauspielkarriere für ihn gegeben, sagte Stewart einmal – „alles begann mit ihm“.
Kindheit in Armut
In die Wiege gelegt war Stewart das Schauspielen nicht. Er wurde am 13. Juli 1940 im englischen Mirfield als Sohn einer Textilarbeiterin und eines Postboten geboren. Die Familie war arm, Patrick und seine zwei älteren Brüder wuchsen in Angst vor dem gewalttätigen Vater auf.
Schon mit 15 Jahren ging Stewart von der Schule ab, spielte bei lokalen Theatergruppen und jobbte als Lokaljournalist und Möbelverkäufer, bevor er an die Schauspielschule nach Bristol ging.
Für Rollen als romantischer Held war Stewart wegen seiner frühzeitigen Kahlköpfigkeit nicht geeignet, stattdessen wandte er sich vor allem klassischen Rollen zu und wurde 1966 Mitglied der Royal Shakespeare Company, der er lange Jahre treu blieb.
Durchbruch als Captain Picard
Ab den 1970er Jahren spielte Stewart auch in britischen Fernsehfilmen und -serien mit, unter anderem war er im beliebten Weihnachtsfilm „Der kleine Lord“ als Butler zu sehen. 1987 schließlich wurde er für die Rolle des Raumschiff-Kommandeurs Jean-Luc Picard in „Star Trek“ gecastet.
Die „Los Angeles Times“ schrieb damals verächtlich über den „unbekannten britischen Shakespeare-Mimen“, der die Nachfolge von William Shatners Captain Kirk antrat.
Stewarts Darstellung des Captain Picard war jedoch ein voller Erfolg, über sieben Serien-Staffeln und in vier „Star Trek“-Kinofilmen verkörperte er die Rolle.
„Das hat mein Leben verändert“, sagte Stewart später – auch wenn er gleichzeitig einräumen musste, dass Teile des Vokabulars in den Serien-Dialogen der Science-Fiction-Serie ihm stets ein Rätsel blieben: „Ich wüsste nicht, was ein Raum-Zeit-Kontinuum oder ein Warp-Kern-Bruch sind, selbst wenn sie mit mir im Bett lägen.“

Der britische Schauspieler Patrick Stewart, bekannt als Captain Jean-Luc Picard vom „Raumschiff Enterprise“,.
Foto: Kay Nietfeld/dpa
Professor Xavier in „X-Men“
Neue Fans gewann Stewart ab dem Jahr 2000 durch seine Rolle als querschnittsgelähmter Gründer und Mentor einer Superhelden-Akademie in den Blockbuster-Filmen der „X-Men“-Serie und deren Ablegern.
Dem Theater stets treu
Bei alledem blieb Stewart dem Theater und Shakespeare stets treu. 2008 wurde er für seine Verkörperung des Macbeth mit einem Laurence-Olivier-Award ausgezeichnet, 2016 spielte er gemeinsam mit seinem guten Freund und „X-Men“-Gegenspieler Ian McKellen monatelang am Londoner West End im Stück „No Man’s Land“ von Harold Pinter.
Nachdem er so viele Jahre seines Lebens mit Shakespeares Welt, „seinen Leidenschaften und Ideen in meinem Kopf und seinen Worten in meinem Mund“ verbracht habe, komme ihm der Dichter vor „wie ein Freund, der nur kurz den Raum verlassen hat, um noch eine Flasche Wein zu holen“, sagte Stewart einmal.
Ritterschlag und Einsatz gegen häusliche Gewalt
Für seine Verdienste wurde Stewart 2010 von Königin Elizabeth II. zum Ritter geschlagen. Er hinterlässt seine Frau Sunny und zwei Kinder aus seiner ersten Ehe mit der Schauspielerin Sheila Falconer.
Seine Angehörigen riefen dazu auf, für die Alzheimerforschung in den USA zu spenden. Er selbst hatte sich – geprägt von seiner Kindheit – als Schirmherr der britischen Refuge-Stiftung für den Kampf gegen häusliche Gewalt engagiert.
Letzter Auftritt in „Avengers: Doomsday“
Stewarts letztes Werk, der neue Marvel-Superheldenfilm „Avengers: Doomsday“, soll im Dezember in die Kinos kommen. Darin spielt Stewart ein letztes Mal den Professor Xavier aus den „X-Men“-Filmen. (afp/red)