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Erich Wolfgang Korngold: Wie ein Europäer Hollywoods musikalisches Genie wurde

Während der Goldenen Ära Hollywoods wiesen viele Filmkomponisten einen fundierten klassischen Musikhintergrund auf. Derart inspiriert, schufen sie viele filmische Meisterwerke. Zu dieser illustren Gruppe gehörten viele europäische Einwanderer, darunter Max Steiner, Dimitri Tiomkin und Miklós Rózsa.
Ein Komponist jedoch hinterließ neben seinen unvergesslichen Filmmusiken auch ein beeindruckendes Werk für den Konzertsaal und die Opernbühne. Am bekanntesten ist er für seine Filmmusik zu den Abenteuerfilmen von Warner Bros. in den 1930er- und 1940er-Jahren geworden, von denen der berühmteste mit Errol Flynn in der Hauptrolle gedreht wurde. Dieses österreichisch-amerikanische Genie war Erich Wolfgang Korngold (1897–1957).

Ein brillanter Filmkomponist

Während seiner 13-jährigen Hollywood-Karriere komponierte Korngold 16 Filmmusiken. Diese zählen zu den meistgefeierten Filmmusiken, die je geschrieben wurden, obwohl er mengenmäßig nur einen Bruchteil der Filmmusiken verfasste, die seine Kollegen komponierten.
Erich Wolfgang Korngold, etwa um 1927. Foto: gemeinfrei

Erich Wolfgang Korngold, etwa um 1927.

Foto: gemeinfrei

Korngold gab sein Debüt im Filmgeschäft mit der Komödie „Ein Sommernachtstraum“ (1935). Diese Verfilmung von Shakespeares Stück wurde von William Dieterles äußerst erfolgreicher Inszenierung im Hollywood Bowl im Jahr 1934 inspiriert.
Als der deutsche Regisseur das Stück verfilmen wollte, beauftragte er Korngold mit der Bearbeitung von Felix Mendelssohn Bartholdys bekannter Bühnenmusik. Korngold hatte zuvor weder eine Filmmusik komponiert noch die Vereinigten Staaten besucht. Er bestand darauf, lediglich als Arrangeur genannt zu werden, komponierte aber dennoch einige neue Musikpassagen dafür.
„Ein Sommernachtstraum“ wurde sehr gut aufgenommen, und die Filmmusik fand großen Anklang. Warner Bros. beauftragte Korngold auf Drängen des Produzenten Hal B. Wallis umgehend mit der Vertonung des Abenteuerfilms „Unter Piratenflagge“ (Original: „Captain Blood“) aus dem Jahr 1935, der Errol Flynn zum Star machte.
Um 1945: Porträt des in Australien geborenen Schauspielers Errol Flynn (1909–1959), der lächelnd hinter einem Stuhl steht und mit einem Schwert spielt, am Set eines seiner Abenteuerfilme, 1940er Jahre. Foto: Hulton Archive/Getty Images

Um 1945: Porträt des in Australien geborenen Schauspielers Errol Flynn (1909–1959), der lächelnd hinter einem Stuhl steht und mit einem Schwert spielt, am Set eines seiner Abenteuerfilme, 1940er-Jahre.

Foto: Hulton Archive/Getty Images

Obwohl er den Auftrag annahm, war der Komponist von der Aussicht, in weniger als drei Wochen über 1 Stunde Musik zu komponieren, überwältigt. Er ergänzte seine ursprüngliche symphonische Partitur mit Auszügen aus zwei Tondichtungen von Franz Liszt. Im Abspann wurde er lediglich als „Musikalische Arrangements von Erich Wolfgang Korngold“ genannt, obwohl er 90 Prozent der Musik komponiert hatte.
Gleichzeitig schrieb er zusammen mit Oscar Hammerstein II für Paramount an einer erfolglosen Operette mit dem Titel „Schenk uns die Nacht“ (Original: „Give Us This Night“, 1936). Korngold wurde in Hollywood schnell zu einer Berühmtheit, obwohl er dort noch nicht ansässig war.

Korngolds Blütezeit in Hollywood

Während er an seinen ersten Filmen arbeitete, pendelte Korngold zwischen Hollywood und Wien hin und her, wo er weiterhin mehrere erfolgreiche Operetten schrieb und inszenierte.
Der Aufstieg der Nationalsozialisten in Europa machte Österreich für den jüdischen Komponisten zunehmend unsicher. Im März 1938 dirigierte er gerade eine Oper in Wien, als die Nazis einmarschierten.
Er sagte, die Gelegenheit, nach Amerika zurückzukehren, um die Filmmusik für „Robin Hood – König der Vagabunden“ (Original: „The Adventures of Robin Hood“, 1938) zu schreiben, habe ihm das Leben gerettet. Dies war nach „Unter Piratenflagge“ (Original: „Captain Blood“, 1935), „Flammende Nächte“ (Original: „Another Dawn“, 1937) und „Der Prinz und der Bettelknabe“ (Original: „The Prince and the Pauper“, 1937) bereits der vierte Errol-Flynn-Film, für den er die Musik komponierte. Der Film erwies sich als großer Erfolg für ihn und ebenso für den aufstrebenden Actionstar.
Korngold gewann den Oscar für die beste Originalmusik, nachdem er bereits 1936 für „Ein rastloses Leben“ (Original: „Anthony Adverse“) ausgezeichnet worden war. Es war das erste Mal, dass ein Komponist den Preis persönlich entgegennahm und nicht der Musikdirektor des Studios.
Diese dramatische Filmmusik wurde als einer der Gründe für den Erfolg des Films genannt. Korngolds Musik zählt bis heute zu den meistgelobten Filmmusiken der Hollywood-Geschichte.
In den folgenden zwei Jahren wurde Korngold für zwei weitere Kostümdramen mit Errol Flynn für den Oscar nominiert: „Günstling einer Königin“ (Original: „The Private Lives of Elizabeth and Essex“, 1939) und „Der Herr der sieben Meere“ (Original: „The Sea Hawk“, 1940). Obwohl er bei keinem der beiden Filme den Oscar gewann, ist die Filmmusik zu „Der Herr der sieben Meere“ in zahlreichen Bearbeitungen zu einem seiner beliebtesten Werke geworden, das häufig in Konzerten aufgeführt wird.
Weitere bemerkenswerte Filme, für die er in den 1940er-Jahren bei Warner Bros. die Musik komponierte, sind „Der Seewolf“ (Original: „The Sea Wolf“, 1941), „Kings Row“ (1942), „Liebesleid“ (Original: „The Constant Nymph“, 1943) und „Trügerische Leidenschaft“ (Original: „Deception“, 1946).
Kapitän Geoffrey Thorpe, gespielt vom australisch-amerikanischen Schauspieler Errol Flynn (1909–1959), mit seinem Haustieraffen in „Der Seefalke“, Regie: Michael Curtiz, 1940. Foto: FPG/Archive Photos/Getty Images

Kapitän Geoffrey Thorpe, gespielt vom australisch-amerikanischen Schauspieler Errol Flynn (1909–1959), mit seinem Haustieraffen in „Der Herr der sieben Meere“, Regie: Michael Curtiz, 1940.

Foto: FPG/Archive Photos/Getty Images

Mitte der 1940er-Jahre wurde Korngold in Hollywood jedoch ruhelos. Er hatte das Gefühl, immer wieder an derselben Art von Filmen zu arbeiten, und sehnte sich danach, wieder ernsthafte Musik für die Konzertbühne zu schreiben.
Der Tod seines Vaters im Jahr 1945 traf ihn tief. Da sein Vertrag bei Warner Bros. im nächsten Jahr auslaufen würde, überlegte Korngold, ob es Zeit für einen Karrierewechsel sei. Er sagte: „Im kommenden Mai werde ich fünfzig. Ich habe das Gefühl, dass dies ein Wendepunkt ist. […] Fünfzig ist ein hohes Alter für ein Wunderkind. Ich muss mich jetzt entscheiden, wenn ich nicht mein Leben lang Hollywood-Komponist bleiben will.“

Filmmusik und Opernpartituren

Korngolds Vater war Musikkritiker in Wien, und der junge Erich spielte bereits im Alter von fünf Jahren Klavierduette mit ihm. Zwei Jahre später begann der Junge, seine ersten Kompositionen zu schreiben. Im Alter von elf Jahren schrieb er sein erstes großes Werk, ein Ballett mit dem Titel „Der Schneemann“. Es wurde vor dem österreichischen Kaiser aufgeführt und erntete großen Beifall. In seiner Jugend komponierte er viele erfolgreiche Werke für Klavier und Orchester.
Bevor er im Filmbereich tätig wurde, war Korngold in erster Linie Opernkomponist. Er schrieb fünf Opern und arbeitete zum Zeitpunkt seines Todes an einer sechsten. Seine dritte Oper, „Die tote Stadt“, wurde 1920 uraufgeführt, als er 23 Jahre alt war. Sie gilt bis heute als eine der bedeutendsten Opern des 20. Jahrhunderts.
Noten aus „Die tote Stadt“ mit einer Widmung von Erich Wolfgang Korngold. Foto: Dumi, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Noten aus „Die tote Stadt“ mit einer Widmung von Erich Wolfgang Korngold.

Neben einigen eigenen Operetten feierte er große Erfolge mit Bearbeitungen bestehender Operetten, etwa von Werken der berühmten Komponisten Johann Strauss II. und Jacques Offenbach.
Korngold betrachtete Filmmusik als „eine Oper ohne Gesang“. Er setzte Opernkonzepte wie das Leitmotiv – ein wiederkehrendes musikalisches Thema, das eine Figur oder ein Konzept repräsentiert – äußerst wirkungsvoll ein.
Scherzhaft sagte er, dass Giacomo Puccinis beliebte Oper „Tosca“ „die beste Filmmusik sei, die je geschrieben wurde“. Korngold ließ sich bei der Komposition seiner Partituren von der Leidenschaft Puccinis und dem Melodram Richard Wagners inspirieren.
Um einen Film zu vertonen, setzte er sich ans Klavier und sah sich den Film dabei an. Er war überzeugt, dass die Musik zur Szene passen und die Handlung auf der Leinwand untermalen musste. Das wusste er aus seiner Arbeit als Bühnenkomponist. Er sagte: „Musik ist Musik, egal ob für die Bühne, das Dirigentenpult oder das Kino.“

Zurück auf die Konzertbühne

Korngold wurde 1943 amerikanischer Staatsbürger und schwor sich, nur so lange für Filme zu komponieren, bis Hitler nicht mehr an der Macht war. 1947 schrieb er mit „Escape Me Never“ seine letzte Filmmusik – passenderweise für einen Errol-Flynn-Film.
Korngold kehrte 1949 nach Wien zurück, in der Hoffnung, dort seine Karriere wiederzubeleben. Er musste jedoch feststellen, dass die vom Krieg gezeichnete Stadt keinen Platz mehr für seine Musik bot. Er kehrte nach Amerika zurück, wo er seine letzten Lebensjahre verbrachte. In seinen Ruhestandsjahren war er nicht untätig. In seinem letzten Lebensjahrzehnt komponierte er Opern, Konzerte und Sinfonien.
Er kehrte kurzzeitig aus dem Ruhestand zurück, um als musikalischer Leiter an William Dieterles Wagner-Biopic „Frauen um Richard Wagner“ (Original: „Magic Fire“, 1956) mitzuwirken. In diesem Film trat er auch als Dirigent auf – einer seiner wenigen Auftritte vor der Kamera. Im selben Jahr erlitt er einen Schlaganfall und starb ein Jahr später im Alter von 60 Jahren an einem Herzinfarkt.
Korngold war ein brillanter Komponist, der den Konzertsaal ins Kino und das Kino in den Konzertsaal brachte. Oftmals integrierte er seine früheren klassischen Werke in seine Filmmusiken und griff dabei auf seine langjährige Erfahrung im Schreiben von Orchester- und Opernwerken zurück. Im Gegenzug bemühte er sich, all seine Filmmusiken so symphonisch zu gestalten, dass sie es wert waren, im Konzert aufgeführt zu werden. Seine Filmmusiken werden bis heute häufig im Radio gespielt und in Konzerten aufgeführt.
Sein berühmtestes Instrumentalwerk, das Violinkonzert in D-Dur, op. 35 (1945), greift Themen aus seinen früheren Filmmusiken auf. Es wurde schnell Teil des Standardrepertoires und ist bis heute ein großartiges Beispiel für das facettenreiche Genie dieses begabten Komponisten.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Erich Wolfgang Korngold: Hollywood’s Musical Genius“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)

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