Vogelgesang. Saubere Luft. Wildtiere. Bewegung. Selbst angebaute Lebensmittel und sauberes Brunnenwasser. Adler am Himmel vor expressionistischem Hintergrund.
Es ist Sonnenaufgang. Ich gehe zur Scheune und lasse die Pferde auf die Koppel. Dann halte ich inne: Wildrosen hängen über dem Zaun und erstrahlen im Morgenlicht. Ein wunderbarer Moment.
Im Winter bedeutet Wärme: zwei Hunde, ein Kamin und feine Wolle.
Im Sommer verweilt das Licht am nördlichen Himmel noch lange nach der Schlafenszeit.
Eulen fliegen abends über unsere Einfahrt hinweg, wie Geister in der Luft.
Klimaanlage gibt es umsonst – nachmittags weht eine Brise von der Heuwiese herauf.
Ich muss jeden Morgen nur die Tür öffnen, und schon habe ich einen märchenhaften Lebensstil, der seit Jahrhunderten Menschen aus der Stadt aufs Land lockt. Als Junge in der Stadt habe ich oft davon geträumt, und vor zehn Jahren habe ich es endlich geschafft.
Unsere kleine Farm
Als Nicole und ich auf unsere Inselfarm zogen, sank mein Blutdruck um 20 Punkte. Ich habe aufgehört, monatlich 80 Dollar in einem „Fitnessstudio“ auszugeben, und meine „Work-outs“ in „Heimarbeit“ umgewandelt. Ich habe Dinge über Heu und Pferde, Brunnen und Wellness, Unkraut, Erde und Kies, Zäune, Brennholz und Füchse gelernt, von denen ich nie geahnt hätte, dass ich sie wissen wollte. Ich bin ein Experte für Small Talk mit Leuten, die Bagger und Bobcat-Radlader besitzen.
Bei meiner letzten Vorsorgeuntersuchung war mein Blutdruck so niedrig wie noch nie in meinem Erwachsenenleben. Noch nie. Ich ging nach Hause und aß zum Abendessen Salat aus eigenem Anbau und ein auf Kirschholz gegrilltes Steak. Dann brachte ich die Pferde mit einem Haufen Heu für die Nacht unter.
Meine Freunde aus der Stadt haben „Fitbit“-Schrittzähler. Ich habe Arbeit auf dem Hof.
In unserem Landkreis gibt es keine Ampeln. Ganz genau – null. Vier Autos an einer Kreuzung mit Stoppschild sind schon ein nerviger Stau.
So ist das Leben auf dem Land. Großartig, aber es hat auch seinen Preis. Es gelten andere Regeln als in der Stadt, in der mittlerweile etwa 80 Prozent der Amerikaner leben. Dennoch hegen Millionen von Menschen den Traum von einem friedlichen, idyllischen Leben auf dem Land.
Da ich nun schon seit zehn Jahren auf knapp elf Hektar auf einer kleinen Insel auf der „Owl Feather Farm“ (dt. Eulenfeder-Farm) lebe, kann ich bezeugen, dass all die ersehnten Schätze des Landlebens real sind, und ich würde nicht in die Stadt zurückkehren, selbst wenn man mir Millionen von Dollar dafür bieten würde.
Aber es gibt ein paar Dinge, die ein Greenhorn wissen sollte, bevor es seinen Pick-up sattelt, um aufs Land zu ziehen.
Man wird belästigt
„In diesem einen Nest könnten 2 Millionen Wespen stecken“, sagte der Schädlingsbekämpfer, während er ernst den Kopf schüttelte und auf das Gelbwespennest im Boden blickte, das sechs Meter entfernt lag. „Mal sehen, was ich tun kann.“
Seine Bemerkung war so beunruhigend, dass ich im Internet recherchierte. Zwei Millionen waren übertrieben. Es sind eher 200.000, wie sich herausstellte.
Denkt mal einen Moment darüber nach. Wer dieses Nest stört, wird vor Tausenden wütender Wespen davonlaufen müssen. Unser Hof ist chemiefrei, aber bei riesigen Gelbwespen- und Hornissennestern machen wir Ausnahmen. Wenn es an einem Haus, einer Scheune oder einem Schuppen hängt, heißt es: Tschüss.
Dieses hier befand sich im Obstgarten zu nahe an den Auslaufstrecken für Hunde und Ponys, und selbst unser großes polnisches Warmblutpferd mit rund 1,70 Meter Stockmaß würde bei 200.000 Gelbwespen in Schwierigkeiten geraten. Der Schädlingsbekämpfer musste es zweimal besprühen (das Nest war mehr als 60 Zentimeter tief). Am Ende siegte jedoch die chemische Kriegsführung.
„Natur, rot an Zahn und Klaue“, schrieb der legendäre britische Hofdichter Alfred Lord Tennyson und beschrieb damit eine Tatsache des Lebens, die moderne Stadtbewohner weitgehend übersehen.
Abgesehen von Gelbwespen findet man auf dem Land auch Mücken, Zecken, Hornissen, Bienen, Feldmäuse, Zuckerameisen, Waldameisen, Ratten, Spinnen und hier und da Skorpione und vieles mehr. Auf der „Owl Feather Farm“ haben wir Termiten, die jedes Jahr um den Labor Day herum fliegen und beunruhigend aussehen; glücklicherweise ist das nicht jene Art von Termiten, die dein Haus zum Frühstück verspeist. Aber trotzdem.
Jeden Herbst füllen sich Küche und Esszimmer mit Fruchtfliegen, weil, nun ja, unser Obstgarten große Mengen an Obst produziert. Wusstest du, dass eine weibliche Fruchtfliege im Laufe ihres Lebens bis zu 500 Eier legen kann?
Die Lösung ist: kein Obst im Haus. Aber was hat dann noch ein Obstgarten für einen Sinn?
Beeren-Diebe im Anmarsch
Größere Schädlinge kommen eher sporadisch vor. Einmal hatten wir einen Waschbären, den wir Barry tauften. Das war ein großer Kerl. Wir trugen mit unserer köstlichen, frischen Beerenernte im Hochsommer zu seinem Umfang bei. Eines Abends, beim Abendessen draußen am Picknicktisch, beobachteten wir, wie er auf dem Ast eines nahegelegenen Wildkirschbaums herumkletterte. Der Ast brach, und hinunter stürzte Barry, der Beeren-Dieb. Danach sahen wir ihn nie wieder.
In den meisten Teilen der Vereinigten Staaten sind Schlangen allgegenwärtig. Wir haben hübsche, völlig harmlose Strumpfbandnattern – oft fälschlicherweise als „Gartenschlangen“ bezeichnet, weil das ihr Lebensraum ist. Anderswo sollte man das Gras rund um das Haus am besten kurz mähen, damit man Klapperschlangen und anderes derartiges Getier sehen kann.
Viele unserer Bewohner sind reizende Geschöpfe – die kleinen Marienkäfer, die mitten im Winter in kleinen Schwärmen ins Haus kommen; die winzigen Frösche, die sechs Fuß hoch in einem Maisstängel sitzen; die Schwalben, die im selben Dachvorsprung wie die Hornissen nisten –, aber wir heißen sie willkommen, weil ihr Beruf darin besteht, 100 Mücken pro Stunde zu fressen. Was Schlangen angeht, so sind Schneckeneier die Lieblingsnahrung unserer Strumpfbandnattern. Sie sind Helden!
Wenn du eines dieser Wesen als äußerst beunruhigend empfindest, solltest du vielleicht lieber in der Stadt bleiben. Nur so als Tipp.
Man braucht nicht von allem zwei
Eigentlich braucht man drei.
Nehmen wir zum Beispiel eine Gripzange. Am besten hast du einen Satz im Garten, um widerspenstige Schlauchkupplungen in den Griff zu bekommen. Ein weiterer gehört in die Scheune für … widerspenstige Kupplungen, Punkt. Und ein dritter muss im Haus für allgemeine Zwecke sein, einschließlich widerspenstiger Schlauchkupplungen, wie zum Beispiel – hast du schon mal hinter die Waschmaschine und den Trockner geschaut? – ja, genau dort.
Hämmer? Mehr als drei, denn auf dem Land braucht man kleine und große. Acht könnten ausreichen.
Schraubendreher? Nun, vor langer Zeit hat irgendein Unruhestifter Kreuzschlitzschrauben erfunden und damit das Schraubendreher-Universum schlagartig verdoppelt, also reden wir hier von, ähm, mindestens einem Dutzend. Scheune, Haus, Garten.
Zwei Steckschlüsselsätze, englische Zollgrößen und metrische.

Die Arbeiten auf einem Bauernhof beginnen typischerweise mit Sonnenaufgang, insbesondere auf Höfen mit Nutztieren, die täglich gefüttert und versorgt werden müssen.
Foto: Dejan Sarec/iStock
Man braucht auch drei Hände
Apropos „Regel der Drei“: Die Natur hat den Hominiden zwar die großartige Anordnung mit dem opponierbaren Daumen geschenkt, dabei aber den offensichtlichen Bedarf an mehr als zwei solchen Gliedmaßen übersehen.
Ein Beispiel: Man nähert sich dem Koppel-Tor, um mit seinem Shetlandpony spazieren zu gehen. Man hält die Leine in einer Hand, braucht aber beide Hände, um das Tor zu öffnen. Nein, ich kann Cocoa nicht bitten, seine Leine mal kurz selbst zu halten. Ja, das ergibt drei Hände.
Ich empfehle wärmstens, so viele mit einer Hand bedienbare Vorrichtungen wie möglich zu entwickeln und anzubringen – vor allem Torverschlüsse und Türklinken. Fernbedienungen sind in Ordnung, aber denk daran, dass man eine Hand braucht, um die Fernbedienung zu bedienen, und wahrscheinlich zwei, um sie zu finden und zu holen, also … bleiben uns nur einhändig bedienbare Tore und Türen.
Man kann nie genug Zaun haben
Stark. Hoch. Uneinnehmbar. Ein sechs Fuß hoher Maschendrahtzaun, montiert auf verzinkten Stahlpfosten, die in Beton eingelassen sind, ist ideal (es sei denn, man züchtet Bisons, was nichts für Amateure ist und einen noch stärkeren, höheren Zaun von olympischem Kaliber erfordert).
Vergessen Sie nicht diese robusten Tore mit Riegeln, die nur von den fünf-fingrigen, mit einem opponierbaren Daumen ausgestatteten Wesen des Universums bedient werden können.
Warum? Deine Nachbarn finden deine Pferde zwar süß – aber nicht als Gäste.
Haustiere haben nur ein Hobby
Die allgemeine Kategorie lautet „Unfug“, aber seien wir genauer: Ausbrechen.
Eigentlich wollen sie gar nirgendwo hin – na ja, vielleicht die Straße hinunter, um im Maisfeld deines Nachbarn herumzustampfen. Es geht einfach, na ja, du weißt schon, um Freiheit.
Deshalb sind all diese Zäune und all diese Tore, für die man opponierbare Daumen braucht, so wichtig. Zäune auf Goldmedaillen-Niveau sind gut für die Wesen, die sie drinnen halten, und für die, die sie draußen halten. Du hilfst deinen Tieren dabei, gute Bürger zu sein. Wollen wir das nicht alle?

Familienbetriebe leben von der Lebensmittelproduktion, dem Landbesitz und der Tierhaltung. Oft ist die ganze Familie beteiligt.
Foto: boggy22/iStock
Es wird Schlamm geben
Kies ist die Lösung. Nein, nicht Zement. Davon gibt es in der Stadt genug, weshalb vielen städtischen Haushalten eine wunderbare Einrichtung fehlt, die man „Schmutzraum“ nennt – dort, wo man Schuhe, Stiefel, Eimer, Jeans, Handschuhe und, wer weiß, vielleicht sogar eine Mütze, auf der irgendwie Schlamm gelandet ist, ablegt. Das ist durchaus möglich, glaubt mir.
Wenn euer Landhaus nicht mindestens einen Schmutzraum hat, ruft sofort einen Bauunternehmer an.
Zurück zum Schlamm. Das Schlamm-Überangebot lässt sich durch den geschickten, dosierten Einsatz von Kies lösen. Unsere Pferde versanken im Januar oben auf ihrer Koppel im Schlamm, bis wir einen Kiesweg für sie anlegten, auf dem sie laufen konnten. Dann haben wir die Situation noch weiter verbessert, indem wir einen unserer Baggerfahrer eine Abflussleitung, auch Drainagerohr genannt, verlegen ließen. Das trocknete die obere Hälfte der Koppel vollständig ab. Dann habe ich dasselbe für meinen Obstgarten gemacht.
Alle Tore sind jederzeit geschlossen. Punkt.
Keine herumstreunenden Pferde, Hunde oder Rehe an Orten, an denen sie nichts zu suchen haben.
Schließt die Tore immer, unter allen Umständen.
Noch Fragen?

Foto: Gut gebaute Zäune sind unerlässlich, um Nutztiere zu schützen und Ausbrüche zu verhindern. Foto: xeni4ka/iStock
Keine schwächlichen, hübschen Stadtautos
Wenn ihr irgendwo an typischen Landstraßen wohnt, solltet ihr euch am besten ein Landauto zulegen – ein robustes, zuverlässiges Nutzfahrzeug, das rauen Bedingungen standhält. Moderne Fahrzeuge mit selbsttragender Karosserie (sogar viele sogenannte SUVs) zerfallen bei regelmäßigen Fahrten auf unebenen Straßen in ihre Einzelteile. Sie bestehen aus Blechteilen. Was du brauchst, ist ein geschweißter Leiterrahmen aus hochfestem Stahl unter deinem Fahrzeug. Ich habe ein solches Fahrzeug, das bereits über 500.000 Kilometer zurückgelegt hat, 40.000 davon auf Straßen, auf denen sich viele Stadtmenschen weigern würden, zu fahren.
Früher wurden alle Fahrzeuge auf diese Weise gebaut, aus dem einfachen Grund, dass sie lange halten. Unzuverlässige, überkomplizierte moderne Autos lassen einen im Stich, wenn man es am wenigsten erwartet – aus unverständlichen Gründen, die einen verzweifeln lassen.
Mein Vater wollte sein ganzes Leben lang einen Mercedes, und nachdem er endlich einen bekommen hatte, saßen er und meine Mutter einen halben Tag lang fest, bis ein sehr kluger Mechaniker die Pannenhilfe anrief und herausfand, dass das Auto nicht anspringt, wenn der Tankdeckel nicht vollständig festgeschraubt ist. Nein, das ist kein Scherz.
Gib dein Geld für erstklassige Reifen und Batterien aus, nicht für glänzenden Luxus. In neunzig Prozent der Fälle – oder sogar noch öfter – sind schlechte Reifen oder Batterien die Ursache für Pannen, und selbst wenn du den Pannendienst dazu bringst, dich zu retten, kann es einen Tag dauern, bis er da ist.
Ja, du brauchst wirklich Fahrzeuge mit Allradantrieb. Die Schneepflüge des Landkreises werden erst morgen, übermorgen oder nächste Woche hier sein. Und die räumen nicht nur deine Einfahrt nicht frei, sondern hinterlassen auch eine zwei Fuß hohe Schneewehe an der Einmündung in die Kreisstraße.
Dürfen Sie ein schickes Stadtauto haben? Klar, wenn es Ihr Zweitwagen ist. Nehmen Sie es mit in den Urlaub nach Palm Springs in Kalifornien.
Stadtmenschen werden das nicht glauben …
Bei uns dürfen im Garten keine Knochen für die Hunde liegen bleiben. Das lockt Geier an.
Du kannst dir zum Abendessen keine Pizza bestellen, egal wie müde du bist. Es gibt keinen Lieferservice.
Der Supermarkt schließt im Winter um 17 Uhr. Etwas vergessen? Pech gehabt.
Nein, wir können kein Hochgeschwindigkeits-Breitband bekommen. Na ja, wir könnten schon, aber es kostet umgerechnet fast 80.000 Euro, die Leitung bis zu unserem Haus zu verlegen.
Nein, wir haben keinen 5G-Mobilfunkempfang; es gibt keinen Hochleistungsmast in Sichtweite. Eigentlich wollen wir das auch gar nicht. Die letzten Menschen ohne durchgebratene Gehirne werden zur Landbevölkerung zählen.
Brauchst du ein neues Kleid für die Hochzeit deiner Schwester? Das bedeutet einen Ausflug in die Stadt. Möglicherweise mit Übernachtung.
Ford
Vor langer Zeit, in einem weit entfernten Universum, gab es in Amerika zwei Arten von Menschen: Ford-Fans und Chevy-Fans. Letztere ergötzten sich an einem Spott, der behauptete, der Firmenname der Ersteren sei ein Akronym für „Fix or Repair Daily“ (täglich reparieren oder ausbessern).
Ich werde nicht verraten, zu welchem Lager ich gehörte, aber ich benutze das heute als Mem für das Landleben. Um die bekannte US-Komikerin Gilda Radner (1946–1989) zu zitieren: „Es ist immer irgendetwas.“
Zum Beispiel bin ich gerade dabei, eine kleine Mulde im Wald mit einem Meter hohem Gras zu mähen – hoch genug, um einen alten Baumstumpf zu verbergen, auf den ich den Aufsitzmäher aufhocke – ganz so wie einen alten britischen MGB-Sportwagen auf einen Bordstein.
Es gelang mir, den Rasenmäher herunterzuschieben (eine Anstrengung, die einer Stunde im Kraftraum eines Fitnessstudios entspricht). Jetzt ist aber das Messer stumpf wie ein Schnürsenkel und sitzt schief in der Halterung. Da man einen Hebebock braucht, um darunterzukommen, und ich keinen habe, muss der Mäher in die Werkstatt.
Ich nähere mich mit Cocoa, unserem Shetlandpony, dem mit einer Hand zu öffnenden Tor des Paddocks. Ich stelle fest, dass die Schwerkraft letzte Nacht außergewöhnlich stark war (Vollmond?) und es sich um einen Zoll durchgebogen hat. Es lässt sich nicht öffnen. Es muss dringend eine Scharnierreparatur her – und das sind nicht einfach irgendwelche gewöhnlichen Küchenschrankscharniere, nein, ganz und gar nicht. Es sind zwei massive verzinkte Stahlplatten, die mit irgendwelchen Schrauben an altem Scheunenholz befestigt sind.
Erinnerst du dich an all die Schraubendreher und die Gripzange? Hol sie mal.
Am nächsten Tag: Im Sturm der letzten Nacht ist ein Baum auf den Paddockzaun gefallen.
Kochen lernen
Meine Bekannten aus der Stadt sind entsetzt, aber uns fehlen viele Annehmlichkeiten des modernen Lebens, die die meisten Menschen des 21. Jahrhunderts als selbstverständlich ansehen. Die Lebensmittelversorgung ist das beste Beispiel: Der nächste Kurierfahrer befindet sich in einem anderen Landkreis (für mich sogar in einem anderen Land – Kanada).
Wenn wir nicht kochen, essen wir nichts.
So unverständlich das für Stadtmenschen auch erscheinen mag, ist es doch ein Glücksfall. Fast jeden Abend steht etwas aus dem Garten oder Obstgarten auf dem Tisch, und es ist biologisch, nachhaltig, gesund, gentechnikfrei und – das Beste von allem – äußerst lecker.
Das Fehlen von Uber Eats ist nicht der Grund für unseren zweitausend Quadratmeter großen Garten und Obstgarten, aber es ist die Antwort darauf. Dazu kommen die Eier aus Freilandhaltung und das Fleisch von Weidetieren, das wir von lokalen Bauernhöfen beziehen (manchmal sogar von dem großen Hof direkt nebenan), und wir vermissen die uneingeschränkte Auswahl an Lebensmitteln im Supermarkt kein bisschen.
Das Aushängeschild unter den Abendessen auf der „Owl Feather Farm“ ist gebratene Lammschulter mit Chilischoten, Kartoffeln, Möhren, Pastinaken, Meersalz, Salbei und Thymian – alles innerhalb von drei Meilen um unsere Küche herum geerntet.
Wir haben noch nicht gelernt, Pizza zu backen. Wir sind vielleicht die letzte amerikanische Familie, die das beliebteste Gericht der Vereinigten Staaten nie isst. Aber hey, es gibt keine Streitereien wegen Ananasscheiben auf der Pizza oder so was.

Viele ländliche Haushalte verwenden Lebensmittel aus der Region, darunter Gemüse, Obst, Eier und Fleisch aus der Umgebung.
Foto: Filkina Natalia/iStock
Es geht um Verantwortung, nicht um Besitz
Zu unserem elf Hektar großen Grundstück gehört über ein Hektar alter Tannen- und Kiefernwald. Einige der größeren Bäume haben ein Alter erreicht, das sie zu Urwald macht. Heutzutage ist das schon eine ziemliche Seltenheit. Mit einer Höhe von mehr als 30 Metern sind sie für menschliche Verhältnisse ewig und unvergänglich. Einer davon könnte sogar der größte seiner Art sein.
Jedes Frühjahr hat eine Fuchsfamilie im Wald am Fuße der Pferdeweide einen Bau, in dem sie ihre Jungen aufzieht. Die kleinen Füchse spielen auf der Wiese und tollen herum. Dieselben Füchse sorgen dafür, dass keine Kaninchen unseren Garten leerfressen.
Unser Picknicktisch steht unter einem jahrhundertealten Birnbaum, der noch aus der Pionierzeit stammt – ein prächtiges Exemplar. Er steht jedes Jahr im Mai in voller Blüte und trägt im Oktober herrliche Früchte. Darunter zu sitzen ist, als befände man sich in einer alten Landkirche.
Die Singvögel im Kiefernwäldchen neben dem Hauptschlafzimmer, die Kolibris, die um Haus und Garten herumschwirren, die Merline, die kleinen Zwergfalken, die über die Heuwiese gleiten, und die Schwalben, die in der Scheune nisten – sie alle bedeuten uns sehr viel.
Jeden Morgen schlendert aus dem Wald ein junger Hirschbock daher, den wir Claude genannt haben. Er schließt sich unseren beiden Pferden an und so verbringen sie gemeinsam den Vormittag mit Grasen und Weiden. Die Nachmittagsbrise rauscht in den Pappelblättern und raschelt ein Lied. Der gute, tiefschwarze Boden im unteren Obstgarten ist der Grund, warum unser Gravenstein-Apfelbaum in fünf Jahren gut sechs Meter gewachsen ist.
Wir sind nicht die „Besitzer“ all dieser Wunder. Es wäre zwar zutreffend, zu sagen, dass sie uns gehören, aber sagen wir lieber, dass wir alle Hüter füreinander sind – jedes Lebewesen hier auf unserem Hof zusammen mit dem Boden, dem Wasser, dem Himmel und der Luft, die uns alle erhalten. Unsere Seelen sind untrennbar miteinander verbunden, wie Edelsteine an einer unendlichen goldenen Kette. Das ist der berühmte Kreislauf des Lebens, und wir sind ganz und gar Teil davon.

Ansonsten liegen zumindest kleine Farmer auch mal in der Sonne.
Foto: sonyae/iStock
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Facts of Life About Life in the Country“.Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: (sm)








