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Putin in Peking: Russland sucht Rückhalt bei China


In Kürze:

  • Putin absolvierte seinen 25. Besuch in China und seine erste Auslandsreise des Jahres 2026 in Peking.
  • Xi und Putin präsentierten ihre Staaten als strategische Partner gegen westlichen Einfluss.
  • Das Treffen fand wenige Tage nach dem China-Besuch von Donald Trump statt.
  • Beide Seiten unterzeichneten zahlreiche Abkommen in Handel und Energiepolitik.
  • Das Pipelineprojekt „Power of Siberia 2“ bleibt trotz Fortschritten ungelöst.

Der Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin am Mittwoch, 20.5., in Peking fällt auf mehrere bedeutende Jahrestage im Verhältnis zwischen beiden Staaten. Vor 40 Jahren öffnete China den am Amur gelegenen Hafen Tongjiang wieder für sowjetische Schiffe. Dies war ein bedeutender Schritt zur Beendigung der seit den Kämpfen am Fluss Ussuri 1969 herrschenden Eiszeit zwischen beiden Staaten.
Vor 25 Jahren hatten China und die Russische Föderation als Rechtsnachfolger der Sowjetunion den Vertrag über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit unterzeichnet. Dem Kreml zufolge war dies auch der Grund für den bereits seit längerem geplanten Besuch des russischen Präsidenten.

Treffen kurz nach Trump-Besuch erhöht geopolitische Brisanz

Dennoch blickt die internationale Öffentlichkeit auf einen anderen zeitlichen Zusammenhang. Der Besuch des russischen Staatschefs, nach chinesischen Angaben sein 25. im Nachbarland insgesamt und seine erste Auslandsreise 2026, kommt nur wenige Tage nach jenem des US-Präsidenten Donald Trump.
Dieser Umstand weckt unabhängig vom Zeitraum der vorausgehenden Planung vor allem einen Eindruck: Staatschef Xi Jinping will durch die knappe Abfolge dieser Visiten seine überragende globale Bedeutung und die des KP-Regimes unterstreichen. Insider aus dem Umfeld der Partei haben diesen gegenüber der Epoch Times bestätigt.
Ihnen zufolge soll Putin mit Xi schwerpunktmäßig zum Besuch von Präsident Trump befragt haben. Mit Bezug darauf sollen die beiden Staatschefs auch den Ukrainekrieg und die Lage im Nahen Osten erörtert haben. Auch die Beziehungen beider Länder zu den USA seien ein zentrales Thema zwischen den Führern der beiden Großmächte gewesen.

Xi und Putin betonen „multipolare Weltordnung“

Putin und Xi betonten auch die Enge ihrer Beziehungen, die zweifellos seit der Wiedereröffnung des Schiffsverkehrs im Jahr 1986 deutlich enger geworden waren. Der Beginn des Ukrainekrieges und die darauffolgenden westlichen Sanktionen haben Russland außenpolitisch noch stärker an China gebunden.
Offen bleibt, inwieweit diese immer engere Allianz dem Kreml nützt – und inwiefern das kommunistische Regime die Situation nutzt, um die Abhängigkeit Moskaus auszunutzen. Nach außen hin versuchten die beiden Staatschefs allerdings ein Bild der Geschlossenheit zu vermitteln. Xi und Putin unterzeichneten zahlreiche Vereinbarungen im Bereich Handel und Energie – die Rede war von rund 40 Dokumenten. Fünf stellvertretende Premierminister, acht Minister und zahlreiche Wirtschaftsführer begleiteten Putin.
Beide Staatschefs bekräftigten ihre „freundschaftliche Kooperation“. Xi erklärte während des gemeinsamen Termins in der Großen Halle des Volkes, China und Russland sei es gelungen, ihre strategische Zusammenarbeit „immer weiter zu vertiefen“. Auch sprach sich Xi aus gegen „einseitige und hegemoniale Gegenströmungen, die um sich greifen“ – was offenbar auf die USA gemünzt war.

Russland gerät wirtschaftlich stärker in Abhängigkeit von China

Auch Putin betonte die Wichtigkeit einer „unabhängigen und souveränen“ Außenpolitik und der „wichtigen stabilisierenden Rolle“ die Russland und China in einer multipolaren Weltordnung spielen müssten. Beide Länder müsste „in enger strategischer Zusammenarbeit handeln“ und die „starke, positive Dynamik“ in den bilateralen wirtschaftlichen Beziehungen ausbauen.
Zu Beginn der erweiterten Verhandlungen erklärte Putin zudem, die Gespräche mit Xi im engeren Kreis seien „inhaltsreich“ gewesen. Man habe unter anderem über die Koordination der Zusammenarbeit beider Länder in unterschiedlichen internationalen Foren gesprochen. Dies betreffe die Vereinten Nationen ebenso wie die BRICS, die G20 und aktiv im Rahmen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO).
Der russische Präsident betonte zudem, dass der Kreml den Vorsitz Chinas in der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft im Jahr 2026 unterstütze. Im kommenden November werde er auch an deren Forum in der Stadt Shenzhen teilnehmen. Das bilaterale Handelsvolumen sei innerhalb der vergangenen 25 Jahre um mehr als 30-fache gestiegen. Seit mehreren Jahren liege es stabil über 200 Milliarden US-Dollar. Damit, so Putin, haben die chinesisch-russischen Beziehungen „ein beispielloses Niveau erreicht“ und stellten „ein Modell der Partnerschaft“ dar.

Pipeline „Power of Siberia 2“ bleibt Streitpunkt

Allerdings haben die beiden Staatschefs nach wie vor noch keine Einigung über die Details zum seit Jahren diskutierten Pipeline-Projekt „Power of Siberia 2“ erzielt. Dabei geht es um eine Leitung, die jährlich rund 50 Milliarden Kubikmeter Erdgas von der russischen Jamal-Halbinsel über die Mongolei nach China transportieren soll.
Für Russland hat das Projekt seit Beginn des Ukrainekrieges an Bedeutung gewonnen, weil es einen Ersatz für die vor ihrem Ende stehende Energiepartnerschaft mit europäischen Ländern bieten würde. Allerdings gibt es noch kein endgültiges Abkommen, sondern lediglich eine „grundlegende Übereinkunft“, wie es aus dem Kreml heißt.
Offen bleiben zentrale Frage wie Zeitplan und Preisgestaltung. Und der Wegfall von Einnahmen infolge westlicher Sanktionen macht das Projekt für Russland dringlicher als für China. Peking scheut seinerseits eine starke Abhängigkeit von Russland und arbeitet an der Diversifizierung seiner Energieversorgung.

Analysten sehen taktisches Bündnis statt echter Partnerschaft zwischen Putin und Xi

Der anhaltende Ukrainekrieg und die Krise im Nahen Osten erhöhen den Druck auf Russland, langfristige Energiepartnerschaften auszubauen. China könnte diese Lage nutzen, um besonders günstige Konditionen für sich herauszuholen. Auf eine Verlängerung des 2001 unterzeichneten „Vertrags über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit“ konnten sich Putin und Xi jedoch einigen.
Diese Vereinbarung ist wiederum in der chinesischen Öffentlichkeit und unter Exil-Chinesen deutlich unbeliebter als in Russland. Analyst Li Linyi verweist gegenüber der chinesischsprachigen Epoch Times auf eine Grenzziehung, die auf die Zeit des zaristischen Russlands und der Mandschur-Qing-Dynastie zurückgeht. Das Zarenreich habe China damals in einem ungleichen Vertrag eine Grenze aufgenötigt, die einen Verlust von 3,44 Millionen Quadratkilometern Land im Nordwesten, Norden und Nordosten zur Folge hatte.
Obwohl der Gründer der Sowjetunion, Wladimir Iljitsch Lenin, in mehreren Regierungserklärungen die Rückgabe der Gebiete in Aussicht gestellt hätte, habe Jiang Zemin die Grenzziehung akzeptiert. Xi tue ihm dies nun gleich. Für ihn sei es offenbar wichtiger, Russland als Gegengewicht zu den USA mit im Boot zu haben.

Kann Russland langfristig wieder näher an die USA rücken?

Trotz der demonstrativen Einigkeit nach außen bleibt zwischen den Ländern damit auch ein erhebliches Maß an Misstrauen aufrecht. Taktisches Kalkül spielt auf beiden Seiten eine tragende Rolle.
Ein weiterer Analyst, Fang Wei, hält es längerfristig für eine sinnvollere Options Russlands, ein Bündnis mit den USA anzustreben. Auch die Regierung Trump versuche, den Kreml von der taktischen Umarmung durch Chinas KP-Regime wegzuziehen. Wirtschaftlich und kulturell wäre das folgerichtig, meint Fang:
„Die Wirtschaft und der Handel zwischen den Vereinigten Staaten und Russland ergänzen sich sehr stark. Sie gehören kulturell und religiös zur gleichen Richtung, die orthodoxe Kirche ist ebenfalls ein Zweig des Christentums, das ebenfalls eine westliche Zivilisation ist.“
(Mit Material von Nachrichtenagenturen)
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Pipelineprojekt, Ukrainekrieg und Trump: Was hinter Putins China-Besuch steckt


In Kürze:

  • Putin absolvierte seinen 25. Besuch in China und seine erste Auslandsreise des Jahres 2026 in Peking.
  • Xi und Putin präsentierten ihre Staaten als strategische Partner gegen westlichen Einfluss.
  • Das Treffen fand wenige Tage nach dem China-Besuch von Donald Trump statt.
  • Beide Seiten unterzeichneten zahlreiche Abkommen in Handel und Energiepolitik.
  • Das Pipelineprojekt „Power of Siberia 2“ bleibt trotz Fortschritten ungelöst.

 
Der Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin am Mittwoch, 20.5., in Peking fällt auf mehrere bedeutende Jahrestage im Verhältnis zwischen beiden Staaten. Vor 40 Jahren öffnete China den am Amur gelegenen Hafen Tongjiang wieder für sowjetische Schiffe. Dies war ein bedeutender Schritt zur Beendigung der seit den Kämpfen am Fluss Ussuri 1969 herrschenden Eiszeit zwischen beiden Staaten.
Vor 25 Jahren hatten China und die Russische Föderation als Rechtsnachfolger der Sowjetunion den Vertrag über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit unterzeichnet. Dem Kreml zufolge war dies auch der Grund für den bereits seit längerem geplanten Besuch des russischen Präsidenten.

Treffen kurz nach Trump-Besuch erhöht geopolitische Brisanz

Dennoch blickt die internationale Öffentlichkeit auf einen anderen zeitlichen Zusammenhang. Der Besuch des russischen Staatschefs, nach chinesischen Angaben sein 25. im Nachbarland insgesamt und seine erste Auslandsreise 2026, kommt nur fünf Tage nach jenem des US-Präsidenten Donald Trump.
Dieser Umstand weckt unabhängig vom Zeitraum der vorausgehenden Planung vor allem einen Eindruck: Staatschef Xi Jinping will durch die knappe Abfolge dieser Visiten seine überragende globale Bedeutung und die des Kommunistischen Regimes unterstreichen. Insider aus dem Umfeld der Partei haben diesen gegenüber der Epoch Times bestätigt.
Ihnen zufolge soll Putin mit Xi schwerpunktmäßig zum Besuch von Präsident Trump befragt haben. Mit Bezug darauf sollen die beiden Staatschefs auch den Ukrainekrieg und die Lage im Nahen Osten erörtert haben. Auch die Beziehungen beider Länder zu den USA seien ein zentrales Thema zwischen den Führern der beiden Großmächte gewesen.

Xi und Putin betonen „multipolare Weltordnung“

Putin und Xi betonten auch die Enge ihrer Beziehungen, die zweifellos seit der Wiedereröffnung des Schiffsverkehrs im Jahr 1986 deutlich enger geworden waren. Der Beginn des Ukrainekrieges und die darauffolgenden westlichen Sanktionen haben Russland außenpolitisch noch stärker an China gebunden.
Offen bleibt, inwieweit diese immer engere Allianz dem Kreml nützt – und inwiefern das kommunistische Regime in Peking die Situation nutzt, um die Abhängigkeit Moskaus auszunutzen. Nach außen hin versuchten die beiden Staatschefs allerdings ein Bild der Geschlossenheit zu vermitteln. Xi und Putin unterzeichneten zahlreiche Vereinbarungen im Bereich Handel und Energie – die Rede war von rund 40 Dokumenten. Fünf stellvertretende Premierminister, acht Minister und zahlreiche Wirtschaftsführer begleiteten Putin.
Beide Staatschefs bekräftigten ihre „freundschaftliche Kooperation“. Xi erklärte während des gemeinsamen Termins in der Großen Halle des Volkes, China und Russland sei es gelungen, ihre strategische Zusammenarbeit „immer weiter zu vertiefen“. Auch sprach sich Xi aus gegen „einseitige und hegemoniale Gegenströmungen, die um sich greifen“ – was offenbar auf die USA gemünzt war.

Russland gerät wirtschaftlich stärker in Abhängigkeit von China

Auch Putin betonte die Wichtigkeit einer „unabhängigen und souveränen“ Außenpolitik und der „wichtigen stabilisierenden Rolle“ die Russland und China in einer multipolaren Weltordnung spielen müssten. Beide Länder müsste „in enger strategischer Zusammenarbeit handeln“ und die „starke, positive Dynamik“ in den bilateralen wirtschaftlichen Beziehungen ausbauen.
Zu Beginn der erweiterten Verhandlungen erklärte Putin zudem, die Gespräche mit Xi im engeren Kreis seien „inhaltsreich“ gewesen. Man habe unter anderem über die Koordination der Zusammenarbeit beider Länder in unterschiedlichen internationalen Foren gesprochen. Dies betreffe die Vereinten Nationen ebenso wie die BRICS, die G20 und aktiv im Rahmen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO).
Der russische Präsident betonte zudem, dass der Kreml den Vorsitz Chinas in der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft im Jahr 2026 unterstütze. Im kommenden November werde er auch an deren Forum in der Stadt Shenzhen teilnehmen. Das bilaterale Handelsvolumen sei innerhalb der vergangenen 25 Jahre um mehr als 30-fache gestiegen. Seit mehreren Jahren liege es stabil über 200 Milliarden US-Dollar. Damit, so Putin, haben die chinesisch-russischen Beziehungen „ein beispielloses Niveau erreicht“ und stellten „ein Modell der Partnerschaft“ dar.

Pipeline „Power of Siberia 2“ bleibt Streitpunkt

Allerdings haben die beiden Staatschefs nach wie vor noch keine Einigung über die Details zum seit Jahren diskutierten Pipeline-Projekt „Power of Siberia 2“ erzielt. Dabei geht es um eine Leitung, die jährlich rund 50 Milliarden Kubikmeter Erdgas von der russischen Jamal-Halbinsel über die Mongolei nach China transportieren soll.
Für Russland hat das Projekt seit Beginn des Ukrainekrieges an Bedeutung gewonnen, weil es einen Ersatz für die vor ihrem Ende stehende Energiepartnerschaft mit europäischen Ländern bieten würde. Allerdings gibt es noch kein endgültiges Abkommen, sondern lediglich eine „grundlegende Übereinkunft“, wie es aus dem Kreml heißt.
Offen bleiben zentrale Frage wie Zeitplan und Preisgestaltung. Und der Wegfall von Einnahmen infolge westlicher Sanktionen macht das Projekt für Russland dringlicher als für China. Peking scheut seinerseits eine starke Abhängigkeit von Russland und arbeitet an der Diversifizierung seiner Energieversorgung.

Analysten sehen taktisches Bündnis statt echter Partnerschaft zwischen Moskau und Peking

Der anhaltende Ukrainekrieg und die Krise im Nahen Osten erhöhen den Druck auf Russland, langfristige Energiepartnerschaften auszubauen. China könnte diese Lage nutzen, um besonders günstige Konditionen für sich herauszuholen. Auf eine Verlängerung des 2001 unterzeichneten „Vertrags über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit“ konnten sich Putin und Xi jedoch einigen.
Diese Vereinbarung ist wiederum in der chinesischen Öffentlichkeit und unter Exil-Chinesen deutlich unbeliebter als in Russland. Analyst Li Linyi verweist gegenüber der chinesischsprachigen Epoch Times auf eine Grenzziehung, die auf die Zeit des zaristischen Russlands und der Mandschur-Qing-Dynastie zurückgeht. Das Zarenreich habe China damals in einem ungleichen Vertrag eine Grenze aufgenötigt, die einen Verlust von 3,44 Millionen Quadratkilometern Land im Nordwesten, Norden und Nordosten zur Folge hatte.
Obwohl der Gründer der Sowjetunion, Wladimir Iljitsch Lenin, in mehreren Regierungserklärungen die Rückgabe der Gebiete in Aussicht gestellt hätte, habe Xis Vor-Vorgänger Jiang Zemin die Grenzziehung akzeptiert. Xi tue ihm dies nun gleich. Für ihn sei es offenbar wichtiger, Russland als Gegengewicht zu den USA mit im Boot zu haben.

Kann Russland langfristig wieder näher an die USA rücken?

Trotz der demonstrativen Einigkeit nach außen bleibt zwischen den Ländern damit auch ein erhebliches Maß an Misstrauen aufrecht. Taktisches Kalkül spielt auf beiden Seiten eine tragende Rolle.
Der chinesische Analyst und YouTuber Fang Wei aus den USA hält es langfristig für sinnvoller, dass Russland ein Bündnis mit den USA anstrebt. Auch die Regierung Trump versucht, den Kreml von der taktischen Annäherung an das chinesische KP-Regime wegzulocken. Wirtschaftlich und kulturell wäre das folgerichtig, meint Fang:
„Die Wirtschaft und der Handel zwischen den Vereinigten Staaten und Russland ergänzen sich sehr stark. Sie gehören kulturell und religiös zur gleichen Richtung, die orthodoxe Kirche ist ebenfalls ein Zweig des Christentums, das ebenfalls eine westliche Zivilisation ist.“
(Mit Material von Nachrichtenagenturen)
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Trump reist nach China: Sabotage an Unterseekabeln als sicherheitspolitisches Thema?


In Kürze:

  • Donald Trump reist am 13. Mai erstmals seit 2017 wieder nach China.
  • Experten warnen vor gezielten Sabotageakten Chinas gegen Unterseekabel.
  • Rund 99 Prozent des weltweiten Datenverkehrs laufen über diese Infrastruktur.
  • Taiwan registrierte in den vergangenen Jahren etwa 30 Vorfälle mit beschädigten Unterseekabeln.

 
Am Mittwoch, 13. Mai, reist US-Präsident Donald Trump erstmals seit November 2017 wieder nach China. Es ist zugleich der erste Besuch eines US-Präsidenten im Land seit mehr als acht Jahren. Joe Biden hatte zwar Xi Jinping 2023 in den USA empfangen und 2024 am Rande des APEC-Gipfels in Peru getroffen, das Land selbst jedoch nicht besucht.
Neben dem Irankrieg, der den ursprünglich geplanten Trump-Besuch verschoben hat, und dem Zollstreit könnten auch sicherheitspolitische Fragen auf der Agenda stehen. Experten zufolge dürfte dabei auch hybride Kriegsführung ein Thema sein, insbesondere vor dem Hintergrund zunehmender Vorfälle mutmaßlicher Sabotageakte gegen Verbündete der USA.

Zentrale Bedeutung von Unterwasserkabeln für die Weltwirtschaft

Der Chefstratege des Verteidigungs-Start-ups, Andrew Badger, sprach mit „Fox News“ über dieses Thema. Er wies darauf hin, dass rund 99 Prozent des weltweiten Datenverkehrs über Unterseekabel laufen. Allein der Wert der Finanztransaktionen, die über diese abgewickelt werden, summiert sich auf etwa 10 Billionen US-Dollar pro Tag. Die Kabel seien essenziell für Internetkommunikation, Banken- und Finanzsysteme, Energiehandel, militärische Kommunikation und die KI- und Cloud-Infrastruktur. Damit würden die Kabel zum „Nervensystem“ moderner Staaten.
Badger nannte China und – im europäischen Raum – Russland als Akteure, die deutlich mehr in Sabotage westlicher Unterwasserinfrastruktur investierten als der Westen in deren Schutz. Der Analyst sprach von „hybrider Kriegsführung“ unterhalb der Schwelle eines offenen Krieges.
Ein koordinierter Angriff könnte massive wirtschaftliche Schäden verursachen. Der Zahlungsverkehr könnte massiv gestört werden. Ein Angriff könnte die Kommunikationssysteme inklusive des Internets lahmlegen und politische Instabilität auslösen.

Einfluss auf öffentliche Meinung im Taiwan-Konflikt

Im Fall eines chinesischen Angriffs auf Taiwan könnte die Sabotage von Kabeln auch zum Druckmittel gegen die USA werden. Immerhin wäre Washington verpflichtet, dem Verbündeten zu Hilfe zu kommen.
Die Zerstörung amerikanischer Unterseekabel würde zwar keinen militärischen Sieg bewirken, könnte jedoch die Wirtschaft und den Alltag in den USA erheblich beeinträchtigen. Ein solcher Eingriff hätte das Potenzial, die öffentliche Meinung zu beeinflussen und die Unterstützung für eine militärische Verteidigung Taiwans deutlich zu schwächen.
Bereits heute zeigen sich ähnliche Effekte. Spürbare wirtschaftliche Nebenwirkungen, etwa steigende Treibstoffpreise, können die Zustimmung in der US-Bevölkerung zu militärischen Einsätzen, etwa im Zusammenhang mit dem Konflikt im Iran, merklich reduzieren.
Taiwan galt schon in der Vergangenheit als besonders exponiertes Ziel von Sabotageaktionen an Unterwasserkabeln. Allein in den vergangenen Jahren registrierte die Insel etwa 30 Zwischenfälle dieser Art. Im Jahr 2023 kam es zu einer Beschädigung der Hauptkabel zu den Matsu-Inseln. Die Folge war ein 50-tägiger Kommunikationsausfall für deren etwa 13.000 Bewohner.

Verdacht auf gezielte Kabelsabotage vor Taiwan

Erst im Februar 2025 sollen die chinesischen Schiffe „Shunxing 39“ und „Hong Tai 58“ gezielt Unterseekabel vor Taiwan beschädigt haben. Dabei sollen die Schiffe ihre Anker über mehrere Kilometer über den Meeresboden gezogen und die Kabel mutmaßlich absichtlich zerstört haben. Offiziell wurde von einem „Navigationsfehler“ gesprochen, die Positions- und Zeitdaten deuten jedoch auf ein anderes Vorgehen hin.
China soll für solche Operationen unter anderem die maritime Einheit PAFMM einsetzen. Diese tritt formal als Fischereiflotte auf, steht jedoch in enger Verbindung zum Militär.
Zudem wird berichtet, dass in China ein Tiefseesystem entwickelt wurde, das Unterseekabel in bis zu 3.500 Metern Tiefe durchtrennen kann. Es soll auf einem elektrohydrostatischen Aktuator basieren und vor allem für Angriffe auf Untersee-Infrastruktur gedacht sein.
Die bisherigen Schutzmaßnahmen westlicher Staaten gelten als unzureichend, insbesondere angesichts der wachsenden Bedeutung von KI, Cloud-Infrastruktur und globalen Datenströmen. Die Straße von Taiwan bleibt dabei ein strategischer Knotenpunkt für Daten- und Halbleiterverkehr.

Reparaturen können mehrere Monate dauern – nur wenige Spezialschiffe

Die realistischen Verteidigungsoptionen gelten als überschaubar. Kriegsschiffe sind teuer und nur bedingt geeignet, verdeckte Sabotage zu verhindern. Küstenwachen sind häufig personell überlastet und können Tausende Kilometer Kabeltrassen nicht dauerhaft überwachen.
Als möglicher Ansatz gelten autonome Unterwasserdrohnen, die verdächtige Aktivitäten erkennen, melden und im Ernstfall Antriebe blockieren könnten. Dabei würden sich etwa Aramidfasern in den Propellern von Schiffen verfangen und sie so stoppen, ohne sie ernsthaft zu beschädigen oder Personen zu gefährden, mit dem Ziel, Eskalationen zu vermeiden.
Weltweit stehen derzeit weniger als 60 Spezialschiffe zur Reparatur von Unterseekabeln zur Verfügung. Reparaturen dauern oft Monate, während einzelne Sabotageakte bereits Kosten von über 1 Million US-Dollar verursachen können. Hinzu kommen milliardenschwere wirtschaftliche Verluste durch Kommunikationsausfälle. Prävention gilt daher als deutlich kostengünstiger als die Behebung von Schäden.

Interesse an Prävention – und Gefahr der Eskalation

Andererseits könnten Abwehrmaßnahmen wie der Einsatz von Drohnen von China und Russland als aggressive Handlung interpretiert werden. Dies könnte dazu führen, dass betroffene Staaten verstärkt auf militärische Eskorten setzen – mit entsprechend erhöhtem Eskalationsrisiko.
Zudem wären technische Gegenmaßnahmen zu erwarten, ebenso wie das Risiko von Fehlalarmen, die im ungünstigen Fall auch zivile Schiffe betreffen könnten.
Deshalb bedürfe es laut dem geostrategischen Analysten Franciszek Kopczewski klarer Einsatzregeln, durchgängiger Videoaufzeichnungen, rechtlicher Absicherung sowie geeigneter Entschädigungsmechanismen bei Fehlern. So lasse sich Sabotage eindämmen, ohne das Eskalationsrisiko zusätzlich zu erhöhen.