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Trump reist nach China: Sabotage an Unterseekabeln als sicherheitspolitisches Thema?


In Kürze:

  • Donald Trump reist am 13. Mai erstmals seit 2017 wieder nach China.
  • Experten warnen vor gezielten Sabotageakten Chinas gegen Unterseekabel.
  • Rund 99 Prozent des weltweiten Datenverkehrs laufen über diese Infrastruktur.
  • Taiwan registrierte in den vergangenen Jahren etwa 30 Vorfälle mit beschädigten Unterseekabeln.

 
Am Mittwoch, 13. Mai, reist US-Präsident Donald Trump erstmals seit November 2017 wieder nach China. Es ist zugleich der erste Besuch eines US-Präsidenten im Land seit mehr als acht Jahren. Joe Biden hatte zwar Xi Jinping 2023 in den USA empfangen und 2024 am Rande des APEC-Gipfels in Peru getroffen, das Land selbst jedoch nicht besucht.
Neben dem Irankrieg, der den ursprünglich geplanten Trump-Besuch verschoben hat, und dem Zollstreit könnten auch sicherheitspolitische Fragen auf der Agenda stehen. Experten zufolge dürfte dabei auch hybride Kriegsführung ein Thema sein, insbesondere vor dem Hintergrund zunehmender Vorfälle mutmaßlicher Sabotageakte gegen Verbündete der USA.

Zentrale Bedeutung von Unterwasserkabeln für die Weltwirtschaft

Der Chefstratege des Verteidigungs-Start-ups, Andrew Badger, sprach mit „Fox News“ über dieses Thema. Er wies darauf hin, dass rund 99 Prozent des weltweiten Datenverkehrs über Unterseekabel laufen. Allein der Wert der Finanztransaktionen, die über diese abgewickelt werden, summiert sich auf etwa 10 Billionen US-Dollar pro Tag. Die Kabel seien essenziell für Internetkommunikation, Banken- und Finanzsysteme, Energiehandel, militärische Kommunikation und die KI- und Cloud-Infrastruktur. Damit würden die Kabel zum „Nervensystem“ moderner Staaten.
Badger nannte China und – im europäischen Raum – Russland als Akteure, die deutlich mehr in Sabotage westlicher Unterwasserinfrastruktur investierten als der Westen in deren Schutz. Der Analyst sprach von „hybrider Kriegsführung“ unterhalb der Schwelle eines offenen Krieges.
Ein koordinierter Angriff könnte massive wirtschaftliche Schäden verursachen. Der Zahlungsverkehr könnte massiv gestört werden. Ein Angriff könnte die Kommunikationssysteme inklusive des Internets lahmlegen und politische Instabilität auslösen.

Einfluss auf öffentliche Meinung im Taiwan-Konflikt

Im Fall eines chinesischen Angriffs auf Taiwan könnte die Sabotage von Kabeln auch zum Druckmittel gegen die USA werden. Immerhin wäre Washington verpflichtet, dem Verbündeten zu Hilfe zu kommen.
Die Zerstörung amerikanischer Unterseekabel würde zwar keinen militärischen Sieg bewirken, könnte jedoch die Wirtschaft und den Alltag in den USA erheblich beeinträchtigen. Ein solcher Eingriff hätte das Potenzial, die öffentliche Meinung zu beeinflussen und die Unterstützung für eine militärische Verteidigung Taiwans deutlich zu schwächen.
Bereits heute zeigen sich ähnliche Effekte. Spürbare wirtschaftliche Nebenwirkungen, etwa steigende Treibstoffpreise, können die Zustimmung in der US-Bevölkerung zu militärischen Einsätzen, etwa im Zusammenhang mit dem Konflikt im Iran, merklich reduzieren.
Taiwan galt schon in der Vergangenheit als besonders exponiertes Ziel von Sabotageaktionen an Unterwasserkabeln. Allein in den vergangenen Jahren registrierte die Insel etwa 30 Zwischenfälle dieser Art. Im Jahr 2023 kam es zu einer Beschädigung der Hauptkabel zu den Matsu-Inseln. Die Folge war ein 50-tägiger Kommunikationsausfall für deren etwa 13.000 Bewohner.

Verdacht auf gezielte Kabelsabotage vor Taiwan

Erst im Februar 2025 sollen die chinesischen Schiffe „Shunxing 39“ und „Hong Tai 58“ gezielt Unterseekabel vor Taiwan beschädigt haben. Dabei sollen die Schiffe ihre Anker über mehrere Kilometer über den Meeresboden gezogen und die Kabel mutmaßlich absichtlich zerstört haben. Offiziell wurde von einem „Navigationsfehler“ gesprochen, die Positions- und Zeitdaten deuten jedoch auf ein anderes Vorgehen hin.
China soll für solche Operationen unter anderem die maritime Einheit PAFMM einsetzen. Diese tritt formal als Fischereiflotte auf, steht jedoch in enger Verbindung zum Militär.
Zudem wird berichtet, dass in China ein Tiefseesystem entwickelt wurde, das Unterseekabel in bis zu 3.500 Metern Tiefe durchtrennen kann. Es soll auf einem elektrohydrostatischen Aktuator basieren und vor allem für Angriffe auf Untersee-Infrastruktur gedacht sein.
Die bisherigen Schutzmaßnahmen westlicher Staaten gelten als unzureichend, insbesondere angesichts der wachsenden Bedeutung von KI, Cloud-Infrastruktur und globalen Datenströmen. Die Straße von Taiwan bleibt dabei ein strategischer Knotenpunkt für Daten- und Halbleiterverkehr.

Reparaturen können mehrere Monate dauern – nur wenige Spezialschiffe

Die realistischen Verteidigungsoptionen gelten als überschaubar. Kriegsschiffe sind teuer und nur bedingt geeignet, verdeckte Sabotage zu verhindern. Küstenwachen sind häufig personell überlastet und können Tausende Kilometer Kabeltrassen nicht dauerhaft überwachen.
Als möglicher Ansatz gelten autonome Unterwasserdrohnen, die verdächtige Aktivitäten erkennen, melden und im Ernstfall Antriebe blockieren könnten. Dabei würden sich etwa Aramidfasern in den Propellern von Schiffen verfangen und sie so stoppen, ohne sie ernsthaft zu beschädigen oder Personen zu gefährden, mit dem Ziel, Eskalationen zu vermeiden.
Weltweit stehen derzeit weniger als 60 Spezialschiffe zur Reparatur von Unterseekabeln zur Verfügung. Reparaturen dauern oft Monate, während einzelne Sabotageakte bereits Kosten von über 1 Million US-Dollar verursachen können. Hinzu kommen milliardenschwere wirtschaftliche Verluste durch Kommunikationsausfälle. Prävention gilt daher als deutlich kostengünstiger als die Behebung von Schäden.

Interesse an Prävention – und Gefahr der Eskalation

Andererseits könnten Abwehrmaßnahmen wie der Einsatz von Drohnen von China und Russland als aggressive Handlung interpretiert werden. Dies könnte dazu führen, dass betroffene Staaten verstärkt auf militärische Eskorten setzen – mit entsprechend erhöhtem Eskalationsrisiko.
Zudem wären technische Gegenmaßnahmen zu erwarten, ebenso wie das Risiko von Fehlalarmen, die im ungünstigen Fall auch zivile Schiffe betreffen könnten.
Deshalb bedürfe es laut dem geostrategischen Analysten Franciszek Kopczewski klarer Einsatzregeln, durchgängiger Videoaufzeichnungen, rechtlicher Absicherung sowie geeigneter Entschädigungsmechanismen bei Fehlern. So lasse sich Sabotage eindämmen, ohne das Eskalationsrisiko zusätzlich zu erhöhen.