In Kürze:
- Das Wirtschaftsforum 2026 findet vom 3. bis 6. Juni in St. Petersburg statt.
- Russland erwartet rund 20.000 Teilnehmer aus über 100 Ländern.
- Erstmals seit Jahren nimmt wieder eine offizielle US-Delegation teil.
- Saudi-Arabien ist Gastland des Forums.
- Deutsche Unternehmen setzen trotz Sanktionen weiterhin auf den russischen Markt.
Am Mittwoch, 3. Juni, hat in St. Petersburg das jährliche Internationale Wirtschaftsforum begonnen. Es wird bis Samstag andauern. Nach Angaben des Kreml werden rund 20.000 Teilnehmer aus mehr als 130 Ländern erwartet. Auf der Website des Forums selbst ist sogar von „Vertretern aus über 130 Staaten und Territorien“ die Rede.
Die Veranstaltung findet seit 1997 statt, seit 2006 ist der russische Präsident, Wladimir Putin, selbst der Schirmherr. Er wird auch in diesem Jahr wieder eine Hauptrede halten. Unter den Gästen befinden sich Vertreter von Regierungen, Unternehmen, Medien, internationalen Organisationen und Forschungseinrichtungen.
Saudi-Arabien als Gastland: Wirtschaftsforum illustriert Neuausrichtung
Offizielles Gastland des Forums ist in diesem Jahr Saudi-Arabien. Wie die russische staatliche Nachrichtenagentur „TASS“ mitteilt, werde aus Riad eine Delegation mit rund 200 Vertretern aus Ministerien, Banken und dem Ölkonzern Saudi Aramco erwartet. Dazu werden die Staatsoberhäupter aus Usbekistan, Shavkat Mirziyoyev, und Tansania, Samia Suluhu Hassan, erwartet. Die Führung in Peking werde Vizepräsident Han Zheng vertreten.
Für besondere Aufmerksamkeit sorgt die Teilnahme einer offiziellen Delegation aus den USA. Russischen Angaben zufolge ist dies die erste offizielle Vertretung auf diesem Niveau seit der ersten Amtszeit von Präsident Donald Trump.
Leiten wird diese Rodney Mims Cook Jr., der Vorsitzende der US-amerikanischen Denkmalschutzbehörde Commission of Fine Arts. Geplant sind unter anderem ein russisch-amerikanischer Wirtschaftsdialog, eine Gesprächsrunde und ein Treffen mit russischen Politikern, Kulturschaffenden und Wirtschaftsvertretern.
USA und Frankreich schon im Vorjahr präsent
Russland geht es im Rahmen des Wirtschaftsforums vorwiegend darum, die Resilienz seiner Wirtschaft trotz Krieges und westlicher Sanktionen zu betonen. Außerdem soll die Veranstaltung dem Narrativ entgegenwirken, das Land wäre in der Welt isoliert. Ferner unterstreicht das Forum die wirtschaftliche Neuausrichtung des Landes weg von Europa und hin zu Asien, Afrika und dem Globalen Süden.
Aber auch in Europa scheint es noch Entscheidungsträger in der Wirtschaft zu geben, die in der Zeit nach einem Ende des Ukrainekrieges den russischen Markt nicht dem Rest der Welt überlassen wollen. Deshalb ist auch die Zahl deutscher Unternehmen, die offiziell am Wirtschaftsforum teilnehmen, nach Jahren wieder im Steigen begriffen.
Der Vorstandsvorsitzende der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer, Matthias Schepp, spricht gegenüber der dpa von einer Zeit nach einem möglichen Waffenstillstand. Um einen solchen bemühen sich die USA seit dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump.
Handelskammerchef: „Russland nicht auf Dauer Asien überlassen“
Schepp betont, mit Blick auf die Zeit nach dem Kriegsende wolle man die „wirtschaftliche Brücke nach Russland erhalten“. Zudem gelte es, die mehr als 100 Milliarden Euro deutscher Vermögenswerte in Russland zu schützen“. Deutsche Unternehmen seien damit nicht einmal voreilig. Im Gegenteil: Die USA und Frankreich seien bereits im Vorjahr bei einem Business-Dialog vertreten gewesen.
Allein im ersten Quartal des laufenden Jahres hätten Chinesen etwa 1.400 neue Unternehmen in Russland gegründet. Der Chef der Auslandshandelskammer mahnt:
„Der Westen sollte Russland, seinen großen Markt und seine Rohstoffe nicht auf Dauer Asien überlassen.“
Das deutsch-russische Handelsvolumen betrug 2012 mit etwa 80 Milliarden Euro auf dem Höhepunkt. Infolge der seit 2014 betriebenen Sanktionspolitik sank dieses bis 2021 auf 59,7 Milliarden Euro. Mittlerweile beträgt es nur noch weniger als 10 Milliarden. Insgesamt seien laut der Kammer noch etwa 1.600 deutsche Unternehmen in Russland präsent. Ihr Umsatz sei seit 2011 von knapp 80 auf nunmehr 20 Milliarden Euro gesunken.
Deutscher Sender will Altkanzler Schröder in St. Petersburg gesehen haben
Demgegenüber hat sich das bilaterale Handelsvolumen Russlands mit mehreren nichteuropäischen Ländern vervielfacht. Zu den wichtigsten neuen Premium-Handelspartnern gehören die BRICS-Staaten, allen voran China, aber auch Ägypten, die Türkei oder Israel. Auch die Golfstaaten spielen für Russland eine immer größere Rolle.
Zu den deutschen Gästen des Business-Dialoges gehören unter anderem Milchproduzent Stefan Dürr, der mit der Ekoniva-Gruppe in Russland vertreten. Aber auch der frühere Geschäftsführer des Handelsunternehmen Globus Holding, Thomas Bruch, wird in St. Petersburg präsent sein. Der Korrespondent von ntv in Moskau, Rainer Munz, will auch den früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder im Hotel Kempinski gesehen haben.
Eine Umfrage der Kammer, an der auch 265 Mitgliedsunternehmen beteiligten, ergab, dass fast alle in Russland präsent bleiben wollten, weil sie es für einen bedeutenden Markt hielten. Auch erklärten 75 Prozent, trotz der sanktionsbedingten Einbußen mit der Entwicklung ihres Russlandgeschäfts zufrieden zu sein.
Mehr als die Hälfte erklärte, die Sanktionen schadeten Deutschland und Russland gleichermaßen. 65 Prozent sagten, Deutschland sollte so schnell wie möglich wieder Öl und Gas aus Russland beziehen – 31 Prozent sagten, dies solle erst nach einem Ende des Krieges der Fall sein.
(Mit Material der Nachrichtenagenturen)


