Categories
china ticker

China verschärft Einschränkungen für Katholiken


In Kürze:

  • Religiöse Bücher: Katholiken aus Shanghai und Peking berichten, dass keine Bibeln, und Gebetsbücher mehr verkauft werden.
  • Religiöse Aktivitäten: Pilgerreisen, Besichtigungen und Online-Gebetsübertragungen werden auch eingeschränkt.
  • Bestattungen: Ab diesem Monat dürfen Bestattungsunternehmen in Shanghai laut Berichten keine katholischen Bestattungsriten mehr durchführen.

 
Katholiken aus Shanghai und Peking berichten, dass das chinesische Regime die Einschränkungen ihrer religiösen Aktivitäten in jüngster Zeit weiter verschärft hat. Betroffen sind demnach zahlreiche Bereiche des religiösen Lebens – vom Verkauf von Bibeln und anderen religiösen Büchern über Pilgerreisen und Online-Gebetsübertragungen bis zu katholischen Bestattungsriten.

Religiöse Bücher verschwinden aus Kirchenläden

In der St.-Ignatius-Kathedrale in Shanghai, einer der bekanntesten katholischen Kirchen der Stadt, werden im Kirchenladen inzwischen keine Bibeln, Gebetsbücher und anderen theologischen Materialien mehr verkauft, wie lokale Katholiken berichten.
Mehrere Katholiken sprachen mit der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times unter der Bedingung der Anonymität, da sie Repressalien fürchten.
Ein Shanghaier Katholik mit dem Nachnamen Zhang sagte, dass theologische Bücher bereits im vergangenen Jahr nach und nach aus dem Laden verschwanden. „Die Mitarbeiter des Ladens erinnerten die Gläubigen damals: ‚Wenn es etwas gibt, das ihr kaufen wollt, beeilt euch und kauft es. Nach einer Weile werden sie alle weg sein.‘“
„Und tatsächlich: Nicht lange danach waren die theologischen Bücher und die religiösen Gegenstände verschwunden.“

Menschen besuchen die St.-Ignatius-Kathedrale im Shanghaier Stadtbezirk Xuhui am 22. April 2025.

Foto: Hector Retamal/AFP via Getty Images

Einschränkungen der religiösen Praxis

Die Verbote betreffen anscheinend nicht nur religiöse Schriften.
Die St.-Ignatius-Kathedrale schließe in diesem Jahr ihre Tore für Besucher, berichtete eine Kirchenbesucherin mit dem Nachnamen Zhu gegenüber der Epoch Times. Ihren Angaben zufolge wurde der Haupteingang der Kathedrale geschlossen, sodass Gläubige einen anderen Eingang benutzen müssen.
„Außer unseren Glaubensbrüdern und -schwestern können andere Menschen nicht eintreten“, sagte sie.
Ähnliche Berichte gibt es aus Peking. Ein örtlicher Katholik mit dem Nachnamen Wang sagte gegenüber der Epoch Times, dass auch einige katholische Kirchen in der Hauptstadt den Verkauf von Bibeln eingestellt hätten.
„Die katholische Kirche, in die ich oft gehe, verkauft die Bibel ebenfalls nicht mehr“, sagte Wang. „Ich habe gehört, dass es eine Anordnung des Büros für religiöse Angelegenheiten war und dass im Juni alles aus den Regalen genommen wurde.“

Pilgerreisen nur nach Genehmigung

Die Einschränkungen betreffen auch organisierte Pilgerreisen zwischen verschiedenen Regionen.
Im Juni wurde ein Katholik, der an einer Messe in einer Kirche am Stadtrand von Peking teilgenommen hatte, nach dem Gottesdienst von einem Priester darüber informiert, dass eine für Juli geplante Pilgerreise nicht stattfinden könne, heißt es in einem am 19. August veröffentlichten Beitrag auf X.
Der Pfarrer erklärte den Gläubigen demnach, dass für solche Pilgerreisen nach den neuen Regelungen eine Genehmigung der Behörden erforderlich sei. Eine solche Genehmigung zu erhalten, sei jedoch äußerst schwierig.
Anschließend erinnerte der Geistliche die Gemeindemitglieder daran, dass einige religiöse Aktivitäten, die zuvor als Gruppenveranstaltungen möglich gewesen seien, unter den derzeitigen Umständen nicht mehr fortgeführt werden könnten. Zugleich ermutigte er sie, ihren Glauben zu bewahren.

Religiöse Inhalte verschwinden aus dem Internet

Die Einschränkungen haben sich inzwischen auch auf religiöse Aktivitäten im Internet ausgeweitet.
Eine chinesische katholische Plattform übertrug zuvor jeden Abend das Rosenkranzgebet aus dem Wallfahrtsort Lourdes in Frankreich mit chinesischer Übersetzung. Katholiken zufolge verschwand der Livestream im vergangenen Dezember plötzlich, zusammen mit den Informationen zu den Übertragungen.
Ein Katholik mit mehr als 40 Jahren Glaubenspraxis und dem Nachnamen Wu sagte gegenüber der Epoch Times, jüngere Katholiken könnten weiterhin virtuelle private Netzwerke und andere Hilfsmittel nutzen, um auf religiöse Inhalte auf Plattformen wie YouTube zuzugreifen. Viele ältere Gläubige wüssten jedoch nicht, wie sie die chinesische Internetzensur umgehen könnten.
Wenn chinesischsprachige katholische Plattformen solche Inhalte nicht mehr bereitstellen, verlieren ältere Katholiken nach seinen Angaben einen wichtigen Zugang zu religiösen Aktivitäten.

Auch Bestattungsriten betroffen

Die jüngste Einschränkung betrifft auch katholische Bestattungsriten.
Laut demselben Beitrag in den sozialen Medien dürfen sämtliche Bestattungsunternehmen in Shanghai ab diesem Monat keine katholischen Bestattungsriten mehr durchführen.
Ein Shanghaier Katholik mit dem Nachnamen Shen sagte gegenüber der Epoch Times, dies sei von besonderer Bedeutung, weil katholische Beerdigungen religiöse Riten im Zusammenhang mit dem Lebensende, den Gedenkfeiern und der Bestattung von Gläubigen umfassen.
„Wenn Bestattungsunternehmen keine katholischen Riten zulassen, haben sich die Einschränkungen bereits von der Teilnahme an Messen, Pilgerreisen und dem Lesen religiöser Bücher während des Lebens auf die religiösen Riten nach dem Tod ausgeweitet“, sagte Shen.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Catholics in China Face Growing Restrictions on Religious Practice“. (deutsche Bearbeitung: zk)

Leave a Reply

Your email address will not be published.