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Studie deutet auf eine mögliche neue Ursache für Zöliakie hin

Das Immunsystem verrät die Entwicklung einer Zöliakie möglicherweise schon lange vor den ersten Symptomen – und noch bevor der Körper überhaupt auf Gluten reagiert.
Lange Zeit galt die Erkrankung als reine Überreaktion des Immunsystems auf Gluten. Eine aktuelle Studie im Fachjournal Immunology and Cell Biology deutet jedoch darauf hin, dass bereits viel früher eine geschwächte Immunaktivität einsetzt, die tiefgreifendere Ursachen hat als bisher angenommen.

Mangel an zentralen Signalstoffen

Im Zentrum der Untersuchung standen die sogenannten CD4-Helfer-T-Zellen. Diese weißen Blutkörperchen fungieren im Immunsystem wie Generäle auf dem Schlachtfeld: Sie geben Befehle, koordinieren die Abwehr von Infektionen und steuern die Bildung von Antikörpern.

Die Überraschung der Forscher: Die Zellen reagierten keineswegs überaktiv, sondern zeigten sich deutlich geschwächt. Sie bildeten geringere Mengen des zentralen Botenstoffs Interleukin-2, teilten sich langsamer und wiesen eine kürzere Lebensdauer auf. Dieses Muster beobachteten die Wissenschaftler unabhängig von Geschlecht, Krankheitsdauer oder einer bereits umgestellten, glutenfreien Ernährung.

„Das deutet darauf hin, dass die Veränderungen [im Darm] möglicherweise nicht nur durch eine aktive Entzündung oder eine kürzlich erfolgte Glutenexposition verursacht werden“, erklärte Dr. Jason Korenblit, Facharzt für Gastroenterologie, der nicht an der Studie beteiligt war, gegenüber der Epoch Times. „Sie spiegeln möglicherweise eine angeborene immunologische Veranlagung wider, die wahrscheinlich genetisch bedingt ist.“

Neues Testverfahren macht Zellverhalten sichtbar

Den Nachweis dieser Abweichungen ermöglichte der Einsatz einer neuen Technologie, des sogenannten „Cyton2 Cell Timer“. In einem eigens entwickelten Experiment versetzten die Wissenschaftler die Immunzellen in einen kurzzeitigen Aktivierungszustand. Nachdem sie sämtliche Signalstoffe wieder entfernt hatten, analysierten sie das eigenständige Regenerations- und Reaktionsverhalten der Zellen.
„Unser Testverfahren ist ein bisschen so, als würde man ein Spielzeug aufziehen und loslassen, um zu sehen, wie lange es läuft und welche Kunststücke es vorführt“, sagte die Studienautorin Vanessa Bryant in einer Erklärung.
„Gluten ist nach wie vor notwendig, um die Krankheit auszulösen“, sagte Korenblit, „aber das Immunsystem ist möglicherweise bereits so verdrahtet, dass es abnormal reagiert. Das könnte helfen zu erklären, warum Zöliakie in Familien gehäuft auftritt und warum sie sich mit anderen Autoimmunerkrankungen überschneidet.“
Aus gastroenterologischer Sicht, so sagte er, sei diese Studie wichtig, da sie die Annahme stütze, dass Zöliakie nicht nur eine Reaktion auf Gluten im Darm sei.
„Möglicherweise spielt auch ein tiefer liegender, grundlegender Unterschied in der Programmierung des Immunsystems eine Rolle“, sagte er.

Hoffnung auf frühere Diagnosen

Nun untersucht das Forschungsteam, ob vergleichbare Immunmuster auch bei anderen Autoimmunerkrankungen vorkommen und ab welchem Alter sie nachweisbar sind.
Die Ergebnisse können hilfreich für die Früherkennung sein. Experten mahnen jedoch zur Zurückhaltung, was eine rasche Umsetzung im Praxisalltag betrifft. Sollten künftige Studien bestätigen, dass diese Veränderungen im Immunsystem lange vor ersten Symptomen oder Darmschädigungen auftreten, könnte die Analyse des Zellverhaltens Risikopersonen künftig viel früher identifizieren als bisher möglich, betont Studienautor Korenblit.
Dies, so sagte er, könnte insbesondere für Verwandte ersten Grades von Menschen mit Zöliakie, für Kinder mit zöliakieassoziierten Genen oder für Patienten mit anderen Autoimmunerkrankungen von Nutzen sein.
„Eine frühzeitigere Erkennung könnte eine engmaschigere Überwachung, frühere Antikörpertests, eine Ernährungsbeurteilung und eine schnellere Diagnose ermöglichen, sobald die Erkrankung ausbricht“, sagte Korenblit. „Allerdings bräuchten wir größere, langfristige Studien, in denen Risikopersonen über einen längeren Zeitraum hinweg beobachtet werden, bevor wir dies klinisch anwenden können.“
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „Study Suggests a Potential New Cause of Celiac Disease“. (deutsche Bearbeitung kr)

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