Im Tierpark Ströhen im niedersächsischen Wagenfeld sind am Mittwoch, 7. Oktober, drei knapp sieben Wochen alte Sibirische Tiger während ihrer tierärztlichen Untersuchung vorgestellt worden. Wie eine Sprecherin des Tierparks mitteilte, sind die zwei männlichen und eine weiblichen Tiger wohlauf. Sie seien nun vom Tierarzt geimpft, untersucht und gechippt worden.
Die Tigerbabys kamen am 20. August zur Welt und verbrachten die erste Zeit weitgehend ungestört in ihrer Wurfbox. Das Tierpflegeteam beobachtete die Tigerfamilie in dieser Zeit vor allem aus der Distanz. Für die Elterntiere Amara und Antaris ist es der dritte gemeinsame Wurf.
Erste Erkundungen der Tigerbabys
Inzwischen trägt Amara ihre Jungen auch in Bereiche, die von Besuchern eingesehen werden können. Immer häufiger wagen sich die Drillinge zudem auf eigenen Pfoten aus der Wurfbox und erkunden ihre nähere Umgebung. Noch haben die kleinen Tiger keine Namen; der Tierpark bittet um Vorschläge.
„Amara hat bereits zweimal Zwillinge großgezogen, diese Erfahrung merkt man ihr an. Dass es diesmal eins mehr ist, bringt sie nicht aus der Ruhe“, sagt Großkatzen-Tierpfleger Jürgen Grimberg.

Die Geburt fällt in eine Zeit, in der Tiger verstärkt in den Fokus des Artenschutzes rücken.
Foto: Tierpark Ströhen
Mittlerweile seien die Tiere auch im Gehege für Besucher zu sehen, wobei der Nachwuchs häufig in der Nähe der Mutter bleibe, sagte die Sprecherin des Tierparks. Die Tiger seien noch sehr klein und schliefen viel. Beim Heranwachsen entwickle sich der Spieltrieb erst allmählich.
Noch etwa ein halbes Jahr leben die Tigerbabys laut Sprecherin definitiv im Tierpark Ströhen. Im Anschluss werde geklärt, in welche anderen Zoos der Tigernachwuchs vermittelt werden könne.
Sibirische Tiger, auch Amurtiger genannt, gelten als stark gefährdet, Schätzungen zufolge lebten 2023 in freier Wildbahn noch rund 700 Tiere. Der Bestand in Zoos wird weltweit auf insgesamt 1.500 Tiere geschätzt. Mithilfe des internationalen Tigerzuchtbuchs, das im Zoo Leipzig geführt wird, wird die Aufzucht in Zoos und Tierparks weltweit koordiniert.
Erstmals wieder Tiger ausgewildert
Im Sommer 2026 wurde im kasachischen Ile-Balkhash-Naturreservat erstmals seit mehr als 70 Jahren wieder ein Tiger ausgewildert. Dort war einst der in den 1950er-Jahren ausgestorbene Kaspische Tiger heimisch. Genetische Untersuchungen zeigen, dass beide Tigerunterarten sehr eng miteinander verwandt sind und der Sibirische Tiger der nächste lebende Verwandte des Kaspischen Tigers ist.
Deshalb soll diese Unterart im wiederhergestellten Lebensraum langfristig eine neue Tigerpopulation begründen und die ökologische Rolle des verschwundenen Kaspischen Tigers übernehmen.
„Unsere drei Jungtiere sind kleine Botschafter einer großen Artenschutzgeschichte“, sagt Nils Ismer, Inhaber des Tierparks Ströhen.
Die Rückkehr des Tigers nach Kasachstan zeige, dass Auswilderungen selbst bei Arten möglich seien, die in ganzen Regionen bereits verschwunden waren, so Ismer. „Solche Entwicklungen machen Hoffnung und verdeutlichen zugleich, wie wichtig es bleibt, Lebensräume zu bewahren und die verbliebenen Tigerbestände zu schützen.“ (afp/ks)

