Für viele Jäger besteht der Reiz darin, die Natur bewusster wahrzunehmen und zu verstehen. - Foto: AndreaObzerova/iStock
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Auf der Messe Jagd & Angeln reicht das Angebot von Brauchtum und Natur bis hin zu moderner Technik.
Foto: Lynn Wu/Epoch Times
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Auf der Messe Jagd & Angeln reicht das Angebot von Brauchtum und Natur bis hin zu moderner Technik.
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Der kleine Junge hat sein eigenes Fernglas dabei. Wenn sein Vater Julian König draußen auf Rehe ansitzt, darf er manchmal mitkommen. Nachts, wenn es auf Schwarzwild geht, bleibt er zu Hause.
König ist 30 Jahre alt, Hufschmied und seit rund zehn Jahren Jäger. Etwa zweimal in der Woche geht er zur Jagd. Was ihn daran fasziniert, ist zunächst das Draußensein.
Wer viele Stunden im Wald verbringe, nehme Dinge wahr, die anderen verborgen blieben: Tiere und Geräusche in der Nacht oder das Verhalten von Wildschweinrotten. Hinzu komme der Abstand zum Alltag. „Einfach diese Abgeschiedenheit draußen. Das ist schon einmalig“, sagt König.
Dass er auch seinen Sohn mitnimmt, hat einen Grund: Ihm sei wichtig, dass Kinder die Natur bewusster wahrnehmen und verstehen, dass Lebensmittel nicht selbstverständlich auf dem Tisch landen.
„Einfach diese Abgeschiedenheit draußen. Das ist schon einmalig“, sagt Julian König.
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Einige Stände weiter erzählt die 38-jährige Annette Riedel von einem anderen Reiz. Auf die Frage, was für sie das Besondere an der Jagd sei, muss sie nicht lange überlegen: „Die Gesellschaft.“
Entscheidend sei auch das, was nach der eigentlichen Jagd komme: das Zusammensein und die Begegnung mit Menschen, die ein gemeinsames Interesse verbinde. „Es ist wirklich wie eine zweite Familie“, sagt Riedel.
Immer mehr Jäger
Tatsächlich ist die Zahl der Jäger in Deutschland deutlich gestiegen. Im Jahr 2025 besaßen laut Deutschem Jagdverband 467.682 Menschen einen Jagdschein – rund 22 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor. Die Jagdfläche ist dagegen seit Jahren weitgehend konstant: 2025 umfasste sie rund 32 Millionen Hektar und damit etwa 89 Prozent der Fläche Deutschlands.
Auf der Jagd & Angeln, die vom 2. bis 4. Oktober im agra Messepark Leipzig stattfand, ließ sich diese Welt aus der Nähe betrachten. Rund 300 Aussteller und mehr als 150 Programmpunkte waren angekündigt. Der Veranstalter hatte vor der Messe mit mehr als 20.000 Besuchern gerechnet.
Auch Polo Palmen beobachtet Veränderungen. Er ist Präsident des Landesjagdverbandes Sachsen. „Es werden immer mehr Jäger“, sagt er im Gespräch auf der Messe. Zunehmend kämen Menschen aus Städten und ohne jagdlichen Hintergrund in der Familie hinzu. Auch der Anteil der Frauen wachse.
Die neuen Jäger seien häufig jünger und nutzten selbstverständlich soziale Medien. In den Verbänden sei der Altersdurchschnitt zwar weiterhin relativ hoch, „aber es kommen viele Junge nach“.
Als wichtiges Motiv sieht Palmen den Wunsch nach Naturverbundenheit. Es gehe nicht unbedingt darum, etwas zu schießen oder zu erlegen, sondern darum, zu erleben, „was da draußen passiert“, und Teil davon zu sein.
Ein Brauchtum über Generationen
Für Kerstin Schwandtke und Marcel Fabian aus Brandenburg gehört die Jagd seit Jahrzehnten zum Familienleben.
Beide jagen seit 29 Jahren. Schon Vater und Schwiegervater waren Jäger, inzwischen haben auch die eigenen Kinder einen Jagdschein. Die jüngste Tochter ist 18 Jahre alt. „Wir sind wirklich eine relativ große Jagdfamilie inzwischen“, sagt Schwandtke.
Dabei gehe es ihnen nicht allein um die Jagd selbst. In ihrer Jägerschaft in Bad Freienwalde pflegen sie bewusst das jagdliche Brauchtum – vom Jagdhornblasen bis zur Arbeit mit Jagdhunden.
Auch Fabian verbindet mit der Jagd, ähnlich wie König, vor allem das Draußensein. Er genieße die Ruhe und höre „dem Schauspiel der Natur“ zu. Das eigentliche Jagen und „Beutemachen“ mache dagegen nur einen vergleichsweise kleinen Teil aus.
Zum traditionellen Verständnis der Jagd gehört für das Paar auch, das erlegte Wild zu verwerten. Rehrücken und Hirschkeule verarbeiten sie in ihrem Schlachthaus und vermarkten sie selbst.
„Diesem Wild nachzustellen und es sich zu entnehmen, um dann auch letztendlich ein ordentliches Lebensmittel zu haben, ist schon viel, viel wert“, sagt Fabian.
Für Kerstin Schwandtke und Marcel Fabian ist die Jagd ein über Generationen weitergegebenes Brauchtum.
Foto: Lynn Wu/Epoch Times
Zugleich engagiert sich das Paar mit seinem Verein für die Rettung von Rehkitzen. Dabei kommt moderne Technik zum Einsatz.
Bevor Landwirte ihre Wiesen und Felder mähen, suchen vier Teams die Flächen mit Wärmebilddrohnen ab. Im vergangenen Frühjahr hätten sie auf rund 4.500 Hektar mehr als 200 Kitze gefunden und vor der Mahd in Sicherheit gebracht.
So verbindet sich bei Schwandtke und Fabian etwas sehr Altes mit etwas sehr Neuem: Das Brauchtum, das sie von der älteren Generation übernommen haben, geben sie an ihre Kinder weiter – während Wärmebilddrohnen längst zum jagdlichen Alltag gehören.
Ob ihre Enkel eines Tages ebenfalls Jäger werden?
„Durchaus möglich“, sagt Fabian. „Wäre wünschenswert.“
Jagen lernen in der Jagdschule
Während die Jagd bei Schwandtke und Fabian innerhalb der Familie weitergegeben wird, lernen andere sie heute in einer Jagdschule kennen.
Max Körbis betreibt im Raum Leipzig die Jagdakademie Körbis. Auch seine eigene Verbindung zur Jagd begann früh: Sein Großvater war Jäger und nahm ihn schon in seiner Kindheit mit auf die Jagd. Heute bildet Körbis selbst angehende Jäger aus.
Einmal im Jahr bietet Körbis einen Intensivkurs mit höchstens zwölf Teilnehmern an.
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Sein Intensivkurs dauert zwei Wochen. Nach seinen Angaben müssen die Teilnehmer mindestens 120 Ausbildungsstunden absolvieren; bei ihm seien es meist etwa 140. Anschließend folgen weitere Wochen zum Lernen und Üben, bevor Schießprüfung, schriftliche und mündliche Prüfung anstehen.
Einmal im Jahr bietet Körbis einen solchen Kurs für höchstens zwölf Teilnehmer an. Hauptberuflich arbeitet er als Dachdeckermeister.
Dabei will er nicht nur Prüfungswissen vermitteln. Ihm geht es auch um Traditionen, die er selbst durch seinen Großvater kennengelernt hat. „Es geht nicht immer alles ums Totschießen“, sagt er. Er möchte Jäger ausbilden, die dieses Brauchtum weitertragen.
Vom Holzschaft zur Wärmebildtechnik
Wenige Meter weiter zeigt sich eine andere Seite der Jagd. Auf den Tischen liegen Gewehre, darüber Optiken, daneben Zubehör.
Frank Balkenhol ist Verkaufsleiter beim Waffengroßhändler Albrecht Kind. Das Unternehmen wurde 1853 gegründet und steht damit selbst in einer langen Tradition des deutschen Waffen- und Jagdhandels.
Balkenhol zeigt zunächst eine Einstiegswaffe und dann das andere Ende des Preisspektrums. Bei einem hochwertigen Modell koste allein die Grundwaffe knapp 5.000 Euro. Mit Zielfernrohr und Schalldämpfer könne eine solche Ausstattung auf 8.000 bis 9.000 Euro kommen.
Doch moderne Jagdtechnik beschränkt sich längst nicht auf Gewehr und Zielfernrohr. Ferngläser sowie Nachtsicht- und Vorsatzgeräte gehören ebenfalls zum Sortiment. Gerade Langwaffen und entsprechende Vorsatztechnik würden derzeit stark nachgefragt, sagt Balkenhol.
So stehen auf der Messe Jagdhorn und Wärmebildkamera, Holzschaft und moderne Optik, überliefertes Brauchtum und Hightech unmittelbar nebeneinander.
Zur Jagdausbildung gehört auch ein verantwortungsbewusster Umgang mit Waffen.
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Landesjagdpräsident Palmen betont zugleich die Ausbildung im Umgang mit Waffen. Zur Jagdausbildung gehörten praktische und theoretische Bestandteile – vom Schießen über Tierarten und Wildkrankheiten bis hin zu Pflanzen und Jagdzeiten.
Jäger seien im Umgang mit Waffen ausgebildet und müssten sich an klare Regeln halten, sagt Palmen. Dazu gehörten insbesondere Vorschriften zur sicheren Aufbewahrung, deren Einhaltung auch kontrolliert werde. Nach seiner Einschätzung gehe von Jägern nur eine geringe Gefahr aus; Probleme seien vor allem mit illegal besessenen Waffen verbunden.
Auch nach der Prüfung setze der Verband auf Weiterbildung. Dafür stelle die Landesjagdakademie den angeschlossenen Kreisjagdverbänden unter anderem Dozenten zur Verfügung.
Jagd als Werkzeug
Eine weitere Funktion der Jagd beschreibt Stefan Naumann. Der ausgebildete Förster arbeitet im Raum Mittelsachsen und ist nach eigenen Angaben für rund 8.000 Hektar zuständig. Auf der Messe hilft er am Stand der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, die mit einem Waldmobil Umweltbildung anbietet.
Naumann spricht über die Jagd anders als die zuvor Zitierten. Für ihn ist sie auch ein „Werkzeug“.
Wenn Waldbestände verjüngt und junge Bäume gepflanzt werden, müsse der Wildbestand so reguliert werden, dass die Pflanzen eine Chance hätten, aufzuwachsen. Neben Sachsenforst seien daran viele Freizeitjäger beteiligt, die diese Aufgabe „sehr gewissenhaft und gut“ erledigten.
Seine eigene Aufgabe beschreibt Naumann mit einem Augenzwinkern als die eines „Waldpolizisten“. Er achte darauf, dass Waldbesucher die Regeln einhalten und Waldbesitzer ihren Pflichten nachkommen, ihre Bestände pflegen und wieder aufforsten.
„Waldpolizist“ Stefan Naumann ist für rund 8.000 Hektar Wald zuständig.
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Eine Kunst für sich
Auch die Präparation gehört zur traditionellen Welt der Jagd. Uwe Bauch begann nach eigener Aussage bereits mit 14 Jahren damit.
Wie aufwendig eine Präparation ist, hängt stark vom Tier ab. Manche Arbeiten dauerten nur wenige Stunden, an anderen arbeite er über Monate. In den USA habe er sogar schon Elefanten präpariert.
Dass Menschen Tiere noch heute präparieren lassen, erklärt Bauch nicht allein mit der Erinnerung an eine Jagd. Ihm gehe es darum, das Tier möglichst lebensecht darzustellen und etwas von seinem Wesen zu bewahren. „Es geht nicht um meine Arbeit“, sagt Bauch. Entscheidend sei, „die Message, die der Vogel in sich trägt, weiterzureichen“.
Uwe Bauch wurde für seine Präparationsarbeiten mehrfach international ausgezeichnet.
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Traditionelles Handwerk findet sich auf der Messe auch abseits der Jagd. Der Holzschnitzer Ronny Schubert erzählt, dass seiner Familie seit 1953 ein Wald gehöre und sich aus dem Umgang schließlich sein Handwerk entwickelt habe.
2010 begann er mit einem geschnitzten Pilz. Ein Nachbar wollte ebenfalls einen, später auch dessen Verwandte – aus den ersten Einzelstücken entwickelte sich langsam ein Geschäft.
Tische, Stühle, Nistkästen und andere Holzarbeiten fertigt er inzwischen allein und nach Kundenwunsch.
Tische, Stühle, Nistkästen und andere Arbeiten fertigt Ronny Schubert aus dem Holz seines eigenes Waldes.
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Ein Stück gelebter Kultur
Zur Jagd gehören schließlich auch die Jagdhörner. An einem Stand mit handgefertigten Instrumenten probiert Annette Riedel ein neues Mundstück aus. Ihr altes sei inzwischen stark beansprucht.
Riedel lebt in einem Dorf zwischen Riesa und Torgau. Dort erlebt sie die Jagd als ein Stück Kultur, das nicht im Museum bewahrt wird, sondern im Alltag weiterlebt.
Wenn die Jäger zurückkehren, die Jagdhörner erklingen und Dorfbewohner fragen, ob es Wildbret gibt, gehört die Jagd für sie bis heute zum gemeinsamen Leben.
Annette Riedel testet ein neues Mundstück für ihr Jagdhorn.
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„Der Mensch ist ja von Urzeiten her Jäger“, sagt Marcel Fabian. „Also dieser Instinkt ist bis heute bei einigen extrem stark ausgeprägt. Nur werden die Techniken heute natürlich viel, viel moderner.“