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Das Klavier – das beliebteste Musikinstrument der Welt

Was ist das beliebteste Musikinstrument der Welt? Die Gitarre? Das Schlagzeug? Die Geige? Nein. Trotz seines hohen Preises sowie seiner beeindruckenden Größe und seines Gewichts ist es das Klavier.
Ein modernes Klavier hat 52 weiße und 36 schwarze Tasten, insgesamt also 88. Es besteht aus etwa 12.000 Teilen, von denen 10.000 bewegliche Teile sind. Ein Instrument von solch technischer Komplexität entstand nicht von heute auf morgen. Seine Wurzeln reichen zurück zu antiken Saiteninstrumenten wie der Harfe und der Leier, die bereits 3.000 v. Chr. in der ägyptischen und mesopotamischen Kunst auftauchen.

Eine lange Entwicklungsgeschichte

Das Psalterium, das in der Bibel häufig erwähnt wird, bestand wahrscheinlich aus Metall- oder Darmsaiten, die über einen Holzkasten gespannt waren, der für mehr Klangfülle und Resonanz sorgte. Es wurde geschlagen oder gezupft.
„Erhebt Gesang und lasst das Tamburin ertönen, die liebliche Laute samt der Harfe!“ (Psalm 81,3)
Das Psalterium wurde wahrscheinlich im Gottesdienst und bei Zeremonien sowie zur Begleitung von Psalmen verwendet, da es im Buch der Psalmen mindestens achtmal erwähnt wird.
Im Mittelalter entstand das Cembalo, das bis ins 18. Jahrhundert hinein das führende Tasteninstrument in Europa war. Es sieht aus wie ein kleines Klavier. Durch Drücken einer Taste wird eine Saite gezupft, wodurch ein Klang entsteht, der laut genug ist, um in einem Ballsaal oder einem kleinen Theater zu erklingen.
Die Einschränkung des Cembalos lag in seinem Mangel an Klangvielfalt. Ganz gleich, wie stark oder sanft man eine Taste drückte – der gezupfte Klang war immer derselbe.
Auch Orgeln hatten eine Tastatur, jedoch keine Saiten. Sie gehören seit dem 10. Jahrhundert bis heute in Kirchen zur Standardausstattung.
Junge Frau an einem Konzertflügel. Foto: gorodenkoff/iStock

Eine junge Frau an einem Konzertflügel.

Foto: gorodenkoff/iStock

Wichtige Entwicklungsschritte

Der große Johann Sebastian Bach war zu Lebzeiten als Organist berühmter denn als Komponist, doch sein Lieblingsinstrument war das Clavichord. Dabei handelte es sich um einen Holzkasten mit Saiten und einer Klaviatur, der oft so kompakt war, dass er auf einem Tisch Platz fand. Kleine Metallstifte schlugen auf die Saiten, wodurch ein Musiker etwas lauter oder leiser spielen und sogar ein wenig Vibrato hinzufügen konnte.
Das Clavichord war ein wichtiger Schritt in Richtung des modernen Klaviers, doch sein Klang war zu leise, um außerhalb eines Salons zur Geltung zu kommen.
Um 1700 baute der italienische Instrumentenbauer Bartolomeo Cristofori ein Instrument, dessen Saiten mit Leder, später mit Filz überzogenen Hämmern angeschlagen wurden. Dies ermöglichte es den Spielern, Lautstärke und Ausdruck wie nie zuvor zu steuern. Cristoforis Innovationen fanden zunächst wenig Beachtung, bis andere Instrumentenbauer mit seiner Erfindung experimentierten und sie verfeinerten. Bald stellte dieses neue Instrument die Vorherrschaft des Cembalos in ganz Europa infrage.
Bartolomeo Cristoforis Erfindung aus dem frühen 18. Jahrhundert ermöglichte es Musikern erstmals, sowohl laute als auch leise Töne zu spielen. Foto: Opus 33/ CC BY-SA 4.0

Bartolomeo Cristoforis Erfindung aus dem frühen 18. Jahrhundert ermöglichte es Musikern erstmals, sowohl laute als auch leise Töne zu spielen.

Foto: Opus 33/CC BY-SA 4.0

Der nächste große Fortschritt Mitte des 18. Jahrhunderts war das Hammerklavier. Sein italienischer Name „Pianoforte“ bedeutet „leise“ und „laut“. Endlich gab es ein Instrument, bei dem die Lautstärke einer Note davon abhing, wie stark man die Taste anschlug. Das Hammerklavier zeichnete sich durch ein Holzgehäuse, dünne Saiten und eine größere Tastatur aus. Es wurde auf 60 Tasten erweitert. Die Komponisten Haydn und Mozart schrieben für dieses Instrument und auch Beethoven in seiner Jugend.
Die Musikpädagogin Melissa Mauro erklärt: „Komponisten nutzten das Pianoforte zunehmend, weil es Ausdrucksmöglichkeiten bot, die frühere Instrumente nicht hatten. Insbesondere Mozarts Klavierkonzerte zeigen, wie schön das Pianoforte singen, funkeln und auf den Anschlag reagieren konnte.“
Dieses Gemälde von Moritz von Schwind aus dem Jahr 1868 zeigt den Komponisten Franz Schubert, wie er für Freunde Klavier spielt. So brachte Musik im 19. Jahrhundert Menschen zusammen. Foto: gemeinfrei

Dieses Gemälde von Moritz von Schwind aus dem Jahr 1868 zeigt den Komponisten Franz Schubert, wie er für Freunde Klavier spielt. So brachte Musik im 19. Jahrhundert Menschen zusammen.

Foto: gemeinfrei

Ein Klavier für die kraftvolle Romantik

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts leitete Beethoven den Wandel weg von der anmutigen Eleganz der Musik des 18. Jahrhunderts ein – jener Musikrichtung, zu der Damen und Herren des Adels ihre Menuette tanzten. Die Musik der sogenannten Romantik war kraftvoller und emotionaler, mit großen Kontrasten in Lautstärke und Klangfarbe.
Die Instrumentenbauer machten sich daran, größere, kraftvollere und reaktionsfreudigere Instrumente zu entwickeln. Sie erweiterten deren Tastatur auf 88 Tasten. Damit wollten sie den Anforderungen dieser neuen Musik von Beethoven, Chopin und Liszt Rechnung tragen. Dies war die Geburtsstunde des modernen Klaviers.
Piano.org bezeichnet die Mechanik eines Klaviers als „eine der kompliziertesten Maschinen, die je gebaut wurden. […] Sie leitet den leichten Druck Ihres Fingers nach unten auf einen Filzhammer, der genau im richtigen Moment und mit genau der richtigen Geschwindigkeit auf eine Stahlsaite schlägt, und fängt den Hammer anschließend sauber wieder auf.“
Im Gehäuse eines Klaviers befinden sich etwa 230 Saiten. Jede einzelne dieser Saiten ist an einem eigenen Stimmstift befestigt. Jede Taste ist mit einem Holzhammer verbunden. Die Diskanthämmer auf der rechten Seite der Tastatur schlagen drei identisch gestimmte Saiten an, um hohe Töne zu erzeugen. Die Hämmer im Bassbereich auf der linken Seite schlagen mit Kupferdraht umsponnene Saiten an, um den tiefen Tönen mehr Fülle zu verleihen.

Zig Tonnen Zugkraft in einem Klavier

Im Deutschen nennt man diese Bauform wegen ihrer charakteristischen Form „Flügel“ – sie erinnert tatsächlich an den Flügel eines Vogels. Während sich die Klaviatur an einem Ende befindet, ist das andere Ende von links her nach innen geschwungen, da die Saiten mit steigender Tonhöhe kürzer werden.
Ein Flügel von Steinway & Sons, hergestellt von einem der wichtigsten amerikanischen Unternehmen, die die Klavierkonstruktion maßgeblich geprägt haben. Foto: Steinway & Sons/ CC BY-SA 3.0

Ein Flügel von Steinway & Sons, hergestellt von einem der wichtigsten amerikanischen Unternehmen, die die Klavierkonstruktion maßgeblich geprägt haben.

Foto: Steinway & Sons/CC BY-SA 3.0

Hier kommen die aufrechten Klaviere ins Spiel. Ein aufrecht stehendes Klavier ist in der Regel günstiger und nimmt weniger Platz ein, da das Gehäuse hochkant gestellt wird.
Die Saiten eines jeden Klaviers sind sehr straff gespannt und stehen unter einer Zugspannung von jeweils bis zu 90 Kilogramm. Ein bedeutender Fortschritt im Klavierbau war der Ersatz des Holzrahmens durch eine gusseiserne Platte, um zu verhindern, dass die Spannung der 230 Saiten das Instrument auseinanderreißt.
Hinter der Eisenplatte liegt eine Holzplatte, die den Klang der Saiten verstärkt. Dieser Resonanzboden wird meist aus Sitka-Fichte gefertigt, einem immergrünen Baum, der an der Nordwestküste Nordamerikas wächst. Sein Holz ist leicht, flexibel und stark genug, um diese Aufgabe zu erfüllen. Europäische Hersteller verwenden Bergfichte, zum Beispiel aus den Alpen oder dem Fichtelgebirge.
Heute ist es kaum noch vorstellbar, aber jahrtausendelang musste man, um Musik zu hören, sie selbst spielen oder von jemand anderem spielen lassen.
Piano-Liebe... Foto: SeventyFour/iStock

Klavierliebe.

Foto: SeventyFour/iStock

Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „I Love a Piano!“ (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)

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