Categories
etplus ticker vital

Eine der häufigsten Knieoperationen könnte mehr schaden als nützen

Eine der häufigsten Knie-Operationen hilft bei alterungsbedingten Meniskus-Schäden langfristig nicht besser als eine bloße Schein-Operation. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung über einen Zeitraum von zehn Jahren. Das Verfahren könnte das Gelenk auf Dauer sogar eher schädigen und den Verschleiß beschleunigen.

Bei dem Eingriff, einer sogenannten Kniespiegelung, schneiden Ärzte beschädigte Teile der Knorpelscheibe (des Meniskus) im Knie ab. Dadurch sollen Symptome am Kniegelenk wie Blockaden, Einklemmungsgefühle und anhaltende Schmerzen gelindert werden, die durch Meniskusrisse entstehen.

An der Studie nahmen 146 Erwachsene zwischen 35 und 65 Jahren teil, die länger als drei Monate unter Knieschmerzen litten und bei denen gleichzeitig ein degenerativer Meniskusriss diagnostiziert wurde. Das Ergebnis nach zehn Jahren: Patienten, die tatsächlich operiert wurden, hatten im Alltag weder weniger Schmerzen noch war ihr Knie beweglicher als bei denjenigen, die nur zum Schein operiert wurden.

Vor der Knie-OP: Diese überraschende Erkenntnis sollten Sie unbedingt kennen

Der Meniskus ist eine halbmondförmige Knorpelscheibe, die im Knie als Stoßdämpfer zwischen Oberschenkel und Schienbein dient. Risse in diesem Gewebe gehören zu den häufigsten Knieverletzungen überhaupt. Das operative Entfernen der beschädigten Teile hat sich zu einem der weltweit am häufigsten durchgeführten Eingriffe in der Orthopädie entwickelt.

Ursprünglich wurde die Operation vor allem bei jüngeren Patienten nach Sportunfällen oder Stürzen eingesetzt, bei denen der Riss die Beschwerden eindeutig auslöste. Mit dem Vormarsch der Kernspintomografie (MRT) entdeckte man solche Risse jedoch immer öfter auch bei älteren Menschen mit Knieschmerzen – und wandte den Eingriff zunehmend auch bei diesen altersbedingten Schäden an.

„Man ging davon aus, dass diese im MRT festgestellten Risse die Ursache der Symptome waren und daher operativ behandelt werden sollten“, erklärte Teppo Jarvinen, Professor an der Universität Helsinki und Leiter der Studie, gegenüber der Epoch Times.
Allerdings werden degenerative Meniskusrisse auch häufig bei Menschen festgestellt, die keine Knieschmerzen haben, was die Frage aufwirft, ob der Riss selbst immer für die Symptome eines Patienten verantwortlich ist.

Spätfolgen der Meniskus-OP

Die Entfernung von Teilen des Meniskus kann die natürliche Stoßdämpfung und Lastverteilung des Knies beeinträchtigen und möglicherweise das Fortschreiten der Arthrose sowie die Notwendigkeit einer späteren Kniegelenkersatzoperation beschleunigen.
Beobachtungsstudien haben Bedenken hinsichtlich höherer Raten des Fortschreitens der Arthrose und anschließender Kniegelenkersatzoperationen nach dem Eingriff aufkommen lassen.
Bei vielen Erwachsenen mittleren und höheren Alters ist ein Meniskusriss keine isolierte Verletzung, sondern Teil des umfassenderen Alterungsprozesses des Knies.
„Die Entfernung von Meniskusgewebe aus einem bereits degenerierten Knie könnte diesen Prozess [die Arthrose] einfach beschleunigen“, sagte Jarvinen.
Interessanterweise zeigte sich bei vielen Patienten der Studie im Laufe der Zeit eine Besserung der Schmerzen und Funktion im Vergleich zu ihrem Anfangszustand, unabhängig davon, ob sie die echte Operation oder die Placebo-Operation erhalten hatten, was darauf hindeutet, dass die Verbesserung eher den natürlichen Verlauf der Erkrankung widerspiegelt als die Entfernung von Meniskusgewebe, so Jarvinen.
Die Daten zeigten dabei jedoch nicht, dass die degenerativen Veränderungen verschwanden, was darauf hindeutet, dass die Meniskusschäden möglicherweise nicht die alleinige Ursache der ursprünglichen Beschwerden waren. Auch andere Faktoren, etwa eine Verbesserung der Muskulatur oder eine Anpassung der Alltagsbelastung, könnten zur Besserung der Symptome über die Jahre beigetragen haben.
„Den meisten dieser Patienten geht es auch ohne Eingriff am Meniskus gut – mit anderen Worten: Die Symptome klingen von selbst ab“, sagte er.

Symptome behandeln, nicht das Gelenk

Nicht alle sind der Meinung, dass diese Studienergebnisse die klinische Praxis ändern sollten.
Dr. Robert Brophy, Professor für orthopädische Chirurgie und Leiter der Sportmedizin an der Washington University School of Medicine, sagte, die partielle Meniskektomie sei keine Erstlinienbehandlung bei degenerativen Meniskusrissen, bleibe aber eine sinnvolle Behandlungsoption für Patienten, die bereits Medikamente, Physiotherapie und Injektionen ausprobiert hätten, ohne dass sich eine Linderung eingestellt habe.
Die Operation sei nie dazu gedacht gewesen, das Gelenk langfristig zu schützen, erklärte Brophy gegenüber der Epoch Times.
„Niemand erwartet, dass eine Operation Einfluss darauf hat, was in einigen Jahren mit dem Knie geschieht“, sagte er. „Wir wissen, dass wir die Operation nicht durchführen, um das Gelenk zu schützen. Wir führen die Operation durch, um die Symptome zu behandeln.“
Für Patienten mit anhaltenden, stark beeinträchtigenden Schmerzen, die andere Möglichkeiten bereits ausgeschöpft haben, würde ein vollständiger Verzicht auf eine Operation ihnen keine Auswege mehr lassen, sagte er.
„Die Lösung besteht nicht darin, bei jemandem Jahre vor der eigentlichen Notwendigkeit eine Kniegelenk-Totalendoprothese einzusetzen oder ihn herumhumpeln zu lassen, ohne dass er etwas tun kann“, sagte er.
Die Studie sei kein „bahnbrechender Durchbruch“, so Brophy, sondern „ein weiterer Beitrag in einem sich weiterentwickelnden Forschungsgebiet“. Er wies darauf hin, dass die Frage, welche Patienten tatsächlich von einer Operation profitieren, nach wie vor ungelöst sei.

Wann eine Operation sinnvoll ist

Die Studienergebnisse lassen sich allerdings nicht auf alle Arten von Meniskusverletzungen übertragen. Die Untersuchung bezog sich gezielt auf altersbedingte, verschleißbedingte Risse bei Menschen im mittleren Alter.

Bei verletzungsbedingten Rissen durch Unfälle, die häufiger bei jüngeren Menschen vorkommen, kann eine Operation nach wie vor sinnvoll sein. Dazu zählen sogenannte Korbhenkelrisse, bei denen sich ein großes Gewebestück im Gelenk verfängt und das Knie mechanisch blockiert, sowie instabile Lappenrisse mit beweglichen Knorpelteilen.

„Solche Korbhenkelrisse bleiben eine wichtige Ausnahme“, betont Studienleiter Jarvinen. „Da das Gelenk hier tatsächlich mechanisch blockiert ist, kommt man um einen Eingriff oft nicht herum.“

Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „1 of the Most Common Knee Surgeries May Be Doing More Harm Than Good“. (deutsche Bearbeitung kr)

Leave a Reply

Your email address will not be published.