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Atmend steh ich – von Renate Lilge-Stodieck

Atmend steh ich

Die Quellen alter Kraft
sind nun für mich versiegt.
Sie hießen Kampf
und Macht.
Wohl hab ich reichlich auch
an ihnen
meinen Mut gestärkt,
die Angst ertränkt
und die Verachtung
aufgebläht.
Und trefflich konnt
mit Worten ich
erschlagen,
was sich mir
in den Weg gestellt.
Doch brauch ich’s
nun nicht länger,
denn meine Füße
sanken
bis auf den Grund
und atmend steh ich
in dem tiefsten Meer.
Den Himmel lieb ich
wandernd
auf der Erde Rund,
er senkt sich nieder,
selbst die Flügel
wurden mir zu schwer.
So, in der Mitte
schwingend
lausch ich,
was die Erde singt,
geb ich mich hin,
dass Meer und Himmel
täglich neu
durch mich erklingen.
Nein, Kampf und Macht
Und Sieg und Niederlage,
sie speisen mich nicht mehr.
Aus einer andern Quelle
strömt meine Kraft
mir her.
Renate Lilge-Stodieck
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Das eigene Leben – von Renate Lilge-Stodieck

Das eigene Leben

Will ein Leben hier auf Erden
fruchtbar werden,
muss es oft alleine gehn,
muss oft gegen viele stehn,
welche breite Straßen ziehn.
Muss sich stets von neuem fragen,
ob‘s nur tut, was auch gefällt,
oder ob‘s an allen Tagen
zu der eignen Antwort hält.
Muss sich fragen, ob die Antwort
auch aus reinem Herzen kommt,
ob nicht Eitelkeit und Habsucht
ihm diktiert,
was ihm dann frommt.
Will ein Leben hier auf Erden
fruchtbar werden, muss es lernen,
zu gehorchen dem, was tief
im Innern wohnt.
 
Renate Lilge-Stodieck