In Lettland soll nach dem Rücktritt von Regierungschefin Evika Silina der konservative Oppositionspolitiker Andris Kulbergs eine neue Regierung bilden.
Präsident Edgars Rinkevics beauftragte Kulbergs am Samstag mit der Zusammenstellung einer neuen Koalition bis zu den Parlamentswahlen im Oktober. Er habe zuvor Vertreter aller im Parlament vertretenen Parteien getroffen, erklärte Rinkevics.
„Gemäß der lettischen Verfassung fordere ich Herrn Kulbergs auf, die Aufgabe der Bildung eines neuen Ministerkabinetts zu übernehmen“, erklärte Staatschef Rinkevics. Kulbergs gehört der konservativen Opposition an.
Auslöser waren zwei ukrainische Drohnen
Silina hatte am 14. Mai ihren Rücktritt erklärt, nachdem ihre Koalition im Streit über den Umgang mit ukrainischen Drohnen in Lettland zerbrochen war. Die linksgerichteten Progressiven hatten die Koalition verlassen, nachdem Silina den Rücktritt von Verteidigungsminister Andris Spruds herbeigeführt hatte. Spruds gehört den Progressiven an.
Auslöser der Regierungskrise waren zwei ukrainische Drohnen, die am 7. Mai von Russland aus die lettische Grenze überquerten und in Lettland abstürzten.
Nach ukrainischen Angaben waren sie auf dem Weg zu Zielen in Russland und wurden von der russischen Luftabwehr elektronisch abgelenkt. Eine Drohne traf ein Öllager bei Rezekne im Osten Lettlands, wo ein Brand ausbrach. Opfer gab es nicht, größere Schäden wurden nicht gemeldet.
Silina warf Spruds vor, die lettischen Abwehrsysteme gegen Drohnen seien nicht schnell genug eingesetzt worden. Ohne die neun Abgeordneten der Progressiven verlor ihre Koalition die Mehrheit im Parlament.
In Lettland waren bereits vor der aktuellen Krise mehrfach ukrainische und russische Drohnen abgestürzt. Die Vorfälle machten Schwächen in der lettischen Luftabwehr sichtbar. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte angekündigt, Fachleute nach Lettland zu entsenden, um beim Schutz des lettischen Luftraums zu helfen. (afp/red)
