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Youthstrike: Wer hinter dem europaweiten Aufruf zu Großdemonstrationen steckt


In Kürze:

  • Für den 20. November rufen Schüler- und Studentenorganisationen aus mehreren europäischen Ländern zu einem internationalen Jugendstreik auf.
  • Hinter dem Aufruf von Youthstrike stehen überwiegend linke Gruppen – darunter auch Organisationen, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden.
  • Unabhängig davon ruft auch die Bewegung „Schulstreik gegen Wehrpflicht“ für diesen Tag zu Demonstrationen auf.

 
Für den 20. November rufen Schüler- und Studentenorganisationen aus mehreren europäischen Ländern zu einem internationalen Jugendstreik auf. Sie protestieren gegen Aufrüstung, Wehrpflicht und Sozialkürzungen. Hinter dem Aufruf von Youthstrike stehen überwiegend linke Gruppen, darunter auch solche, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Ein Überblick über die beteiligten Organisationen und ihre Ziele.
Die Anlässe für einen europaweiten Protestaufruf sind laut einigen Organisatoren drastisch gestiegene Preise, Mangel an bezahlbarem Wohnraum, Kürzungen bei Bildung und sozialen Leistungen. Gleichzeitig würden in der Europäischen Union Milliarden für die Aufrüstung der Streitkräfte ausgegeben, so die Kritik. Auch die mögliche Wiederaufnahme der Wehrpflicht ist unter der jungen Generation in Deutschland ein Thema.
Der 20. November ist der Internationale Tag der Kinderrechte. Er erinnert daran, dass vor 37 Jahren, am 20. November 1989, die UN-Kinderrechtskonvention verabschiedet wurde. Darauf wird in den Protestaufrufen Bezug genommen.
Bereits am 10. August, vor dem Beginn der gegenwärtigen Schülerproteste in Frankreich, veröffentlichte „youthstrike.org“ folgenden Text: „Eine internationale Koalition aus Studenten- und Jugendorganisationen hat heute öffentlich zu einem internationalen Studenten- und Jugendstreik am 20. November 2026 aufgerufen und Jugendliche und Studenten in ganz Europa dazu aufgefordert, Schulen und Universitäten zu verlassen, zu streiken und zu protestieren.“
Nach Ansicht der Organisatoren soll dies „die größte koordinierte antimilitaristische Studentenmobilisierung in Europa der letzten Jahre werden“.

Youthstrike: Zahlreiche linke Gruppen

Youthstrike ist keine Folgeerscheinung der jüngsten Proteste und Ausschreitungen in Frankreich, sondern vielmehr ein zuvor erfolgter Zusammenschluss studentischer und jugendlicher Organisationen aus mehreren europäischen Ländern.
Bei einem erweiterten Aufruf auf der Website von Youthstrike sind 18 europäische Teilnehmerorganisationen aufgeführt. Die meisten von ihnen zählen zum politisch linken Spektrum. Aber auch Klimaschützer und Gegner der Wehrpflicht sowie aller Formen von Krieg finden sich darunter.
In dem als „Manifest“ bezeichneten Aufruf heißt es am Ende: „Die Geschichte hat sich nie verändert, weil die Machthaber sich für Gerechtigkeit entschieden haben. Sie hat sich verändert, weil sich die Menschen organisiert und dafür gekämpft haben. Jetzt sind wir an der Reihe.“

Jugend der Partei Die Linke

Aus Deutschland sind zwei Jugendorganisationen der Partei Die Linke genannt. Zum einen handelt es sich um Die Linke.SDS (Sozialistisch-demokratischer Studierendenverband), der sich nach eigenen Worten „zu den Grundsätzen der Partei Die Linke und der linksjugend [’solid]“ bekennt.
Die Linke.SDS ist nach eigenen Worten „ein Verband von bundesweit rund 50 Hochschulgruppen mit dem Ziel, eine starke linke Bewegung an den Universitäten und Fachhochschulen aufzubauen“.
Weiter gibt Die Linke.SDS an, sich in Arbeitskreisen „mit Themen in und außerhalb der Hochschule“ zu befassen, zum Beispiel „Kritische Wissenschaft, Antifaschismus, Antimilitarismus und Frieden, Klima und Ökologie, Geschlechterverhältnisse und Feminismus“.
Der bayerische Landesverband dieser Jugendorganisation wird vom Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz als linksextremistisch eingestuft und beobachtet.
Zum anderen beteiligt sich die Linksjugend [’solid], das ist der offizielle Jugendverband der Partei Die Linke. Die Linksjugend sagt über sich selbst: „Wir sind Azubis, Schüler:innen, Studierende, junge Erwerbstätige und Erwerbslose und engagieren uns gemeinsam gegen die großen und kleinen Ungerechtigkeiten des Alltags.“
Diese Jugendorganisation wird vom Verfassungsschutz in Baden-Württemberg unter der Bezeichnung „Offene Extremisten in DIE LINKE“ beobachtet. Im Verfassungsschutzbericht 2025 heißt es auf Seite 171: „In Baden-Württemberg tritt vor allem die ‚Linksjugend [’solid]‘ in klassisch linksextremistischen Handlungsfeldern öffentlich in Erscheinung.“
Das Amt stellte zudem fest, dass der gestiegene Stimmenanteil für die Partei Die Linke bei der Bundestagswahl 2025 „spürbare Auswirkungen auf den Jugendverband der Partei in Baden-Württemberg“ gehabt habe, und verzeichnete „eine deutliche Zunahme an Ortsgruppen der ‚Linksjugend [’solid]‘“.
Insgesamt würden in dem südlichen Bundesland mehr als 20 Ortsgruppen der Linksjugend [’solid] existieren. Neben den Themen „Antifaschismus“ und „Antimilitarismus“ sei auch die „Palästinasolidarität“ im Jahr 2025 „ein wichtiges Thema“ bei der Linksjugend gewesen.

SDAJ: Kampagnen an Schulen

Auch die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) engagiert sich für den Aufruf. Sie ist die Nachwuchsorganisation der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) und wird vom Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) sowie von verschiedenen Landesämtern für Verfassungsschutz als linksextremistische Bestrebung eingestuft und beobachtet.
Das Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg urteilt über die kommunistische Jugendorganisation: „Die SDAJ ist in jüngerer Zeit mit Kampagnen an Schulen in Erscheinung getreten. Auf diese Weise versucht sie, bereits Schüler in ihrem Sinne ideologisch zu beeinflussen und letztlich in Gegnerschaft zum bestehenden politischen System zu bringen.“
Weiterhin beteiligt sich die bundesweit aktive sozialistische Jugendorganisation YUNA. Sie wurde laut Impressum ihrer Website im Jahr 2025 gegründet, unterhält nach eigenen Angaben zwölf Ortsgruppen und setzt sich aus „Schülerinnen und Schülern, Auszubildenden, Studierenden und arbeitenden Jugendlichen“ zusammen.
Als Motive für ihr Engagement nennt YUNA unter anderem die Corona-Pandemie, den Ukrainekrieg und den „Genozid in Gaza“. Sie wendet sich gegen Obdachlosigkeit und dagegen, dass „Frauen von Männern belästigt und entmenschlicht werden“.
Weiter heißt es auf der Website der Organisation: „Es ist nicht normal, dass Jugendliche umgebracht werden, weil sie Schwarz sind, und zigtausende Menschen auf der Flucht vor Krieg und Vertreibung an den europäischen Außengrenzen sterben. All die Probleme, vor denen wir stehen, können nicht getrennt voneinander betrachtet werden – Ihnen liegt ein System von Unterdrückung zugrunde.“ Dies seien die Gründe, warum YUNA „für einen Demokratischen Sozialismus“ kämpfe.

Klimaschützer

Mit einer anderen Motivation beteiligt sich die Gruppe „End Fossil“. Hierbei handelt es sich um eine seit 2022 bestehende, auf Klimaschutz ausgerichtete, international, aber dezentral organisierte Bewegung. In Deutschland gibt es mehrere Ortsgruppen, die sich „End Fossil: Occupy!“ nennen.
Von der Ortsgruppe Göttingen ist zur Entstehung der Bewegung zu erfahren: „Wir sind unabhängig und selbstständig von jungen Menschen organisiert und unter anderem aus der ‚Fridays for Future‘-Bewegung entsprungen.“ Als Ziel formuliert die Ortsgruppe, „uns unsere Zukunft im Angesicht des Klimawandels zurückzuholen“.
Außerdem wird gefordert, die „fossile Industrie“ zu beenden und „einen Schuldenschnitt für den Globalen Süden“ herbeizuführen. Als zentrales Protestmittel nutzt die Gruppe die Besetzung von Hörsälen an Universitäten sowie von Schulen (siehe zum Beispiel „DER SPIEGEL“ und „Rheinische Post“).

Schweiz und Österreich

Für den Aufruf mitverantwortlich zeichnet auch die Jugendorganisation der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz JUSO/JS/GISO. Ihr Vizepräsident Julien Berthod soll sich laut dem Schweizer „Tages-Anzeiger“ an den Demonstrationen in Frankreich beteiligt haben.
Aus Österreich dabei ist die Aktion kritischer Schüler_innen (AKS), eine linksgerichtete Schülerorganisation, die sich häufig an Straßenprotesten beteiligt. Ihr Leitspruch lautet: „Für eine demokratische, sozial gerechte und angstfreie Schule und Gesellschaft“. AKS bietet „Antifaschismus-Seminare“, Start-up-Seminare, Rhetorikkurse, Infos über Schulrecht, Queer-Sein und über Klima- und Umweltschutz an.

Schülergewerkschaften aus Italien

Aus Italien wird als Teilnehmer von Youthstrike der Schüler- und Studentendachverband Rete della Conoscenza (Netzwerk des Wissens) aufgeführt, der auf seiner Webseite die Frage aufwirft: „Welche Zukunft bereiten sie für uns vor?“ Dort wird unter anderem beklagt, dass „unsere Möglichkeiten, selbst zu entscheiden, wie wir leben wollen, immer weiter eingeschränkt werden“. Rete wendet sich gegen Rüstungsausgaben, verlangt „eine zugängliche Bildung, eine angemessene öffentliche Gesundheitsversorgung“ und ein ausreichendes Einkommen.
Zu Rete gehören die politisch links stehende italienische Schülergewerkschaft Unione degli Studenti sowie der Studentenverband LINK – Coordinamento Universitario. Beide setzen sich für das Recht auf Bildung, soziale Gerechtigkeit und politische Mitbestimmung ein und sind ebenfalls einzeln bei Youthstrike als Unterstützer aufgeführt.

Großbritannien: Antikriegs-Koalition

Die britische Antikriegs-Organisation Stop the War Coalition (StWC) entstand im September 2001 als Reaktion auf die islamistischen Anschläge des 11. September 2001 in den USA und wandte sich gegen die darauffolgenden Kriege in Afghanistan und im Irak. Sie wendet sich gegen sämtliche Formen von Krieg. Obwohl sie sich Youthstrike angeschlossen hat, ist StWC keine Jugendorganisation. Auf der Startseite ihrer Website veröffentlicht die britische Gruppe prominent ein Foto, auf dem Demonstranten mit Palästinensertuch zu sehen sind.
Mit dabei ist auch die britische Studentenorganisation Socialist Students, die sämtliche Themen aufgreift, die junge Menschen bewegen: Sie setzt sich ein gegen Studiengebühren, Kürzungen im Bildungssystem, Krieg, Klimawandel, Rassismus, Sexismus und solidarisiert sich oft mit Arbeiterstreiks.
Als namhafte internationale Organisation tritt die sozialistisch-feministische ROSA in Erscheinung. Das Akronym steht für „Reproductive rights, against Oppression, Sexism and Austerity“. Sinngemäß tritt ROSA für das Recht auf Abtreibung, gegen Unterdrückung, Sexismus und Sparpolitik ein. Die Organisation ist in zahlreichen Ländern mit verschiedenen Symbolen vertreten und setzt sich auch an Universitäten für Frauenrechte, LGBTIQ+-Rechte und gegen Kapitalismus ein.

Weitere Unterstützer

Inzwischen gibt es zahlreiche weitere politisch links gerichtete Organisationen und Kleinparteien in einigen EU-Staaten, die sich mit dem Youthstrike-Demoaufruf solidarisieren und ihn weiterverbreiten.
Aus Deutschland sei hier die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) genannt. Die MLPD wird vom BfV und den Landesämtern für Verfassungsschutz als linksextremistisch eingestuft. Sie soll aus etwa 2.800 Mitgliedern bestehen.

Gegen Wehrpflicht

Unabhängig von Youthstrike agiert seit Dezember 2025 eine deutschlandweite Protestbewegung von Schülerinnen und Schülern, die sich „Schulstreik gegen Wehrpflicht“ nennt. Auch sie hat für den 20. November zu Demonstrationen aufgerufen. Hintergrund dieser Bewegung ist das neue Wehrdienstgesetz, das im Januar 2026 in Kraft trat.
Kern des neuen Gesetzes ist die verpflichtende Musterung für junge Männer ab dem Jahrgang 2008. Die Wehrpflicht ist in Deutschland seit 2011 ausgesetzt. Eine Bedarfswehrpflicht müsste der Bundestag bei entsprechendem Bedarf durch ein Gesetz einführen.
„Schulstreik gegen Wehrpflicht“ war bereits in der Lage, mehrfach Tausende von Demonstranten in zahlreichen Städten zu mobilisieren.

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