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Zwei Bürgermeister verlassen CDU: Partei hat „ihre politische Orientierung verloren“


In Kürze:

  • Zwei Bürgermeister aus Mecklenburg-Vorpommern haben ihren Austritt aus der CDU erklärt. Sie wollen ihre Ämter als Parteilose weiterführen.
  • Thomas Pauketat und Marco Jahns begründen ihren Schritt mit Unzufriedenheit mit der Bundespolitik und einer wachsenden Distanz zwischen der Parteiführung und den Kommunen.
  • Auch in Boltenhagen haben sieben CDU-Mitglieder ihren Austritt erklärt. Bei der Landtagswahl am 20. September war die CDU mit 4,9 Prozent erstmals an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert.

 
In Mecklenburg-Vorpommern haben zwei Bürgermeister die CDU verlassen. Einer von ihnen ist Thomas Pauketat, der seit 2022 die Gemeinde Sundhagen im Landkreis Vorpommern-Rügen mit rund 5.100 Einwohnern führt. Der andere ist Marco Jahns, der seit 2021 Bürgermeister der Stadt Grimmen im selben Landkreis ist. Grimmen hatte Ende 2025 rund 9.300 Einwohner.
Beide gaben am Dienstag, 13. Oktober, ihre Entscheidungen bekannt und veröffentlichten dazu jeweils persönliche Videobotschaften, Jahns etwa auf YouTube. Die CDU im Nordosten befindet sich seit der Landtagswahl am 20. September in einer tiefen Krise. Mit 4,9 Prozent der Zweitstimmen ist sie erstmals in der Geschichte bei einer Landtagswahl an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert.

Amthor: Es gibt auch Neueintritte in die CDU

Die ARD-„Tagesschau“ berichtete am Freitag zudem, dass es auch in Boltenhagen gleich sieben Austritte aus der örtlichen CDU an einem Tag gegeben habe. Unter diesen hätten sich der Ortsverbandsvorsitzende Christian Stambor und sein Stellvertreter Karsten Süß befunden.
Ähnliche Austritte hatte es zuletzt im März 2025 gegeben – damals verließen 18 von rund 40 Mitgliedern den CDU-Stadtverband Kühlungsborn, darunter fast der gesamte Vorstand.
Der kommissarische CDU-Landesvorsitzende Philipp Amthor äußerte sein Bedauern über den Schritt. Gleichzeitig sagte er, es gebe auch Neueintritte und vielerorts herrsche eine „Jetzt erst recht“-Stimmung. Süß hingegen rechnet mit weiteren Parteiaustritten und hofft, durch die Austritte zu einer Hinterfragung und Veränderung der bisherigen Politik vonseiten der CDU beizutragen.
Pauketat begründete seinen Austritt unter anderem damit, dass die Mitglieder und Funktionsträger der CDU vor Ort für die Bundespolitik abgestraft würden. Auch Jahns nannte Unzufriedenheit mit der Bundespolitik als wesentlichen Grund für das Verlassen der CDU.
Der Schritt solle den Bürgern signalisieren, dass man mit den Entscheidungen auf oberster Ebene ebenfalls nicht konform gehe.

Kritik an Industriepolitik und Auslandszahlungen

Beide Politiker betonen zudem, nicht den Eindruck zu haben, dass die Landtagswahlschlappen ein Umdenken in der Parteiführung bewirkt hätten. Sie beklagen eine wachsende Distanz zwischen der Politik der Bundes-CDU und den Problemen vor Ort und den Sorgen von Kommunen, Wirtschaft und arbeitender Bevölkerung.
Marco Jahns sprach in seiner Videobotschaft von einer „Deindustrialisierung“. Er macht die Bundes-CDU mitverantwortlich für hohe Verluste von Industriearbeitsplätzen und eine „historische“ Finanzkrise der Kommunen. Die arbeitende Bevölkerung werde durch die Reformen der Bundesregierung einseitig belastet.
Jahns beklagte auch die Belastung durch Bürokratie und erklärte, sein Vertrauen in die CDU als Wirtschaftspartei verloren zu haben. Der Bürgermeister von Grimmen forderte auch Verschärfungen im Umgang mit Straftätern und eine härtere Linie bei straffälligen Drittstaatsangehörigen.
Darüber hinaus kritisierte er hohe Zahlungen ins Ausland, etwa für „Wrestlinganlagen in Afrika oder Radwege in Peru“. Jahns erklärte: „Wir haben nicht das große Einnahmenproblem, sondern ein Ausgabenproblem.“

Pauketat: CDU hat „ihre politische Orientierung verloren“

Thomas Pauketat sagte, er erkenne die CDU, der er vor 20 Jahren beigetreten sei, nicht mehr wieder. Er kritisierte die politische Stoßrichtung und das Auftreten der Parteiführung und insbesondere von Bundeskanzler Friedrich Merz. In seiner Botschaft heißt es:
„Eine Partei, die einmal für ein klares konservatives, christdemokratisches Profil stand, hat zunehmend ihre politische Orientierung verloren.“
Es fehle der Partei an der Fähigkeit zur Selbsthinterfragung, an Demut und an der Bereitschaft, zuzuhören. Die Menschen hätten nicht mehr den Eindruck, in Berlin gehört zu werden. Man werde die Menschen, die zur AfD abgewandert seien, nicht durch Belehrungen, sondern nur durch Glaubwürdigkeit zurückholen können.
Beide aus der CDU ausgetretenen Bürgermeister wollen als Parteilose im Amt bleiben. Sie betonten ihre Bereitschaft, mit allen politischen Parteien zusammenarbeiten zu wollen. Die CDU verfügt in Mecklenburg-Vorpommern über drei Landräte, sie stellt den Oberbürgermeister in der Landeshauptstadt Schwerin und verfügt landesweit noch in mehreren Gemeinden über haupt- oder ehrenamtliche Bürgermeister.

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