Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland wird nach Einschätzung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform weiter steigen und frühestens erst in rund einem Jahr wieder abflauen.
Ludwig Hantzsch, Leiter der Abteilung Wirtschaftsforschung, sagte der „BILD“, der Höhepunkt sei für Ende 2026 zu erwarten.
„Wir prognostizieren, dass die Zahl der Unternehmensinsolvenzen bis zum Jahresende weiter konstant ansteigen wird. Eine Trendumkehr ist, wenn überhaupt, erst im Verlauf des Jahres 2027 realistisch.“
Nach Einschätzung der Bundesregierung hat sich hingegen die wirtschaftliche Lage in Deutschland zuletzt als „recht robust“ erwiesen und im Frühjahr „günstiger entwickelt, als allgemein zu erwarten war“.
Creditreform: Unternehmen in der „Krisenzange“
Creditreform sieht als Grund für die weiter steigenden Insolvenzzahlen die anhaltend schwache Konjunkturlage, sagte Hantzsch. Dadurch bleibe die wirtschaftliche Lage vieler Unternehmen angespannt. „Intern beschreiben wir das als Krisenzange, die die deutsche Wirtschaft von zwei Seiten packt und schädigt“, sagte Hantzsch.
Einerseits belasteten geopolitische Konflikte, US-Zölle, eine schwächere Nachfrage aus China sowie der Verlust industrieller Wettbewerbsfähigkeit die Unternehmen. Andererseits wirkten hohe Energiepreise, Steuern und umfangreiche Regulierung im Inland belastend.
Demnach reicht bei 7,5 Prozent der Unternehmen das operative Ergebnis nicht mehr aus, um die Zinszahlungen zu decken. Bei weiteren 19,5 Prozent ist die Schuldentragfähigkeit angespannt. Insgesamt sind damit rund 27 Prozent der Betriebe finanziell unter Druck.
Im ersten Halbjahr 2026 hatte Creditreform rund 12.900 Firmeninsolvenzen registriert, der höchste Stand seit 2013. Gleichzeitig verharren die Schäden für Gläubiger auf hohem Niveau. Zur Jahresmitte belief sich die geschätzte Schadenssumme laut Creditreform auf 28,5 Milliarden Euro. Zunehmend betroffen seien auch größere Unternehmen mit mehreren hundert Beschäftigten.
BIP um 0,2 gestiegen
Im heute veröffentlichten Monatsbericht des Bundeswirtschaftsministeriums für August wird unter anderem auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) verwiesen, welches preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal stieg.
Positive Wachstumsbeiträge kamen vor allem vom Außenhandel, während die binnenwirtschaftliche Nachfrage aufgrund von Kaufkraftverlusten und geopolitischen Unsicherheiten gedämpft blieb.
Die Produktion im produzierenden Gewerbe legte im Juni leicht um 0,2 Prozent zu, und die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe stiegen um 3,1 Prozent gegenüber dem Vormonat.
Die preisbereinigten Umsätze im Einzelhandel sanken im Juni um 0,7 Prozent. Die Inflation stieg im Juli auf 2,8 Prozent, was vor allem auf das Auslaufen der Energiesteuersenkung auf Kraftstoffe zurückzuführen ist.
Die Lage am Arbeitsmarkt blieb derweil schwach, mit einem Rückgang der saisonbereinigten Erwerbstätigkeit um 23.000 Personen im Juni.
Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen blieb laut dem Bericht auf hohem Niveau, mit 18.478 gemeldeten Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften von August 2025 bis Juli 2026, was einem Anstieg von 8,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. (dts/red)



