Ein Matrose der Marine der international anerkannten Regierung Jemens mit Sitz in Aden steht am 27. Juli 2026 an einer Maschinengewehrstellung an Bord eines Schiffes, das vor der Insel Hanish im Roten Meer eine Schifffahrtsroute patrouilliert. - Foto: Khaled Ziad / AFP via Getty Images
Der amerikanische Präsident Donald Trump erklärte am Montag, 27. Juli, dass seine Regierung „gute Gespräche“ mit dem Iran führe und es die Chance auf eine Einigung gebe. Sollten auch diese Verhandlungen jedoch erneut scheitern, würden die amerikanischen Luftangriffe wieder aufgenommen werden, warnte Trump.
Er hatte am Samstag die zwei Wochen andauernden Luftangriffe gegen den Iran abrupt ausgesetzt.
Trotz dieser Ankündigung meldete Saudi-Arabien am selben Tag Drohnenangriffe, möglicherweise jedoch nicht vom Iran aus, sondern von mit dem Iran verbündeten Milizen.
Die jemenitische Huthi-Miliz hat nach eigenen Angaben Drohnenangriffe auf die saudische Ölinfrastruktur ausgeführt. „Sensible Knotenpunkte“ für den Transport von Öl aus dem Osten Saudi-Arabiens nach Janbu im Westen am Roten Meer seien „mit mehreren Drohnen“ attackiert worden, erklärte ein Huthi-Sprecher am Montag. Die Angriffe sind demnach eine Reaktion auf das Eindringen von saudischen Drohnen in den jemenitischen Luftraum.
Das saudische Verteidigungsministerium erklärte am selben Tag, mehrere Drohnen abgefangen zu haben, die auf Ölanlagen im Osten des Landes und die Hauptstadt Riad abgezielt hätten. Dabei habe es sich um „terroristische“ Attacken gehandelt, die von „irakischem Staatsgebiet“ aus gestartet worden seien von „Terrormilizen, die vom Iran unterstützt werden“. Zu der Erklärung der Huthis äußerte sich Riad zunächst nicht.
Die Stellvertreter am Roten Meer
Eine der wichtigsten iranischen „Stellvertreter“-Gruppen sind die Huthis im Jemen. Sie hatten im Juli mehrere Schifffahrtsunternehmen davor gewarnt, Häfen in Saudi-Arabien am Roten Meer anzusteuern. Schiffe, die dort Ladung aufnehmen oder löschen, könnten nach Angaben der vom Iran unterstützten schiitischen Rebellengruppe angegriffen werden, meldete das internationale Seefahrtsmedium „Hansa“.
Am Sonntag ging der Schiffsverkehr durch die Meerenge von Bab al-Mandab am Rande des Roten Meers drastisch zurück, nachdem die Huthis saudische Ölanlagen an der Küste des Roten Meers angegriffen hatten. Dies berichteten mehrere internationale Medien.
Nur elf Frachtschiffe hätten die Meerenge an dem Tag passieren können. Dies sei der niedrigste Stand seit Monaten, berichtete die türkische Zeitung „Daily Sabah“ unter Berufung auf Informationen der internationalen Datenfirma Kpler.
Ein Handelsschiff passiert am 27. Juli 2026 eine internationale Schifffahrtsroute vor der jemenitischen Insel Hanish im Roten Meer.
Foto: Khaled Ziad / AFP via Getty Images
Alternative zu Hormus bedroht
Die Huthi-Drohungen gegen Schiffe mit Ziel Saudi-Arabien entwickelten sich am 22. Juli „zu einem bestätigten Vorfall“.
Die Huthis gaben über ihre Nachrichtenagentur „Saba“ die Angriffe zu. Ihre militärischen Einheiten nennen sie selbst „jemenitische Streitkräfte“. Diese hätten „eine gezielte Militäroperation gegen zwei saudische Öltanker durchgeführt“, die die von den Huthis in der vergangenen Woche selbst angekündigte Seeblockade verletzt hätten.
Es handle sich dabei um die Tanker „Encelia“ und „Layla“. Die Angriffe seien „mit einer Reihe von ballistischen Raketen und Marschflugkörpern sowie mit Drohnen durchgeführt“ worden, so die Huthis.
Die saudische Verkehrsbehörde teilte mit, dass das Schiff „Encelia“ während der Fahrt im Roten Meer angegriffen worden sei. Am Bug sei ein Brand ausgebrochen. Schäden an dem Tanker „Layla“ sind bislang nicht bestätigt worden.
Diese Eskalation sei insofern von Bedeutung, erklärte Kpler, als „Yanbu zu einem immer wichtigeren Umschlagplatz für saudisches Rohöl geworden ist, während der Handel durch die Straße von Hormus weiterhin eingeschränkt“ bleibe.
Eine anhaltende Bedrohung für Schiffe mit Ziel oder Herkunft Saudi-Arabien „würde die Zuverlässigkeit dieser Alternativroute schwächen“, so die Datenauswerter. Eine Reihe von weiteren Tankern sei bereits wieder umgekehrt; andere würden außerhalb der Meerenge von Bab al-Mandab warten.
Arsenio Longo, Gründer der maritimen Informationsplattform „HUAX“, bezeichnete das Vorgehen der Huthis als „selektive Störung“ gegenüber „SeatradeMaritime News“. „Die Huthis müssen die Meerenge von Bab el-Mandeb nicht sperren, sie müssen Reeder und Versicherer davon überzeugen, dass sie bestimmte Schiffe angreifen können“, erklärte er.
Wollen die Huthis den Konflikt verschärfen?
Mit der Störung der saudischen Exporte wollen die Huthis nach Ansicht von „Daily Sabah“ den Konflikt zwischen den USA und dem Iran „ausweiten“, der bereits die Ölversorgung durch die Straße von Hormus beeinträchtigt hat.
Unterdessen meldet die überregionale saudische Zeitung „Asharq Al-Awsat“ Luftangriffe der regulären jemenitischen Streitkräfte gegen Stellungen der Huthis.
Trump hatte unmittelbar nach den Angriffen auf saudische Öltanker damit gedroht, er werde den mit den Huthis verbündeten Iran dafür verantwortlich machen. Auf seinem eigenen Social Media-Kanal Truth Social wandte sich Trump am 23. Juli direkt an die Huthis: „Vor einem Jahr haben die Vereinigten Staaten von Amerika die Huthis wegen ihrer Störung des Handels und des Wirtschaftsverkehrs durch Beschuss von Schiffen mit aller Härte angegriffen.“
Seither, auch während des Konflikts mit dem Iran, hätten sich die Huthis als „sehr verantwortungsbewusst“ verhalten. Doch „leider fangen sie nun wieder damit an“ und hätten zwei saudische Schiffe beschossen.
Trump drohte: „Sollten sie dies erneut tun, werden die USA den Iran dafür verantwortlich machen, da die Huthis ein Stellvertreter und/oder eine Marionette des Irans sind“.
Es werde seitens der USA „eine massive militärische Vergeltung gegen den Iran und natürlich auch gegen die Huthis selbst geben“. Von diesen sei er „sehr enttäuscht“, da „sie sich bisher sehr professionell und klug verhalten“ hätten, so Trump in seinem Post.
Bewaffnete jemenitische Anhänger der vom Iran unterstützten Huthi-Miliz schwingen ihre Waffen während einer Demonstration gegen die laut Angaben der Gruppe von der saudi-geführten Koalition verhängten Beschränkungen in den von den Houthis kontrollierten Gebieten des Jemen, am 17. Juli 2026 in Sanaa.
Foto: Mohammed Huwais / AFP via Getty Images
Wer sind die Huthis?
Bis zum Angriff der palästinensischen Terrorgruppe Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 galten die Huthis und ihre Anhänger lediglich als schiitische Stellvertreter des nach Großmacht strebenden Iran auf der arabischen Halbinsel.
Im Jahr 2014 stürzte der Huthi-Clan die international anerkannte Regierung in Jemens Hauptstadt und löste mit diesem Krieg eine Hungersnot aus.
2015 griff unter Führung Saudi-Arabiens eine Militärallianz ein. Diese bestand neben den Saudis auch aus den Golfstaaten Kuwait, Katar und Bahrain sowie den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und weiteren islamischen Ländern der Region. Die USA, Großbritannien und Frankreich unterstützten logistisch.
Seit einer von UN vermittelten Waffenruhe im Jahr 2022 waren die Kämpfe zwischen Saudi-Arabien und der Miliz weitgehend zum Erliegen gekommen.
Doch jüngste Angriffe drohen, diese faktische Feuerpause zu beenden. Huthi-Kämpfer und Regierungstruppen lieferten sich täglich in mehreren Landesteilen Gefechte.
Schiffe kapern, Seekabel durchschneiden
Nicht erst seit Kurzem, sondern bereits seit Mitte November 2023 kontrollieren die Huthis die Schifffahrt im Roten Meer durch Drohnen- und Raketenangriffe auf Handelsschiffe sowie mittels des Kaperns eines Frachters in der Meerenge Bab al-Mandab.
Damit ist neben der Straße von Hormus die zweite wichtige Wasserstraße der Region für den Welthandel bereits seit längerem bedroht.
Die jemenitische Miliz hatte am 19. November 2023 den Autofrachter „Galaxy Leader“ im Roten Meer geentert und die 25 internationalen Besatzungsmitglieder an Bord als Geiseln genommen. Nach 14 Monaten in Gefangenschaft ließ die Miliz die Seeleute erst im Januar 2025 wieder frei.
Wie im September 2025 bekannt wurde, wurden mehrere Unterwasser-Kommunikationskabel im Roten Meer in der Nähe des saudischen Hafens Dschidda durchtrennt. Dies habe „zu erheblichen Internetstörungen in Teilen Asiens und des Nahen Ostens“ geführt, berichtete die auf militärische Nachrichten spezialisierte Plattform „Defence-Network.com“.
Für diesen Sabotageakt wurden die Huthis seitens der jemenitischen Regierung verantwortlich gemacht. Diese lehnten die Schuldzuweisung indes ab, berichtete das Medium weiter. Allerdings ist dieser Vorfall ein weiteres Beispiel dafür, wie anfällig diese Meerenge für Störungen des weltweiten Handels und der Kommunikation ist.
Besatzungsmitglieder des Frachters „Galaxy Leader“, der von Huthi-Kämpfern gekapert wurde und vor der Küste der jemenitischen Stadt Hodeida vor Anker liegt, versammeln sich am 12. Mai 2024 an Bord, um eine Delegation des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (nicht im Bild) zu empfangen.
Foto: AFP via Getty Images
Keine Rede von Hungersnot im Jemen
Durch das Rote Meer mit seiner Verbindung zum Suezkanal werden 10 bis 15 Prozent des Welthandels abgewickelt. Die Meerenge Bab al-Mandab verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und ist eine wichtige Route für den Transport saudischedddsdd Öls.
Seit der Kaperung des „Galaxy Leader“ haben Containerschiffe zwischendurch diese Route immer wieder gemieden und nehmen teilweise die längere Fahrt um Afrika herum in Kauf.
Mit ihren zahlreichen, sporadischen militärischen Aktionen hat es die Huthi-Miliz zudem geschafft, von der seit zehn Jahren von ihr mitverursachten schlimmsten humanitären Krise im Jemen erfolgreich abzulenken.
Die Huthis kontrollieren den größten Teil des nördlichen Jemen – einschließlich der Hauptstadt Sanaa. Die tatsächlich international anerkannte Regierung sitzt rund 300 Kilometer entfernt in der südlichen Stadt Aden und gilt als politisch und militärisch schwach.