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Nüchterner Fußball-Krimi beendet Weltmeisterschaft der Skandale


In Kürze:

  • Spanien ist Fußballweltmeister und damit dreifacher amtierender Meister: Weltmeister der Herren und Damen sowie Europameister der Herren.
  • Das Spiel beendet die bislang „umfassendste“ WM – über ihre „Größe“ gehen die Meinungen auseinander.
  • Im Gedächtnis bleiben wird eher das Spiel um Platz 3 als das Finale – und eine Reihe Skandale.
  • Eine Rote Karte und ein Telefonat, rabiate Argentinier und ein Plakat sowie Schiedsrichter auf dem Rasen und daneben sorgen für Gesprächsstoff.

 
Am 19. Juli hatten nach 39 Tagen 48 Nationalmannschaften 103 Spiele hinter sich. Bis zum Finale wurden 307 Tore geschossen. Die Rekord-WM endete erstmals in einem Endspiel zwischen dem amtierenden Europameister und dem amtierenden Copa-América-Sieger. Das Spiel gestaltete sich zum Krimi. Kein Tor in der regulären Spielzeit, dafür sechs Gelbe und eine Rote Karte – alle für Argentinien. Die „Albiceleste“ aus Argentinien spielten seit der 90. Minute in Unterzahl, da Enzo Fernández mit Gelb-Rot vom Platz gestellt wurde.

Dramatische Endphase

Zur Endphase: Der junge spanische Star Lamine Yamal trifft ein zweites Mal für Spanien in der 111. Minute. Aber sowohl der Linienrichter als auch der Video-Unparteiische Bastian Dankert aus Rostock – gewissermaßen der einzige Deutsche, der es ins Finale geschafft hatte – winken ab und lassen das Tor nicht gelten.
Kurz darauf in der 115. Minute der erste Torschuss Argentiniens, ausgeführt von deren Superstar Lionel Messi. Der Ball geht über das spanische Tor hinweg ins Aus. Zweiter Versuch Messis zwei Minuten später. Doch er schießt den Ball gegen den Kopf des spanischen Mittelfeldspielers Mikel Merino. Dieser geht daraufhin zu Boden. Er muss kurz behandelt werden. Sein unfreiwilliger Block dürfte Spanien jedoch vor dem Ausgleich der Argentinier gerettet haben.
Der Krimi geht weiter: In der 120. Minute drückt Messi trotz Unterzahl weiter aufs Tempo. Er will ins Elfmeterschießen. Eine Vorlage von ihm vor dem spanischen Tor kann indes von einem argentinischen Spieler nicht verwandelt werden. Doch das Pressing der Argentinier lässt nicht nach. Hätten sie in der regulären Spielzeit, als sie noch über 11 statt 10 Spieler verfügten, derart aufgedreht, hätte das gesamte Spiel anders ausgesehen. So geht nach fast 150 Minuten und einer regelwidrig langen Halbzeitpause das Finale zu Ende und Spanien jubelt.
Der ehemalige deutsche Nationaltrainer Jürgen Klinsmann hatte zuvor beim größten amerikanischen Sportsender ESPN gesagt, dass es keine andere Mannschaft als Spanien gebe, die sich so geschickt auf dem Rasen bewegen könne. Das haben die „Roten“, wie die spanische Fußballelf genannt wird, nun tatsächlich bewiesen. Spanien war weithin tonangebend. Argentinien hatte ab der 80. Minute keine Offensivambitionen mehr gezeigt, erst wieder ab dem Tor der Spanier.

Fazit zum Spiel

Bis zum spanischen Tor gestaltete sich dieses WM-Finale – von wenigen Szenen abgesehen – unspektakulär, im Gegensatz zu dem Spiel um den dritten Platz tags zuvor, in dem England gegen Frankreich im torreichsten Spiel dieser WM am Ende 6:4 siegte.
Beide Finalteam zeigten zu großen Respekt voreinander, wobei Spanien jedoch wesentlich häufiger das Spiel kontrollierte. Die offenkundige technische Unterlegenheit der argentinischen Mannschaft machte sich besonders bemerkbar in den von ihr geführten harten Zweikämpfen, die aufgrund ihrer Gefährlichkeit zu insgesamt fünf Gelben Karten – plus eine für den Trainer – und einer Roten Karte führten. Schon während der WM-Spiele zuvor „glänzten“ die Argentinier aufgrund ihrer rauen, aggressiven Spielweise mit insgesamt acht Gelben Karten.
Insgesamt war es für Argentinien das siebte WM-Finale, wovon es drei gewann. Spanien stand erst zum zweiten Mal im Endspiel. 2010 gewannen sie gegen die Niederlande ebenfalls mit 1:0.

Die Skandale der WM: Trumps Telefonat

Neben den Spielen sorgte die WM 2026 auch für zahlreiche Skandale. Überraschend durfte der gesperrte US-Stürmer Folarin Balogun nach einer Roten Karte für das nächste Spiel wieder auflaufen. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump bei FIFA-Chef Gianni Infantino in einem persönlichen Telefonat eine „Überprüfung“ erwirkt. Daraufhin wurde die Rote Karte zurückgenommen. Dieser Vorfall stellt seither die Integrität der FIFA infrage.
Im Sechzehntelfinale der WM 2026 spielten die USA gegen Bosnien-Herzegowina. Nach einem brutalen Tritt des US-Stürmers Folarin Balogun gegen den Knöchel des bosnischen Verteidigers Tarik Muharemović sah Balogun nach einer Video-Überprüfung die Rote Karte. Laut dem Standard-Reglement der FIFA wird der mit Rot bestrafte Spieler für mindestens ein Spiel gesperrt. Balogun hätte damit das Achtelfinale gegen Belgien verpasst, durfte dann aber doch spielen. Die USA verloren dennoch gegen Belgien.
Dazu äußerte scharfe Kritik der ehemalige, ebenfalls wegen Skandalen umstrittene Ex-FIFA-Chef Joseph Blatter. „Der heutige FIFA-Präsident hat sich Donald Trump unterworfen“, urteilte er.

Wut der Ägypter auf Schiri

Auch Argentinien war an mehreren Skandalen beteiligt. Beim WM-Achtelfinalspiel zwischen Argentinien und Ägypten, das knapp mit 3:2 für die Lateinamerikaner ausging, kam es zu einem massiven Streit um zwei Entscheidungen der Schiedsrichter. Der Vorwurf des ägyptischen Nationaltrainers Hossam Hassan: Zuerst sei ein klares Tor vom Video-Schiedsrichter nicht gegeben worden. Später sei ein Foul der aggressiven Argentinier an einem Ägypter nicht gegeben worden.
Die Ägypter hatten die Argentinier zunächst mit 2:0 Vorsprung vorgeführt. Der ägyptische Fußballverband legte bei der FIFA erfolglos eine offizielle Beschwerde ein.

Die Falklandinseln sind argentinisch

Und weiter ging es mit der argentinischen Nationalelf: Nach dem 2:1-Sieg gegen England im WM-Halbfinale sorgte ein politisches Banner für den nächsten Skandal. Kurz nach Spielende präsentierten zwei argentinische Nationalspieler ein weißes Banner auf dem Rasen. Darauf stand „Las Malvinas son argentinas“ (deutsch: „Die Falklandinseln sind argentinisch“). Das Plakat stammte ursprünglich von einem Fan aus dem Zuschauerblock.
Tags zuvor hatte die argentinische Vizepräsidentin Victoria Villarruel, Tochter eines Soldaten, der im Falklandkrieg gekämpft hatte, bereits die Stimmung angeheizt und auf X gepostet: „Morgen spielen wir gegen die thronräuberischen Piraten. Das ist nicht einfach nur ein weiteres Spiel. […] Vorwärts, Argentinien! Denn bis zum letzten Atemzug werden wir einfordern, was uns zusteht!“
Argentinien Spieler feiern ihren Sieg mit einem umstrittenen Plakat, das Ihnen noch eine Strafe einfahren könnte. Darauf steht „Die Falkland-Inseln gehören zu Argentinien“. Besagte Inseln waren 1982 Kriegsschauplatz zwischen den beiden Ländern.

Argentinien Spieler feiern ihren Sieg über England mit einem umstrittenen Plakat. Darauf steht „Die Falkland-Inseln gehören zu Argentinien“. Besagte Inseln waren 1982 Kriegsschauplatz zwischen den beiden Ländern.

Foto: Paul Ellis/AFP via Getty Images

Die im Südatlantik liegenden Falklandinseln stehen seit 1833 unter britischer Herrschaft. Argentinien beanspruchte das Territorium bereits zuvor. Die argentinischen Beamten wurden 1833 jedoch von den Briten abgesetzt und mussten die Inselgruppe verlassen. Am 2. April 1982 unternahm die damalige argentinische Militärdiktatur den Versuch, die Falklandinseln militärisch zurückzugewinnen. Es besetzte die Inseln. Daraufhin entsandte London Truppen und es begann ein 74 Tage andauernder Krieg, der auf beiden Seiten insgesamt 900 Menschenleben kostete. Der Falklandkrieg endete mit dem Sieg Englands.
Offenkundig kosteten bei der diesjährigen WM argentinische Fußballspieler den Match-Sieg über die englische Nationalmannschaft nationalistisch aus und erinnerten die Welt daran, dass dieser Krieg nach 44 Jahren am Rio de La Plata nicht vergessen ist. Eine Reaktion der FIFA dazu blieb bislang aus.

Somalischer Terrorist?

Weniger spektakuläre, aber dennoch eine zweifelhafte Entscheidung noch zum Schluss: Die US-Behörden verweigerten dem somalischen Schiedsrichter Omar Artan die Einreise. Artan wäre der erste somalische Schiedsrichter gewesen, der bei einer Fußball-WM ein Spiel geleitet hätte. Obwohl er im Besitz eines gültigen Visums war, das immerhin zuvor von US-Behörden ausgestellt worden war, wurde er in Miami elf Stunden lang festgehalten.
Aufgrund nicht näher bezeichneter Bedenken hinsichtlich seiner Sicherheitsüberprüfung wurde seine Einreise letztlich abgelehnt. Artan war laut BBC im vergangenen Jahr zum besten Schiedsrichter Afrikas gekürt worden. ESPN berichtete darüber, Artan sei verdächtigt worden, Kontakte zu Terroristen zu unterhalten.

Der Fußball ist jetzt ein Ami

Das Finale im MetLife Stadium in New Jersey glich nicht der gewohnten Fußballatmosphäre. Vielmehr spielte neben dem Ball auch typisches amerikanisches Entertainment eine Rolle. Erstmals gab es eine verlängerte Halbzeitshow von fast 30 Minuten. Das Reglement der FIFA hinsichtlich der Länge der Unterbrechung wurde dafür kurzerhand ignoriert.
Derweil bestimmten andere Weltstars als die Sport-Größen das Geschehen: Das Publikum wurde unter anderem unterhalten von Madonna, Justin Bieber und Shakira. Mit dieser Las-Vegas-artigen Darbietung dürfte der bisherige klassische Fußballrahmen eine ernsthafte Konkurrenz bekommen haben. Kaum auszudenken, dass der FIFA-Chef Infantino bei der nächsten WM im Jahr 2030 darauf verzichten möchte.
Ob diese Halbzeitshow die teils fünfstelligen Eintrittspreise für das Finale rechtfertigt, müssen am Ende die Fans entscheiden.

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