In Kürze:
- Daimler Truck sieht die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Lkw-Industrie durch die EU-CO₂-Vorgaben gefährdet.
- Der Anteil emissionsfreier schwerer Lkw müsste bis 2030 von derzeit rund 2 auf etwa 35 Prozent steigen.
- Die EU hält an ihren Klimazielen fest, hat den Herstellern jedoch mehr Flexibilität bei Emissionsgutschriften eingeräumt.
Die Chefin von Daimler Truck, Karin Rådström, mahnt die EU zu mehr Realismus bei der CO₂-Regulierung. Bleibe diese unverändert, so Rådström, die auch Vorsitzende des Nutzfahrzeug-Ausschusses des Verbands europäischer Automobilhersteller (Acea) ist, setze Europa „die Wettbewerbsfähigkeit seiner Nutzfahrzeugindustrie aufs Spiel“. Sie zweifele daran, dass der Politik die Dringlichkeit der Sache bewusst sei, äußerte sie gegenüber der „Deutschen Presse-Agentur“.
Gewinnmargen gering – selbst Daimler Truck wäre durch Strafzahlungen überfordert
Rådström wirft den politischen Entscheidungsträgern insbesondere vor, die Gewinnmargen in der Branche zu überschätzen – ebenso wie die Entwicklung der Ladeinfrastruktur. Zudem liege der Anteil der schweren Lkw, deren Betrieb batterieelektrisch oder mit Wasserstoffantrieb erfolge, derzeit bei gerade einmal 2 Prozent aller Neuzulassungen.
Um die Klimavorgaben einzuhalten, müsste dieser Anteil bis 2030 jedoch auf etwa 35 Prozent steigen. Angesichts geringer Gewinnmargen seien die hohen Investitionen in emissionsfreie Antriebe für viele Unternehmen der Branche derzeit wirtschaftlich kaum zu stemmen. Bei Daimler Truck selbst sei das operative Ergebnis von 2024 auf 2025 bereits von 922 auf 698 Millionen Euro gesunken. Die Umsätze hätten weltweit jeweils bei etwa 20 Milliarden Euro gelegen.
Kämen Strafzahlungen wegen der Verfehlung von Klimazielen auf die Unternehmen der Branche zu, würde dies deren Ertragskraft nicht selten in existenzieller Weise zusetzen. Dies gelte auch für ein namhaftes Unternehmen wie Daimler Truck: „Wenn wir die Ziele zum Beispiel um zehn Prozentpunkte verfehlen, verdienen wir mit dem Segment Mercedes-Benz Truck praktisch kein Geld mehr.“
Daimler Truck und andere Hersteller schafften Ziele für 2025
Die EU-Kommission sieht die ambitionierten Emissionsziele als notwendig an, um das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen. Ihren Berechnungen zufolge verursachen schwere Nutzfahrzeuge mehr als 25 Prozent der Treibhausgasemissionen im Straßenverkehr und 6 Prozent der Emissionen in der EU insgesamt. Deshalb sollen die CO₂-Emissionen neu zugelassener Nutzfahrzeuge EU-weit bis 2025 um 15 Prozent im Vergleich zu 2019 sinken.
Fast alle Hersteller hatten nach aktuellem Stand das Zwischenziel für 2025 erreicht. Allerdings, so berichtet „Ecomento“, war dies nicht einem höheren Neuzulassungsanteil zu verdanken. Den Ausschlag gaben ausschließlich Effizienzverbesserungen bei Verbrennern und angepasste Strategien. Um die vorgeschriebene Senkung um 45 Prozent bis 2030 zu erreichen, würde dies nicht mehr ausreichen.
In der Folge sollen die CO₂-Emissionen bis 2035 um 65 Prozent und bis 2040 um 90 Prozent sinken. An diesen Vorgaben hatten auch der Rat und das EU-Parlament nichts geändert, als sie zu Beginn des Jahres einige Erleichterungen für die betroffene Branche beschlossen. Die Hersteller erhalten mehr Flexibilität bei der Einhaltung der CO₂-Grenzwerte. Unter anderem können sie bis 2029 leichter Emissionsgutschriften sammeln, um mögliche Strafzahlungen abzumildern.
Rådström fordert CO₂-Check – Umweltorganisation drängt auf Elektrifizierung
Ob die Emissionsziele selbst unrealistisch sind und geändert werden sollten, will Rådström derzeit noch nicht beurteilen. Es sei „noch zu früh zu sagen, dass wir die Ziele ändern müssen“, erklärte sie. Allerdings forderte sie, die bestehenden Regulierungen gründlich zu überprüfen und die Vorgaben stärker an den tatsächlichen Ausbau der Infrastruktur zu koppeln.
Die Umweltorganisation Transport & Environment (T&E) warnt hingegen vor einer Aufweichung der Einsparungsziele. Sie fordert von den Herstellern eine schnellere Umstellung auf emissionsfreie Fahrzeuge. Nur so lasse sich absehen, wie viel öffentliche Ladeinfrastruktur in den kommenden Jahren tatsächlich benötigt werde. Andernfalls drohe ein „Teufelskreis“, wenn Betreiber zu kleine Ladestationen planten oder Investitionen wegen befürchtet geringer Auslastung aufschöben.
(Mit Material der Nachrichtenagenturen)

