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Vom Verlust der schönen Handwerkskunst

Der Wagen ähnelt einer kunstvoll verzierten Kutsche oder einem Karren mit geschwungenen Metallverzierungen in Form von Efeu und Blättern, die an Filigranarbeit erinnern. Durch die Berührung vieler Hände war das Holz glatt geschliffen. Es handelte sich um eine sehr frühe Form des Feuerwehrautos, im Wesentlichen eine große, von Pferden gezogene Pumpe mit einem Schlauch zur Brandbekämpfung. Doch man könnte es für ein Kunstwerk halten, was durchaus verständlich wäre.
In der Mitte des Wagens war eine Pumpe angebracht, die wie ein kleiner Baum emporragte. Ihre „Äste“ waren die langen Griffe, die ein Team von Männern auf beiden Seiten betätigt hatte, indem sie diese auf und ab hoben. So wurde Wasser aus einem nahegelegenen See oder Fluss in den Schlauch gepumpt, der dann auf die Flammen gerichtet werden konnte.

Feuerwehrfahrzeuge aus dem 19. Jahrhundert, ausgestellt im „Hall of Flame Museum of Firefighting“ in Phoenix.

Foto: Scotwriter21, Eigenes Werk | CC BY-SA 4.0

Im selben Museum konnte ich auch eine Muskete aus dem 18. Jahrhundert sehen. Ihr Schaft war lang und schlank wie der Stamm eines jungen Baums. Sie wirkte so leicht wie Luft, eine Waffe, die so geschmeidig war, dass man sie mit den Gedanken richten konnte. Sowohl das Holz als auch das Metall waren filigran und mit wunderschönen botanischen Motiven graviert.
Der Drang, Werkzeuge des Todes mit Schönheit zu schmücken, reicht weiter zurück als die Entstehungszeit dieser Muskete. Man muss sich nur einen römischen Gladius oder das mit Gold eingelegte Breitschwert eines mittelalterlichen Königs ansehen. Ihre tödliche Pracht muss im Herzen ihrer Träger Mut entfacht haben – und Angst in denen ihrer Feinde.
Warum haben wir uns im Westen von dieser Philosophie der Handwerkskunst, die Kunstfertigkeit mit Nützlichkeit und Schönheit verbindet, entfernt? Ist es an der Zeit, die utilitaristische (oder nutzenorientierte) Denkweise hinter uns zu lassen und zu einer früheren Art des Handwerks zurückzukehren?

Eine aufwendig verzierte Vorderladerpistole mit elfenbeinfarbenem Griff aus dem 18. Jahrhundert, die in Lìege, Belgien, hergestellt wurde.

Foto: stitched photography/iStock

Was uns verloren gegangen ist

Die Einstellung unserer Vorfahren war zutiefst menschlich: Die Handwerkskunst jener Zeit wusste, dass die menschliche Seele mehr als nur Funktionalität schätzt. Wir sehnen uns nach vermeintlich „unnötigen“ Eigenschaften wie Schönheit, Anmut und Beständigkeit, da sie unseren spirituellen Anteil ansprechen.
Ein eher alltägliches Beispiel sind Laternenpfähle. Vergleichen wir einen Laternenpfahl aus dem 19. Jahrhundert, wie er einst die prächtigen Straßen Londons säumte, mit einem modernen Laternenpfahl: Der Laternenpfahl aus der viktorianischen Zeit erhebt sich anmutig und majestätisch über die Straße wie ein märchenhafter Baum, dessen Früchte Flammen sind. Der alte Laternenpfahl ist mit verspielten Metallornamenten in organischen Formen verziert – eigentlich völlig überflüssig. Der moderne Laternenpfahl hingegen konzentriert sich auf Effizienz und Zweckmäßigkeit: Es gibt keinerlei Verzierungen – lediglich eine LED-Leuchte an einem Mast.

Londoner Laternenpfähle mit Drachen auf ihren Spitzen.

Foto: bycostello/iStock

 

Heutige Straßenlaternen sind ausschließlich auf ihre Funktion ausgelegt, nicht auf Ästhetik.

Foto: Christopher Snape/iStock

Zwar gibt es Ausnahmen, doch insgesamt trifft dies auf die meisten modernen Versionen von Werkzeugen, Maschinen, Möbeln, Gebäuden und anderen Dingen zu. Dabei fällt auf, dass zeitgenössischen Gegenständen die Verzierungen, organischen Formen sowie das Gespür für Symmetrie und Proportionen fehlen, die ihre historischen Vorläufer auszeichneten.
Unsere Vorfahren waren sehr darauf bedacht, Nützlichkeit und Schönheit miteinander zu verbinden. Sie wollten, dass ihre Werkzeuge nicht nur gut verarbeitet und effektiv, sondern auch schön anzusehen sind. So fand die Schönheit Eingang in den Alltag. Bemerkenswerterweise investierten diese Menschen zusätzliche Zeit, Materialien und Geld in die Verschönerung ihrer Umgebung und ihrer Gegenstände, obwohl ihnen weitaus weniger Ressourcen zur Verfügung standen als uns heute.
Ein Grund für den Rückgang der Handwerkskunst liegt auch in den Designbewegungen der Mitte des 20. Jahrhunderts. Die Bauhaus-Designschule nach dem Ersten Weltkrieg beispielsweise stellte Funktionalität und Erschwinglichkeit über Schönheit. Diese sozialistisch geprägte utilitaristische Bewegung hinterfragte die klassischen „bürgerlichen“ Ideale von Schönheit und Symmetrie und strebte gleichzeitig danach, Kunst, Architektur und Möbel zu schaffen, die sich leicht in Massenproduktion herstellen ließen, um den Wiederaufbau und die Erneuerung der Ruinen im Europa der Nachkriegszeit zu unterstützen.
In ähnlicher Weise setzte der Brutalismus der 1950er-Jahre auf karge, freiliegende, raue Formen und Texturen und schloss bewusst jegliche Aspekte der Schönheit aus seinen Entwürfen aus. Wir leben noch immer in den Nachwehen des Bauhaus, des Brutalismus und ähnlicher Designbewegungen mit ihrer kargen, industriellen Ästhetik.

Gebäude aus verschiedenen Epochen in der Innenstadt von Prag verdeutlichen die starken Veränderungen in der Architektur im Laufe der Jahre.

Foto: prill/iStock

Demgegenüber spiegelt die Verbindung von Schönheit und Produktivität eine von Sensibilität gegenüber der Welt geprägte Haltung wider. Schönheit spricht unsere Vernunft an und vermittelt uns Zugang zu Sinn. Handwerker und Künstler erkennen in der Welt Schönheit und Ordnung, die über die bloßen materiellen Gegebenheiten hinausgehen. Sie finden darin Sinn. Sie sehen beispielsweise, dass ein Baum mehr ist als nur Rinde, Blätter und Wurzeln – er besitzt Ganzheitlichkeit, Harmonie, Verständlichkeit und eine Fülle sinnlicher Anziehungskraft, die nur als schön bezeichnet werden kann.
Handwerker erkennen solche Muster in der Welt und möchten sie ganz selbstverständlich in ihren eigenen Werken nachbilden. Sie möchten, dass ihre Werke mehr sind als eine Anordnung nützlicher Teile. Sie möchten, dass sie eine tiefere Bedeutung haben und etwas von der geheimnisvollen „überflüssigen“ Schönheit einfangen, die der Welt innewohnt.

Selbst das Automobildesign ist mittlerweile weitgehend funktionaler und weniger auf Ästhetik ausgerichtet.

Foto: Joe Morris/iStock

Die Wiederbelebung bewusster Handwerkskunst

Historische Artefakte zeigen, dass ästhetisches Empfinden und ein tiefes Gefühl für natürliche Harmonie einst die Gestaltung von Gebrauchsgegenständen maßgeblich bestimmt haben. Dieses Empfinden ist auch heute noch in uns lebendig, wenngleich es die Produktion von Waren längst nicht mehr prägt wie einst.
So erkennen wir intuitiv den besonderen Wert einer handgefertigten Bambus-Fliegenrute mit kunstvoll eingelegtem Fischgrätmuster im Griff gegenüber einer schlichten, industriell gefertigten Fiberglasrute. Beide erfüllen denselben Zweck, doch die eine zeugt von sorgfältiger handwerklicher Vollendung. Menschen sind bereit, für ein solches Objekt mehr zu bezahlen – nicht wegen eines funktionalen Vorteils, sondern weil seine Gestaltung ihm eine zusätzliche, immaterielle Qualität verleiht.
Die menschliche Natur hat sich darin kaum verändert; vielmehr scheint unser Bewusstsein für die Bedeutung dieser Eigenschaft mit der Zeit verblasst zu sein.

Hochwertige Handwerkskunst kann zwar etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen, aber dafür schafft sie wunderschöne Produkte.

Foto: Mehtap Orgun/iStock

Dass der in uns innewohnende Hang zur Schönheit nachgelassen hat, ist das Ergebnis einer langen und komplexen Entwicklung. Es hängt jedoch eng mit der Denkweise zusammen, die heute die industrielle Fertigung prägt, nämlich der „Logik der Fabrik“. Diese unterscheidet sich grundlegend vom Geist des Handwerks. Während die industrielle Sichtweise die Welt vor allem als Rohstoff begreift, der geformt und verwertet werden soll, verstand das traditionelle Handwerk sie als geordnete Wirklichkeit, an der man sich orientieren konnte. Im Vordergrund stehen hier Maßstab, Effizienz, Erschwinglichkeit und Funktionalität – eine stark vom Materiellen geprägte Haltung.
Die Handwerksmentalität legt hingegen weniger Wert auf Quantität als auf Qualität. Erschwinglichkeit tritt hinter Bewunderungswürdigkeit zurück. Das Handwerk hat ein spirituelles Bewusstsein für Eigenschaften, die über den materiellen Nutzen hinaus erstrebenswert sind.
Zweifellos bringt die „Logik der Fabrik“ zahlreiche Vorteile mit sich. Nie zuvor hatten wir Zugang zu so vielen Gütern zu so günstigen Preisen wie heute. Es lohnt sich jedoch, darüber nachzudenken, was verloren gegangen ist, als die Werkstätten der kleinen Handwerker von Fabriken abgelöst wurden.
Der Verlust der Harmonie zwischen Schönheit und Nützlichkeit geht eng mit dem Aufkommen des Industrialismus einher. Als Waren nicht länger das Ergebnis menschlicher Handwerkskunst, sondern maschineller Produktion geworden sind, haben sie ihre menschliche Note verloren.
Maschinen haben keinen Bedarf an Schönheit. Wir jedoch schon.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Lost Art of Beautiful Craftsmanship“. (redaktionelle Bearbeitung: ee)

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