Er ist einer der bekanntesten Sänger und Songwriter der Welt und auch im hohen Alter weiter auf Tour: Bob Dylan feiert am Sonntag seinen 85. Geburtstag. Trotz schätzungsweise mehr als 125 Millionen verkaufter Alben und zahlreicher Auszeichnungen für seine mehr als 600 Songs gilt Dylan als rätselhaft und undurchschaubar.
Protestsänger, Lagerfeuer-Legende, Rockstar, Prophet: Es gibt kein Etikett, das Bob Dylan nicht aufgeklebt wurde. Doch er hat es immer abgelehnt, sich festlegen zu lassen: privat, politisch und vor allem künstlerisch.
„I’m a man of contradictions, I’m a man of many moods, I contain multitudes“ (Ich bin ein Mensch voller Widersprüche, ich bin ein Mensch mit vielen Stimmungen, in mir stecken viele Facetten), singt Dylan auf seinem letzten Studioalbum „Rough and Rowdy Ways“ von 2020.
Alte Hits für persönliche Musik
Dylan gehört wie die Rolling Stones zu jener Garde von Musikern, die einfach immer weitermachen. Doch unter den Überlebenden seiner als glorreich gefeierten Generation ist er wohl derjenige, der sich am wenigsten um den Ruhm früherer Tage schert. Seine Konzerte gleichen noch heute einer Wundertüte. Wenn er seine alten Hits spielt, dann abgewandelt.
„Meine Songs sind meine persönliche Musik – es sind keine gemeinschaftlichen Veranstaltungen“, sagte er einmal dem Magazin „Rolling Stone“. „Ich schreibe keine Songs fürs Lagerfeuer.“
Für einen Musiker, dessen Songs bis heute zum Grillabend-Repertoire gehören, mag die Aussage verblüffen. Doch Dylan war schon immer ein Künstler, der mit Brüchen und Wendungen auffiel.
Eigentlich hieß er Robert Allen Zimmerman
Bob Dylan wurde am 24. Mai 1941 als Robert Allen Zimmerman im Bundesstaat Minnesota im Mittleren Westen in eine jüdische Familie geboren. Anfang der 1960er Jahre ging er nach New York und mischte mit schnarrender Stimme, Gitarre und Mundharmonika die Folkszene auf.
Mit Songs wie „Blowin‘ In The Wind“ und „The Times They Are A-Changin’“ stieg er zu einer Ikone der Bürgerrechts- und Friedensbewegung auf. Zugleich bestritt er, Sprecher seiner Generation zu sein.
Dann leistete sich Dylan das Unerhörte: Beim Newport-Folkfestival 1965 zückte er eine elektrische Gitarre und wurde von seinen Fans ausgebuht. Dem Pionier war’s egal – er war in die Dimension des Folk-Rock vorgestoßen. Sein Song „Like A Rolling Stone“ gilt als ein Meisterwerk aus dieser Zeit.
Ein schwerer Motorradunfall zwang Dylan ab 1966 zu einer Schaffenspause. Nicht alle seine Alben in den Folgejahren erreichten früheres Niveau. Dennoch schrieb er Klassiker wie „Knockin‘ On Heaven’s Door“ oder „All Along the Watchtower“, die vielfach gecovert wurden.
Christ, Gospel, Oscar-Prämie, Literatur-Nobelpreis
Ende der 70er Jahre verstörte er erneut. Er bezeichnete sich als „wiedergeborener Christ“ und brachte entsprechende Alben heraus. An diese Zeit erinnert unter anderem sein Gospelsong „Gotta Serve Somebody“, für den er 1980 einen seiner zehn Grammys erhielt. Im Jahr 2001 heimste er für „Things Have Changed“ zudem einen Oscar ein.
Im Jahr 2016 wurde Dylan als erster Musiker überhaupt mit dem Literatur-Nobelpreis geadelt, weil er laut Jury „innerhalb der großen amerikanischen Liedtradition neue poetische Ausdrucksformen geschaffen hat“.
Er reagierte zunächst mit Schweigen und nahm die Auszeichnung schließlich sechs Monate später unter Ausschluss der Öffentlichkeit in Empfang.
Einer der reichsten Musiker weltweit
Von Dylans mysteriöser Art handelt auch der biographische Film „A Complete Unknown“ von 2024, in dem Schauspieler Timothée Chalamet den Musiker gibt. Darin wird seine Beziehung zu Folk-Legende Joan Baez beleuchtet, die unter den Zurückweisungen litt.
Statt Baez heiratete Dylan nacheinander zwei andere Frauen und hatte mit ihnen sechs Kinder. Sein 1969 geborener Sohn Jakob Dylan ist selbst Musiker und brachte es zu einigem Erfolg.
In vielen Songs hat sich Bob Dylan mit der Vergänglichkeit befasst. „Ich schlafe mit dem Leben und dem Tod im selben Bett“, singt er in „I Contain Multitudes“. „Jedes menschliche Wesen, egal wie stark oder mächtig, ist schwach, wenn es um den Tod geht“, sagte er vor einigen Jahren in einem Interview.
Als Musiklegende ist Dylan ohnehin unsterblich. Das lässt sich auch finanziell messen: Sein Wert wird auf 500 Millionen Dollar geschätzt. Damit ist er einer der reichsten Musiker weltweit. (afp/red)




