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Aus Angst vor Organraub: Chinas Eltern nehmen ihre Kinder von der Schule


In Kürze:

  • In China kursieren online Anschuldigungen über illegalen Organraub an Minderjährigen.
  • Eltern nehmen Kinder von den Schulen aus Sorge um deren Leben.
  • Die Behörden veröffentlichten standardisierte Richtlinien für Gebühren bei Organtransplantationen.
  • Chinesische Eltern stellen medizinische Untersuchungen an Schulen, die Blutentnahmen beinhalten, in den sozialen Medien infrage.

 
In mehreren Regionen Chinas nehmen Eltern ihre Kinder aus der Schule, nachdem im Internet weitverbreitete Anschuldigungen über illegalen Organraub an Minderjährigen aufgekommen sind. Dies löste eine tiefe Verunsicherung über die Sicherheit von Kindern unter der Kontrolle des kommunistischen Regimes aus.
Chinesische Social-Media-Plattformen wie WeChat, Douyin und RedNote werden mit Beiträgen von Eltern überschwemmt, die berichten, dass sie ihre Kinder aus Sorge um deren Leben nicht mehr zur Schule schicken. Internetnutzer bezeichnen diese Entwicklung als „von der Schule abmelden, um am Leben zu bleiben“.
Bereits in den vergangenen Jahren kursierten online zahlreiche Berichte über vermisste Jugendliche in China, oft begleitet von Gerüchten, dass den gefundenen Leichen Organe fehlten. Trotz des umfassenden Überwachungssystems Chinas sollen viele dieser Jugendlichen spurlos und ohne Erklärung verschwunden sein. Oft sollen auch Angaben darüber fehlen, was vor der Rückgabe ihrer Körper mit ihnen geschehen war.
Onlinebeiträge, in denen solche Fälle diskutiert werden, werden häufig zensiert, was das Misstrauen und die Angst unter den Eltern noch weiter schürt.
China ist als globales Transplantationszentrum bekannt. Das kommunistische Regime veröffentlichte jetzt eine Gebührenrichtlinie für Organtransplantationen. Dies rief Kritik bei den Menschenrechtsaktivisten hervor, da dadurch der Missbrauch schutzbedürftiger Gruppen wie Minderjähriger und politischer Gefangener begünstigt werden könnte.
Kinder sausen in Panzer-Schneekarts durch den Longtan Park zum Mondneujahr

Kinder fahren in Panzerschneekarts durch den Longtan-Park zum Mondneujahr.

Foto: Aaron Favila/AP/dpa

Eltern nehmen Kinder von der Schule

Am 22. Januar erklärte ein Douyin-Nutzer mit dem Namen „Zhugege“ in einem Video, dass er seine 14-jährige Tochter aus der Schule nehmen werde – trotz des hohen Drucks in der chinesischen Gesellschaft, im wettbewerbsorientierten Bildungssystem hervorragende Leistungen zu erbringen.
„Ob sie akademisch erfolgreich ist, spielt keine Rolle mehr“, sagte der Nutzer. „Solange sie sicher, gesund und glücklich aufwächst, ist das genug.“
Das Video rief sofort Hunderte Reaktionen hervor. Eine Person schrieb in einem Kommentar, dass ihr 16-jähriger Sohn zu Hause bleibe, „solange er sicher und gesund ist“. Eine andere Person sagte, ihr 15-jähriges Kind habe die Schule bereits verlassen, um zu arbeiten, und fügte hinzu: „Solange sie am Leben ist, ist alles andere egal.“ Viele dieser Kommentare erhielten eine große Anzahl von Likes.
Zhang, ein Anwalt aus der chinesischen Provinz Hubei, der aus Sicherheitsgründen nur seinen Nachnamen nannte, sagte gegenüber Epoch Times, dass die Reaktion eher einen allgemeinen Vertrauensverlust der Öffentlichkeit widerspiegele als eine Reaktion auf einen einzelnen Vorfall.
„In einem System, in dem Informationen undurchsichtig sind und es keine wirksame Kontrolle der Macht gibt, hat die Öffentlichkeit keine Möglichkeit, die Wahrheit zu überprüfen oder Rechenschaft einzufordern“, sagte er. „Es gibt eine große Kluft zwischen den offiziellen Darstellungen und dem, was die Menschen empfinden und erleben.“
Zhang sagte, Eltern stützten sich zunehmend auf fragmentierte Informationen aus den sozialen Medien, um Risiken einzuschätzen. Er verwies dabei auf Onlineberichte über Schüler, die angeblich in der Schule gestorben, verschwunden oder kurz nach ihrer Einweisung ins Krankenhaus gestorben seien.
„Wenn Eltern das Gefühl haben, dass sie nicht einmal sicher sein können, dass ihr Kind in der Schule sicher ist, wird die Abmeldung von der Schule zu einer Form des Selbstschutzes“, sagte er.

Gesundheitsuntersuchungen in den Schulen

Die Sorgen konzentrieren sich auch auf die verpflichtenden Gesundheitsuntersuchungen in der Schule. Chinesische Eltern stellten in den sozialen Medien routinemäßige medizinische Untersuchungen, die Blutentnahmen beinhalten, infrage. Viele wiesen darauf hin, dass solche Untersuchungen zu ihrer eigenen Schulzeit nicht erforderlich gewesen waren.
Die Angst verstärkte sich weiter, als chinesische Internetnutzer darauf hinwiesen, dass Bluttests für das Auffinden von passenden Organen verwendet werden könnten. Viele warnten die Eltern, „ihre Kinder sofort nach Hause zu holen, um ihr Leben zu retten“.
Die Verunsicherung der Eltern wurde auch durch die jüngste offizielle Werbung für Organspenden angeheizt.
Am 20. Januar veröffentlichte der WeChat-Account „China Organ Donation“ ein Video, das einen 18-Jährigen zeigte, der nach seinem Tod Organe gespendet hatte – einschließlich Aufnahmen von medizinischem Personal, das sich in Ehrerbietung verbeugte, sowie Bilder einer Geburtstagstorte und einer Spendenurkunde. Die Werbung für „freiwillige Organspenden“ löste eine breite Diskussion im Internet aus.
Unabhängig davon sind Bildschirmfotos von Schulveranstaltungen wieder aufgetaucht, auf denen Schüler Plakate mit Aufschriften wie „Organspende“ und „Sein Leben opfern“ hochhalten.
Wang, ein Vater aus Wuhan, der aus Sicherheitsgründen ebenfalls nur seinen Nachnamen nannte, erklärte gegenüber der chinesischsprachigen Ausgabe von Epoch Times, dass er und seine Frau beschlossen hätten, auf Heimunterricht umzusteigen. Sie befürchteten, ihr Kind könnte unter Druck gesetzt werden, Dokumente zur Organspende zu unterschreiben, ohne vollständig zu verstehen, was dies bedeute.
Die chinesischen Behörden reagierten öffentlich weder auf die Panik im Internet, noch äußerten sie sich bisher zu den konkreten Behauptungen, die in den sozialen Medien kursieren.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Chinese Parents Pull Children From School as Fears of Organ Harvesting Spread Online“. (deutsche Bearbeitung ks)

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