Einer der wohl am sehnlichsten erwarteten Filme dieses Jahrzehnts ist im Kino angelaufen: die Biografie von Michael Jackson. Ursprünglich war er als eine von der Wiege bis zur Bahre reichende Erzählung konzipiert, wurde jedoch aus strategischen Gründen gekürzt.
Die turbulente Zeit von Michael und seinen Brüdern bei den Jackson Five unter der Fuchtel ihres Vaters Joseph (gespielt von Colman Domingo) wird noch authentisch dargestellt. Der Rest seines Lebens erscheint überwiegend positiv, ist aber deutlich unvollständig – was nicht unbedingt ein Nachteil ist.
Teure Nachdreharbeiten
Wie im Januar 2025 berichtet wurde, musste der dritte Abschnitt des Films neu gedreht werden. Warum? Aus rechtlichen Gründen wurden die Szenen um Jordan Chandler gekürzt. Dieserhatte den King of Pop im Jahr 1993 des sexuellen Missbrauchs bezichtigt. Jackson beteuerte stets seine Unschuld. Der Fall endete damals mit einem Vergleich von rund 17 Millionen Euro. Laut diesem Vergleich sind Darstellungen wie die für den Film gedrehten Szenen untersagt.

Jaafar Jackson als Michael Jackson und Regisseur Antoine Fuqua.
Foto: Glen Wilson © 2025 Lionsgate
Zwei Monate später, im März 2025, begannen die Nachdreharbeiten, die sich bis Juli hinzogen. Infolgedessen soll das Budget auf 170 Millionen Euro angewachsen sein. Die neuen Szenen fügten dem Film ein neues Ende hinzu und verursachten Kosten von rund 43 Millionen Euro. Aus vertraglichen Gründen wurde dieser Betrag aus dem Jackson-Nachlass finanziert.
Die ursprüngliche Fassung sollte am 18. April 2025 in die Kinos kommen, wurde jedoch auf den 3. Oktober 2025 verschoben. Laut Berichten könnten 30 Prozent des Materials aus dem dreieinhalbstündigen Originalfilm Stoff für einen weiteren Film bieten.
Ein cleverer Schachzug
Für die Rolle der Titelfigur war die Besetzung entscheidend. Wie bei Elvis Presley (Michaels einstigem Schwiegervater) gibt es Tausende sogenannte Tribute-Sänger, die ausschließlich Michael Jackson imitieren. Sie hätten wahrscheinlich alles dafür gegeben, um eine Rolle in diesem Film zu ergattern. Die Wahl lag jedoch bei den Produzenten, zu denen fünf von Michaels Geschwistern sowie sein ältester Sohn Prince gehörten.
Nach einem umfassenden Casting mit 200 Bewerbern entschieden sie sich für den cleversten Schachzug, den man machen konnte: Sie besetzten eine der beiden Hauptrollen mit Jaafar, dem Sohn von Michaels älterem Bruder Jermaine.
Dank des passenden Stylings steht Jaafar seinem Onkel in nichts nach und liefert eine nahezu makellose Darbietung ab – sowohl mit seiner Sprech- und Gesangsstimme als auch mit seinen Tanzschritten. Sollte Jaafar jemals vorhaben, als Michael-Jackson-Imitator auf Tour zu gehen, wird er damit einen Riesenerfolg landen. Er ist das Beste, was dieser Film zu bieten hat – und das wird auch dem Publikum sicherlich nicht verborgen bleiben.

Michael Jackson (Jaafar Jackson) in „Michael“.
Foto: © 2025 Lionsgate
Der junge Michael, gespielt von Juliano Valdi, ist nicht weniger beeindruckend. Zwar ist er nur in den ersten 25 Minuten des Films zu sehen, dominiert jedoch jede Szene – selbst jene an der Seite des beeindruckenden Domingo als Vater Joseph.
Schauspieler auf Oscarniveau
Domingos Rolle als Joseph stellt in seiner Karriere einen Höhepunkt dar: Er ist kalt, berechnend und absolut gnadenlos. Wenn es darum geht, seinem eigenen Nachwuchs Schaden zuzufügen, ist Joseph der ultimative Bühnenvater aus der Unterwelt – ehrgeizig und entschlossen, seine Kinder zu Stars zu machen. Die grünen Kontaktlinsen, die Domingo trägt, verleihen seiner Rolle eine zusätzliche Nuance von Bedrohung und Schrecken, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Nia Long als Katherine Jackson in „Michael“.
Foto: Glen Wilson © 2025 Lionsgate
Sowohl die Massen als auch die treuen MJ-Fans werden bei „Michael“ auf ihre Kosten kommen – weniger wegen des Inhalts, sondern vor allem aufgrund dessen, was darin fehlt.
Nach dem überwältigenden Erfolg des Albums „Thriller“ ahnte Joseph Jackson insgeheim, dass nur noch wenige Menschen die Jacksons live sehen wollten, solange Michael nicht im Rampenlicht stand. Obwohl der Junge zögerte, auf Welttournee zu gehen, gab er schließlich dem Druck seines Vaters nach – eine Entscheidung, die er schon bald bereute.
Ein Blick auf die Songliste der „Victory“-Tournee von 1984 zeigt: vier Stücke von Jermaine, ein kurzes Jackson-Five-Medley sowie mehrere Solohits von Michael. Zu spät erkannte Joseph, dass er Michael für immer verloren hatte. Als er seinen Sohn ein letztes Mal unter Druck setzte, beschleunigte er das Unvermeidliche. Michael trennte sich endgültig von der Gruppe.
Die Schattenseite des Ruhms
Angesichts der ursprünglichen Schnittfassung von 210 Minuten, der kostspieligen Nachdreharbeiten und weniger ruhmreicher Details aus Michaels letzten 20 Lebensjahren ist eine mögliche Fortsetzung dieses Films in vielerlei Hinsicht fragwürdig.
Zwischen 1991 und 2001 veröffentlicht Michael drei weitere erfolgreiche Alben: „Dangerous“, „HIStory“ und „Invincible“. Gleichzeitig gerät sein gut dokumentiertes Privatleben unter die Lupe. Es häufen sich Vorwürfe wegen unangemessenen oder gar rechtswidrigen Verhaltens, sodass die Pop-Ikone außergerichtliche Vergleichszahlungen in unbekannter Höhe leistet, um die Sache aus der Welt zu schaffen.

Jaafar Jackson als Michael Jackson.
Foto: © 2025 Lionsgate
Der zweiteilige, vierstündige Dokumentarfilm „Leaving Neverland“, der 2019 auf HBO veröffentlicht wurde, wirkt wie eine ungewollte Vorgeschichte und Fortsetzung des neuen Films „Michael“. In der Doku geht es um Missbrauchsvorwürfe, die gegen Michael Jackson erhoben werden. Das sorgte für kontroverse Diskussionen. Das Material ist derart belastend, dass der Jackson-Nachlass den Zugang zu der Dokumentation weitgehend erschwert. HBO hat die Doku inzwischen von seiner Plattform gelöscht. [Anm. d. Red.: In den USA ist der Inhalt nicht mehr verfügbar, in Deutschland weiterhin zugänglich.]
Ich habe mir die HBO-Dokumentation am Tag ihrer Erstausstrahlung angesehen und fand sie äußerst seriös und glaubwürdig.
Das Problem wird vertagt
Die HBO-Produzenten und Filmemacher umgehen jedoch das Problem, indem sie im Abspann des Films eine Fortsetzung andeuten. Wie diese allerdings entsprechend den Tatsachen entstehen soll, ohne den Großteil von Michaels Fangemeinde zu verprellen, ist fraglich. Viele glauben nicht an die ihm vorgeworfenen Taten.
Sollte man sich den Film ansehen? An sich ist „Michael“ sehr gut gemacht, auch wenn die Biografie auf dem Bewertungsportal „Rotten Tomatoes“ wegen der ausgeblendeten Missbrauchsvorwürfe lediglich 39 Prozent beträgt und damit ein schlechtes Ergebnis erzielt. Dem gegenüber stehen 95 Prozent beim Publikum. Ich tendiere hier eher zur Einschätzung der Zuschauer.
Mein einziger größerer Kritikpunkt: Im Film wird allein La Toya als Jackson-Schwester gezeigt. Die ältere Schwester Rebbie und die jüngste, Janet, werden nicht erwähnt. Abgesehen davon ist alles historisch korrekt – und die Musik, die schauspielerischen Leistungen, die Produktionsqualität und vor allem die Arbeit des über 50-köpfigen Haar- und Make-up-Teams sind geradezu grandios.
Wer sich den Film ansehen möchte, sollte dies auf der größtmöglichen Leinwand tun, die zu finden ist – er ist jeden Cent wert.
„Michael“
Regisseur: Antoine Fuqua
Darsteller: Jaafar Jackson, Juliano Valdi, Colman Domingo, Nia Long
Filmlänge: 128 Minuten
FSK 6
Bewertung: 4 von 5 Sternen
Regisseur: Antoine Fuqua
Darsteller: Jaafar Jackson, Juliano Valdi, Colman Domingo, Nia Long
Filmlänge: 128 Minuten
FSK 6
Bewertung: 4 von 5 Sternen
„Michael“ ist derzeit in den deutschen Kinos zu sehen.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „‚Michael‘: The „King of Pop‘ Biopic Is Only Half of the Story“. (redaktionelle Bearbeitung: sua)