In Kürze:
- Im Landkreis Grafschaft Bentheim wurden zwei Wölfe zum Abschuss freigegeben.
- Hintergrund ist ein Angriff mit rund 60 getöteten und mehr als 100 verletzten Schafen.
- Der Vorfall gilt als bislang größter dokumentierter Wolfsriss in Niedersachsen.
- Die Genehmigung ist räumlich begrenzt und gilt bis zum 15. Juni.
Im niedersächsischen Füchtenfeld im Landkreis Grafschaft Bentheim haben die zuständigen Behörden die Abschussgenehmigung für zwei Wölfe erteilt. Dies bestätigte eine Sprecherin des Landkreises am Donnerstag, 7. Mai, wie der NDR berichtet. Anlass ist ein zusammenhängender Angriff, bei dem innerhalb von zwei Nächten rund 60 Schafe getötet und mehr als 100 weitere verletzt wurden.
Größter Wolfsriss in Niedersachsen
Die Erlaubnis gilt jedoch nur bis zum 15. Juni und lediglich für die betroffene Weidefläche. Diese wird aus naturschutzrechtlichen Gründen mit Schafen beweidet, weshalb eine Verlegung der Tiere nicht möglich ist. Das Gelände umfasst rund 1.200 Hektar.
Die zuständigen Behörden hoffen nun, dass die beteiligten Wölfe rechtzeitig identifiziert werden können und der Abschuss mögliche weitere Angriffe verhindert. Muttertiere sind von der Maßnahme ausgenommen. Da das Gebiet an zwei Landkreise grenzt, waren beide in die Entscheidung eingebunden. Nach deren Einschätzung würde der Abschuss von zwei Tieren den regionalen Wolfsbestand nicht wesentlich beeinflussen.
Die Begutachtung des Risses ist noch nicht abgeschlossen. Fest steht jedoch bereits, dass es sich um den bislang größten dokumentierten Wolfsriss in Niedersachsen handelt.
Bundesweit etwa 200 Wolfsrudel
Als Risikogebiet war das betroffene Areal im Dalum-Wietmarscher-Moor bislang nicht bekannt. Nach Angaben der Landwirtschaftskammer liegt die Zahl der bei Wolfsangriffen gerissenen oder verletzten Tiere meist zwischen einem und sechs. Vorfälle mit mehr als 20 betroffenen Schafen gelten als selten.
Die meisten größeren Angriffe seit Beginn des Wolfsmonitorings im Jahr 2008 wurden im Landkreis Cloppenburg verzeichnet. Erst im Februar kam es in Oldendorf im Landkreis Rotenburg (Wümme) zu einem Vorfall mit 54 toten Schafen. Bundesweit wurden 2024 durchschnittlich 3,9 Tiere pro Wolfsübergriff getötet, während es 2023 insgesamt mehrere Tausend Nutztierangriffe gab.
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts war der Wolf in Deutschland ausgerottet und wurde nach der Wiedervereinigung ab dem Jahr 2000 über die Oberlausitz wieder heimisch. Heute leben bundesweit mehr als 200 Rudel. Seit 1990 steht er unter Naturschutz, wurde jedoch im April 2026 vom Status „streng geschützt“ auf „geschützt“ herabgestuft. In bestimmten Gebieten ist zwischen Juli und Oktober eine Jagd zur Bestandsregulierung erlaubt. Notabschüsse bei Nutztierschäden bleiben möglich.

