In Kürze:
- KI sortiert die männlichen von den weiblichen Insekten aus.
- Die Mücken sind mit dem Bakterium Wolbachia infiziert, welches eine Befruchtung verhindert.
- Singapur meldet einen deutlichen Rückgang von Erkrankungen durch den Einsatz dieser Insekten.
- Auch Versuche mit genmanipulierten Moskitos hat es bereits gegeben.
Das amerikanische Unternehmen Verily plant, in den kommenden beiden Jahren 64 Millionen Mücken in den USA freizulassen. Verily ist ein Tochterunternehmen des Techgiganten Google und gehört somit zum Alphabet-Konzern. Im Rahmen des sogenannten Debug-Projekts wurden die Männchen der Stechmückenart Aedes aegypti mit dem natürlich vorkommenden Bakterium Wolbachia pipientis infiziert.
Verfahren läuft bis 5. Juni 2026
Wolbachia kommt in vielen Insekten vor und sorgt dafür, dass die Eier unfruchtbar werden, wenn sich ein infiziertes Männchen mit einem nicht infizierten Weibchen paart. Damit will Verily Krankheiten wie Zika, Chikungunya, Dengue-Fieber oder das West-Nil-Virus bekämpfen, die von weiblichen Mücken übertragen werden. Einen Antrag zur Genehmigung hat das Unternehmen bei der Environmental Protection Agency (Umweltschutzbehörde, EPA) eingereicht.
In dem Antrag an die EPA hat die Google-Tochter ihren Zeitplan aufgeführt. So ist vorgesehen, dass innerhalb von zwei Jahren jeweils 32 Millionen männliche Mücken in Florida und Kalifornien ausgesetzt werden. Diese Vorhaben sind als Test eingestuft, um Daten zu sammeln. Das Ziel ist eine vollständige Zulassung der Methode.
Bis zum 5. Juni 2026 sammelt die EPA noch öffentliche Stellungnahmen. Dann entscheidet die Behörde, ob sie das sogenannte Debug-Projekt in der vorliegenden Form genehmigt oder ob Verily es abändern muss. Auch eine Ablehnung des Antrags ist möglich.
Der schwierige Teil besteht darin, Männchen und Weibchen im industriellen Maßstab voneinander zu trennen. Debug nutzt Künstliche Intelligenz und Automatisierung, um Mücken nach Geschlecht zu sortieren, sie in großen Mengen aufzuziehen und in den Zielgebieten freizusetzen, wie das Nachrichtenportal „Yahoo“ erläutert.
Vorbild für die nun in den USA beantragten Tests ist Singapur, wo Verily bereits seit 2018 in Zusammenarbeit mit der dortigen Umweltbehörde die Debug-Technologie nutzt, um große Mengen männlicher Wolbachia-Mücken zu züchten und auszusetzen. Die Behörden in Singapur melden deutliche Rückgänge der lokalen Aedes-Population und führen die Einsätze in immer mehr Stadtteilen fort.
70 Prozent weniger Erkrankungen in Singapur
Die in Singapur erzielten Ergebnisse sind laut „Yahoo“ beachtlich. Demnach belegen offizielle Programmdaten eine Eindämmung der Populationen von Aedes aegypti um 80 bis 90 Prozent in den behandelten Gebieten. Damit sei auch das Dengue-Risiko für die Anwohner um 70 Prozent gesunken. Verily hat seinen Standort in dem asiatischen Insel- und Stadtstaat mittlerweile zu einem internationalen Forschungs- und Entwicklungszentrum für die Debug-Initiative ausgebaut.
Debug ist nicht das erste Projekt zur Bekämpfung von Moskitos in Florida. Bereits in den Jahren 2021 bis 2024 führte das britische Biotechnologieunternehmen Oxitec Tests durch, wobei es jedoch einen anderen Ansatz verfolgte. Es setzte Milliarden gentechnisch veränderte männliche Insekten aus. Die mit einem selbstlimitierenden Gen modifizierten Insekten zeugen männliche Nachkommen sowie nicht überlebensfähige weibliche Nachkommen. Laut Oxitec soll – theoretisch – im Laufe der Zeit mit dem Rückgang der weiblichen Population auch die Gesamtpopulation abnehmen. Das Vorhaben finanzierte die Bill and Melinda Gates Foundation.
Versuche, die eingangs genannten Krankheiten durch eine Dezimierung der Moskitopopulationen einzudämmen, laufen bereits seit Jahren in zahlreichen Ländern. So ist Oxitec beispielsweise seit 2011 in Brasilien und seit 2014 in Panama aktiv. Im ostafrikanischen Dschibuti setzte das Unternehmen 2024 erstmals genmanipulierte Mücken aus, um die Malaria zu bekämpfen.
Auch in Australien plante Oxitec die Freisetzung gentechnisch veränderter Mücken und beantragte im Jahr 2024 eine kommerzielle Zulassung für Queensland. Das Unternehmen zog den Antrag jedoch im Jahr 2025 zurück. Zuvor hatte das Vorhaben Proteste aus Teilen der Wissenschaft und der Bevölkerung ausgelöst. Für Europa sind derzeit keine Projekte zur Mückenbekämpfung geplant.

