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Nahrungsergänzungsmittel könnte Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs zu einem längeren Leben verhelfen

Forscher untersuchten in einer kleinen Pilotstudie, die im Fachjournal Nature Cancer veröffentlicht wurde, Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs im fortgeschrittenen Stadium und beobachteten einen überraschenden Effekt: Wenn Erkrankte zusätzlich zu ihrer normalen Chemotherapie die Aminosäure L-Glutamin einnahmen, lebten sie im Schnitt 22 Monate, fast doppelt so lange wie mit der Standardtherapie allein (8 bis 13 Monate).

Neben der längeren Lebensspanne zeigte sich ein weiterer Effekt: Die Hälfte der 16 Studienteilnehmer konnte ihr Gewicht stabil halten. Bei dieser Krebsart ist ein starker Gewichts- und Muskelverlust sonst die Regel.

Die Aminosäure wird im Körper natürlich gebildet und unterstützt die Verdauung. In hochdosierter Form ist sie in den USA bereits als Medikament gegen Sichelzellanämie zugelassen. Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) lehnte laut einem Statement hingegen die Zulassung für den Einsatz gegen Sichelzellanämie aufgrund hoher Abbrecherquoten und damit verbundener methodischer Mängel im Studiendesign ab, woraufhin der Hersteller den Antrag zurückzog.

Die Energiequelle des Krebses wird gegen ihn eingesetzt

Die Rolle der Aminosäure L-Glutamin bei Bauchspeicheldrüsenkrebs wirkt fast wie ein Widerspruch in der Krebsforschung. Denn ausgerechnet dieser Baustein gilt eigentlich als „Treibstoff“ für Tumore: Bauchspeicheldrüsenkrebszellen sind abhängig von L-Glutamin und nutzen es bevorzugt, um zu wachsen und zu überleben. Krebskranken also zusätzlich L-Glutamin zu geben, klang in der Fachwelt daher erst einmal wie ein Widerspruch.

Ursprünglich verfolgten die Forscher auch ein ganz anderes Ziel: Es ging nicht darum, den Tumor direkt anzugreifen, sondern den Darm zu schützen. Sowohl die Krebserkrankung selbst als auch die schwere Chemotherapie greifen die Verdauung stark an und Betroffene verlieren oft viel an Körpergewicht. Da L-Glutamin dafür bekannt ist, die Regeneration der Darmschleimhaut zu fördern, sollte die Gabe der Aminosäure vor allem diese schweren Nebenwirkungen lindern.

Dabei stießen die Wissenschaftler auf ein überraschendes Ergebnis: Wurden die Krebszellen hohen Dosen an L-Glutamin ausgesetzt, reagierten sie plötzlich deutlich empfindlicher auf die Chemotherapie. Das passte zu den Beobachtungen bei den Patienten, deren Tumore sich im Behandlungsverlauf messbar verkleinerten.

Ein weiterer Schlüssel scheint im Mikrobiom zu liegen – der Bakteriengemeinschaft in unserem Darm. Die Forscher entdeckten eine Verbindung zwischen den dortigen Bakterien und dem Erfolg der Krebstherapie. Vieles deutet darauf hin, dass L-Glutamin die Darmflora positiv beeinflusst. Diese im Darm angesiedelten Mikroben spielen eine entscheidende Rolle dabei, wie unser Körper Verdauung, Entzündungen und letztlich auch das Ansprechen auf Medikamente steuert.

Experte mahnt zur Vorsicht

Unabhängige Forscher halten die Beobachtungen zwar für aufschlussreich, mahnen aber zur Zurückhaltung.
„Ich würde die Ergebnisse eher als vielversprechend denn als praxisverändernd bezeichnen“, sagte Dr. Jaekyung Cheon, assoziiertes Mitglied der Abteilung für gastrointestinale Onkologie am Moffitt Cancer Center in Tampa, Florida, der nicht an der Studie beteiligt war, gegenüber der Epoch Times.
„Bei nur 16 Patienten können einige wenige Patienten mit außergewöhnlich gutem Ansprechen die Ergebnisse erheblich beeinflussen“, sagte Cheon.
Vor allem könne ohne eine randomisierte Kontrollgruppe nicht festgestellt werden, ob die positiven Ergebnisse tatsächlich auf L-Glutamin zurückzuführen seien, fügte er hinzu.
„Diese Ergebnisse erfordern weitere Untersuchungen in einer größeren randomisierten Studie, bevor die klinische Praxis geändert wird.“
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „Common Supplement May Help Pancreatic Cancer Patients Live Longer“. (deutsche Bearbeitung: kr)
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Neue Studie: Beliebtes Anti-Aging-Vitamin könnte Krebsbehandlung ausbremsen

In Kürze:

  • Viele Menschen nehmen Vitamin-B3-Präparate wie NMN oder NR ein, um ihre Energie und Gesundheit zu fördern sowie ihren NAD-Spiegel zu erhöhen.
  • Eine neue Studie zeigt jedoch, dass genau diese Substanzen Bauchspeicheldrüsenkrebszellen widerstandsfähiger gegen Chemotherapie machen können.
  • In Labor- und Mausmodellen wuchsen Tumore unter NMN schneller und reagierten deutlich schlechter auf gängige Chemotherapeutika.
  • Die Forscher betonen, dass die Ergebnisse vorläufig sind, empfehlen Krebspatienten aber, die Einnahme solcher Nahrungsergänzungsmittel mit ihrem Arzt zu besprechen.

 
Viele Menschen nehmen täglich Niacin-Präparate ein – auch bekannt als Vitamin B3. Damit können sie laut Untersuchungen vor allem im Alter ihren Energiehaushalt,  einen verlangsamten Alterungsprozess und eine bessere allgemeine Gesundheit unterstützen. Allerdings könnte für Patienten, die sich einer Chemotherapie unterziehen, laut ersten Labor- und Tierstudien Vorsicht geboten sein.
Die neue Studie legt nahe, dass Krebszellen genau dieses B3 aufnehmen und nutzen könnten, um sich widerstandsfähiger gegen Chemotherapie zu machen.
Die in der Fachzeitschrift „Cancer Letters“ veröffentlichte Studie zeigt, dass vor allem Nicotinamid-Mononukleotid (NMN) – eine mit Vitamin B3 verwandte Verbindung, die in vielen Nahrungsergänzungsmitteln zum Einsatz kommt – Bauchspeicheldrüsenkrebszellen in Labortests drei- bis siebenmal resistenter gegen gängige Chemotherapeutika macht.
Auch in Mausmodellen für Bauchspeicheldrüsenkrebs beschleunigte NMN das Tumorwachstum. Gleichzeitig reagierten die Tiere schlechter auf die Chemotherapie – selbst bei Dosierungen, die einer typischen Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln entsprechen sollten.
In den untersuchten Mausmodellen reduzierte NMN die typische tumorverkleinernde Wirkung der Chemotherapie von 60 bis 70 Prozent auf nur noch 20 bis 30 Prozent.
„Antioxidantien wie NMN und verwandte Verbindungen unterstützen das Wachstum von Bauchspeicheldrüsenkrebszellen und schützen sie vor den therapeutischen Vorteilen der Chemotherapie“, so der Hauptautor Dr. Jordan Winter, Professor an der Case Western Reserve University School of Medicine, gegenüber The Epoch Times.

Wie NMN die Behandlung untergräbt

Nahrungsergänzungsmittel wie NMN sowie andere Varianten von Vitamin B3 wie Nicotinamidribosid (NR) und Nicotinamid (NAM) sind beliebt, um den Nicotinamidadenindinukleotid-Spiegel (NAD) zu steigern. NAD ist ein Molekül, das jede Zelle benötigt, um Energie zu produzieren, DNA zu reparieren und mit Stress umzugehen.
Die Reparaturkräfte von NAD, die normalerweise für alternde Zellen hilfreich sind, können bei Krebs laut der aktuellen Studie problematisch sein.
NMN erhöht den NAD-Spiegel auch in Krebszellen und hilft ihnen so, DNA-Schäden durch Chemotherapie zu reparieren und die Behandlung zu überleben, fanden die Forscher heraus.
In Laborexperimenten führte ein erhöhter NAD-Spiegel dazu, dass Bauchspeicheldrüsenkrebszellen drei- bis siebenmal resistenter gegen gängige Chemotherapeutika wurden – darunter Gemcitabin, Oxaliplatin und 5-Fluorouracil, die häufig bei fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsen- und Gallengangskrebs eingesetzt werden.
Von den untersuchten Substanzen wirkte NMN am stärksten, NR zeigte eine mäßige Schutzwirkung und NAM hatte kaum Auswirkungen.
Die Forscher fanden heraus, dass NMN Krebszellen auf mehreren Wegen widerstandsfähiger macht.
Das Molekül kurbelt nicht nur die Energieproduktion an und schützt die Mitochondrien während der Chemotherapie, sondern beschleunigt auch die Reparatur von DNA-Schäden, die eigentlich zum Absterben der Tumorzellen führen sollen.

Warum Tumoren der Bauchspeicheldrüse schwer zu bekämpfen sind

Bauchspeicheldrüsenkrebs ist bekanntermaßen schwer zu behandeln. Tumoren wachsen in Bereichen mit wenig Sauerstoff und begrenzten Nährstoffen – Bedingungen, die viele normale Zellen abtöten würden.
Um zu überleben, sind Bauchspeicheldrüsenkrebszellen stark auf interne Unterstützungssysteme angewiesen – einschließlich NAD-abhängiger Stoffwechselwege.

Bauchspeicheldrüsenkrebs wächst unter Sauerstoff- und Nährstoffmangel und ist schwer behandelbar.

Foto: Shidlovski/iStock

Dadurch sind Tumoren der Bauchspeicheldrüse besonders empfindlich gegenüber NAD-steigernden Nahrungsergänzungsmitteln.
Was einer gesunden Zelle hilft, mit dem mit dem Altern verbundenen Stress fertig zu werden, könnte auch Krebszellen einen zusätzlichen Vorteil verschaffen.
Die Wirkungen von NAD-steigernden Verbindungen sind jedoch nicht bei allen Krebsarten einheitlich. In einigen Studien zu Gebärmutterhals-, Brust-, Leber- und Lungenkrebs scheinen NAM-Nahrungsergänzungsmittel die Chemotherapie wirksamer zu machen.
Wissenschaftler begründen dies damit, dass der Unterschied wahrscheinlich auf die Art des Krebses, die Dosierung des Nahrungsergänzungsmittels und die Art und Weise zurückzuführen ist, wie einzelne Tumoren Energie verwerten.
Ein ähnliches Paradoxon wurde bei Antioxidantien wie den Vitaminen C und E beobachtet. Einige Untersuchungen zeigen, dass sie das Tumorwachstum unterstützen können, obwohl sie gleichzeitig die Nebenwirkungen der Behandlung reduzierten.

Was Patienten tun können

Winter weist ausdrücklich darauf hin, dass es sich hierbei um präklinische Ergebnisse handelt, die an Zellen und Tiermodellen gewonnen wurden. Die Daten sind seiner Einschätzung nach jedoch so auffällig, dass er der Ansicht ist, dass in Bezug auf Krebspatienten gehandelt werden muss.
„Chemotherapie und Bestrahlung zielen darauf ab, Krebszellen durch oxidativen Stress zu schädigen“, sagte er. „Alles, was diesen Zellen hilft, diesen Schaden zu reparieren oder diesen Stress zu reduzieren, könnte der Behandlung potenziell entgegenwirken.“
Die Studie legt jedoch nicht nahe, dass diese Nahrungsergänzungsmittel gesunden Menschen schaden.
Für Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs, die eine Chemotherapie erhalten, könnten die möglichen Risiken jedoch erheblich sein.
Besonders problematisch: Manche Betroffene nehmen NAD-steigernde Nahrungsergänzungsmittel gezielt gegen die Nebenwirkungen der Behandlung ein – und könnten damit unbeabsichtigt die Wirkung der Chemotherapie abschwächen.
Die Forscher fordern eine routinemäßige Überprüfung der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln bei Krebspatienten sowie weitere klinische Studien zu NAD-Boostern und Krebstherapien. Aufgrund der bisherigen Ergebnisse, rät Professor Winter Patienten, die sich einer Behandlung gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs unterziehen, diese Risiken unverzüglich mit ihrem Onkologen zu besprechen.

 
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Popular Anti-Aging Vitamin Might Affect Pancreatic Cancer Treatment“. (deutsche Bearbeitung: vm)