„Sachsen-Anhalt ist überall“, schreibt der „WELT“- und „BILD“-Kolumnist Harald Martenstein. Das Gleiche, was dort passiere, geschehe zurzeit in weiten Teilen der Welt. „Die Wähler wandern nach rechts“, beschreibt Martenstein die politische Entwicklung.
Nachfolgend einige Reaktionen von Persönlichkeiten aus dem Ausland auf den Wahlsieg der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am Sonntag, 6. September – sowie ein Blick in einige deutsche Medien
Positive Reaktionen aus den USA
Der amerikanische Präsident Donald Trump postete Sonntagnacht auf seinem eigenen Social-Media-Kanal Truth Social ohne weiteren Kommentar die Hochrechnung von infratest dimap zur Wahl in Sachsen-Anhalt mit Stand 19:57 Uhr, die die AfD bei 44,4 Prozent und die Ergebnisse der anderen Parteien zeigt. Die AfD ist schon seit längerer Zeit in Kontakt mit Trump. So hatte etwa der AfD-Co-Vorsitzende Tino Chrupalla an Trumps Amtseinführung im Januar 2025 in Washington, D.C. teilgenommen.
Auch Elon Musk gratulierte auf Deutsch auf X mit zwei Worten: „Gut gemacht.“ Der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund nutzte die Gelegenheit, um Musk, der mehrmals zur Wahl der AfD aufgerufen hatte, einzuladen, in Sachsen-Anhalt zu investieren. Siegmund repostete dessen Botschaft um 00:52 Uhr und schrieb: „Vielen Dank, Elon Musk, für Ihre Unterstützung und für Ihre klare und notwendige Sichtweise auf die politischen Entwicklungen unserer Zeit – auch hier in Deutschland.“
Im Fall einer Übernahme der Regierungsverantwortung „würde ich die Gelegenheit zu einer starken und konstruktiven Zusammenarbeit sehr begrüßen“, schrieb Siegmund. Deutschland wäre dann wieder „ein Ort, in den es sich lohnt, zu investieren“, macht Siegmund dem Tech-Milliardär Mut. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte vor der Wahl mehrfach die gegenteilige Behauptung aufgestellt: dass ein Sieg der AfD in Sachsen-Anhalt ausländische Investoren abschrecken würde.
Auch Richard Grenell, ein Sondergesandter in der Trump-Regierung, gratulierte der AfD auf X: „Ein großer Sieg und ein neuer Tag in Deutschland“, schrieb Grenell. Während seiner Meinung nach „die staatlich geförderten Medien in Deutschland zusammenbrechen“, sei „das Volk bereit für Veränderungen – ganz gleich, wie man sie beschimpft“. Grenell war in der ersten Amtszeit von Trump von Mai 2018 bis Juni 2020 US-Botschafter in Deutschland.
Orbán: „Das ist erst der Anfang“
Der ehemalige ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán gratulierte auf X mit den Worten: „Ein großartiger Abend für Deutschland und Europa! Herzlichen Glückwunsch an Alice Weidel, Ulrich Siegmund und die gesamte AfD zu ihrem Erdrutschsieg in Sachsen-Anhalt! Macht euch bereit. Das ist erst der Anfang!“
Österreich: FPÖ-Chef sieht „Systemparteien abgewählt“
Als ein „demokratisches Machtwort des Souveräns, das weit über Deutschland hinaus zu spüren ist“, bezeichnete der FPÖ-Parteichef Herbert Kickl am Sonntagabend den Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt.
Dies berichtete die Zeitung „Die Presse“ aus Wien. Die Wähler hätten seiner Meinung nach nicht nur die AfD gewählt, sondern hätten „an der Wahlurne jene undemokratische Brandmauer eingerissen, die abgehobene Eliten gegen die einzige patriotische Kraft und damit gegen den Willen der eigenen Bevölkerung errichtet haben“. Das sei „gelebte Demokratie“, wird Kickl zitiert.
Moskau: Merz ist „gedemütigt“
Aus Moskau meldete sich der Sonderbeauftragte Putins und Geschäftsführer des Russischen Fonds für Direktinvestitionen, Kirill Dmitriev, zu Wort. Von der staatlichen russischen Nachrichtenagentur „TASS“ wird er mit den Worten zitiert:
„Der historische Sieg der AfD ist eine Demütigung für die Arroganz, Engstirnigkeit, Kriegstreiberei, Unfähigkeit und Heuchelei der diskreditierten deutschen Regierungskoalition.“ Die Deutschen hätten gesprochen, und Deutschland sei erwacht.
„Der gedemütigte Merz ist gerade zu einem [Keir] Starmer geworden“, so Dmitriev, und bezog sich dabei auf den ehemaligen britischen Premierminister, der Mitte dieses Jahres nach Wahlschlappen und fehlendem Rückhalt in seiner Partei zurückgetreten war.
De Maizière: AfD sei für Wähler „Partei der Hoffnung“
In der ARD-Talk-Sendung „Caren Miosga“ kam der ehemalige CDU-Bundesminister Thomas de Maizière am Wahlabend zu einem Schluss, den er „ungern“ sage:
„Die AfD ist zu einer Partei der Hoffnung geworden.“ Die Hoffnung richte sich darauf, „zu sagen, wir können ein Land sein, das von den Problemen der Welt möglichst nicht gestört werden soll“. Eine zweite Hoffnung sei seiner Meinung nach: „Wenn wir nur wollen, können wir so sein, wie wir glauben gewesen zu sein.“
Das sei seiner Meinung nach die Zukunft, die in Abschottung führen könne und in „Leugnung von Komplexität“. Gewünscht sei „nationale Übersichtlichkeit“.
Zuvor sagte de Maizière, für ihn sei das Ergebnis der Landtagswahl „ein tiefer Einschnitt“. Der mehrfach ehemalige Bundesminister drückte seine Einschätzung aus, dass man sich auf „eine totale Veränderung des Gemeinschaftsföderalismus“ einstellen müsse, bei der die demokratischen Auseinandersetzungen „ungemütlicher“ würden.
Pressestimmen: „Das alte Parteiensystem ist wie weggefegt“
Das Hamburger Wochenmagazin „DER SPIEGEL“, das noch vor Kurzem in einer Titelgeschichte den AfD-Kandidaten Ulrich Siegmund als „gefährlichsten Mann“ Deutschlands bezeichnet hatte, spricht Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die Regierungsfähigkeit ab.
Dirk Kurbjuweit, der Chefredakteur des Blatts, kommt zu dem Schluss: „Merz ist offenkundig der falsche Mann in diesem Amt in diesen Zeiten.“
In einem anderen „SPIEGEL“-Beitrag wird der AfD-Wahlsieg als „ein politisches Beben der Stärke 9,0“ bezeichnet.
Ein Kommentatorenteam des Privatsenders ntv zieht „sechs Lehren aus einem historischen Wahlabend“: Was in Sachsen-Anhalt passiert sei, sprenge „alles bisher Dagewesene“: „Die CDU ist dort halbiert, die AfD fast verdoppelt. So etwas wirft mehr als nur Fragen auf, das stellt auch die Bundespolitik infrage“, schreiben die drei Kommentatoren.
Sie verweisen darauf, dass Merz „ein historisch unbeliebter Bundeskanzler“ sei. Das habe ihrer Meinung nach „mit gebrochenen Wahlversprechen, unglücklicher Kommunikation und handwerklichen Schwächen zu tun“. Der AfD-Erfolg schlage „ein neues Kapitel in der Geschichte der Bundesrepublik auf. Zum zweiten Mal nach Thüringen 2024 gewinnt eine als rechtsextrem geltende Partei eine Landtagswahl – und das mit großem Vorsprung“, so die Kommentatoren. Und: Die AfD „will ein anderes Land“.
Die „BILD“-Chefin Marion Horn geht in ihrem Kommentar zur Wahl noch weiter: Der Wahlabend offenbare „nicht weniger als die Implosion der politischen bürgerlichen Mitte“.
Auch auf Bundesebene sei die AfD „in allen Umfragen stärker als die anderen Parteien. Und ich sage Ihnen auch, warum ich glaube, dass das so ist: Die Leute sind verzweifelt über den Zustand unseres Landes“, so Horn.
Und sie zählt die ungelösten Probleme auf, darunter marode Schulen, Wirtschaftsschwäche, unsichere Renten, hohe Spritpreise und Probleme bei der inneren und äußeren Sicherheit. Horn kurz und bündig: „Das alte Parteiensystem ist wie weggefegt.“ Merz und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) müssten sich fragen, „ob sie die Kraft haben, noch die Kurve zu kriegen“.






