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Forscher entdecken riesigen Walfriedhof im Indischen Ozean


In Kürze:

  • Forscher haben in der Diamantina-Bruchzone im Indischen Ozean einen riesigen Walfriedhof entdeckt.
  • Schätzungen zufolge liegen in der Tiefe die sterblichen Überreste von über 10 Millionen Meeressäugern.
  • Seit 5,3 Millionen Jahren starben die Tiere hier auf natürliche Weise und schufen damit einen Lebensraum für zahlreiche Tierarten.

 
Am 11. Juni sorgte eine Meldung für Aufsehen: Ein internationales Forscherteam hat im Indischen Ozean einen großen Walfriedhof entdeckt. Seit mindestens 5,3 Millionen Jahren verenden hier jährlich die riesigen Meeressäuger und sinken auf den Grund des Ozeans hinab.
Dass sich beim Tod eines Wals, auch Walfall genannt, eine Art Friedhof bildet, ist hinreichend bekannt. Neu sind jedoch die Tiefe der Fundstelle und die enorme Anzahl an Kadavern unterschiedlicher Walarten.

Walfriedhof mit über 10 Millionen Kadavern

Es ist die weltweit tiefstgelegene und größte bekannte Ansammlung von Walfossilien und aktiven Walfällen, die Wissenschaftler je dokumentiert haben. In einem Bereich von 1.200 Kilometern Länge haben Forscher um Xiaotong Peng im Rahmen von über 30 Tauchgängen gleich fünf aktive Walfälle entdeckt.
Wie tiefere Untersuchungen zeigten, finden hier jedoch schon seit viel längerer Zeit zahlreiche Meeressäuger ihre letzte Ruhestätte. Zu den fünf aktiven Walfällen kommen 476 weitere Fundstellen mit den sterblichen Überresten weit älterer Tiere hinzu. Eine Strontium-Isotopen-Datierung ergab, dass die ersten Wale vor mindestens 5,3 Millionen Jahren starben.

Verbreitung und Häufigkeit von Walfossilien und Walkadavern in der Diamantina-Bruchzone.

Hinzu kommt die überraschende Erkenntnis, dass die Walfossilien in Tiefen zwischen 4.616 und 7.001 Metern liegen. Der Walfriedhof, der sich in der Diamantina-Bruchzone im südöstlichen Indischen Ozean befindet, knackt damit alle bisherigen Rekorde.
Insgesamt liegen dort bis zu 759,5 Wale auf einem Quadratkilometer Meeresgrund „begraben“. Eine Hochrechnung dieser Daten legt nahe, dass die Fundstelle möglicherweise mehr als 10 Millionen Walkadaver umfasst.

Frage nach dem „Wer“ und „Warum“

Zu den identifizierten Fossilien gehören sowohl heute noch existierende Schnabelwalarten wie der Andrew-Schnabelwal (Mesoplodon bowdoini) oder der Layard-Wal (Mesoplodon layardii) als auch ausgestorbene Taxa, darunter eine neu beschriebene Art (Pterocetus diamantinae).
Die hohe Konzentration der Walüberreste wird auf mehrere Faktoren zurückgeführt. So dient die Zone zum einen als Nahrungshabitat für Schnabelwale, von denen einige bei Tieftauchgängen mitunter sterben.
Zum anderen begünstigt die V-förmige Topografie der Zone das Abgleiten der Kadaver auf den Grund des Grabens, während das wenige neu dazukommende Sediment dafür sorgt, dass die Walknochen über lange Zeiträume erhalten bleiben.
Ein Walfriedhof wird zu einem Lebensraum für zahlreiche Lebewesen der Tiefsee

Die verendeten Wale bieten zahlreichen Lebewesen der Tiefsee einen Lebensraum.

Warum sind Walfälle so wichtig?

Einerseits helfen Walfriedhöfe Wissenschaftlern dabei, die Entstehung und Ausbreitung der Meeressäuger und der Ökosysteme, in denen sie leben, zu verstehen. Andererseits spielen Walfälle auch eine wichtige Rolle bei der langfristigen Bindung von Kohlenstoff.
So stellten die Forscher beispielsweise fest, dass mikrobielle Matten die Skelettreste bedecken und damit einen Lebensraum für viele Tierarten bieten. Zu den dort lebenden Arten zählen unter anderem Schlangensterne, Bartwürmer der Gattung Osedax und Muscheln.
Außerdem dienen die Walfälle als große, bisher kaum gemessene Kohlenstoffsenken. Bei einer durchschnittlichen Masse von 2 Tonnen pro Wal berechneten die Forscher, dass die über 10 Millionen Walkadaver im Laufe der Zeit etwa 6,7 Millionen Tonnen Kohlenstoff gebunden haben.
Die Studie erschien am 10. Juni 2026 im Fachmagazin „Nature“.

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