Categories
kultur

Mozarts musikalischer Abschied und die „grau gekleidete“ Gestalt

Die Violinen spielen eine leidvolle Melodie. Der Chor setzt ein und besingt das lateinische „Lacrimosa dies illa“, eine Anspielung auf die katholische Totenmesse. Der Tag des Jüngsten Gerichts ist gekommen, an dem Gott alle Seelen richten wird. Niemand kann seinem Schicksal entrinnen. So beginnen die berühmten Anfangsnoten des „Lacrimosa“ aus Wolfgang Amadeus Mozarts „Requiem in d-Moll“.
Als einer der ausdrucksstärksten Sätze in der klassischen Musik ist dieses dreiminütige Werk kurz und dennoch kraftvoll. Wie sich herausstellen sollte, wurde das feierlich-ernste Requiem zum letzten Vermächtnis eines der einflussreichsten Komponisten der Epoche der Wiener Klassik. Es umgab seinen Tod mit einer Aura des Geheimnisvollen.
Die nachfolgende Aufnahme ist eine Aufführung von Wolfgang Amadeus Mozarts „Requiem in d-Moll: Sequentia: Lacrimosa“ (KV 626), eingespielt von den Berliner Philharmonikern und dem Schwedischen Rundfunkchor unter der Leitung von Claudio Abbado.

An dieser Stelle wird ein Video von Youtube angezeigt. Bitte akzeptieren Sie mit einem Klick auf den folgenden Button die Marketing-Cookies, um das Video anzusehen.

Der Ursprung des Requiems

Das Requiem verdankt seine Entstehung einem österreichisch-deutschen Adligen. Vom Tod seiner Frau getroffen, gab Reichsgraf Franz von Walsegg eine Totenmesse zu ihrem Gedenken in Auftrag. Regelmäßig ließ er Werke in seinem Namen schreiben, und zwar mit einer Besonderheit: Er kontaktierte die Komponisten anonym und gab deren Werke bei privaten Zusammenkünften als seine eigenen aus. Er fand Gefallen an dieser Art der Täuschung.
Auch der Auftrag zu dem Requiem verlief auf diese Weise. Von Walsegg schickte einen diskreten Vermittler zu Mozart, um diesen zu verpflichten. Die schattenhafte „grau gekleidete“ Gestalt – so wird es in Biografien und Nacherzählungen beschrieben – soll bei ihrer Ankunft den Komponisten beunruhigt haben. Zu jener Zeit stand Wolfgang Amadeus Mozart unter finanziellem Druck und litt unter Krankheit. Sein Leben näherte sich dem Ende.
Nach der Fertigstellung und dem großen Erfolg von „Die Zauberflöte“ (1791) wurde der Komponist bettlägerig. Fieber und Schwellungen plagten ihn. Und dennoch befand er sich gerade jetzt auf seinem schöpferischen Höhepunkt. Zugleich erlebte er seinen körperlichen Verfall.
Ein Ausschnitt aus dem Manuskript von W. A. Mozarts „Requiem“ KV 626 von 1791. Angeblich wurde es für seine eigene Beerdigung komponiert. Foto: Österreichische Nationalbibliothek, gemeinfrei

Ein Ausschnitt aus dem Manuskript von W. A. Mozarts „Requiem“ KV 626 aus dem Jahr 1791. Angeblich wurde es für seine eigene Beerdigung komponiert.

Foto: Österreichische Nationalbibliothek, gemeinfrei

Unter genau diesen Umständen begann Mozart im Jahr 1791, dem Jahr seines Todes, mit der Komposition seines „Requiem in d-Moll“ zu komponieren. Nach der Fertigstellung des „Introitus“ und des „Kyrie“ skizzierte er einen Großteil der zentralen Abschnitte, bevor er mit dem berühmten „Lacrimosa“ begann.

Ein schauriger Hintergrund

Der Legende nach wurde Mozart durch den Auftrag zunehmend beunruhigt und von Todesgedanken geplagt. Die Ankunft des mysteriösen Boten, der ihn anwies, eine Messe für die Toten zu komponieren, trug zu seiner späteren Überzeugung bei, er komponiere ein Requiem für sein eigenes Begräbnis.
Das „Lacrimosa“ ist zu einem Symbol für Mozarts Ringen mit der Sterblichkeit geworden. Er komponierte vor seinem Tod nur die ersten acht Takte. Den Rest vollendeten die Komponisten Joseph Eybler und Franz Xaver Süßmayr. Die Anfangstakte wurden seither als Mozarts Schwanengesang mythologisiert – sein letzter musikalischer Abschied.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Tune in Today: Mozart’s Musical Farewell“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)

Leave a Reply

Your email address will not be published.