Wie Bargeld, aber nicht zum Anfassen: Die Europäische Zentralbank (EZB) will den digitalen Euro einführen, den Verbraucher zum Bezahlen auf ihrem Handy speichern können. Dafür braucht es zunächst einen EU-weiten Rechtsrahmen. Der Wirtschaftsausschuss des EU-Parlaments hat am 23. Juni mit 43 zu 14 Stimmen den Weg dafür geebnet.
In einer zweiteiligen Serie erklärt Epoch Times, wie der digitale Euro funktionieren soll, welche problematischen Punkte es gibt und warum die Kritiker des Projekts einen Teilerfolg errungen haben.
Was ist der digitale Euro?
Die EU beschreibt den digitalen Euro gern als digitales Bargeld. Das Geld liegt also nicht auf einem Bankkonto oder in einem Aktiendepot, sondern in einem sogenannten digitalen Geldbeutel. Dieser Geldbeutel ist in der Praxis eine App auf dem Smartphone, in der die digitalen Euros gespeichert sind. Sie sollen wie Scheine und Münzen sofort verfügbar sein – sogar ohne Internetverbindung.
Sollen Scheine und Münzen abgeschafft werden?
Nein, die EZB will Bargeld und digitale Euros ausgeben. Verbraucher können beides parallel nutzen. Die Bereitstellung von Bargeld soll sogar gesetzlich garantiert werden. Fernando Navarrete Rojas, Mitglied des Wirtschaftsausschusses des EU-Parlaments, erklärte laut dem Portal „btc-echo.de“:
„Mit dem Währungspaket schützen wir die Freiheit der Bürgerinnen und Bürger, ihr Zahlungsmittel selbst zu wählen. Wir stärken den Zugang zu und die Akzeptanz von Bargeld und stellen gleichzeitig Zentralbankgeld in digitaler Form zur Verfügung. Der digitale Euro wird Bargeld ergänzen, niemals ersetzen.“
Wie bekomme ich digitale Euros?
Wer eine Banking-App nutzt, kann Geld dort vom Konto in den digitalen Geldbeutel (Wallet) verschieben. Für die Bank funktioniert das ähnlich, als hätte der Kontoinhaber das Geld an einem Automaten abgehoben. Verbraucher können sich außerdem digitale Euros untereinander schicken – auch ohne Bankkonto.
Allerdings möchte die EZB eine Obergrenze für den digitalen Geldbeutel einführen. Sie will damit vermeiden, dass digitale Euros gehortet werden. Anders ausgedrückt handelt es sich dabei um eine Deckelung von Privatbesitz. Das Portal „heise.de“ berichtet, dass die Höchstgrenze von der EU-Kommission festgelegt und alle zwei Jahre überprüft werden soll. Als Basis diene eine Empfehlung der EZB. Das EU-Parlament wünscht sich dabei ein Mitspracherecht.
Unternehmen sollen Zahlungen in digitalen Euros sogar nur 24 Stunden lang halten dürfen, bevor das Geld weitergeschoben werden muss.
Wo kann ich damit bezahlen?
In fast allen Geschäften und im Internet. Händler sollen zur Annahme verpflichtet werden – mit Ausnahme von Kleinstbetrieben und Selbstständigen. Das heißt: Alle Händler, die heute Kartenzahlungen akzeptieren, sollen künftig auch digitale Euros annehmen.
Auch bei Onlinebestellungen soll die Bezahlung mit D€ (so die Abkürzung für den digitalen Euro) standardmäßig als Zahlungsmittel möglich sein.
Bezahlen wir nicht schon jetzt häufig digital?
Ja, aber normalerweise ist ein Drittanbieter im Spiel. Bei Kredit- und Debitkarten sind das häufig die US-Anbieter Visa und Mastercard, bei Onlinezahlungen Dienstleister wie PayPal oder Klarna. Diese erheben oft Gebühren und sammeln Daten über ihre Nutzer.
Digitale Euros würden – wie Bargeld – direkt von der EZB ausgegeben. Die EU will damit unabhängiger von US-Dienstleistern werden. Für private Nutzer sollen nach dem aktuellen Entwurf keine Gebühren anfallen.
Was passiert beim digitalen Euro mit meinen Daten?
Die EZB verspricht, dass beim Offlinebezahlen keine Daten gespeichert werden. Ein kryptografisches Verfahren namens Zero-Knowledge-Proofs soll die Daten anonymisieren.
Anders als private Finanzdienstleister darf die EZB die Daten nicht für geschäftliche Zwecke nutzen.
Banken und Ermittlungsbehörden dürften – wie schon heute – eingreifen, wenn der Verdacht auf Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung besteht. Das Europäische Parlament und der Rat der 27 EU-Staaten müssen die Datenschutzregeln jedoch noch im Detail aushandeln.
Ist der digitale Euro eine Kryptowährung?
Nein, ein digitaler Euro wäre von der EZB abgesichert und damit immer genau 1 Euro wert – anders als Kryptowährungen, die nicht zentral verwaltet werden und deren Kurs oft schwankt. Natürlich kann auch ein digitaler Euro durch Inflation an Kaufkraft verlieren – wie der heutige Euro.
Digitale Euros sollen auch ohne Internetverbindung auf einem digitalen Endgerät (Smartphone) verfügbar sein. Das bedeutet allerdings auch: Wer sein Gerät mit der digitalen Brieftasche verliert, verliert auch sein Guthaben unwiderruflich – ähnlich wie bei einer verlorenen Brieftasche im realen Leben.
Wann will die EZB den digitalen Euro einführen?
Das kommt darauf an, wie schnell die Verhandlungen vorankommen. Die EZB bereitet sich eigenen Angaben zufolge darauf vor, ab 2029 die ersten digitalen Euros ausgeben zu können.
In der nächsten Ausgabe der Epoch Times folgt eine Analyse des digitalen Euros mit Stellungnahmen von Befürwortern und Kritikern.
(afp/red)