Milchprodukte gelten als häufiger Auslöser von Autoimmun- und chronische Erkrankungen. Deshalb verzichten manche Menschen auf Milchprodukte, um ihre Gesundheit zu verbessern.
Ich selbst habe etwa fünf Jahre lang keine Milchprodukte konsumiert, während ich meine rheumatoide Arthritis behandelte. Aus meiner Sicht war dieser Verzicht ein wichtiger Teil meines Heilungswegs.
Wer jedoch nicht vollständig auf Käse oder andere Milchprodukte verzichten möchte, sollte wissen: Nicht jedes Milcheiweiß ist gleich.
Milch enthält das Protein Kasein, das mit Autoimmunerkrankungen wie Multipler Sklerose in Verbindung gebracht wird. Dabei unterscheidet man vor allem zwischen zwei Formen: A1- und A2-Kasein.
Diese beiden Kaseinarten wirken unterschiedlich auf den Körper. Während A1-Kasein im Verdacht steht, gesundheitliche Probleme zu fördern, wird A2-Kasein eher mit möglichen gesundheitlichen Vorteilen verbunden. Welche Form enthalten ist, hängt davon ab, ob die Milch von A1- oder A2-Milch stammt.
Was ist A1-Milch?
Die meisten Milchkühe in den Vereinigten Staaten sowie in Europa produzieren genetisch bedingt eine Milchsorte namens A1-Milch. Es handelt sich in der Regel um Holstein-Kühe, die ursprünglich aus Nordeuropa stammen und vor allem wegen ihrer hohen Milchleistung in vielen Ländern für Züchtungen zum Einsatz kamen.
A1-Milch enthält im Allgemeinen sowohl A1- als auch A2-Kasein. Obwohl der chemische Unterschied gering ist, wird A1-Kasein im Gegensatz zu der ursprünglich verbreiteten A2-Variante eng mit der Entstehung von Autoimmun- und chronischen Erkrankungen in Verbindung gebracht. So kam beispielsweise eine 2017 in „Nutrition & Diabetes“ veröffentlichte Studie zu dem Schluss, dass A1-Milch „ein primärer ursächlicher Auslöser für Typ-1-Diabetes ist“.
Den Forschern zufolge könnte der Verzicht auf A1-Milch in der Ernährung „die Häufigkeit von Typ-1-Diabetes erheblich beeinflussen“.
Ebenso wurde berichtet, dass der Konsum von A1-Kasein die Sterblichkeit aufgrund von Herzerkrankungen erhöht, wie aus einer Studie hervorgeht, die 2001 in „Medical Hypotheses“ veröffentlicht wurde.
A1-Kasein kann auch problematisch sein, wenn man an einer Glutenunverträglichkeit oder Zöliakie leidet, da A1-Kasein strukturell einem bestimmten Protein ähnelt, das auch im Glutenkomplex vorkommt.
Durch einen Prozess namens molekulare Mimikry wird der Körper verwirrt und kann den Unterschied zwischen A1-Kasein und Gluten nicht klar erkennen.
In diesem Fall identifiziert der Körper A1-Kasein als fremden Eindringling, so wie er es bei Gluten tun würde, was eine entzündliche Immunreaktion im Körper auslösen kann.
Was ist A2-Milch?
A2-Milch stammt meist von älteren Rinderrassen wie Jersey-Kühen. Doch der Begriff „A2-Milch“ kann irreführend sein: Nicht jede A2-Milch enthält ausschließlich A2-Kasein. Manche Produkte enthalten trotzdem noch eine Mischung aus A1- und A2-Kasein.
Wer sicher sein möchte, nur A2-Kasein zu konsumieren, sollte auf Bezeichnungen wie „100 % A2“ oder „A2/A2“ achten. Das bedeutet, dass die Milch von Kühen stammt, die genetisch bedingt ausschließlich A2-Kasein produzieren.
A2-Kasein bietet im Vergleich zu A1-Kasein mehrere Vorteile
Im Gegensatz zu A1-Kasein ähnelt A2-Kasein Gluten strukturell weniger, was die Wahrscheinlichkeit für eine Immunreakation durch molekulare Mimikry wesentlich geringer macht.
Zudem enthält A2-Milch nicht die gleichen morphinähnlichen Verbindungen, die in A1-Milch vorkommen. A1-Kasein enthält ein Unterprotein namens Casomorphin, das freigesetzt wird, wenn A1-Kasein vom Körper verdaut wird.
Wie der Name schon sagt, sieht Casomorphin aus wie Morphin und wirkt auch so, indem es Schmerzen unterdrückt. Daher kann es beim Verzehr von A1-Milchprodukten ein „Wohlgefühl“ auslösen, das leichter süchtig macht – selbst wenn die Milch zu Entzündungen im Körper führt.
Wenn A1-Kasein Entzündungen auslöst, die zu Schmerzen führen, diese Schmerzen jedoch durch Casomorphin überdeckt werden, weiß man möglicherweise nicht, dass Milchprodukte die Ursache sind.
Mein Mann ist ein perfektes Beispiel für dieses Phänomen. Er trank regelmäßig jeden Abend ein Glas A1-Milch, ohne dass sofort oder erkennbar Symptome einer Allergie oder Unverträglichkeit auftraten.
Mit der Zeit entwickelte er Lupus, und ich schlug ihm vor, Milchprodukte aus seiner Ernährung zu streichen.
Er lehnte diese Idee vehement ab, da er keine offensichtlichen Symptome hatte und sich nach dem abendlichen Glas Milch „gut“ fühlte. Schließlich gab er widerwillig Milchprodukte sowie andere Lebensmittel auf, die Entzündungen auslösten, und der Lupus bildete sich zurück.
Hätte mein Mann, anstatt auf alle Milchprodukte zu verzichten, einfach von A1- auf A2-Milch umsteigen und trotzdem genesen können? Möglicherweise.
Auswirkungen auf den Körper
Eine Studie, die 2021 im „International Journal of Environmental Research and Public Health“ veröffentlicht wurde, berichtete, dass A2-Kasein bei der Verdauung andere Casomorphin-Verbindungen mit anderen Funktionen bildet als die Verbindungen, die bei der Verdauung von A1-Kasein entstehen.
Beispielsweise entstehen bei der Verdauung von A1-Kasein Verbindungen, die zu Krankheiten und Alterungsprozessen beitragen können, während bei der Verdauung von A2-Kasein nützliche Verbindungen entstehen, die blutdrucksenkende und antioxidative Eigenschaften besitzen.
Laut einer weiteren Studie, die 2016 im „Nutrition Journal“ veröffentlicht wurde, wurde beim Verzehr von Milch, die A1-Kasein enthält, eine bestimmte Art von Casomorphin (Beta-Casomorphin-7) gebildet, das den Glutathion-Spiegel im menschlichen Magen-Darm-Trakt und in den Nervenzellen senkte.
Im Gegensatz dazu stieg die Produktion des Antioxidans Glutathion an, wenn die Probanden Milch konsumierten, die ausschließlich A2-Kasein enthielt.
Glutathion ist ein starkes Antioxidans, das eine wichtige Rolle bei zahlreichen Prozessen im Körper spielt, wie zum Beispiel der Genexpression, der Immunantwort und der Abwehr von oxidativem Stress.
Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass „Milch, die ausschließlich A2-Beta-Kasein und kein A1-Beta-Kasein enthält, das Potenzial hat, die Produktion des Antioxidans Glutathion beim Menschen zu fördern.“
Ein weiterer Vorteil von A2-Milchprodukten ist die geringere Häufigkeit von berichteten Magen-Darm-Beschwerden im Vergleich zum Verzehr von A1-Milchprodukten.
Laut einer in „Advances in Nutrition“ veröffentlichten Studie ist der Verzehr von A1-Milchprodukten beispielsweise mit einer verzögerten Durchlaufzeit durch den Magen-Darm-Trakt, weicherem Stuhl und Verdauungsbeschwerden verbunden, die mit Entzündungsmarkern korrelieren, was bei A2-Milchprodukten nicht beobachtet wurde.

Beim Konsum von A1-Milch stiegen bei Vorschulkindern sowohl der Beta-Casomorphin-7-Spiegel als auch Entzündungsmarker im Magen-Darm-Trakt an.
Foto: Organic Media/iStock
Interessanterweise führte der Wechsel von A1- zu A2-Milch bei Vorschulkindern mit einer Milchunverträglichkeit zu einer Verringerung der Magen-Darm-Symptome, was laut einer im „Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition“ veröffentlichten Studie mit „signifikanten Verbesserungen“ der kognitiven Fähigkeiten einherging.
Wenn Vorschulkinder A1-Milch konsumierten, stieg ihr Beta-Casomorphin-7-Spiegel zusammen mit einem Anstieg der Entzündungsmarker im Magen-Darm-Trakt an.
Im Gegensatz dazu stieg bei Verzehr von A2-Milch der Glutathion-Spiegel deutlich an, und es wurden Verbesserungen der Magen-Darm-Funktion gemessen, wie beispielsweise höhere Konzentrationen kurzkettiger Fettsäuren im Stuhl.
Diese Ergebnisse deuten laut den Forschern auf eine verbesserte Darmgesundheit hin, da kurzkettige Fettsäuren „Fermentationsprodukte der Darmmikrobiota sind, denen entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben werden und die die Funktion der Darmzellen verstärken können.“
Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass A1-Milch „einen Entzündungszustand hervorruft, der die mit Laktoseintoleranz verbundenen Symptome verschlimmert“.
Diese Verschlimmerung kann durch die Entfernung von A1-Beta-Kasein (durch Ersatz durch A2-Beta-Kasein) verringert werden, was zu einer anschließenden Verbesserung der Magen-Darm-Symptome und bestimmter Aspekte der kognitiven Funktion führt.
Das Fazit
A1- und A2-Milch sind nicht gleich. A2-Milch unterscheidet sich chemisch von A1-Milch und hat folglich andere biologische Auswirkungen auf den Körper.
Wenn Kasein der einzige problematische Bestandteil von Milchprodukten ist, könnten A2-Milchprodukte daher eine sinnvolle Option sein, falls man nicht zu 100 Prozent auf Milchprodukte verzichten möchte. Wenn man jedoch in der Vergangenheit umfassende Probleme mit Milchprodukten hatte, sollte man mit einem Arzt sprechen, bevor Milchprodukte wieder in die Ernährung aufgenommen werden.
Aktuell findet man A2-Milch durch zunehmenden Bekanntheitsgrad immer leichter in Lebensmittelgeschäften und bei lokalen Bauernhöfen. A2-Milch kann von Ziegen und Schafen sowie von Kühen mit dem A2/A2-Genotyp, wie beispielsweise Jersey-Kühen, gewonnen werden.
Meine persönlichen Richtlinien für Milchprodukte
Auch wenn ich gesund und frei von Krankheiten bin, konsumiere ich dennoch selten Milchprodukte. Wenn ich es jedoch tue, halte ich mich an folgende Richtlinien:
- Die Kuh muss zu 100 Prozent A2 oder A2/A2 sein, was bedeutet, dass sie nur Milch produziert, die A2-Kasein enthält; sie produziert kein A1-Kasein.
- Das Tier muss zu 100 Prozent grasgefüttert sein, nicht mit Getreide gefüttert oder mit Getreide gemästet. Eine 1987 veröffentlichte Studie kam zu dem Schluss, dass bei Menschen Glutenproteine aus der Ernährung der Mutter in die Muttermilch übergehen. Obwohl dieses Phänomen bei Kühen noch nicht untersucht wurde, könnte es möglich sein, dass Gluten auch in die Milch von Kühen übergeht. Wenn dies geschieht, könnte es eine Immunreaktion im Körper auslösen. Da ich glutenempfindlich bin, konsumiere ich daher nur Milch von zu 100 Prozent grasgefütterten Kühen.
- Das Tier muss nach biologischen oder regenerativen Methoden aufgezogen werden, was bedeutet, dass es keine gentechnisch veränderten Organismen oder Weidegras erhalten darf, das mit Pestiziden oder Herbiziden besprüht wurde. Zudem dürfen keine Hormone verabreicht werden, und die meisten Antibiotika müssen vermieden werden.
- Ich konsumiere ausschließlich rohe, unpasteurisierte Milchprodukte von lokalen Bauern, denen ich vertraue. Meine Familie isst keine pasteurisierten Milchprodukte mehr, da die „guten“ Mikroben (auch als Probiotika bekannt) und andere nützliche Verbindungen wie Cofaktoren und Verdauungsenzyme, die dem Körper helfen, die Milch zu verdauen und Nährstoffe aufzunehmen, bei der Pasteurisierung weitgehend zerstört werden.
- Man muss jedoch sicherstellen, dass der Betrieb vertrauenswürdig ist. Es empfiehlt sich, den Betrieb zu besuchen, Fragen zu stellen und den Melk- und Lagerungsprozess selbst zu beobachten.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Critical Differences Between A1 and A2 Milk“. (deutsche Bearbeitung: vm)



