Categories
deutschland

Deutsche Bahn: Störung im Funk behoben – bundesweiter Zugverkehr läuft wieder

Eine Störung im digitalen Funknetz hat in der Nacht zum Mittwoch den Bahnverkehr in ganz Deutschland vorübergehend zum Erliegen gebracht. „Kein Bahnbetrieb bundesweit“, teilte die Deutsche Bahn am Dienstagabend mit.
Techniker des Unternehmens gelang es dann nach Angaben von Konzernchefin Evelyn Palla mit einem „Notfallsystem“, das Problem vorerst zu beheben. Am frühen Mittwochmorgen fuhren die Züge so nach und nach wieder los.

Bahnfunk GSMR gestört

„Aufgrund bundesweiter Störung des digitalen Bahnfunks GSMR werden alle Züge an Bahnhöfen zurückgehalten“, teilte die Deutsche Bahn in ihrer ersten Störungsmeldung am Dienstagabend mit. Wenig später kündigte sie an, Taxi- und Hotelgutscheine an die Reisenden ausgeben. „Dort, wo es möglich ist, werden Aufenthaltszüge zur Verfügung gestellt.“
Unter anderem wurde laut dem Bericht einer AFP-Reporterin ein ICE auf der Strecke zwischen Frankfurt am Main und Berlin für rund drei Stunden im Bahnhof Würzburg zum Stehen gebracht. Es wurden Wasser und Kekse für die Passagiere verteilt – und Formulare für Rückerstattungsanträge.
Ein Zugbegleiter in dem ICE sagte, eine Störung in diesem Ausmaß habe er in seiner 20-jährigen Laufbahn bei der Bahn nicht erlebt. „Dass es mal passiert“, das komme vor – „aber nicht deutschlandweit“.

Auch S-Bahn in Berlin und Stuttgart sowie Privatbahnen betroffen

Betroffen waren in einigen Städten auch S-Bahnen, die von der Deutschen Bahn betrieben werden, ebenso Privatbahnen und auch der Güterverkehr, der vor allem abends und nachts unterwegs ist.
In Berlin war der Verkehr im gesamten S-Bahn-Netz eingestellt. Grund sei eine netzweite Störung im Kommunikationssystem, teilte die Berliner S-Bahn auf ihrer Webseite mit. Betroffen seien alle Linien.
In Stuttgart hieß es: „Derzeit werden alle S-Bahnen im gesamten S-Bahn-Netz an den Bahnsteigen zum Halten gebracht. Prüft in der Reiseauskunft eure Verbindung auf alternative Verkehrsmittel. Wir geben euch Bescheid, sobald wir neue Informationen haben und einschätzen können, wie lange die Störung dauert.“
In Hamburg hingegen war der Verkehr der Hochbahn nicht betroffen. Alle U-Bahn-Linien fahren, wie ein Sprecher der Hochbahn der dpa sagte.
Auch das in Niedersachsen, Hamburg und Bremen tätige private Bahnunternehmen Metronom riet seinen Kunden, sich nach alternativen Fahrgelegenheiten umzusehen. „Alle Züge stehen still und wir rechnen damit, dass heute Nacht nichts mehr fährt“, sagte Metronom-Sprecher Simon Märtens am Dienstagabend der Nachrichtenagentur AFP.

Notfallsystem angelaufen

Am Mittwochmorgen kam die Entwarnung: „Unsere IT-Experten haben pausenlos an der Entstörung gearbeitet – mit Erfolg“, erklärte die Deutsche Bahn. „Der Verkehr läuft nun Schritt für Schritt wieder an.“ Bahn-Chefin Palla sagte der „Bild“-Zeitung: „Wir konnten mit einem Notfallsystem die Lage stabilisieren.“ Die Ursache für das Problem „müssen wir jetzt klären“.
Metronom warnte, dass bundesweit weiterhin mit Einschränkungen zu rechnen sei. Der Zugverkehr werde „schrittweise“ wieder aufgenommen. „Es kommt weiterhin zu Verspätungen und Ausfällen.“

Lokführer konnten nicht mit Fahrdienstleitern sprechen

Bei dem von der Störung betroffenen digitalen Bahnfunk GSMR handelt es sich laut Metronom um ein zentrales Kommunikationsmittel zwischen den Lokführern im Zug und den Fahrdienstleitern auf den Stellwerken des Netzbetreibers DB InfraGO AG.
Ein Ausfall dieses Systems stelle „ein immenses Sicherheitsproblem“ für den Zugbetrieb dar. Die „Bild“-Zeitung berichete unter Verweis auf Sicherheitskreise, dass ein Software-Update der Auslöser für die Funkstörung gewesen sein könnte.
GSM-R steht für „Global System for Mobile Communications – Railway“. „Das GSM-R Mobilfunknetz ersetzt nahezu alle analogen Funksysteme der Deutschen Bahn AG“, heißt es auf der Webseite der DB InfraGo, der Betreiberin der Infrastruktur der Deutschen Bahn.
Demnach bietet es Vorteile wie etwa hohe Sicherheit in der betrieblichen Kommunikation, die Möglichkeit spezieller Gruppenanrufe und die Option zur gezielten Kontaktaufnahme mit den Fahrdienstleistern.

Tagung des Aufsichtsrats

Die Funkstörung mit ihren drastischen Auswirkungen auf den Zugverkehr ereignete sich nur kurz vor einer Tagung des Aufsichtsrates der Deutschen Bahn. Bei der heute und morgen stattfindenden Sitzung will Palla ihre Strategie für die kommenden Jahre vorstellen. Sie steht seit vergangenem Herbst an der Spitze des Konzerns und hat weitreichende Umstrukturierungen angekündigt. Insbesondere soll die Konzernzentrale deutlich verschlankt werden.
Zudem steht die Bestimmung eines neuen Vorstandsmitglieds aus, nachdem Finanzvorständin Karin Dohm im März ausgeschieden war. Dohm hatte ihren Posten erst im Dezember 2025 angetreten, knapp drei Monate später forderte der Aufsichtsrat ihre Abberufung. (afp/dpa/red)

Leave a Reply

Your email address will not be published.