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Darmspiegelung: Auf welches Risiko der Untersuchung Sie achten sollten

Gegen Darmkrebs – die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache in Deutschland – ist die Koloskopie (Darmspiegelung) die gängigste Vorsorgemethode. Obwohl problematische Polypen direkt während des Eingriffs entfernt werden können, diskutieren Fachleute über das Risiko von Überdiagnosen und schweren Nebenwirkungen.

Was bewirkt eine Koloskopie?

Der Dickdarm ist der Hauptteil des gesamten Darms und bei Erwachsenen etwa 1,5 Meter lang. Der Mastdarm speichert den Stuhl, bis dieser durch den Anus ausgeschieden wird.
Gemeinsam bilden sie den Großteil des Darms; dabei nehmen sie Nährstoffe auf und wandeln flüssige Abfallstoffe in festen Stuhl um.
Bei einer Koloskopie (Darmspiegelung) führt ein Gastroenterologe einen dünnen, flexiblen Schlauch mit einer beleuchteten Kamera (Koloskop) durch den Anus in den Darm ein, um die Schleimhaut des End- und Dickdarms zu untersuchen.
Der Schlauch führt Luft beziehungsweise Gas (Kohlendioxid) zu, um den Dickdarm sanft aufzudehnen, sodass der Arzt besser sehen kann. Werden Polypen oder andere Auffälligkeiten festgestellt, können diese oft sofort mit Instrumenten wie Zangen, Schlingen oder Elektrokauterisationsgeräten, die durch das Koloskop geführt werden, entfernt werden.
Der Eingriff dauert etwa 20 bis 45 Minuten.
Die meisten Koloskopien werden unter Sedierung oder Narkose durchgeführt, sodass Patienten den gesamten Eingriff möglicherweise verschlafen. Wer sich für eine leichtere Sedierung – oder gar keine – entscheidet, verspürt möglicherweise leichte Beschwerden.
Der Hauptzweck der Koloskopie ist die Vorbeugung oder Erkennung von Darmkrebs.
Über die Krebsvorsorge hinaus kann die Koloskopie sowohl zur Erkennung als auch zur Behandlung einer Reihe von Problemen im Dickdarm und Enddarm eingesetzt werden, darunter Polypen, Geschwüre und Divertikel (kleine Ausstülpungen, die sich in der Dickdarmwand bilden können).
Sie kann auch dabei helfen, die zugrunde liegenden Ursachen von Symptomen wie chronischem Durchfall, rektalen Blutungen und Veränderungen der Stuhlgewohnheiten zu ermitteln.
Während des Eingriffs können Ärzte entzündetes Gewebe, Blutungsquellen und andere Anomalien im Dickdarm identifizieren.

Wer sollte sich einer Koloskopie unterziehen und wann?

Gemäß den aktuellen Leitlinien wird die Koloskopie für die meisten Erwachsenen ab dem 50. Lebensjahr empfohlen und bei normalen Befunden alle zehn Jahre wiederholt. Je nach auffälligen Befunden können häufigere Vorsorgeuntersuchungen empfohlen werden.
Personen mit erhöhtem Risiko wird empfohlen, früher mit der Vorsorge zu beginnen, das heißt im Alter von 40 Jahren oder zehn Jahre vor dem Alter, in dem bei einem Verwandten ersten Grades Darmkrebs diagnostiziert wurde – je nachdem, was zuerst eintritt.
Bei älteren Erwachsenen birgt die Koloskopie ein höheres Komplikationsrisiko. Ab einem Alter von 75 Jahren sollte die Entscheidung über die Fortsetzung der Vorsorgeuntersuchungen in Absprache mit einem Arzt getroffen werden, wobei der potenzielle Nutzen, die Risiken und die Wünsche des Patienten zu berücksichtigen sind.
Darüber hinaus deuten neue Erkenntnisse darauf hin, dass die Abstände zwischen den Nachuntersuchungen nach einer unauffälligen Koloskopie bei manchen Menschen verlängert werden können.
Eine Studie aus dem Jahr 2024 ergab, dass Menschen ohne Darmkrebs in der Familienanamnese und mit einer zunächst unauffälligen Koloskopie möglicherweise bis zu 15 Jahre warten können, bevor sie sich erneut untersuchen lassen.
Einige Experten schlagen vor, Nutzen und Risiken abzuwägen. Für eine Person mit Darmkrebs in der Familienanamnese kann es vorteilhaft sein, die Situation genau zu beobachten, während dies bei jemandem mit geringem Risiko anders aussehen kann.
Diese Unterschiede unterstreichen die anhaltende Unsicherheit und die Notwendigkeit einer individuellen klinischen Beurteilung, da sich die Evidenz ständig weiterentwickelt.
Darüber hinaus kann eine Koloskopie entweder vermieden werden oder sie erfordert eine sorgfältige Abwägung bei Personen, die:
  • eine unzureichende Darmvorbereitung aufweisen,
  • eine Darmperforation, eine schwere Entzündung oder eine Infektion haben,
  • einen instabilen Gesundheitszustand oder schwerwiegende Erkrankungen (fortgeschrittene Herz-, Lungen-, Nieren- oder Lebererkrankungen) aufweisen,
  • eine Lebenserwartung von weniger als zehn Jahren haben oder bei denen die Risiken die potenziellen Vorteile überwiegen,
  • Blutgerinnungsstörungen haben.

Wie wirksam ist die Koloskopie?

„Die Koloskopie hat eine Sensitivität von 88 bis 98 Prozent bei der Erkennung fortgeschrittener, präkanzeröser Polypen“, erklärte Dr. Steven Lee-Kong, Leiter der Abteilung für kolorektale Chirurgie am Hackensack University Medical Center, gegenüber Epoch Times.
Die Fehlerquote kann durch Faktoren wie eine unzureichende Darmvorbereitung, die Art der untersuchten Polypen und die Geschicklichkeit des Endoskopikers beeinflusst werden, merkte Dr. Rucha Shah, eine Gastroenterologin, an.
Kleine oder flache Polypen sind schwerer zu erkennen, und in einigen Fällen lässt sich der gesamte Dickdarm möglicherweise nicht vollständig darstellen.
Die Koloskopie ermöglicht es Ärzten jedoch, präkanzeröse Polypen während desselben Eingriffs zu entfernen, was andere Vorsorgeuntersuchungen nicht leisten können.
Es ist eindeutig belegt, dass die Entfernung dieser Polypen das Risiko, an Darmkrebs zu sterben, deutlich senkt. Eine Studie berichtet von einer 53-prozentigen Verringerung der Sterblichkeit im Zusammenhang mit der Polypenentfernung.
Jüngste Studien haben jedoch neue Erkenntnisse erbracht.
So wird die Koloskopie in den Vereinigten Staaten viel häufiger zur Vorsorge eingesetzt als in Kanada, wo nur etwa 15 Prozent der Eingriffe zu Vorsorgezwecken durchgeführt werden und die meisten einen diagnostischen Charakter haben. Doch die Überlebensraten bei Darmkrebs sind in beiden Ländern ähnlich.
Eine große Studie der Nordic-European Initiative on Colorectal Cancer aus dem Jahr 2022 ergab eine moderate Senkung der Darmkrebssterblichkeit durch koloskopische Vorsorgeuntersuchungen, keinen signifikanten Unterschied bei den Gesamtsterberaten und eine geringe Rate schwerwiegender Komplikationen.

Was sind die Risiken und Komplikationen einer Koloskopie?

Die Koloskopie ist im Allgemeinen sicher, birgt jedoch wie alle medizinischen Eingriffe laut Studien einige potenzielle Risiken und Komplikationen. Die meisten sind geringfügig und klingen schnell ab.
  • Blähungen, Völlegefühl, Krämpfe oder Magenbeschwerden: Diese Symptome werden hauptsächlich durch die während der Untersuchung eingeführte Luft beziehungsweise das heute übliche Kohlendioxid und durch vorübergehende Veränderungen der Darmflora aufgrund der Darmvorbereitung verursacht. In der Regel klingen sie innerhalb von ein bis zwei Tagen ab, bei manchen Menschen können die Symptome jedoch einige Wochen anhalten.
  • Übelkeit, Erbrechen, Schwindel oder Dehydrierung: Diese Symptome können als Folge des für die Darmvorbereitung verwendeten osmotischen Abführmittels auftreten.
  • Leichte Rötung oder Druckempfindlichkeit an der Einstichstelle der Infusion: Dies kann an der Stelle am Arm auftreten, an der der Infusionsschlauch gelegt wurde.
  • Nebenwirkungen von Medikamenten: Sedierung oder Anästhesie können vorübergehende Veränderungen des Blutdrucks, Hautausschlag oder Atembeschwerden verursachen.
  • Elektrolytstörungen oder Nierenprobleme: In einigen Fällen kann die Darmvorbereitung zu einem niedrigen Kalium-, Natrium- oder Magnesiumspiegel führen oder die Nierenfunktion beeinträchtigen.

Seltenere und schwerwiegendere Nebenwirkungen

Bestimmte Komplikationen stehen in direktem Zusammenhang mit dem Koloskopieverfahren selbst.
Blutungen: Nach einer Biopsie oder Polypenentfernung kann es zu Blutungen kommen, meist während oder kurz nach dem Eingriff, gelegentlich jedoch auch erst bis zu einer Woche später.
In der Regel handelt es sich um geringfügige Blutungen. Stärkere Blutungen sind selten und treten in weniger als 1 Prozent der Fälle auf. Das Risiko dafür steigt mit der Größe des entfernten Polypen.
Perforation: Eine Perforation, also ein Riss in der Darmwand, ist während der Koloskopie sehr selten (in weniger als einem von 1.000 Eingriffen) und kann dazu führen, dass Darminhalt in die Bauchhöhle austritt und möglicherweise eine Infektion verursacht.
Sie kann durch mechanische Verletzungen durch das Endoskop oder die Instrumente, eine übermäßige Dehnung des Darms oder thermische Schäden während der Polypenentfernung entstehen.
Zu den typischen Symptomen gehören Schmerzen während oder kurz nach dem Eingriff. Kleine Perforationen können auch erst später auftreten. Unbehandelte Fälle können zu Fieber und einer Bauchinfektion führen.
Postpolypektomie-Syndrom: Dies tritt auf, wenn die Wärme der Elektrokoagulation (die Entfernung von Gewebe mit elektrischem Strom) die Darmwand während der Polypenentfernung verletzt.
Es ist selten und tritt bei etwa drei bis vier von 10.000 Koloskopien auf. Zu den Symptomen können Fieber, lokalisierte Bauchschmerzen und eine erhöhte Anzahl weißer Blutkörperchen gehören.
Milzverletzung: Diese seltene, aber potenziell lebensbedrohliche Komplikation kann auftreten, wenn die Milz während des Eingriffs durch Zugkraft direkt verletzt oder gerissen wird.
Sie verursacht typischerweise Schmerzen im linken Oberbauch, die in die linke Schulter ausstrahlen können und zu niedrigem Blutdruck und Schock führen.
Infektionen: In seltenen Fällen kann sich nach einer Koloskopie eine Infektion entwickeln, die eine Behandlung mit Antibiotika erfordert.
Kardiopulmonale Ereignisse stehen im Zusammenhang mit der während der Koloskopie verwendeten Anästhesie oder Sedierung.
Sie können von vorübergehenden Problemen wie niedrigem Blutdruck, niedrigem Sauerstoffgehalt und Ohnmacht bis hin zu schwerwiegenderen Komplikationen reichen, darunter Atemnot, Herzrhythmusstörungen und akute koronare Ereignisse.
Laut Patienteninformationen und Leitlinien soll man sich an einen Arzt wenden, wenn:
  • Bauchschmerzen auftreten, die sich nach dem Ablassen von Gas nicht bessern,
  • sich neue oder sich verschlimmernde Bauchschmerzen entwickeln,
  • Übelkeit auftritt oder Flüssigkeiten nicht beibehalten werden können,
  • Blut im Stuhl bemerkt wird,
  • Fieber (38 °C oder höher) auftritt,
  • kein Stuhl oder Gas abgelassen werden kann.

Was kann man nach einer Koloskopie erwarten?

Die Erholung verläuft in der Regel schnell, und die meisten Menschen sind innerhalb von etwa einem Tag wieder fit. Nach dem Eingriff verbringt man 30 bis 50 Minuten zur Erholung in der Klinik, bis die Wirkung des Beruhigungsmittels nachlässt.
Zu Hause sollte man sich für den Rest des Tages ausruhen und auf das Autofahren, die Bedienung von Maschinen sowie den Alkoholkonsum verzichten.
In der Regel kann man wieder die normale Ernährung aufnehmen, doch in den ersten 24 Stunden verträgt man möglicherweise besser leichte, ballaststoffarme Kost, da es aufgrund der während des Eingriffs verwendeten Luft- beziehungsweise Gaszufuhr zu leichten Blähungen oder Krämpfen kommen kann.
Wenn Polypen entfernt wurden, wird in Absprache mit dem behandelnden Arzt möglicherweise eine spezifischere Diät empfohlen und der Verzicht auf bestimmte Medikamente wie Blutverdünner geraten.

Was sind die Alternativen zur Koloskopie?

Die Koloskopie ist nicht die einzige Option und vielleicht auch nicht die bevorzugte Methode vieler Patienten. Laut einer Studie aus dem Jahr 2025 bevorzugen rund 75 Prozent der für eine Vorsorgeuntersuchung infrage kommenden Erwachsenen eine Alternative zur Koloskopie – wie Stuhl- oder Bluttests.
Es stehen mehrere Alternativen zur Koloskopie zur Verfügung, die aufgrund ihrer geringeren Invasivität, der Präferenz der Patienten oder medizinischer Kontraindikationen oft bevorzugt werden, so Lee-Kong. Nichtinvasive Stuhltests sind eine wichtige Alternative und umfassen Folgendes:
Fäkaler immunochemischer Test (FIT): Dieser jährlich durchzuführende Test für zu Hause weist menschliches Blut in Stuhlproben nach und erfordert keine Ernährungseinschränkungen.
Wird Blut nachgewiesen, kann ein Wiederholungstest oder eine Folgekoloskopie erforderlich sein. Die Genauigkeit bei der Erkennung von Darmkrebs liegt laut Berichten bei 97 Prozent.
Multitargeted-Stuhl-DNA-Test plus FIT: Dieser Test kombiniert den FIT mit einer Stuhl-DNA-Analyse anhand einer einzigen Probe, um alle drei Jahre sowohl auf Blut als auch auf abnormale DNA zu prüfen. Dafür muss jedoch die der gesamte Stuhlgang entnommen werden. Er kann bis zu 93 Prozent der krebsartigen Läsionen erkennen.
Hochsensitiver Guajak-basierter Test auf okkultes Blut im Stuhl (gFOBT): Dieser nichtinvasive Screening-Test nutzt eine chemische Reaktion, um verstecktes Blut im Stuhl nachzuweisen, das auf Darmkrebs oder Polypen hinweisen kann.
Im Vergleich zu älteren gFOBTs erkennt er Krebserkrankungen effektiver, oft ist jedoch eine Diät erforderlich und es muss drei Tage vor dem Test auf Vitamin-C-Präparate verzichtet werden, um falsch-positive Ergebnisse zu reduzieren.
„Ein Ergebnis bei einem dieser Tests ist zwar praktisch, ein positives Ergebnis erfordert jedoch eine Folgekoloskopie“, sagte Lee-Kong. Eine Folgekoloskopie wird in der Regel innerhalb von neun Monaten empfohlen.
Andere visuelle und bildgebende Untersuchungen, die ebenfalls eine Darmvorbereitung erfordern, umfassen Folgendes:
Lee-Kong merkte an, dass diese Alternativen besonders für Personen mit durchschnittlichem Risiko geeignet sein können, die eine Koloskopie ablehnen, sowie für gebrechliche ältere Menschen oder andere, bei denen die Risiken die Vorteile überwiegen.
Flexible Sigmoidoskopie: Verwendet ein Endoskop, um nur das untere Drittel des Dickdarms zu untersuchen. Sie kann durchgeführt werden, während der Patient wach ist, und kann etwa 70 Prozent der Polypen oder Tumore erkennen, obwohl sie den oberen Dickdarm nicht untersucht.
Virtuelle Koloskopie (CT-Koloskopie): Bei diesem nicht-invasiven bildgebenden Verfahren wird ein CT-Scan durchgeführt, nachdem Luft beziehungsweise Gas in den Enddarm eingeleitet wurde. Es können die meisten größeren Tumore erkannt werden, kleinere Polypen werden jedoch möglicherweise übersehen, sodass eine anschließende Koloskopie zur Entfernung erforderlich ist.

 
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Colonoscopy: The Most Used Screening Test for Colon Cancer, Here Are the Benefits and Risks“. (deutsche Bearbeitung: vm)

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