{"id":6223,"date":"2026-05-26T17:51:43","date_gmt":"2026-05-26T16:51:43","guid":{"rendered":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/?p=6223"},"modified":"2026-05-26T17:51:43","modified_gmt":"2026-05-26T16:51:43","slug":"die-ara-der-late-night-show-der-letzte-witz-vor-mitternacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/2026\/05\/26\/die-ara-der-late-night-show-der-letzte-witz-vor-mitternacht\/","title":{"rendered":"Die \u00c4ra der Late-Night-Show: Der letzte Witz vor Mitternacht"},"content":{"rendered":"<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Es gibt Fernsehformate, die gr\u00f6\u00dfer waren als ihr Format. Die amerikanische Late-Night-Show geh\u00f6rte dazu. Sie war kein blo\u00dfes Unterhaltungsprogramm, keine zuf\u00e4llig sp\u00e4t platzierte Plauderei mit Band, Sofa, Prominenz und Witz. In ihrer klassischen Form war sie ein n\u00e4chtlicher Klebstoff. Sie verband das Private mit dem \u00d6ffentlichen, das Tagesgesch\u00e4ft mit der Pointe, die M\u00fcdigkeit mit einer letzten geistigen Bewegung, bevor das Licht ausging. Wer Late-Night sah, wollte nicht nur lachen. Er wollte sich mit dem Tag vers\u00f6hnen.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Die gro\u00dfe amerikanische Linie begann nicht mit Jay Leno, nicht mit David Letterman und auch nicht mit Stephen Colbert. Sie f\u00fchrt zur\u00fcck zu Steve Allen, Jack Paar und vor allem zu Johnny Carson.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">\u201eThe Tonight Show\u201c startete 1954. Carson pr\u00e4gte sie von 1962 bis 1992 und wurde damit zur ma\u00dfgeblichen Figur des Genres. Es gab rund sechs Hauptmoderatoren der \u201eTonight Show\u201c: Steve Allen, Jack Paar, Johnny Carson, Jay Leno, Conan O\u2019Brien und Jimmy Fallon. Carson war nicht nur Moderator. Er war der Haushofmeister der amerikanischen Nacht. Er \u00f6ffnete die T\u00fcr zum letzten Raum des Tages.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">In Deutschland bekam diese Form ihren eigent\u00fcmlichen Ableger mit Harald Schmidt. Nicht als Kopie, sondern als \u00dcbersetzung. Schmidt nahm die amerikanische Mechanik \u2013 Monolog, Schreibtisch, Band, Gast, Ironie und Timing \u2013 und setzte sie in den deutschen Sprach- und Bildungsraum.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Wo Carson verbindlich war, wurde Schmidt sch\u00e4rfer. Wo Leno massentauglich kalauerte, kultivierte Schmidt die gepflegte Arroganz des Fernsehstudios. Doch auch bei ihm blieb der Kern amerikanisch: Die Welt wurde noch einmal sortiert, bevor man sie f\u00fcr die Nacht ablegte.<\/div>\n<h2 class=\"heading-2 mb-3 pt-2 lg:pt-1 xl:pt-2.5\">Mitfiebern beim Late-Night-Krieg<\/h2>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Ich selbst war dieser Idee verfallen. In den 90er-Jahren, im fernen Deutschland, verfolgte ich den Late-Night-Krieg zwischen David Letterman und Jay Leno mit jener Ernsthaftigkeit, die nur der Fan f\u00fcr eine eigentlich nebens\u00e4chliche Sache aufbringt.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Letterman war der Mann der Brechung, der Ironie, der urbanen Spr\u00f6digkeit. Leno war der Mann des Publikums, des breiten Zugriffs, des handwerklich zuverl\u00e4ssigen Monologs. Es war mehr als eine Quotenrivalit\u00e4t. Es war eine Charakterfrage des Fernsehens.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Gerne h\u00e4tte Letterman die legend\u00e4re \u201eTonight Show\u201c \u00fcbernommen, doch Leno bekam sie. Letterman lief dann mit der \u201eLate Show with David Letterman\u201c auf gleichem Sendeplatz bei CBS. Letterman war cool. Leno,der Mann mit dem Kinn, war funny.<\/div>\n<h2 class=\"heading-2 mb-3 pt-2 lg:pt-1 xl:pt-2.5\">8. Oktober 1996 in Burbank, Kalifornien<\/h2>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Und dann sa\u00df ich dort. Nicht in der coolen Show, aber immerhin beim Funny Chin, in der originalen NBC-Show, die Carson gepr\u00e4gt hatte. Burbank, Kalifornien. 8. Oktober 1996, ein Dienstag.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Zwei Tage zuvor hatte ich in den Vereinigten Staaten zum ersten Mal geheiratet. Am 8. Oktober besuchte ich zum ersten Mal eine amerikanische Late-Night-Show. Beides lag erstaunlich nah beieinander: der Eintritt in eine private Lebensform und der Eintritt in einen Fernsehmythos.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Die Karte habe ich bis heute. Sie ist nicht nur ein Souvenir. Sie ist ein Beleg. Ein kleines St\u00fcck Karton aus einer Zeit, in der Fernsehen noch einen Ort hatte, einen Beginn, ein Studio, einen Applausmann, eine Uhrzeit und eine Erwartung. In der Ausgabe: Schauspielerin Ellen DeGeneres als Talkgast und S\u00e4nger Luther Vandross als musikalischer Gast.<\/div>\n<div class=\"paragraph mb-5 pt-2.5 text-center xl:mb-[15px]\"><div class=\"inline-block text-start\"><div class=\"group relative cursor-pointer\">\n<div class=\"\"><figure><img alt=\"\" loading=\"lazy\" width=\"700\" height=\"394\" data-nimg=\"1\" class=\"size-image_700_x wp-image-5501137 mb-[5px] transition-opacity duration-150\" style=\"color:transparent\" src=\"https:\/\/\/epochtimesde\/news\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2026\/05\/IMG_0466_langemann-700x394.e64ee11c001bf85d158272c0ce7f6153.webp\"><figcaption class=\"cursor-auto\"><p class=\"text-p-5\"><\/p>\n<div class=\"mt-[5px]\"><p class=\"text-caption min-w-36 italic\">Foto: Markus Langemann<\/p><\/div><\/figcaption><\/figure><\/div>\n<div class=\"absolute right-1 top-1 m-2 rounded bg-black p-1 text-white opacity-50 transition-opacity duration-150 group-hover:opacity-80\"><\/div>\n<\/div><\/div><\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Wer nie bei einer solchen Aufzeichnung war, untersch\u00e4tzt leicht die Tageszeit. Late-Night wird sp\u00e4t ausgestrahlt, aber nicht zwingend sp\u00e4t gemacht. Man sitzt am sp\u00e4ten Nachmittag im Studio und spielt Nacht. Drau\u00dfen ist Kalifornien noch hell, innen wird die amerikanische Fernsehmitternacht hergestellt.<\/div>\n<h2 class=\"heading-2 mb-3 pt-2 lg:pt-1 xl:pt-2.5\">Eine Fabrik der Leichtigkeit<\/h2>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Das Publikum wird gew\u00e4rmt, eingetaktet, konditioniert. Lachen ist erw\u00fcnscht, Applaus wird kanalisiert, Spontaneit\u00e4t professionell vorbereitet. Es ist eine Fabrik der Leichtigkeit. Und doch liegt darin kein Betrug. Fernsehen war immer schon die Kunst, eine Wirklichkeit so glaubw\u00fcrdig herzustellen, dass sie sp\u00e4ter in Millionen Wohnzimmern wie Gegenwart erscheint.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">An diesem 8. Oktober 1996 hatte die Produktion einen Schatten. Die Schauspielerin Lucy Lawless, damals durch die Fantasy-TV-Serie \u201eXena\u201c weltbekannt, war an diesem Tag bei einem Sketch-Dreh im Vorfeld der Aufzeichnung vom Pferd gest\u00fcrzt. Leno kam vor Aufzeichnungsbeginn kurz auf die B\u00fchne und erkl\u00e4rte.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Gast Ellen DeGeneres war damals selbst in einer \u00dcbergangszeit. Ihr gro\u00dfes \u00f6ffentliches Coming-out in der \u201ePuppy Episode\u201c ihrer Sitcom \u201eEllen\u201c folgte erst am 30. April 1997. Im Oktober 1996 war sie noch auf jener Schwelle, auf der amerikanische Popkultur h\u00e4ufig steht: Man sp\u00fcrt, dass etwas gesellschaftlich in Bewegung ist, aber die offizielle Geste ist noch nicht vollzogen. Luther Vandross wiederum stand f\u00fcr eine andere, weichere, musikalisch souver\u00e4ne Fernsehwelt. Sein Album \u201eYour Secret Love\u201c war gerade am 1. Oktober 1996 erschienen, eine Woche vor jener Sendung.<\/div>\n<h2 class=\"heading-2 mb-3 pt-2 lg:pt-1 xl:pt-2.5\">Die Welt zug\u00e4nglicher machen<\/h2>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Auch der Tag selbst war historisch dicht. Am Vortag, dem 7. Oktober 1996, ging der \u201eFox News Channel\u201c erstmals auf Sendung. Am 8. Oktober 1996 unterzog sich Papst Johannes Paul II. einer Blinddarmoperation. Am selben Tag machte Jassir Arafat seinen ersten \u00f6ffentlichen Besuch in Israel und traf Pr\u00e4sident Ezer Weizman in Caesarea. Zwei Tage zuvor hatte die erste TV-Debatte zwischen Bill Clinton und Bob Dole stattgefunden.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Ich sa\u00df also nicht nur in einer Show. Mein Leben nahm eine neue Wendung und ich erlebte eine Woche, in der Politik, Religion, Nahost, Mediengeschichte und Popkultur dicht nebeneinanderlagen. Late-Night war genau daf\u00fcr gebaut: Sie nahm das Un\u00fcbersichtliche des Tages und verwandelte es in eine Abfolge, die ertr\u00e4glich wurde.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Das war die gro\u00dfe Leistung dieses Genres. Es machte die Welt nicht unbedingt kl\u00fcger, aber zug\u00e4nglicher. Es nahm der Nachricht die Starre. Der Monolog war die demokratische Nadel, mit der der Ballon der Wichtigkeit angestochen wurde. Pr\u00e4sidenten, Gouverneure, Schauspieler, Skandale, Umfragen, Sport, Moden und Pannen \u2013 alles wanderte durch dieselbe M\u00fchle.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Am Ende stand nicht Wahrheit im philosophischen Sinn, sondern ein gemeinsamer Moment. Man hatte \u00fcber dasselbe gelacht. Das war weniger, als Journalismus leisten sollte, aber mehr, als Unterhaltung \u00fcblicherweise vermag.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Gerade deshalb war Johnny Carson das ikonische Modell. Carson war nicht der Lauteste, nicht der Verletzendste, nicht der Politischste. Er war der gro\u00dfe Temperaturregler. In einer Medienwelt mit wenigen Kan\u00e4len konnte er eine fast nationale Abendroutine schaffen. Seine letzte \u201eTonight Show\u201c wurde nach 30 Jahren Laufzeit am 22. Mai 1992 ausgestrahlt und \u00fcber 50 Millionen Zuschauer schalteten ein.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Dass solche Zahlen und diese kulturelle Geschlossenheit heute kaum noch vorstellbar sind, sagt weniger \u00fcber Carson aus als \u00fcber unsere Gegenwart. Er war ein Gatekeeper in einer Gatekeeper-\u00d6konomie. Heute ist jeder Host nur noch ein Knoten in einem endlosen, nerv\u00f6sen Distributionsnetz.<\/div>\n<h2 class=\"heading-2 mb-3 pt-2 lg:pt-1 xl:pt-2.5\">Stephen Colbert: Ein Beben in der Branche<\/h2>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Mit Stephen Colberts Abschied in der vergangenen Woche ist nun ein weiterer Schnitt erfolgt. CBS hatte bereits im Juli 2025 angek\u00fcndigt, \u201eThe Late Show with Stephen Colbert\u201c im Mai 2026 zu beenden, und die Entscheidung als finanziell begr\u00fcndet dargestellt. Schluss mit dem legend\u00e4ren Format \u00fcberhaupt.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Ein Beben in der Branche. \u201eReuters\u201c berichtete, CBS habe erkl\u00e4rt, die Entscheidung stehe nicht mit Colberts Leistung, den Inhalten der Sendung oder Vorg\u00e4ngen bei Paramount in Verbindung. Die letzte Ausgabe lief am 21. Mai 2026; ein Finale mit Paul McCartney. Der \u201eGuardian\u201c meldete 6,74 Millionen Zuschauer f\u00fcr die letzte Show.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Die Colbert-Causa ist deshalb interessant, weil sie zwei Wahrheiten zugleich zeigt. Die eine Wahrheit ist wirtschaftlich:<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Das klassische Late-Night-Modell steht unter massivem Druck. \u201eReuters\u201c berichtete im Juli 2025 von stark gesunkenen Werbeerl\u00f6sen, sinkenden Durchschnittszuschauerzahlen und erheblichen Verlusten des Formats.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Die andere Wahrheit ist politisch-kulturell: Colbert war einer der sch\u00e4rfsten satirischen Kritiker von US-Pr\u00e4sident Donald Trump. Dass sein Ende in eine Phase von Paramount-, Skydance- und Trump-Debatten fiel, machte die Entscheidung zwangsl\u00e4ufig verd\u00e4chtig.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Bewiesen ist eine politische Steuerung damit nicht. Aber der Verdacht wurde \u00f6ffentlich breit diskutiert. Seri\u00f6s bleibt nur diese Trennung: Die wirtschaftliche Begr\u00fcndung ist plausibel, der politische Beigeschmack ist real, aber nicht abschlie\u00dfend belegt.<\/div>\n<h2 class=\"heading-2 mb-3 pt-2 lg:pt-1 xl:pt-2.5\">Die \u00f6konomische Heimat verloren<\/h2>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Das Ende der Late-Night-\u00c4ra bedeutet nicht, dass keine Witze mehr gemacht werden. Es bedeutet, dass der Ort verschwunden ist, an dem diese Witze eine gemeinsame Uhrzeit hatten.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Der Zuschauer wartet nicht mehr um 23:35 Uhr auf den Monolog. Er sieht morgens drei Clips auf YouTube, einen Ausschnitt auf X, eine Reaktion auf TikTok, vielleicht sp\u00e4ter den Podcast.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Marktforschungen belegen, dass Late-Night-Broadcast-Shows seit Anfang 2025 zusammen mehr als 17 Milliarden Views auf Social-Video-Plattformen erreicht h\u00e4tten. Das Genre ist also nicht wirkungslos geworden. Es hat nur seine \u00f6konomische Heimat verloren.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">F\u00fcr die TV-Generation ist das mehr als eine Branchenmeldung. Es ist ein biografischer Einschnitt. Wer mit linearem Fernsehen aufwuchs, lebte in Programmordnungen.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Nachrichten kamen zu bestimmten Zeiten, Shows hatten feste Pl\u00e4tze, ein Sender war nicht nur eine App, sondern eine Adresse. Late-Night war der letzte Raum in diesem Haus. Man konnte dort den Tag abgeben. Man konnte sich von einem Mann hinter einem Schreibtisch erkl\u00e4ren lassen, dass die Welt zwar verr\u00fcckt sei, aber immerhin noch Pointe und Rhythmus besitze.<\/div>\n<h2 class=\"heading-2 mb-3 pt-2 lg:pt-1 xl:pt-2.5\">Die Ordnung\u00a0zersplittert<\/h2>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Heute ist diese Ordnung zersplittert. Der Witz kommt schneller, h\u00e4rter, segmentierter. Er ist zielgruppengenauer, aber selten verbindender. Die klassische Late-Night setzte voraus, dass es noch eine halbwegs gemeinsame \u00d6ffentlichkeit gab. Genau diese Voraussetzung ist besch\u00e4digt. Was fr\u00fcher ein nationales Lagerfeuer war, ist heute ein Set aus Milieuformaten. Colbert f\u00fcr die einen, Gutfeld f\u00fcr die anderen, Oliver f\u00fcr ein weiteres Segment, Podcasts f\u00fcr jene, die dem Fernsehen ohnehin entwachsen sind. Der Monolog lebt, aber die Nation sitzt nicht mehr gemeinsam davor.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Neil Postmans \u201eWir am\u00fcsieren uns zu Tode\u201c war keine kulturpessimistische Laune, sondern eine Diagnose \u00fcber die Verwandlung \u00f6ffentlicher Vernunft in eine fernsehtaugliche Darbietung. Postman schrieb nicht gegen Humor. Er schrieb gegen die Dominanz einer Form, in der alles zur Unterhaltung werden muss, sogar das Ernste. Die bittere Pointe unserer Gegenwart besteht darin, dass nicht einmal mehr diese alte Unterhaltungsordnung stabil ist. Wir stehen vor einem intellektuellen Scherbenhaufen, aber nicht, weil Late-Night allein daran schuld w\u00e4re. Eher war Late-Night eines der letzten Rituale, das den Zerfall noch charmant \u00fcberdeckte.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Vielleicht war das ihre sch\u00f6nste und zugleich gef\u00e4hrlichste Funktion: Sie vers\u00f6hnte uns mit dem Tag. Sie machte das Unertr\u00e4gliche leichter. Sie gab dem politischen Unsinn eine Pointe, dem Prominentenbetrieb ein Sofa, der Katastrophe eine \u00dcberleitung zur Band. Man konnte das als zivilisierende Kunst betrachten. Man konnte es auch als Sedierung lesen. Beides stimmt. Carson beruhigte. Letterman irritierte. Leno massierte. Schmidt sezierte. Colbert moralisierte. Jeder tat es auf seine Weise, aber alle arbeiteten an derselben Maschine: dem n\u00e4chtlichen Umbau von Wirklichkeit in konsumierbare Form.<\/div>\n<h2 class=\"heading-2 mb-3 pt-2 lg:pt-1 xl:pt-2.5\">Das Verschwinden einer gemeinsamen Abendkultur<\/h2>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Wenn ich heute auf die Karte vom 8. Oktober 1996 blicke, sehe ich deshalb nicht nur einen Studiobesuch. Ich sehe eine Medienwelt, die noch an sich selbst glaubte. Sie glaubte an Sendepl\u00e4tze, an Monologe, an G\u00e4ste, an Musiknummern, an den Applaus aus dem Off, an die Macht des gro\u00dfen Networks. Und ich sehe einen jungen Mann, frisch verheiratet, in Kalifornien, der in Burbank sitzt und glaubt, in einer Maschine der Zukunft Platz genommen zu haben. In Wahrheit sa\u00df er vielleicht schon in einer Hochphase, die bald Vergangenheit werden sollte.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Das ist die eigentliche Melancholie. Nicht, dass Stephen Colbert nicht mehr um 23:35 Uhr auf CBS erscheint, er hat mich sowieso nie erreicht. Nicht, dass Jay Lenos Burbank-Welt Geschichte ist. Nicht einmal, dass Johnny Carson nicht wiederholbar ist. Sondern dass eine ganze Form gemeinsamer Abendkultur verschwunden ist. Die Late-Night-Show war nie nur Nachtfernsehen. Sie war ein Vertrag: Wir schauen noch einmal gemeinsam auf diesen Tag, wir lachen \u00fcber seine Zumutungen, wir tun f\u00fcr eine Stunde so, als lie\u00dfe sich alles ordnen.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Dieser Vertrag ist gek\u00fcndigt. Nicht feierlich, nicht abrupt, sondern schleichend: durch Plattformen, Fragmentierung, Werbeverschiebung, politische Milieus und Aufmerksamkeits\u00f6konomie.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Am Ende bleibt die Karte. Ein kleines Dokument aus Burbank. Dienstag, 8. Oktober 1996. Jay Leno. Ellen DeGeneres. Luther Vandross. Ein Unfall im Hintergrund. Eine Ehe zwei Tage zuvor. Und eine Fernsehform, die damals noch nicht ahnte, dass sie eines Tages selbst zum Gegenstand des Nachrufs werden w\u00fcrde. Ich h\u00e4tte das nie gedacht.<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":6224,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[134,7259],"tags":[3871,3872,3873,3874,2540,3875,3876,3877,3878,3879,3880,3881,3882,3883,3884,3885,3886,3887,3888,2657,3889],"news-destination":[],"news-source":[7],"ta_other":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6223"}],"collection":[{"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6223"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6223\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16033,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6223\/revisions\/16033"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6224"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6223"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6223"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6223"},{"taxonomy":"news-destination","embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/news-destination?post=6223"},{"taxonomy":"news-source","embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/news-source?post=6223"},{"taxonomy":"ta_other","embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/ta_other?post=6223"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}