{"id":54053,"date":"2026-09-29T10:37:15","date_gmt":"2026-09-29T09:37:15","guid":{"rendered":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/?p=54053"},"modified":"2026-09-29T10:37:15","modified_gmt":"2026-09-29T09:37:15","slug":"ddr-wochenkrippen-das-kollektiv-stand-uber-dem-individuum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/2026\/09\/29\/ddr-wochenkrippen-das-kollektiv-stand-uber-dem-individuum\/","title":{"rendered":"DDR-Wochenkrippen: \u201eDas Kollektiv stand \u00fcber dem Individuum\u201c"},"content":{"rendered":"<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">In der DDR wurden Millionen Kinder kurz nach der Geburt in Krippen zur Tagesbetreuung gegeben. In sogenannten Wochenkrippen und -heimen waren Kleinkinder von Montag bis Freitag untergebracht, um den M\u00fcttern eine Berufst\u00e4tigkeit im sozialistischen Staat zu erm\u00f6glichen. Epoch Times sprach mit dem Bestsellerautor und Journalisten Alexander Teske, der selbst in einer solchen Einrichtung untergebracht war, \u00fcber sein neues Buch \u201eDie Wochenkinder: Fr\u00fche Trennung, sp\u00e4te Folgen\u201d.<\/div>\n<div class=\"mb-5\">\n<iframe loading=\"lazy\" class=\"optanon-category-C0004 embed-responsive-item\" src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/9DnINz1ATVI?feature=oembed\" height=\"281\" width=\"100%\"><\/iframe><div class=\"gdpr-info-box js-data-gdpr-not-available-placeholder\"><div class=\"my-4 p-3\" style=\"background-color:#f0a8a8\">\n<p style=\"font-size:18px;line-height:29px\">An dieser Stelle wird ein Video von Youtube angezeigt. 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Mit dem Buch wollte ich ihnen eine Stimme geben.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Ich m\u00f6chte, dass sich die Menschen mit den Lebensgeschichten auseinandersetzen. Therapeuten sollen davon erfahren, denn viele Betroffene waren zum Beispiel 20 Jahre in Therapie, ohne dass das Thema je angesprochen wurde, weil der Therapeut es nicht kannte. Ich m\u00f6chte auch erreichen, dass Gelder f\u00fcr die Forschung in diesem Bereich bereitgestellt werden. Das gibt es eben auch nur, wenn ein Thema gesellschaftlich relevant ist. Au\u00dferdem wollte ich, dass das Thema in den Medien breit diskutiert wird, damit das Verst\u00e4ndnis f\u00fcreinander w\u00e4chst \u2013 auch zwischen Ost und West. Denn es gibt noch sehr viel Unverst\u00e4ndnis f\u00fcreinander.<\/div>\n<div class=\"heading-4\"><div class=\"related-container heading-4\"><div class=\"offset-md-1-8 none-padding related-articles\">\n<div class=\"label\"><h6 class=\"heading-6\">Mehr dazu<\/h6><\/div>\n<ul class=\"mu-related\"><li class=\"related-article mb-2 flex items-center justify-between\">\n<div class=\"title\"><a target=\"_blank\" rel=\"noopener\" href=\"https:\/\/www.epochtimes.de\/?p=5617805\"><h4 class=\"heading-4\">Fremdbetreut &#8211; ein Auszug aus dem Buch \u201eDie Wochenkinder\u201c<\/h4><\/a><\/div>\n<div class=\"mr-2.5 self-start\"><div><div class=\"no-print ml-[15px] cursor-pointer text-black\/[.75]\"><div class=\"add-to-list\"><\/div><\/div><\/div><\/div>\n<div class=\"card-img\"><a target=\"_blank\" rel=\"noopener\" href=\"https:\/\/www.epochtimes.de\/?p=5617805\"><div class=\"\"><figure><img alt=\"Fremdbetreut - ein Auszug aus dem Buch \u201eDie Wochenkinder\u201c\" loading=\"lazy\" width=\"90\" height=\"60\" data-nimg=\"1\" style=\"color:transparent\" src=\"https:\/\/\/epochtimesde\/news\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2026\/09\/Wochenkinder_Teske-420x280.e9c49edde847e698fb423bf2cf54d2de.webp\" class=\"wp-image-54061\" srcset=\"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2026\/09\/Wochenkinder_Teske-420x280.e9c49edde847e698fb423bf2cf54d2de.webp 420w, https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2026\/09\/Wochenkinder_Teske-420x280.e9c49edde847e698fb423bf2cf54d2de-300x200.webp 300w\" sizes=\"(max-width: 90px) 100vw, 90px\" \/><\/figure><\/div><\/a><\/div>\n<\/li><\/ul>\n<\/div><\/div><\/div>\n<div class=\"mb-5\"><h5><strong>Studien zeigten fr\u00fch die Nachteile. Warum hielten die Entscheidungstr\u00e4ger trotzdem am System fest?<br><\/strong><\/h5><\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Es gab damals recht schnell Studien zum Zustand der Kinder in Wochenkrippen. Sie zeigten, dass Kinder dort nicht gut aufgehoben waren. Im Vergleich zu Tageskrippen und noch mehr im Vergleich zu Kindern, die zu Hause aufwuchsen, entwickelten sie sich motorisch und verbal schlechter. Zudem waren die Kinder viel h\u00e4ufiger krank.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Ich erkl\u00e4re mir das zum einen mit einer wirtschaftlichen Notwendigkeit. Die sowjetisch besetzte Zone, sp\u00e4ter DDR, war viel st\u00e4rker von Reparationen betroffen als die Westzonen. Millionen gut ausgebildeter Menschen wanderten daraufhin nach Westdeutschland aus \u2013 bis zum Mauerbau. Die DDR wollte das \u00f6konomisch auffangen, indem sie die Arbeitskraft der Frauen nutzte. Dies wurde als Gleichberechtigung dargestellt. In Wirklichkeit mussten sich die Frauen zus\u00e4tzlich um die Hausarbeit und die Kindererziehung k\u00fcmmern und besetzten trotzdem keine Entscheiderpositionen. Schlie\u00dflich arbeiteten 90 Prozent der Frauen in der DDR.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Daher mussten Betreuungspl\u00e4tze geschaffen werden. Anfangs schaffte es die DDR jedoch nicht, allen einen Tageskrippenplatz anzubieten. Wochenkrippen sollten dies ausgleichen und dienten der Kinderbetreuung f\u00fcr Schichtarbeiterinnen, aber auch f\u00fcr die privilegierte F\u00fchrungsschicht aus Partei- und Staatsfunktion\u00e4ren sowie f\u00fcr Kulturschaffende. Sie sollten sich auf den Aufbau des Sozialismus konzentrieren k\u00f6nnen, ohne sich um die Kindererziehung k\u00fcmmern zu m\u00fcssen.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Es gab auch sehr kritische Stimmen innerhalb der DDR. So schlugen DDR-Forscherinnen Alarm. Sie wurden jedoch mundtot gemacht. Ihre Studien verschwanden in der Schublade und ihnen wurde mit einem Karriereende gedroht. Dann f\u00fcgten sie sich.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Zum anderen gab es nat\u00fcrlich auch ideologische Gr\u00fcnde. Das kann man bei Karl Marx und den Vordenkern des Sozialismus nachlesen. Die Familie galt als b\u00fcrgerliche Keimzelle, die es zu \u00fcberwinden und zu zerschlagen galt. Eine M\u00f6glichkeit, dies zu erreichen, war, die Kinder in Institutionen zu geben, sie dort fremdbetreuen zu lassen und auch ideologisch zu beeinflussen. Das begann in der Wochenkrippe und setzte sich in Sportinternaten bis hin zu perfiden Einrichtungen wie dem Jugendwerkhof fort.<\/div>\n<div class=\"heading-4\"><div class=\"related-container heading-4\"><div class=\"offset-md-1-8 none-padding related-articles\">\n<div class=\"label\"><h6 class=\"heading-6\">Mehr dazu<\/h6><\/div>\n<ul class=\"mu-related\"><li class=\"related-article mb-2 flex items-center justify-between\">\n<div class=\"title\"><a target=\"_blank\" rel=\"noopener\" href=\"https:\/\/www.epochtimes.de\/gesellschaft\/kindheitsforscher-michael-hueter-alarmiert-das-groesste-gesundheitsrisiko-des-menschen-ist-die-schule-a2975124.html\"><h4 class=\"heading-4\">Kindheitsforscher Michael H\u00fcter alarmiert: Das gr\u00f6\u00dfte Gesundheitsrisiko des Menschen ist die Schule<\/h4><\/a><\/div>\n<div class=\"mr-2.5 self-start\"><div><div class=\"no-print ml-[15px] cursor-pointer text-black\/[.75]\"><div class=\"add-to-list\"><\/div><\/div><\/div><\/div>\n<div class=\"card-img\"><a target=\"_blank\" rel=\"noopener\" href=\"https:\/\/www.epochtimes.de\/gesellschaft\/kindheitsforscher-michael-hueter-alarmiert-das-groesste-gesundheitsrisiko-des-menschen-ist-die-schule-a2975124.html\"><div class=\"\"><figure><img alt=\"Kindheitsforscher Michael H\u00fcter alarmiert: Das gr\u00f6\u00dfte Gesundheitsrisiko des Menschen ist die Schule\" loading=\"lazy\" width=\"90\" height=\"60\" data-nimg=\"1\" style=\"color:transparent\" src=\"https:\/\/\/epochtimesde\/news\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2026\/09\/iStock-179058244-420x280.f332a24e8b61115e3d77693f66fe75ce.webp\" class=\"wp-image-54062\" srcset=\"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2026\/09\/iStock-179058244-420x280.f332a24e8b61115e3d77693f66fe75ce.webp 420w, https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2026\/09\/iStock-179058244-420x280.f332a24e8b61115e3d77693f66fe75ce-300x200.webp 300w\" sizes=\"(max-width: 90px) 100vw, 90px\" \/><\/figure><\/div><\/a><\/div>\n<\/li><\/ul>\n<\/div><\/div><\/div>\n<div class=\"mb-5\"><h5><strong>Wie muss man sich einen typischen Tagesablauf in einer Wochenkrippe vorstellen?<\/strong><\/h5><\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Es gab strenge Pl\u00e4ne des Gesundheitsministeriums, sp\u00e4ter dann des Bildungsministeriums. Die Pl\u00e4ne wurden sklavisch eingehalten. Um 6 Uhr wurden die Kinder geweckt, um 06:20 Uhr gef\u00fcttert und um 06:40 Uhr gewickelt. Danach ging es in das Laufgitter. Den Erzieherinnen blieb nur wenig Zeit, um sich um die Kinder zu k\u00fcmmern, eine individuelle Betreuung war nicht m\u00f6glich. Zun\u00e4chst k\u00fcmmerte man sich um die Kinder, die am lautesten waren.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Es war praktisch Akkordarbeit. Wenn ein Kind in die Hose machte, musste es warten, bis wieder Wickelzeit war. Wenn es Hunger hatte, musste es warten, bis es etwas zu essen gab. Und umgekehrt: Wenn ein Kind noch keinen Hunger hatte, musste es trotzdem essen.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Offiziell war der Betreuungsschl\u00fcssel eins zu vier, also vier S\u00e4uglinge auf eine Betreuerin. Aus den Akten wissen wir jedoch, dass dieser Betreuungsschl\u00fcssel h\u00e4ufig nicht eingehalten werden konnte. Die Einrichtungen waren \u00fcberbelegt, da es zu wenige Pl\u00e4tze und zu viele Kinder gab. Auf dem Papier sollte jedes Kind nur eine Bezugsperson haben, doch 90 Prozent der Kinder hatten st\u00e4ndig wechselnde Bezugspersonen.<\/div>\n<div class=\"paragraph mb-5 pt-2.5 text-center xl:mb-[15px]\"><div class=\"inline-block text-start\"><div class=\"group relative cursor-pointer\">\n<div class=\"\"><figure><img alt=\"\" loading=\"lazy\" width=\"640\" height=\"415\" data-nimg=\"1\" class=\"size-full wp-image-5620121 mb-[5px] transition-opacity duration-150\" style=\"color:transparent\" src=\"https:\/\/\/epochtimesde\/news\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2026\/09\/1951-12-01_1003-5206_BVG-Archiv_Kinderwochenheim-Rummelsburg.d761faa3a8b74b676538f406a86c0954.webp\"><figcaption class=\"cursor-auto\"><p class=\"text-p-5\">In den DDR-Wochenkrippen herrschte ein strenger Ablauf. Eine individuelle Betreuung gab es nicht.<\/p>\n<div class=\"mt-[5px]\"><p class=\"text-caption min-w-36 italic\">Foto: BVG Archiv<\/p><\/div><\/figcaption><\/figure><\/div>\n<div class=\"absolute right-1 top-1 m-2 rounded bg-black p-1 text-white opacity-50 transition-opacity duration-150 group-hover:opacity-80\"><\/div>\n<\/div><\/div><\/div>\n<div class=\"mb-5\"><h5><strong>Welche konkreten Nachwirkungen zeigen sich bei den Betroffenen aufgrund der Zeit in der Wochenkrippe?<\/strong><\/h5><\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Dazu gibt es nur eine einzige <a href=\"https:\/\/www.springermedizin.de\/pflege\/psychiatrie-und-psychosomatik\/bindung-und-seelische-gesundheit-von-ehemaligen-wochenkrippenkin\/26065114\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Studie<\/a> der Universit\u00e4t Rostock. Diese hat ergeben, dass 92 Prozent der Betroffenen mindestens eine psychische Diagnose im Laufe ihres Lebens hatten \u2013 also etwa doppelt so viele wie in der Normalbev\u00f6lkerung.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Ehemalige Wochenkinder geh\u00f6ren \u00fcberproportional oft zu den Menschen mit unsicherer Bindung. Sie haben doppelt so h\u00e4ufig Probleme, langfristige, gesunde Beziehungen zu f\u00fchren. Einige von ihnen haben vier oder mehr psychische Diagnosen im Laufe ihres Lebens, darunter schwere Depressionen, posttraumatische Belastungsst\u00f6rungen und Angstst\u00f6rungen.\u00a0Vieles blieb jedoch im Dunkeln. Denn an dieser Studie haben nur Betroffene teilgenommen, die sich freiwillig gemeldet haben.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Viele Betroffene haben ein sehr normales Leben gef\u00fchrt und waren durchaus leistungsbereit. Deshalb h\u00f6rt man oft den Spruch: \u201eAus euch ist ja was geworden, es hat euch nicht geschadet.\u201c Doch nach 50 oder 60 Lebensjahren holt die eigene Biografie diese Menschen dann ein und die damaligen Erlebnisse besch\u00e4ftigen sie stark. Dann versuchen sie, mit ihren Eltern, soweit das noch m\u00f6glich ist, dar\u00fcber ins Gespr\u00e4ch zu kommen, und sie fragen sich auch: Was habe ich m\u00f6glicherweise an meine eigenen Kinder weitergegeben?<\/div>\n<div class=\"mb-5\"><h5><strong>Sowohl im Nationalsozialismus als auch im Sozialismus wurde das Kind prim\u00e4r als k\u00fcnftiges Werkzeug des Staates und nicht als eigenst\u00e4ndiges Subjekt betrachtet. Sehen Sie dadurch Nachwirkungen in unserer Gesellschaft?<\/strong><\/h5><\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an die T\u00f6pfchendebatte von Herrn Pfeiffer. Der Kriminologe Christian Pfeiffer hatte in den 1990er-Jahren behauptet, im Osten seien viele rechtsradikal, weil sie alle zur gleichen Zeit kollektiv aufs T\u00f6pfchen h\u00e4tten gehen m\u00fcssen. Das war nat\u00fcrlich stark verk\u00fcrzt und hat viel kaputtgemacht, weil es in dieser Einfachheit schlichtweg falsch ist. Aber ein K\u00f6rnchen Wahrheit ist nat\u00fcrlich dran, denn das Aufwachsen in einer Diktatur hat uns gepr\u00e4gt und ist nicht spurlos an uns vor\u00fcbergegangen.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Darum gibt es im Osten starke Abwehrreflexe gegen Kritik und Aufarbeitung. Dann hei\u00dft es schnell: \u201eJetzt willst du die DDR wieder schlechtmachen.\u201c Das ist \u00fcberhaupt nicht mein Anliegen. Wir sollten einfach dar\u00fcber sprechen und das Verst\u00e4ndnis f\u00fcreinander erh\u00f6hen.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Im Westen gibt es ein gro\u00dfes Unverst\u00e4ndnis, wenn man in den Osten schaut, beispielsweise \u00fcber die aktuellen Wahlergebnisse. Das hat nat\u00fcrlich auch damit zu tun, dass wir nicht in einer Demokratie aufgewachsen sind. Das Familienbild war ein anderes, die Kirchen hatten weniger Einfluss und vieles mehr. Ein Mosaiksteinchen ist dabei auch die Kinderbetreuung und das dabei vermittelte Bild. Die DDR wollte Menschen, die funktionieren. Das Kollektiv stand \u00fcber dem Individuum. Das blieb nat\u00fcrlich nicht ohne Folgen.<\/div>\n<div class=\"mb-5\"><h5><strong>Wie erkl\u00e4ren Sie sich den unterschiedlichen Blick auf die Wochenkrippen bei Menschen mit Ostbiografie?\u00a0<\/strong><\/h5><\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Das h\u00e4ngt nat\u00fcrlich immer damit zusammen, wie sehr man sich mit seiner Vergangenheit auseinandergesetzt hat. Habe ich Therapieerfahrung? Wie sehr bin ich bereit, mein Leben aufzuarbeiten? Ich war ja auch bei prominenten Wochenkindern, zum Beispiel bei dem Schauspieler Jan Josef Liefers. Er nennt es, in die \u201eDreckecken seiner Seele\u201c zu schauen.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Oder bin ich eher der Typ \u201eVerdr\u00e4ngung\u201c? Ich m\u00f6chte auch niemandem ein Trauma einreden. Das gleiche Erlebnis pr\u00e4gt Kinder unterschiedlich. Manche hatten wenigstens am Wochenende ein liebevolles Umfeld zu Hause, andere nicht. Letztere waren in der Krippe vielleicht sogar besser aufgehoben. F\u00fcr die meisten Kinder w\u00e4re es aber nat\u00fcrlich besser gewesen, wenn sie zu Hause aufgewachsen w\u00e4ren.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Die Abwehrreflexe h\u00e4ngen vermutlich damit zusammen, wie nah ich dem SED-System gestanden habe, ob ich beispielsweise selbst Erzieherin war und jetzt meine Lebensleistung angegriffen sehe. Auch M\u00fctter von damals f\u00fchlen sich nat\u00fcrlich angegriffen. Wenn ich mein Kind fr\u00fch in die Krippe gegeben habe, neige ich nat\u00fcrlich dazu, zu sagen: \u201eEs ging nicht anders, das war normal, das haben alle gemacht.\u201c<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Denn es ist sehr schmerzhaft, sich Fehler einzugestehen. Ich w\u00fcnsche allen, dass sie dar\u00fcber ins Gespr\u00e4ch kommen k\u00f6nnen, ohne sich gegenseitig Vorw\u00fcrfe zu machen. Leider ist es so, dass man bestimmte Dinge nicht wiedergutmachen kann. Das Verh\u00e4ltnis zwischen Eltern und Kindern ist h\u00e4ufig zerbrochen. Es fehlt das liebevolle, herzliche Verh\u00e4ltnis.<\/div>\n<div class=\"mb-5\"><h5><strong>Gibt es nach dem Prozess der Aufarbeitung und Auseinandersetzung etwas Wertvolles, f\u00fcr das Sie dankbar sind?<\/strong><\/h5><\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Es gibt den bekannten Spruch: \u201eWas dich nicht umbringt, macht dich stark.\u201c Tats\u00e4chlich kann das Aufwachsen in einer Diktatur einen nat\u00fcrlich auch sehr stark und sehr resilient machen. Es hat mich dazu angeregt, \u00fcber verschiedene Dinge intensiv nachzudenken und nat\u00fcrlich dankbar zu sein f\u00fcr das, was funktioniert. Ich bin sehr dankbar, dass es mir trotz allem gelungen ist, ein relativ gl\u00fcckliches Leben zu f\u00fchren. Und ich w\u00fcnsche allen Betroffenen, dass ihnen das auch gelingt.<\/div>\n<div class=\"mb-5\"><h5><strong>Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch!<\/strong><\/h5><\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\"><em>Das Interview f\u00fchrte Erik Rusch.<\/em><\/div>\n<div class=\"paragraph mb-5 pt-2.5 text-center xl:mb-[15px]\"><div class=\"inline-block text-start\"><div class=\"group relative cursor-pointer\">\n<div class=\"\"><figure><img alt=\"\" loading=\"lazy\" width=\"700\" height=\"467\" data-nimg=\"1\" class=\"size-image_700_x wp-image-5619995 mb-[5px] transition-opacity duration-150\" style=\"color:transparent\" src=\"https:\/\/\/epochtimesde\/news\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2026\/09\/Wochenkinder_Teske-700x467.f371655f8719abbd567f58bcdfe79167.webp\"><figcaption class=\"cursor-auto\"><p class=\"text-p-5\"><\/p>\n<div class=\"mt-[5px]\"><p class=\"text-caption min-w-36 italic\">Foto: Langen M\u00fcller Verlag, Canva; Montage: Epoch Times<\/p><\/div><\/figcaption><\/figure><\/div>\n<div class=\"absolute right-1 top-1 m-2 rounded bg-black p-1 text-white opacity-50 transition-opacity duration-150 group-hover:opacity-80\"><\/div>\n<\/div><\/div><\/div>\n<div class=\"mb-5\"><h5><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Die-Wochenkinder-Fr%C3%BChe-Trennung-Folgen\/dp\/378443777X\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>\u201eDie Wochenkinder: Fr\u00fche Trennung, sp\u00e4te Folgen\u201c<\/strong><\/a><\/h5><\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Alexander Teske<br>Langen M\u00fcller Verlag<br>21. September 2026<br>Paperback<br>272 Seiten<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":54054,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[7737,134,7198],"tags":[16436,12287,16437,16438,1218,16439,7741,4474,2820,1225,16440,502,2682,8092,16441,16442,5947,733,16443,6790,7075,5313,16444,16445],"news-destination":[],"news-source":[7],"ta_other":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/54053"}],"collection":[{"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=54053"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/54053\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":54065,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/54053\/revisions\/54065"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/54054"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=54053"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=54053"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=54053"},{"taxonomy":"news-destination","embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/news-destination?post=54053"},{"taxonomy":"news-source","embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/news-source?post=54053"},{"taxonomy":"ta_other","embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/ta_other?post=54053"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}